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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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:;sw*esfcirr.* aaras^*» Nr. 46 Oestrrrrichifttzr Wochenschrift Fabriks- und Realitätenbesitzerin Frau Betty L a s ch, welche sich besonders als Gründerin des Vereines für israelitische Feriencolonien in Prag ein unvergängliches Andenken in unserer Gemeinde gesichert hat. Nunmehr haben die im Gerste der edlen Todten fortwirkenden Kinder ihrer Mutter ein sinniges Denkmal durch Veröffentlichung jener weihevollen Trauerreden gewidmet, welche bei dem am 20. Mai stattgefundenen Leichenbegängnisse die Herren Rabbiner Dr. Ehrenfeld, Dr. Tauber, Dr. Kisch und Dr. Ka minka gehalten und in welchen die Verdienste dieser seltenen Frau in erhebender Weise geschildert wurden. Das mit dem Bildnisse der Dcchingeschiedenen geschmückte Gedenkblatt ist den Freunden derselben gewidmet und wird von Allen als Zeugniß rührender kindlicher Pietät gewiß in Ehren gehalten werden. Strakonitz. Frl. Helene F r e y in Strakonitz hat sich mit Herrn Vladislav Fuchs in Strakonitz verlobt. Prag, 6. November 1894. Wie überall hat auch hier die vortreffliche und schlagende Rede des Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch die Aufmerksamkeit aller Glaubensgenossen auf sich gezogen und das Gefühl der wärmsten Dankbarkeit für diesen wackeren Vertheidiger unserer Interessen von Neuem belebt. Sehr auffallend hat man es hier gefunden, daß das hiesige officielle „Prager Abendblatt", welches stets sehr ausführliche Berichte über die Reichsrathssitzungen bringt, in seinem heutigen Referate die Rede des Abgeordneten Dr. Bloch mit vollständigem Stillschweigen übergeht. Es ist dies ein trauriges Kennzeichen für die Gesinnung gewisser maßgebender Kreise hier. Groh-Kanizsa. Am 11. d. M. fand im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Fräuleins Jda K a r t schmor o f f, Tochter unserer allverehrten und rühmlichst bekannten Ober-Cantors Herrn Leon Kartschmaroff, mit Herrn Adolf Z e r n e r aus Wien statt. Dem festlichen Acte wohnte der gestimmte Cultusvorstand, mit Herrn Guttmann de G e l s e an der Spitze, ferner ein zahlreiches, den besten Kreisen angehöriges Publicum bei, welches das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen füllte. Herr Ober-Cantor K a r t s chm a r o f f ließ es sich nicht nehmen, an dem Ehrentage seiner Tochter persönlich zu functioniren. Ober-Rabbiner Dr. Neumann wies in seiner warm empfundenen Traurede auf die großen Verdienste hin, welche sich der Brautvater um die würdige Gestaltung und Pflege des Gottesdienstes in Groß- Kanizsa durch eine lange Reihe von Jahren erworben und rühmte die strenge Rechtschaffenheit und Charakterfestigkeit, welche der Familie unseres Ober-Cantors die rückhaltlosen Sympathien aller Mitglieder der Gemeinde zugewendet hat. Bei dem Festmahle sprach Ober-Rabbiner Dr. Ne u m a n n einen humorvollen Toast auf das junge Paar. Die Cultusgemeinde hat ihrer dankbaren Anerkennung für die Wirksamkeit des Ober-Cantors durch die Widmung eines prachtvollen Hochzeitsgeschenkes Ausdruck gegeben. Strzelizko. Durch die Cholera wurde unser Städtchen in Contumaz erklärt, dies bewirkte eine wirkliche Hungersnoth, denn von jeder Verbindung abgeschnitten, können wir nicht einmal für Geld Lebensmittel erhalten. Donnerstag den 8. d. M. kam ein Bote aus unserer Umgegend nach Lemberg und schilderte dem Rabbinat unsere entsetzliche Nothlage. Noch in der Nacht kaufte Herr Rabbiner Dr. Caro sieben Säcke mit Brod, nahm einen Mann und schickte ihn mit der Ladung zu uns, wodurch wir wenigstens wieder für einige Tage mit Brod versehen waren. Gott lohne es dem edlen Wohlthäter, der durch seine schnelle That Vieler Leben erhalten hat. Wie lange noch unsere traurige Abgeschlossenheit dauern wird, wiffen wir nicht. — L. Gewitsch, 11. November. Herr Hermann Weiß, Lederhändler hier, hat der hiesigen deutschen Volksschule einen Geldbetrag zur Anschaffung von Lehrmitteln gespendet, wofür ihm hiermit öffentlich gedankt wird. E. B. Brünn. (Verlobung). Die Tochter des spanischen Consuls und Großindustriellen Herrn Hermann Spitz, Fräulein Ernestine Spitz, hat sich mit Herrn Gustav Feith, Lederfabriksbesitzer in Böhmisch-S k a l i tz, verlobt. Zürich, 5. November 1894. Wir erlauben uns Ihnen anzuzeigen, daß wir am 3. d. M. unsere vierte Generalversammlung abhielten, womit wir in das vierte Semester unserer Thätigkeit eintreten. Auf der Tagesordnung war eine Eröffnungsrede des Präsidenten L. G a st e r und ein Vortrag wissenschaftlichen Inhaltes, gehalten von Herrn M. A. Sette 899 B e s s o über „Grundzüge der neuesten Entwicklung der Mechanik". Der ganze Abend war sehr gelungen und wir zeigen Ihnen mit Freuden an, daß wir fast jede Woche einen Vortrag in unseren Verein zu hören bekommen werden. Es hat sich eine große Zahl von Vortragenden gemeldet. Bei den neu stattgefundenen Wahlen für das nächste IV. Semester wurde Herr G a st e r Leon in Anbetracht feiner geleisteten Dienste zum vierten Male zum Präsidenten, Herr König D. zum Bicepräsidenten, Frl. E. B a ck zum Zeitungsverwalter, Herr I. Klein zum Schriftführer und Herr S. Zoller zum Cassier gewählt. Die Zahl der Mitglieder ist jetzt auf 27 gestiegen und hoffen wir, daß noch mehrere Mitglieder kommen werden. Feuilleton. Der Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. K oh u, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. „Wir haben in der That keine andere Wahl, mein süßes Herz," erwiderte Towije, „versuche es, auf dem Rasen zu schlummern, wenn nicht Hunger und Sorge den Schlaf von Deinen Wimpern scheuchen. Ich will an Deiner und unserer Kinder Seite wachen, um Euren Schlummer zu beschützen." Das Mädchen am Arm der Mutter erwachte und rieb sich die Aeuglein, dann blickte es scheu im Halbdunkel der Nacht umher, endlich öffnete es sein Purpurmündchen und sprach: „Mütterchen .... mich hungert!" Diese Worte, auf welche die Eltern übrigens gefaßt sein mußten, übten eine furchtbare Wirkung auf die Eltern des kleinen, zarten, anmuthigen Wesens aus. Towije Kohen, so hieß der Mann mit seinem vollen Namen, zuckte, wie von dem Strome einer starken galvanischen Batterie getroffen zusammen, vor gewaltigem Vaterschmerz verzerrten sich seine Züge, während die junge Frau unwillkürlich den kleinen Handkorb am Arme öffnete und den voraussichtlich erfolglosen Versuch machte, in diesem noch etwas Genießbares zu finden. „Wir hätten mit dem Brode doch etwas sparsamer umgehen sollen!" murmelte sie im Tone leisen Borwurfs, „freilich," fügte sie entschuldigend hinzu, „wir haben uns auch heute morgens nur mit einem kleinen Stücke begnügt, und wir mußten uns ja, bevor wir den weiten Weg antraten, nach bester Möglichkeit stärken!" „Und wir hofften," ergänzte Towije Kohen, „auf unserem Wege in irgend einem Dorfe, wo etwa noch einige muthige Bewohner zurückgeblieben, etwas Genießbares, etwa einen Schluck Bier oder einen Bissen Brod zu erhalten. — aber um eine Begegnung mit marodirenden, zuchtlosen Soldaten zu vermeiden, schlugen wir Nebenwege ein; — wir sind zu entschuldigen "Mütterchen, ich bin hungrig, gib mir etwas zu effen," wiederholte das kleine Mädchen, „ich bitte Dich recht schön, ich werde brav und gehorsam sein!" und dabei faltete es demüthig die kleinen, zarten Hände. Towije Kohen mußte sich abwenden, er blickte zum gestirnten Himmel empor und murmelte: „Aw horachamim!" *) Der sechsjährige Elije stellte sich aber vor sein Schwesterchen und sprach, während er ihre blaffen Wänglein streichelte: „Aber Hendel, wer wird denn auch immer effen wollen! . . . Viel essen ist gar nicht schön und auch gar nicht gesund . . . Wir haben ja erst heute morgens Jeder ein hübsches Stückchen Brod bekommen — mach's so wie ich, Du liebes Schwesterlein, ich bin auch tüchtig hungrig, aber ich verlange nichts zu effen — weißt Du auch warum?" fuhr der herrliche Knabe mit einem Kinderhumor fort, der unter den obwaltenden Umständen bewundernswürdig erschien, „weil ich weiß, daß Vater und Mutter selbst nichts haben, sonst möchten sie uns gewiß etwas geben, ohne daß wir's zu fordern brauchten .... und warte, liebe Hendel, wenn wir in Prag sein werden, da bekommen wir so viel zu effen, als wir nur wollen und gute Sachen — nicht wahr, Väterchen?" *) Barmherziger Vater.

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