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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sette 892 Drstrcrrtltzischr WsctzenlarrM 'rr. 46 Hasmonäer-Palast ist das Xystos (Gymnasium), von hier kommt man zum Obermarkt, wo die Paläste des Annos und Kaiphos stehen. Etwas weiter nach links finden wir den Bernika-Palast, der Schwester Agrippa's II. und auch das Haus des Hohe- Priesters Ananias. Das schönste Gebäude ist hier der Herodes- Palast mit den 3 großen Thürmen (Hippikus-, Phasael- und Mariamnethurm). Neben diesen befindet sich auch das Hyppodrom und das Theater, auch viele Schulen und Wohlthätigkeits- Anstalten. In der unteren Stadt mit dem Bezirk Ophla befindet sich der Teich Salomons und die Siloahquelle. Bon Palästen ist hier der Monozobros-Palast, Palast des Grapte und der Königin Helena; direct an dem Tempel befindet sich noch das Rathhaus und das Archivum, sowie die Gruft Davids und Salomons. Die Moriastadt ist von den andern Stadttheilen durch eine Mauer geschieden. Hier glänzen besonders die sogenannten Salomons-Bauten; das Libanonhaus, der Schwellenplatz, die Halle, die Thronhalle, das Haus, welches Salomo bewohnte, mit großem Hofraum, Haus der 1093 Frauen, Haus der Bathja, Tochter Pharaos. Nun wird aber unser Auge vornehmlich von dem Tempel mit seinen prächtigen Nebengebäuden angezozen; das äußere oder auch untere Heiligthum, die Säulenhallen, die Fcauenhalle, Borhof für das Volk, Borhof für die Priester, das Heilige und das Allerheiligste. Die größten Häuser, die Schulen und auch die königlichen Höhlen befinden sich in diesem Bezirke. Bon hier kommen wir zu der Vorstadt und der Neustadt, obere und untere, welche auch Bezetha und Antonia genannt werden. In diesen Bezirken finden wir das Assyrerlager, die Wolleläden, Schmiedewerkstätte, den Kleidermarkt und auch Denkmale des Hohepriester- Johannes, und den Amigdaloneteich, das Denkmal Walters, des Königs Alexander Jannai. In der Umgegend der Stadt ragt der Oelberg hervor, dann das Kidronthal; hier fiuden wir verschiedene Gräber, darunter das des Hohepriesters Ananus in der Nähe des Dorfes Ecbsenhausen, das Grabmal des Herodes, Grabmaler der Königin Helena und auch den Skoposhügel. Alle jüdischen und auch die christlichen Autoritäten — Universität-- und Seminarprofessoren, Künstler, Kunstfreunde und die gesammte gebildete Laienwelt — vereinigten sich in dem Uctheile, daß hier etwas wirklich Interessantes und Werthvolles der allgemeinen Besichtigung zugänglich gemacht wurde. Es ist entschieden zu wünschen, daß der Besuch sich auch in dem neuen Ausstellungslocale II. Bezirk, Kleine Pfarrgasse Nr. 12, auf der bisherigen Höhe halten möge und daß namentlich die israelitische Jugend für die Sache sich auch weiter interessire. Wie wir vernehmen, steht der gegenwärtige Besitzer des Curiosums mit mehreren hiesigen begüterten Kunstfreunden in Unterhandlung wegen des Ankaufes dieses wirklichen Meisterwerkes „der Holzschneidekunst". Es soll, wie es heißt, zu Studienzwecken unserer Stadt erhalten werden. Zur Frage desJugendgottesdienstes. Eingesendet. Löbliche Redaction! Schon wiederholt ist von vielen jüdischen Eltern der Wunsch geäußert worden, daß die Schulkinder zu dem jeden Samstag Vormittags stattfindenden Jugendgottesdienst in geschlossenem Zuge von den Herren Religionslehrern in das Gotteshaus geleitet werden mögen, ähnlich wie dies mit den katholischen Kindern beim Kirchengange geschieht. Dies ist doch wohl kein ungerechtfertigtes Verlangen, sondern verdiente eine eingehende Berücksichtigung seitens des löblichen Cultusvorstandes. Eine bezügliche Reform hätte vor Allem zur Folge, daß besorgte Eltern ihre Kinder nun ruhig und unbesorgt zum Jugendgottesdienste gehen lassen könnten, was bis jetzt nicht der Fall ist. Denn die Kinder z. B., welche die am Volkert gelegenen Volksschulen besuchen und von diesen zum Bethause in der Tempelgaffe gehen müssen, haben einen verhältnißmäßig weiten und wegen des großen Verkehres auch sehr gefahrvollen Weg zurückzulegen. Warum soll die zarte Jugend unnöthigerweise einer solchen Gefahr ausgesetzt werden, ■ wenn man ohne Kosten und ohne besondere Anstrengung seitens der Herren Religionslehrsr die gewiß nothwendige Regelung durchführen kann, -öle das Beispiel der Weintrauben-Schute zur Genüge beweist. Diese Regelung hätte aber auch zur Folge, daß der Unruhe und dem Lärmen vor oder am Beginn des Gottesdienstes erfolgreich vorgebeugt werden würde; wenn dle Kinder einzeln oder zerstreut in das Gotteshaus kommen, so erzeugt dieses vereinzelte unaufhörliche Kommen, Begrüßen rc. einen großen Lärm, zu dessen endlicher Dämpfung die Herren Lehrer und Tempeldiener alle Kräfte aufbieten müssen. Sind aber die Kinder schon am Wege unter dem Banne und der Aufsicht der Herren Lehrer, so wird es Letzteren auch leichter, das Lärmen hintanzuhalten, indem jeder Lehrer seiner geordneten Kinderschaar die bestimmten Bankreihen anweist und die Kinder auch während des Gottesdienstes besser übersehen und in Ruhe halten kann. Wenn es aber den Herren Religionslehrern als eine zu umständliche oder zu verantwortungsvolle Aufgabe erscheint, eine immerhin große Kinderschaar einen so langen und gefährlichen Weg zu führen und zu beaufsichtigen, so könnte man für diejenigen Volksschulen, für welche das Gotteshaus in der Tempelgasse zu entlegen ist, in denselben nahegelegenen Bethäusern neue Jugendgottesdienste schaffen (z. B. in der Fugbachgaffe für die Schüler am Bolkert), wodurch beregter Calamität gründlich und mit einem Schlage abgeyolfen wäre. Der Unterfertigte hofft dem lebhaften Wunsche vieler jüdischer Eltern Ausdruck zu geben, wenn er an unseren löblichen Cultusvorstand die Bitte richtet, der Regelung des Tempelganges der Jugend einige Aufmerksamkeit zu widmen, und ist überzeugt, daß der geehrte Cultusvorstand einem so leicht zu erfüllenden und so berechtigten Verlangen der jüdischen Eltern in bekannt concilianter Weise Rechnung tragen wird. Indem ich der löblichen Redaction der „Österreichischen Wochenschrift" meinen verbindlichsten Dank für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen im Vorhinein erstatte, zeichne ich mit aller Achtung S. M. Holländisches Iudenkhum. Von D. Feuchtwang. ^(Fortsetzung aus Nr. 43.) Auf einem weiten großen Platze der Rapenburgerstraat da stehen die Hauptsynagogen: Die berühmte portugiesische Synagoge, die, so oft man daran vo.überschreitet, das Bild Baruch Spinoza'- in Erinnerung bringt, die Groote-Synagoge, ein mächtiger, einfacher Bau, ohne jeden Prunk und Luxus, ergreifend einfach auch das Innere. Nur mit dem Lichte ist Aufwand getrieben, als sollte bewiesen werden, daß unser Glaube in seiner erhabenen Einfachheit jedes Halbdunkel verachtet und das mysteriöse Zwielicht scheut. Ganz so die Nieuwe-Synagoge. In deren Nähe ist das Nitualbad glänzend eingerichtet und ausgestattet. Fünfzehn Cabinen gewähren ebensovielen Besuchern gleichzeitige Aufnahme; ein ähnliches für Arme mit sechs Cabinen ist nicht minder gut ausgerüstet als dieses. Unweit davon ist das Rabbinat, d. h. Amtsstube der Rabbinen und Sitzungszimmer der Gemeindevertreter. In dem Rabbinate versammeln sich täglich zwischen 1 und 3 Uhr Oberrabbiner und sämmtliche Assessoren, um unter Vorsitz des Ersteren Amtsgeschäfte zu erledigen. Zahllose rituelle Anfragen, selbst aus den» entferntesten Auslande werden hier beantwortet und wichtigere Entscheidungen schriftlich in das Archiv niedergelegt. In Amsterdam pocht nämlich das Ritualleben der Juden noch in vollen kräftigen Pulsen. Es ist nicht ein unwissendes, fanatisches Frömmeln, sondern ein wissendes, tolerantes, echtes Frommsein; eine hellsehende Strenggläubigkeit, welche gepaart ist mit markigem Selbstbewußtsein, vollständiger Erkennung der Zeit und ihrer Ansprüche. Schon früher einmal ist in diesen Blättern darauf hingewiesen worden. Der Abfall vom Glauben gehört in Holland wirklich nicht zu den Alltäglichkeiten. Allerdings ist dies in einem Lande, wo die Juden vollberechtigte Staatsbürger sind,

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