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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 904 Vrstrrrrichychr VvchrnptzrM Nr. 47 den Richterstand und die politische Beamtenschaft vorgebracht werden, erheben sich die Minister wohl zur Abwehr solcher Angriffe, aber diese Abwehr erjolgt mü stumpfen Waffen und mir sanften Worten, weil aus der Ministerbank offenbar das Beoürsniß vorherrscht, jeden Conflict mit drn professionellen Scandalmachern zu vermeiden. Das Hausirgesetz, das Ratengesetz, das Gesetz über die Ausverkäufe sind ResultatedieserElnj chüchlerung. Das ganze Haus ist überzeugt, daß das Gesetz über die Ausverkäufe seinen Zweck verfehle; hat ja sogar ein hervorragendes Mitglied der liberalen Partei, der Abgeordnete S u eß, den Ausspruch gethan, dieses Gesetz sollte in Musik gesetzt und im Postbüchel veröffentlicht werden, Und trotzdem ^werden diese legislatorischen Entwürfe Gesetz, weil Niemand die Kraft und den Muly hat, sich den Einwirkungen des von den antisemitischen Jakobinern lerrorisirten öffentlichen Geistes zu entziehen. Die antisemitische Schreckensherrschaft triumphirt fast überall — nur im Parlamente hat sie sich mit bescheidenen Erfolgen begnügen müssen. Aber auch das soll anders werden! Das Jakobinerthmn beginnt auch hier schon die Praxis der Einschüchterung. Scandal folgt auf Scandal, die Machtmittel des Präsidenten werden verhöhnt und mißachtet und dieser selbst persönlich attakirt. Seit Langem hat das österreichische Abgeordnetenhaus keinen so energischen Präsidenten gehabt als den Freiherrn v. C h l u m e c k y. Diese Energie soll gebrochen werden und systematisch sucht man sein Ansehen zu untergraben. Der Präsident wird verhöhnt, beschimpft, verspottet, seine Ordnungsrufe werden mißachtet. In der Sitzung vom 17. d. M. zieh Herr Lueger den Freiherrn v. Chlumecky der parteiischen Handhabung der Geschäftsordnung. „Wenn wir die Wahrheit sagen", rief er ihm zu, „rufen Sie uns zur Ordnung. Sie müssenunparteiisch sein, merken Sie sich das, Herr Präsident". In der Sitzung vom 19. d. M. entgegnete er auf eine Unterbrechung des Präsidenten „er werde sich das Recht, von den Juden zu sprechen, vom Präsidenten nicht nehmen lassen". Aus eine abermalige Unterbrechung drohte er direct mit einem Scandal: „W enn ich so hitzig wäre, wieder Herr Präsident, würde es jetzt eine Scene geben, von der Sie b is jetzt noch kein B eispie l gehabt haben". Und als am Schluffe ein abermaliger Ordnungsruf gegen Dr. Lueger erfolgte, rief Herr Schneider höhnisch zur Tribüne hinauf: „Der Herr Präsident scheint jüdisches Blut in den Adern zu haben". Dieser letzte Ausruf fehlt im stenographischen Protokolle und wir bedauern seine Eliminirung, weil er ein Zeugniß bildet für die absichtliche und systematisch betriebene Discreditirung des Präsidenten. Der Jakobinismus greift im Parlament zu denselben Mitteln der Einschüchterung, durch die er die Majorität des.Gemeinderathes unter das Joch seiner Schreckensherrschaft gezwungen hat. Ob ihm dies auch im Abgeordnetenhause gelingen wird? Die Kenntniß der menschlichen Natur und die bisherigen Erfahrungen laffen es schier befürchten. Die Brutalität erfordert eine gleich energische, gleich rücksichtslose Abwehr, allein zu einer solchen vermögen sich weder die Parteien noch die einzelnen Mitglieder des Hauses auszuschwingen. Dem Einzigen, der sich vor einem ungeschminkten Ausdruck der Ueberzeugung nicht scheut und den Herren vom Berge ins Gesicht zu leuchten pflegte, dem Abgeordneten Bloch, find durch seinen Club die Hände gebunden. Dazu kommt noch, daß die Antisemiten im Lager der Coalition selbst zahlreiche Bundesgenoffen haben. Die Morsey und Eben hoch reiben sich vergnügt die Hände, so oft die Herren Lueger, Schneider und Sch eich er einen Scandal gegen das Präsidium und gegen die Coalition insceniren. Wenn die Dinge so weiter gehen, wird die Schreckensherrschaft der antisemitischen Jakobiner im Abgeordnetenhause ebenso fest begründet sein, wie im Wiener Gemeinderathe. Mögen Diejenigen, die noch Sinn und Empfindung für die Ehre des österreichischen Parlaments haben, sich bei Zeiten die Folgen eines solchen Zustandes klar machen! Dem Eedächtnitz eines Menschenfreundes. Am 23. November 1844 (13..Kislev 5605) starb Hermann Todesco. Er war im Jahre 1792 zu Preßburg geboren. Wir wollen die fünfzigste Wiederkehr seines Todestages nicht vorübergehen lassen ohne seinem gesegneten Andenken einige Worte zu widmen. Er war eine groß angelegte, edle Natur, ein Wohlthäter der Menschen, wie sie — selbst im Judenthume — zu den seltensten Erscheinungen zahlen. Sein Lebenslauf bietet eine Fülle anregender Momente. Nicht von heut' auf morgen wurde er, was er war. Klugheit und Güte hießen die Grundzüge seines Wesens, und ist auch ein halbes Jahrhundert seit seinem Hinscheiden verflossen — so lebt er durch seine edlen Werke, durch seine humanitären Großthaten unter uns fort. Sie verbürgen ihm die schönste Unsterblichkeit! Sein Leib ist längst vermodert, aber seine milde Hand trocknet noch bis auf diese Stunde ungezählte Thränen, erhebt die Gedrückten und befreit die in der grausamen Noth Schmachtenden. Einem Feldherrn ist er zu vergleichen, aber die Schlachten die er schlug, waren Siege der Menschlichkeit und Mildthätigkeit. „L’organisateur de la victoire“ nannten die Franzosen einen ihrer Generäle. Den Organisator der Wohlthätigkeit möchten wir Hermann Todesco nennen, der stets zweckmäßig, weise und wohlerwogen spendete. Seinen fünfzigsten Todestag feiern in ehrfürchtigen und weihevollem Gedenken Tausende mit, und wenn alle Waisen, an denen er Vaterstelle vertreten, für ihn zugleich Kadisch sagen würden, die Räume des salomonischen Tempels wären zu klein, sie zu fassen.... Todesco wurde für den Handelsstand erzogen. Mit einem kleinen Seiden- und Garngeschäfte fing er an. Durch Umsicht und rastlosen Fleiß brachte er es rasch zur erfreulichsten Blüthe. Nach und nach ging er zu größeren industricllen Unternehmungen über, wie Webereien und Spinnereien. Zu M ar i ent h al bei Himberg errichtete er eine Baumwollspinnerei, welche zu ihrerZeit als eine Musterfabrik, die auf der Höhe der Situation stand, allgemein bewundert wurde. Er reiste oft in's Ausland und seinem scharf blickenden Auge entging auch der kleinste Fortschritt nicht. Emsig war er bemüht, alle Errungenschaften und Verbesserungen der Neuzeit in die Heimat zu verpflanzen. Rastlos war sein Bestreben nach Verbesserung und Vervollkommnung. — Eine feindliche Invasion! Man braucht Tausende von Wolldecken für die Armee — Todesco stellt sie im Moment zur Verfügung.— Die Cholera wüthet furchtbar unter der Bevölkerung, verheerend, decimirend. Alle Verhältnisse lösen sich — jedoch in seiner Fabrik wird freudig und rüstig fortgearbeitet, ein sicheres Zeichen für den Arbeiterschutz und das fabriksherrliche Wohlwollen, dessen man sich unter solcher Oberleitung zu erfreuen hatte. Diese Thatsache spricht für sich und sagt mehr als die wortreichsten Lobesergüsse. 1635 war es, wo er das Staatsgut Legnaro bei Padua erwarb. Maulbeerbäume wurden angepstanzt, deren Anzahl bis auf 30.000 anwuchs. 6000 Pfund un'gesponncne Seide wurde producirt. Der Wohlstand der Umwohner dieser Filandes-Domäne hob sich zusehends. Wurz buch, dessen Angaben wir im Wesentlichen folgen, bedauert, nicht alle Spenden Todesco's angeben zu können, sondern nur die wichtigsten und bedeutendsten, die allgemeine Aufmerksamkeit erregten. 1843 kaufte er für die Primär- und Kinderbewahrschule seiner Heimat Preßburg ein Haus um 25.000 st. C.-M. und schenkte es der Gemeinde. Der Eröffnungsfeier am 7. Mai 1844 wohnte Erzherzogin M ar i a D o rot he a, die Gemahlin des Reichspalatins Josef, bei. Die Festrede hielt damals kein Geringerer als der große I. N. Mannheimer. Sie liegt gedruckt vor und ist ziemlich selten geworden. Doch in der Bibliothek der Wiener Israelitischen Cultusgemeinde wird ein Exemplar bewahrt, in welches wir Einsicht nahmen. Der begeisterte Prediger sprach: „. . , . Unter den EdlenJsraels wirdsein Name genannt werden, und beispäteren Geschlechtern in segenreichem Angedenken sein!"

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