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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 898 Vrsterretchtschr rpochenschrtfl Rr. 46 antisemitische Literatur von Tag zu Tag anwächst und die Antisemiten den Talmud zur Zielscheibe ihrer Angriffe ausersehen haben, indem sie behaupten, daß der Talmud verwerfliche Lehren enthalte, hat Frau Remy, welche sich bereits einen großen Ruf durch ihre bekannten Werke erworben hat, beschlossen, ihn mit eigenen Augen zu untersuchen. Sie wollte kein Urtheil aus Uebersetzungen des Talmuds schöpfen, sondern mit einer Energie, die große Bewunderung verdient, lernte sie in kurzer Zeit die Talmudsprache im Urtexte lesen. Sie fand in selbem auf allen Gebieten schöne, edle und humane Borschriften; besonders hob sie hervor, daß der Frau im Talmud großer Werth zuerkannt wird. In früheren Zeiten hatte die Frau ihren Wirkungskreis in der KÄche; die Frau der heutigen Zeit nimmt einen höheren Platz ein, sie ist dem Manne gleichgestellt. Diese Gleichstellung der Frauen finden wir bereits in dem alten Talmud und es war dies nicht nur eine Pflicht, sondern eine geheiligte Tradition. Die Frau wurde allzeit bei den Juden geachtet und geehrt. Einer der Erzväter der Juden diente 2,nal 7 Jahre einer Frau wegen. Die Germanen und Griechen sollen solches lächerlich gefunden haben. Im Vergleiche mit der germanischen Frau, welche Tacitus als Musterbild der Frauen aufstellte, war selbe doch nichts anderes als eine Sclavin des Mannes, während die jüdische Frau dem Manne ebenbürtig ist. Der Talmud legt einen großen Werth der Ehe bei, denn die Talmudisten lehren, nur derjenige ist ein Mensch in der wahren Bedeutung des Wortes, der verehelicht ist. Der Hohepriester mußte beweibt sein, wenn er am Bersöhnungstage seine Functionen auszuüben hatte. Der Bortrag der gefeierten Rednerin wurde mit stürmischem Beifalle ausgenommen. Was zur Elite von Amsterdam gehörte, drängte sich in die Kirche, um die berühmte Frau sprechen zu hören. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Hagenholtz, nahm sodann das Wort, um im Namen der Zuhörer Frau Remy den Dank für ihren Bortrag auszudrücken. Er sagte, wir drücken unsere Sympathie aus für den Streit, den Sie mit den Antisemiten ausgenommen haben, so auch für den Streit für die jüdische Sittlichkeit und Häuslichkeit. Hier in Amsterdam sind die Juden nicht zurückgesetzt, es nehmen vielmehr die Israeliten einen hervorragenden Platz in Kunst, Wissenschaft und Handel ein. Wir Christen dürfen nicht vergessen, daß Jesus selbst Jude war. M. Weiß. VenniMtes. Wien. (Oesterreichisch-JsraelitischeUnion.) Plenarversammlung Samstag, den 17. November 1894. Abends ya8Uhr, im RestaurantKhun er,I. Schottenring 19. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bortrag des Herrn Reichsraths-Abgeordneten Dr. Max M e n g e r: „Ueber die Steuerreform." 3. Anträge und Interpellationen. Damen willkommen, Wien. (Trauungen.) Die Trauung des Fräuleins Adele S t ö r k, Tochter des Professors Karl Stork, mit Herrn Siegfried Landesberger findet Sonntag den 16. d. M.. 12V, Uhr Nachmittags, im Tempel, I., Seitenstettengasse. statt. — Der Hof- und Gerichtsadvocat und Rechtsanwalt der Wiener freiwilligen Rettungsgesellschaft Dr. Immanuel B r ü ch hat sich mit Fräulein Flora Gaerber aus Wien verlobt. Am 18. November 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel der Leopoldstadt die Trauung von Fräulein Hermine Straßberger mit Herrn I a q u e s Sachs und des Fräulein Jeanette Schreiber mit Herrn Gyula Frei statt. Am 10. d. M. findet die Trauung des Frl. Marie Winkler, Tochter des Großindustriellen Herrn Alois Winkler in Ober-St. Beit, mit Herrn Hermann Podzahradsky im Tempel in der Seitenstettengaffe statt. — Ebenfalls am 18. d. M. wird Herr Ignaz Band mit Frl. Bertha E l tbogen im Leopoldstädter Tempel getraut werden. Am 18. d. M. findet in dem neuen Tempel, II., Leopoldsgaffe Nr. 29, um 3 Uhr die Trauung des Fräulein Jeanette Schreiber mit Herrn Julius Frei statt. Wie». Sonntag den 11. d. fand bei Herrn Baron Armin Popper Freiherr v. Podraghy die Beschneidung seines neugeborenen Sohnes statt. Der Neugeborene erhielt den Namen Arthur. Die Beschneidung hat der Operateur Dr. Max Schönfeld vollführt. Herr Dr. Schönfeld ist der Schwiegersohn des bestbekannten Operateur's Elias Weisz. Wien. (C o n f i r m a t i o n e n.) Ain verflossenen Sabbat wurden beim Jugendgottesdienst die Schüler der Mittelschulen im Stadttempel confirmirt: Otto Fleischer, ein Enkel des seligen Ober-Rabbiners Dr. Leopold L ö w, und Anton Lieben, der Sohn des Gemeindesecretärs, Dr. Theodor Lieben. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Brunnenarzte Dr. Leopold F e l l e ne r in Franzensbad in Anerkennung seines patriotischen und humanitären Wirkens den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Wien, 13. November 1894. Der Humor. Geselligkeits- Verein „Fürsorge" betheilt Mittwoch, den 21. d. M., Abends 8 Uhr, in Leopold Fi sch er's Restauration II., Schiffamtsgasse 20, 49 arme Schulkinder mit completen Winterkleidern. Der Verein besteht seit 4 Jahren und bekleidete im ersten Jahre 26, im zweiten 36, im dritten 40 und Heuer 49 arme Schulkinder. Wien. Die jüdische akademische Verbindung „Unitas" hält von nun ab ihre regelmäßigen Zusammenkünfte im Bereinslocale IX., Mosergasse Nr. 7 ab. Samstag den 17. d. um 7 Uhr Abends findet daselbst der erste Vereinsabend statt und wird Herr Rappaport über: „Das Programm der Jüdisch-Nationalen" sprechen. Die Verbindung empfängt in ihrem neuen Heim Gäst§ täglich von 6—8 Uhr Abends. Wien, 14. November. Einem vielfach gehegten Wunsche entsprechend und von höchst achtbarer Seite ersucht, gereicht es mir zum Vergnügen, folgende Mittheilung zu machen: Fräulein Grethe Modlinger, Tochter des verdienstvollen Hebräisten und Kritikers Samuel Modlinger, veranstaltet am 4. December d. I. im Ehrbar-Saal (IV., Mühlgaffe 6) einen Liederabend, wobei eine Collection klassischer Compositionen durch die in musikalischen Kreisen vorteilhaft bekannte Opern- und Concertsängerin zum Bortrage gebracht werden wird. Schon das mir vorliegende Programm verdient die größte Berücksichtigung und den Besuch des Publicums. Dazu kommt noch die große Rücksicht, die der alte Herr Modlinger verdient, dessen einziges Kind die concertgebende Sängerin ist, die berufen ist, für den Erhalt des Vaters zu sorgen. Edle Menschenfreunde werden somit ersucht, sich zu diesem Concerte Karten zu verschaffen und solche unter der Adresse des Vaters oder der Tochter im II. Bezirk, Wittelsbachstraße 4, holen zu lassen. Wien, 13. November. (Todesfall.) Einem längeren Leiden erliegend, wurde heute Herr Heinrich Mandl, erst 62 Jahre alt, zu Grabe getragen. Ueberaus zahlreich war die Betheiligung am Leichenbegängniß und bewies, daß der Verstorbene, einst der Ersten Einer in der Getreidebranche, hier, sowie in Pest und Raab, viel Freunde und Werthschätzer hatte, die sichs nicht versagen konnten, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Man bemerkte unter den Trauergästen nebst den Commercialrathe und General-Seeretär L e i n k a u s viele hervorragende Mitglieder der Fruchtbörse und Beamte jener Firmen, mit denen Mandl in geschäftlichem Verkehre stand. Und in der That verdiente der zu früh Verschiedene diese Ehrungen in vollem Maße. In den besseren Tagen betätigte er sein gutes, jüdisches Herz, war allezeit ein liebenswürdiger, gefälliger, hilfsbereiter Mensch, ohne Stolz in den Tagen seines Wohlstandes und unermüdlich thätig bis an sein Lebensende. Gar Manche, die heute seinem Sarge folgten, statteten in der Ausübung dieser Pietät ihre Dankesschuld an den Verstorbenen ab, um den nebst einer Witwe je zwei jugendliche Söhne und Töchter trauern. Er ruhe in Frieden! Anton L. Krems a. D. Eine Deputation des hiesigen israelitischen CultusVorstandes überreichte Sr. Ehrwürden dem Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann in Wien eine reichverzierte künstlerisch ausgestattete Dankadresse für seine herrliche Rede aus Anlaß der Einweihung des hiesigen Tempels. Brzezan. Dem Herrn Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch ist aus Anlaß seiner Rede während der Verhandlungen des Strafgesetzentwurfes eine Dankadresse mit zahlreichen Unterschriften der hiesigen Jsrieliten zugemittelt worden. Prag. Am 18. Mai d. I. starb hier, wieseinerzeitauch.' die „Oesterreichische Wochenschrift" meldete, eine der edelsten und rastlos für das öffentliche Wohl thätigen Frauen, die

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