Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 46 (16.11.1894)
- Date
- 1894-11-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 896 Vrsterreichlptzr Wochenschrifl Nr. 46 Hinsicht auf die Beschaffungskosten — freilich bis heute noch nicht erfüllt. Aber nun hat der in der Leopoldstadt wohnende Kaufmann Michael Herzfeld, der auch sonst immer als werkthätiges Mitglied mehrerer humanitärer Vereine seinen Wohl, thätigkeitssinn bekundet, sämmtlichen Schulen seines Bezirkes einen „Schul-Rettungskasten" zum Geschenke gemacht. Es wäre wohl wünschenswerth, wenn das Beispiel des wohlthätigen Mannes in anderen Bezirken Nachahmung fände. Triesch. In eigenthümlich mildem Glanze leuchtet eine Bürgerkrone, oder wie sie von den altjüdischen Weisen genannt wird, die Krone eines guten Namens. Sie ist nicht auf einen ausschließlichen Kreis beschränkt und kann von Jedem erworben werden, dem es nicht an den gehörigen Tugenden fehlt. Sie wird von den Ehrgeizigen nur selten errungen, und gerade die Anspruchslosen und Bescheidenen Pflegen es zu sein, die sich eines schönen Tages zu ihrer eigenen Ueberraschung mit derselben geschmückt erkennen. So erging es auch dem allgemein beliebten, in seinem Fache ausgezeichneten Zahnarzte, Herrn Alois P o k o r n y, dessen Herzensdrang es war, am letztvergangenen Hoschana Rabbah den 25. Jahrestag seiner zahnärztlichen Thätigkeit in I g l a u im Familienkreise zu feiern und Gott zu danken, der seine Fähigkeiten und seine Arbeit mit Glück und reichem Erfolge gekrönt hat. Das geplante Familienfest gestaltete sich jedoch zur Ueberraschung des Jubilars zu einem Krönungstage, an welchem ihm die erhebendsten Auszeichnungen als Bürger, Lehrer und Menschenfreund zutheil wurden. Da fanden sich ein der Bürgermeister der Stadt Jglau, Deputationen aller städtischen Vereine, eine Vertretung seiner Schüler, die bei ihm die besondere Fertigkeit in der Ausübung der Zahnheilkunde erlangt hatten. Es gratulirte auch der Reichsrathsabqeordneteder StadtJglau, Dr. Groß, und auch die israelitische Cultusrepräsentanz fand sich ein, um ihr Mitglied, den Jubilar, mit Worten der Auszeichnung zu ehren. Eine Mt'nge großartiger und niedlicher Geschenke, und zahllose Glückwünsche bewiesen die vielseitig gemachten Anstrengungen, um dem Jubilar Liebe und Erkenntlichkeit zu bekunden. 8. Steyr. Josef Werndl, dessen Vaterstadt (Steyr) ihn dieser Tage mit einem Monument verewigte, war nicht allein Vater seiner Arbeiter, sondern auch ein Menschenfreund. Seinerzeit bei dessen frühzeitigem Hinscheiden wurde unter den vielen Spenden auch der hiesige israel. Beerdigungs- und Krankenverein mit dem namhaften Betrag von fl. 300 bedacht. Da die israel. Cultusgemeinde zur Enthüllungsfeier seines Denkmals geladen war. wurde durch Darbringung einer Kranzspende unserer HochschäHung für den Wohlthäter Ausdruck gegeben. Budapest, 13. November. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses hielt Cornel Abranyi, von der Nationalpartei, eine Rede gegen das Budget und sprach sein Bedauern darüber aus, daß in Ungarn eine conservative Partei nicht möglich sei. Bei diesem Anlaffe hob er das Verhältniß zwischen Juden und Christen in Ungarn hervor und sagte unter Anderem: Das jüdische Element sei dasjenige, welches sich am meisten magyarisirt hat, und auf dasselbe könne jener Satz des S z o s z a t (der Nationalhymne) angewendet werden, welcher lautet:„ In der ganzen Welt gibt es für Dich keinen anderen Platz außer dem Baterlande". Die Entwicklung Ungarns habe der Intelligenz der Juden mehr zu verdanken, als der Antisemitismus, der hier keine Wurzel fassen konnte, ihnen je vorwerfen könnte. Budapest. (Jüdische Künstler) haben zwei Denkmale ausgeführt, welche am 1. November enthüllt wurden. Das eine ist das Grabdenkmal des Generals Georg Klapka, das der Bildhauer Josef R o n a anfertigte: dasselbe besteht aus einer Hungaria, die über dem wohlgetroffenen Portrait des Verstorbenen einen Kranz hält. Das gelungene Werk wird allgemein bewundert und der Sohn Klapka's, sowie der Abgeordnete Tuba, der aus diesem Anlaffe eine Rede hielt, dankten dem trefflichen Künstler. Das zweite Denkmal ist das des Künstlers Ad- H u s z a r, welches der Bildhauer Julius Donath verfertigte und das ebenfalls, was Idee und Ausführung betrifft, allgemeine Anerkennung findet. Effeg. Ein schönes Beispiel interkonfessioneller t Eintracht wird uns aus Es s eg berichtet. Der Pfarrer der dorigen evangelischen Gemeinde erhielt nämlich dieser Tage das olgende Schreiben: Euer Hochwürden! Mit Befriedigung erfuhr ich aus den hiesigen Zeitungen, daß in Esseg der Bau einer evangelischen Kirche geplant wird. Nachdem ich von der begründeten Voraussetzung ausgehe, daß man bei der Förderung eines löblichen und schönen Werkes niemals früh genug kommen könne, nehme ich mir nun in erster Reihe die Freiheit, Euer Hochwürden zum Gelingen des geplanten Kirchenbaues meine besten Wünsche auszudrücken. Zugleich beehre ich mich, Euer Hochwürden anbei als Spende zu Ihrem erhabenen Werke 50 fl. zu übermitteln, und bin auch seitens des Vicevorstehers der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Julius Mis k o lczy ermächtigt, zum vorerwähnten Zwecke einen gleichhohen Betrag zu zeichnen, wovon ich Euer Hochwürden mit Vergnügen Mittheilung mache. In meiner Eigenschaft als Vor st eher der israelitischen Cultusgemeinde soll es mich nur freuen, Ihr heiliges Unternehmen der Unterstützung der Gemeinderepräsentanz wärmstens empfehlen zu können, und gebe mich trotz der geringen materiellen Kräfte, über die unsere Gemeinde verfügt, der angenehmen Erwartung hin, für Ihren Kirchenbau einen entsprechenden Liebesbeitrag erwirken zu können. Bezüglich der Mitwirkung der israelitischen Mitbürger unserer Stadt, die ihr Herz und ihre Hand niemals der Förderung einer guten Sache verschlossen haben, bin ich km Vorhinein überzeugt, daß sie auch diesmal das so unterstützungswürdige Unternehmen fördern werden. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung bin ich Euer Hochwürden ganz ergebener S. Kästen bäum. Prag. Ohne sich in eine fernere Polemik mit dem Redacteur der „Beznicky listy“, Herrn I. S. Kraus, dem Einsender der Notiz „Böhmisch-jüdische Blätter" in Nr. 44 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 2. November d. I. einzulaffen, weist der gefertigte Vorstand des „Israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen" im Namen seiner Mitglieder mit Entrüstung den von dieser am wenigsten kompetenten Seite gemachten Borwurf: „Unsere Jugend erhält an den confesskonellen Scbulen so viel religiöse Bildung, daß immer größer die Zahl Jener ist, die nicht beten können, wenn nur die jüdischconfessionellen Schulen ihrem eigentlichen Zwecke — zu germanisiren — entsprochen haben" auf's Entschiedenste zurück. Die israelitischen Lehrer und Religionslehrer Böhmens haben unter Anerkennung vieler an Geist und Wissen dem obgenannten Herrn überragenden Autoritäten allezeit ihre Pflicht erfüllt und sich einen guten Namen erworben. Die aus den israelitischen Privatschulen an die Mittelschulen beider Nationalitäten übertretenden Schüler sind nach ihren Fortgangsnoten und den Aussagen ihrer Professoren im Allgemeinen die besten im Religionsfache. Wenn der Verfasser des besagten Artikels zu den Ausnahmen gehört, die das Lehrziel in diesem Fache nicht erreicht haben, so darf er sich nicht anmaßen, eine solche die israelitische Lehrerschaft Böhmens discreditirende Kritik zu üben. Aus diesen in neuester Zeit — leider von ehemaligen Schülern — besonders angefeindeten confessionellen israelitischen Schulen ist zu unserem Tröste und Stolze eine ganze Reihe geistiger Capacitäten, tüchtiger Männer, unter Anderem Dichter, Journalisten beider Nationalitäten, sowie andere den gebildetsten Ständen angehörige Persönlichkeiten hervorgegangen, von denen eine nicht geringe Zahl verläßliche Stützen des Judenthums bilden. Politik zu treiben, haben wir stets anderen Kreisen überlassen, doch unsere Schüler beider Nationalitäten sind allezeit zu guten österreichischen Patrioten erzogen worden. Vom Vorstände des „Israel. Lehrervereines in Böhmen" Prag, am 7. November 1894. M. Freund, Sigmund Springer, dz. Schriftführer. Obmann. Lemberg, im November. Das war wieder ein schönes Fest, eine würdige Nachfeier der unvergeßlichen Kaisertage, welches die Cultusgemeinde am 8. d. M. in den Räumen des neuen Waisenhauses beging. An diesem Tage bezogen die Waisenkinder das neue Haus, bei welcher Gelegenheit auch die Anstalts-Synagoge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben wurde. Der Vorstand, der Cultusrath und eine distinguirte, festlich gekleidete Schaar von eingeladenen Gästen hatten sich eilig ftuiden und erwarteten im Vorgarten die Ankunft der für die Synagoge bestimmten Thorarolle. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Caro traf Punkt 11 Uhr mit derselben ein. Unter