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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 902 Vepervelchtschr Wochenschrtft Nr. 46 amerikanischen Verhältnisse nicht blos vom Hörensagen — man fühlt das sofork — sondern aus eigenster Anschauung und Erfahrung. Diese Partien sind auch die glänzendsten der Geschichte, die mit wohlthuender Wärme geschrieben ist. Heinrich ist keine Caricatur, sondern wahr, lebendig, ohne jede Uebertreibung gezeichnet. Wenn ein Held unser Interesse ei-regen soll, darf er nicht ganz unsympathisch sein. Dies ist hier festgehalten. Der Antisemit ist hier nur ein Mensch, welcher in einem unseligen Jrrthum befangen scheint, in den ihn seine Umgebung bestärkt und festhält. Auch verketten sich die Umstände oft derart, daß er nicht mehr heraus kann, wenn er auch redlich wollte. Der Dichter hat sogar den Muth, einen unsympathischen, schwindelhaften Juden zu bringen und uns zu zeigen: Dennoch hat der Antisemitismus unrecht. Das ist der Muth der Wahrheit, der jeden redlich Denkenden, wo immer er ihm auch begegne, sympathisch berühren muß. — Die beiden kleineren Novellchen sind fein abgestimmt und tief empfundene Meisterstückchen eines prächtigen Erzählertalentes. „Arccolo's Synagoge" ist wohl noch den meisten der Leser dieser Blätter in angenehmer Erinnerung. Aber der „barmherzige Bruder" steht ihm nicht im Geringsten nach. H. f)ovfs Buch verdient als anregende, spannende Lecture, welche auch höheren literarischen Forderungen gerecht wird, einen zahlreichen Leserkreis. t. „Zsidö törtenetek, rajzok es elbeszelösek.“ Von Samuel Haber (Budapest 1894, Verlag von L amp e l Robert, F. Modi a n e r und Söhne.) Das Büchlein ist eine Sammlung jüdischer Geschichten, Skizzen und Erzählungen, welche in dem hiesigen ausgezeichnet redigirten, jüdisch-confessionellen Wochenblatte „Lg^eutösLg" erschienen sind. Der Verfasser ist der erste jüdische SchriftsteUer, der in ungarischer Sprache nach den Genre von Leopold KomPerl und S. Kahn das jüdische Familien- und Sillenleben schildert. Wir begrüßen in unserem Autor ein sehr bedeutendes und originelles erzählendes Talent, dessen Schilderungen sehr feine Beobachtungsgabe und lebensvolle Getreuheit widerspiegeln. Es würde sich der Mühe lohnen, das Büchlein auch in deutscher Sprache erscheinen zu lassen. Bemerken müssen wir jedoch, daß die Uebersetzung außergewöhnliche sprachliche Versirtheit des Uebersetzers in beiden Sprachen erfordert, weil Herr Haber das Ungarische mit seltener Urwüchsigkeit und großer Virtuosität handhabt. Auf die Reproduction des Inhaltes einzelner Stücke oder auf die Besprechung derselben müssen wir leider wegen des uns zu Gebote stehenden beschränkten Raumes verzichten, vr. J. 8. Geschichte der Entwicklung der Kabbala und der jüdischen Religionsphilosophie. Kurz zusammengefaßt von Dr. Philipp Bloch. Verlag Siegmund Mayer in Trier 1894. Mit Freuden dürfen wir diese neue Erscheinung aus dem Gebiete der modernen Kabbala-Literatur begrüßen. Der Verfasser dieser uns vorliegenden Monographie, ein um die jüdische Wissenschaft hochverdieuter Gelehrter, verstand es, durch seine klare leichtfahliche Darstellnngsweise des behandelten Stoffes und durch die kurzgedrängte und doch sehr gewissenhafte Zusammenstellung der wichtigsten Kabbalawerke von der Zeit ihrer Entstehung bis zur Zeit ihres Erlöschens selbst den gebildete» Laien für diesen nicht genug gewürdigten jüdischen Literaturzweig zu intereisiren. In der kurzgedrängten Uebersicht über die Hauptpunkte der kabbalistischen Lehre, die der Verfasser dem Leser bietet theilt er noch die Anschauung Landau's, Frank's, Jellinek's und Joel's, daß nämlich die zehn Sephiroth nach Auffassung des Sohar und der nachfolgenden berühmten Kabbalisten Mittelwesen seien, durch welche der Kabbalist das Problem: wie aus Unendlichem Endliches hervorgehen kann, zu lösen suche. Die Mittelwesen seien durch Emanation als freier Willensact des Unendlichen ins Dasein getreten. Bei einer gründlichen Durchlesung des Sohar und auch des Buches der Schöpfung ergibt es sich jedoch mit einer gewissen unleugbaren Consequenz, daß der Verfasser des Sohar beiweitem nicht der Ansicht war, als habe man die zehn Sephiroth sich derart vorzustellcn, daß sie von der Einheit Gottes wesentlich gesondert betrachtet werden müssen. Es ist hier u cht der Ort, auf sämmtliche Soharstellen hinzuweisen, aus denen evident hervorgehl, daß man sich die zehn Sephiroth nicht als attributive, sondern vielmehr als substantielle Wesenheiten der Unendlichkeit und Alleinheit zu denken habe. Jedoch können wir es uns nicht versagen, hier wenigstens auf eine diesbezügliche Stelle aus dem Sohar. die geradem eine Kraftstelle ist, (Sohar III B. pericope achre moth p. 70a ed Amstardam 1800) hinzuweisen. D.e Uebersetzung der I. Mischnah des Buches der Schöpfung, die der Verfasser uns liefert, zeichnet sich von der Frank-Jellinek'schen sehr vortheilhast aus, da sie mehr dein hebräischen Texte angepaßt ist, ohne jedoch gegen die deutsche Sprache zu verstoßen. Die Wahl der wenigen Soharpartien, die uns der Verfasser in schönem Deutsch als Lecture bietet, darf eine glückliche genannt werden; Papier, Druck und sonstige Ausstattung sind sehr schön und verdient diese Monographie sowohl der Form als auch dem Inhalte nach Eigenthum eines jeden modern gebildeten Rabbiners zu werden. Virovitica (Slavonicn). D r. H. E. Kauf m a n li Kreisrabbuier. Briefkasten. Markus Roth, Hunfalu: Abounementsbetrag bis 30. April 1695 erhalten. — Der 3. Juli 1877 war der 22 Tamns 5637. Herrn Dr. Ed. D.: Es ist eben eine alte und täglich wieder neue Erfahrung, daß eine noch so schlechte Regierung als eine gute erscheint, wenn ihr eine noch schlechtere folgt. Ja, selbst wenn die folgende nur eben so schlecht ist, wird sie härter gefunden werden, als die vergangene, denn das vergangene Böse hat in der allgemeinen Meinung vor dem gegenwärtig Bösen immer ndch den Vortheil voraus, das es eben — vergangen ist. Herrn Rudolf Eichhorn: „Wir klatschen Bravo", so schrieb der Züricher „Socialdemokrat" im September 1888, zu einem Artikel der antisemitisch verseuchten „Kreuz-Zeitung", in welchem dieselbe aufforderte, den Erwerb des mobilen und immobilen Capitales, „Die Güter der allzulebendigen Hand", zu beschränken. Der „Socialdemokrat" meinte nun — ob mit Unrecht oder Recht sei jedem Leser zu beuitheilen überlassen — „Was für die reichen Juden billig sei, sei auch für die reichen Christen gerechtfertigt." Herrn David A.: Würden Sie in Hessen leben, so würden Sie wohl des Ausdruckes wegen: „Sie sind ein Vergani" wegen Ehrenbeleidigung zur Verantwortung gezogen werden. Wenigstens hat seinerzeit die Marburger Strafkammer entschieden, daß die Äeußerung: „Sie sind ein Böckel" als Beschimpfung aufzufassen sei. Her n Adolf Weinstein: Eine Parallele hiezu. „Als die Perser die Städte(der Ionier) in ihrer Gewalt hatten, lasen sie die wohlgebildetsten Knaben aus und verschnitten sie, und die schönsten der Jungfrauen schleppten sie zum König fort, und wie sie dies thaten, so brannten sie auch die Städte sammt den Heiligthümern ab". — So Herodot über die culkurell am weitesten vorgeschrittenen Perser. Herrn Dr. Kohn: Nun, Schlosser ist hierüber anderer Meinung. Nach ihm verdanken gerade die Phönicier ihr Aufblühen zunächst der Regierung Salomons, der überhaupt auf den ganzen westasiatischen Handel durch seine Prachtliebe ungemein fördernd wirkte. P. Zöllner in B.: Eine Abhandlung über böse Geister und Gespenster im Nahmen einer Briefkasten-Notiz zu bieten, ist unmöglich. M. in Floridsdrrf: Das wäre ein schönes Capitel über das arisch- - christliche Familienleben. Der Herr Bürgermeister und Landtagsabgeordnete verheiratete seine Tochter an eineil Mann, der ein Mädchen verführte, mit derselben 5 Kinder hatte und sie dann fortjagte. Dessen ältestes Kind, ein Mädchen von 15 Jahren, also die Tochter des jetzigen Schwiegersohnes des Herrn Landtagsabgeordneten, ist vor 3 Monate von einem Knaben entbunden worden. Der Vater dieses Kindes ist nicht minder ein verheirateter Mann. Das ist arische Sittlichkeit._ In beschränkten Wohnungen ist die Unterbringung der Betten eine der größten Sorgen unserer Hausfrauen. Viele Mittel sind erdacht worden, um die verschiedenartigsten Möbel wie Sofa, Stühle, Schränke rc. des Nachts in Betten umzuwandeln, aber wir müssen gestehen, in der Vollendung, wie wir die neue praktische Construction der rühmlichst bekannten Firma: R. I a e kel'sPatent-Möbel-Fabrik, Wien, II. Taborstraße 22 kürzlich bewundern konnten, sahen wir bisher noch nichts. Das Patent-Bett-Sofa „Unikum", der Patent-Bett-Stuhl „Komet", Bettschränke, Chaiselongue-Betten werden mit einem Griff in ein höchst bequemes Bett verwandelt und ist die Ausführung so solid und dabei elegant, daß die niedrigen Preise Sofabetten schon von 10 fl. aufwärts erstaunlich sind. Dieselbe Firma erzeugt auch reizende Neuheiten in massiv eisernen B e t t st e l l e n für Erwachsene und Kinder, sowie Kinderstühle, Kinderpnlte sür jedes Alter stellbar, Streckfauteuils neuesten Systems zu sehr mäßigen Preisen. Wir empfehlen daher unseren Lesern, sich für den bevorstehenden Umzug die reich illustrirte Preisliste der sehr leistungsfähigen Firma kommen zu lassen._ Anglo Oesterreichische Brmk^ In Gemäßheit des von der dreißigsten ordentlichen Generalversammlung der Actionäre der Anglo- Oesterreichischen Bank gefaßten, seither von der hohen Staatsregierung genehmigten Beschlusses werden die Herren Actionäre der Anglo- Oesterreichischen Bank eingeladen, die in ihrem Besitze besindlichen, mit je 120 fl. eingezahlten Jnterimsscheine gegen definitive, mit je 120 st. oder 240 Kronen volleingezahlte Actien nmzutauschen. Die Ausfolgung der definitiven Actien erfolgt vom 8. November d. I. ab bei der Liquidatur der Anglo-Oesterreichischen Bank in Wien (I., Strauchgasse I) während der gewöhnlichen Geschäftsstundcn. Anmeldungen zum Umtausche können auch bei der Anglo-Austrian Bank in London und bei den Filialen der Anglo-Oesterreichischen Bank in Budapest, Brünn, Prag und Triest vorgenommen werden in der Art, daß die umzutauschenden Jnterimsscheine bei diesen Etablissements eingereicht und durch dieselben nach Wien gesendet werden, worauf die definitiven Actien nach Einlangen derselben an den Anmeldungsorten den Parteien ausgefolgt werden._ Ein Sefer Thora zu verkaufen. Anfragen und Offerten Ab. Haas, Privatier in Leipnlk. Verantwort!. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck sc Sohn, Wien, VIII., Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3288.)

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