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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 46 WptttW VVlQEItßQCtft Seite 897 den Klängen der von der Waisencapelle ausgeführten Musik bewegte sich der Zug in das Haus, wo Herr Obercantor Halpern und der Tempelchor einen Psalm anstimmte. Nachdem die Thora in der heiligen Lade geborgen war, entzündete Herr Rabbiner Caro das ewige Licht und richtete einige daraus bezügliche Worte an die versammelten Waisenkinder. Nach dem Kaisergebete und der Volkshymne ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner S ch m el ke s das Wort zu einersehr erbaulichen und gedankenreichen Auseinandersetzung über den hohen Werth der Wohlthätigkeit gegen arme Waisenkinder. Auch der gelehrte Herr Salomon B u b e r sprach mit Bezug auf das entzündete Licht einige sehr herzliche und eindrucksvolle Worte, die mit Wünschen für den Frieden in der Gemeinde schlossen. Hierauf wurde das Seelengedächtniß für die verewigten Stifter Hersch Zipper, Eheleute Rosen st ein, Clara Spira und Joachim Wohlfeld in feierlicher und erhebender Weise abgehalten. Das Kaddisch sprachen die Waisenkinder. Bon der Synagoge begab sich die Versammlung in den Festsaal, wo bereits eine zahlreiche Corona der vornehmsten Damen unserer Gemeinde Platz genommen hatte. Namens des Cultusvorstandes nahm zuerst Herr - LandesadvocatDr. Schaff das Wort. Er gab in großen Zügen die Geschichte der Anstalt seit ihrer Gründung im Jahre 1842 und hob hervor, wie viel Edles und Gutes mit verhältnißmäßig schwachen Mitteln hier geschaffen wurde. Den Borwurf, als ob der Vorstand nicht genug für wohlthätige Zwecke leiste, trat er an der Hand von unleugbaren Thalsachen mit aller Entschiedenheit entgegen. Er gelobte, auch ferner mit rastlosem Eifer die Anstalt zu fördern und dankte allen seinen Mitarbeitern auf diesem Gebiete. Besonders ehrenvoll erwähnte er die Frau Rabbiner Dr. Caro, welche an der Spitze eines Damencomiles 5000 fl. für die innere Einrichtung gesammelt und in mühevoller Arbeit die Wäsche, Betten, Kleider rc. angeschafft hat. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Caro eine höchst beifällig aufgenommene Festrede. Er gab eine Uebersicht des biblischen und talmudischen Waisenrechtes und führte aus, wie die jüdische Religion allezeit für die Schwachen und Enterbten eingetreten ist. Daß der Verfasser der „Geschichte der Juden in Lemberg" eS an interessanten, historischen Notizen nicht fehlen ließ, versteht sich von selbst, aber auch auf die gegenwärtigen Verhältnisse lenkte der Redner den Blick. Voller Anerkennung gedachte er der Opferfreudigkeit des Vorstandes, des Cultusrathes und der ganzen Gemeinde, die sich ihres alten Rufes als Metropole in Israel bei jeder Gelegenheit würdig zeigt. Auch das bisherige Wirken der Waisenmütter, besonders der Frau Dr. Lorch und der Frau Dr. Inländer, wurde rühmend hervorgehoben. Zum Schluffe richtete der Herr Rabbiner das Wort an den neugewählten Anstaltsleiter Herrn Schuldirector Salomon Mandel mit der Bitte, sein besonderes Augenmerk auf die religiöse Erziehung der Kinder zu richten. Die armen Waisen als fromme, glaubenstreue Israeliten zu erziehen, das seien wir dem Judenthume, unserer opferwilligen Gemeinde und den abgeschiedenen Eltern der Kinder schuldig. Herr Director Mandel erwiderte hierauf in längerer eindrucksvoller Rede. Er wolle das ehrende Vertrauen des Vorstandes in jeder Beziehung rechtfertigen, er werde den Kindern ein Vater, seine Gattin werde den Kindern eine Mutter sein, er werde aber im Sinne der von dem Herrn Rabbiner geäußerten Wünsche die Religion in den Vordergrund sowohl des Unterrichtes, als auch der häuslichen Erziehung stellen. Ein vom Tempelchor ausgeführter Psalm schloß diese würdige und erhebende Feier. Hierauf zerstreuten sich die Gäste zur Besichtigung der Räume des Hauses, im Speisesaale aber wurde das erste Mittagsmahl für die 60 Zöglinge aufgetragen. Fast alle Damen betheiligten sich an der Bedienung der hungrigen Schaar und erregte die Einrichtung der Küche und das Geschirr berechtigte Bewunderung. Herr Max Eppstein hat in oftbewährter Hochherzigkeit das gesammte Eßbesteck geschenkt, welches sich an einer fürstlichen Tafel nicht zu schämen braucht. Möge nun die Anstalt im neuen Hause nach Innen ebenso prosperiren, wie sie nach Außen in ausgiebigster Weise mit allen Mitteln des Gedeihens versehen worden ist. P Berlin, 30. October. „Das Deutsche Central- ComitS für die russischen Juden" erstattet Bericht über seine Thätigkeit während des abgelaufenen Jahres (October 1893 — September 1894). Borausgeschickt wird die Darstellung der Grundsätze, welche das Central-Comits seit Ende Mai 1891 befolgt hat und noch befolgt. Wenngleich zu einer Maffenauswanderung der Juden aus Rußland kein Grund und keine Möglichkeit vorliege, vielmehr der einzige Weg zur Lösung der Frage die allmälige Anbahnung der rechtlichen Gleichstellung sei, würden bis dahin noch viele Juden genöthigt werden, die Grenzen ihres russischen Vaterlandes zu überschreiten, welche, da sie dies Los unverschuldet trifft, die werkthätige Liebe aller Menschenfreunde verdienen. Aber diese Hilfe durfte nicht regellos sein, die Auswanderung mußte in geordnete Wege geleitet, auf die dazu Berechtigten und Geeigneten beschränkt werden. Besonderes Gewicht war darauf zu legen, daß die Gesetze und Verordnungen des In- und Auslandes, insbesondere über Ein-, Durch, und Auswanderung aufs Strengste gewahrt wurden, daß namentlich im Vaterlande selbst mit peinlichster Sorgfalt die bestehenden Vorschriften befolgt werden mußten und nichts geschehen durfte, was nicht vorher den Behörden bekannt gemacht war. Die notwendige Sichtung der Auswanderer mußte selbstverständlich an die Grenze verlegt werden. Neben den Comitös, welche überall da errichtet wurden, wo berechtigte Auswanderer zu erwarten waren, wurde in Preußen (Königsberg) und Schlesien je ein Haupt-Grenzcomite eingesetzt, das die gesichteten Personen zur weiteren Beförderung übernahm. War bei der Sichtung festgestellt, wem die Hilfe des Deutschen Central-Comitäs zu gewähren war, so mußte nunmehr das Ziel der Auswanderung im Einzelnen ins Auge gefaßt werden, denn das Central-Comitß durfte die Auswanderer nicht blos fortschicken, sondern mußte sie unterbringen. Deshalb waren die Berhältniffe in den einzelnen Ländern näher zu erkunden, entsprechende Vereinbarungen mit den ausländischen Hilfscomites zu treffen, dann erst konnten die Auswanderer von den Haupt-Grenzcomites nach der Centralstation Charlottenburg (später Ruheleben), von dort in die Häfen und von den Hafencomit6s in das auf ihr Eintreffen vorbereitete Ausland befördert werden. Unter Anwendung dieser Grundsätze sind seit dem 1. Juni 1891 56 233 Personen vollständig auf Kosten des Deutschen Central-Comitös befördert worden, während im Ganzen 101.482 Personen von den Deutschen Comitßs verpflegt und weiter befördert worden sind. Die Grundsätze haben sich bewährt, denn von all den Beförderten sind Wenige nach Rußland zurückgekehrt; die Allermeisten haben im Auslande ihr Unterkommen gefunden, Biele haben sich bereits behaglichere Lebensverhältnisse geschaffen, ja eine große Anzahl hat ihre näheren oder entfernteren Familienangehörigen auf eigene Kosten ins Ausland Nachkommen laffen können. Alle Auswanderer wurden auf jeder Station ärztlich untersucht und ausreichend verpflegt und die strenge Controle verhinderte, daß auch nur ein einziger mit ansteckender Krankheit Behafteter zur Beförderung gelangen konnte, und daß selbst während der vorjährigen Cholera-Epidemie nicht ein einziger Auswanderer, der mit jener Krankheit behaftet war, die deutschen ComitSs berührte. Der Bericht hebt dankend hervor, wie sehr die Thätigkeit der Comitßs durch die Staatsbehörden, sowohl in Preußen, wie in Hamburg, gefördert wurde, indem sie dem Hilsswerk jede nur denkbare Erleichterung zu Theil werden ließen. Der Bericht schließt mit den Worten: „Allen für das Geleistete zu danken, bleibe dem Abschluss« des Werkes Vorbehalten. Vorläufig müssen alle Krärte noch weiter gemeinsam thätig sein. Zwar hat die Bedrückung zur Zeit in Rußland etwas nachgelassen, auch hat die politische Lage mancherlei Maßnahmen zum zeitweiligen Stillstand gebracht, zwar ist auch in Folge besten der Strom der Auswanderer eingedämmt, immerhin i st d i e s e r S t r o m n o ch lange n i ch t v e r s i e g t. Tagtäglich treffen noch Auswanderer an der deutschen Grenze, bei den deutschen Comitss ein, die unserer Hilfe bedürfen. Auch muß abgewartet werden, ob und wie lange jener Stillstand sortdauern wird. Deshalb ist es auch unsere, wie unserer Freunde Pflicht, auszuharren und sich für die Zukunft gerüstet zu halten; jedoch auch gegenwärtig müssen wir, wenngleich in geringerem Maße, den an uns herantretenden Anforderungen genügen." Vom 1. October 1893 bis 30. September 1894 wurden 2242 Personen befördert, die einen Kostenaufwand von 89366 85 Mark verursachten. Auch im abgelaufenen Jahre wurde eine Anzahl Auswanderer nach Amerika befördert, für welche Herr Baron v. Hirsch die Beförderungskosten zur Verfügung gestellt hatte. Amsterdam, am 9. November. Die zahlreichen Leser Ihres geschätzten Blattes dürfte die Mittheilung intereffiren, daß diese Woche die rühmlichst bekannte Frau Nahida R e m y aus Berlin hier in Amsterdam in der Kirche der „Vriye Gemeeute“ einen geistvollen Vortrag über :„Die Bedeutung der Frau im Talmud" hielt. In Anbetracht, daß die BHHHKm

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