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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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mm : >t3ki^2235ir-iiV-^£^v Nr. 46 K»earrrerch1srtzr ZVoitzenlchrM Seite 891 „Leipziger Zeitung" aus Dresden hervor: „Einen schreckenerregenden Umfang nehmen hier und in der Umgegend die Verbrechen gegen die Sittlichkeit an. Es sind in den letzten Wochen dem Vernehmen nach nicht weniger als fünfzehn Fälle zur Kenntniß der Behörden gekommen, von denen mehrere Thater noch nicht zu ermitteln gewesen sind." Ein antisemitischer Armenrath. Bon einem Erkenntnißgerichte wurde am 7. d. M. der ehemalige Armenrath und Wirtb „zur schwarzen Katze", Eduard H o l i w a n, Margarethen, Rampersdorfgasse Nr. 14, wegen eines groben Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem dreizehn- und an einem sechsjährigen Mädchen, zu viermonatl.ichem Kerker verurtheilt. Wie wir bereits anläßlich der Verhaftung H o l i w a n's berichtet, diente dessen Gasthaus den Bezirks-Antisemitenführern als beliebter Zusammenkunftsort. Auch Dr. Lueger und seine getreuen .Schildknappen waren wiederholt dort zu sehen, insbesondere dann, wenn es galt, irgend einen antisemitischen Handstreich auszuführen. H o l i w a n selbst war ein hervorragender „Gesinnungsgenosse". Was wird aber der sittenstrenge S t e inwend e r zu diesem Falle sagen? Auch ein ärztliches « Gutachten. Die Dienstmagd Anna S a h u l a hatte vor einiger Zeit gegen ihren ehemaligen Dienstgeber, den Börsebesucher Philipp G e i r i n g e r, die Anklage erhoben, derselbe habe sie in einem Zimmer eingesperrt und dann sammt seiner Gattin Pouline geschlagen und gewürgt. Mit Rücksicht auf die Consession G e i r i n g e r's ließ die S a h u l a sich von dem antisemitischen Gemeinderathe Dr. Räder ein Parere ausstellen, und da dieser außer einigen Hautabschürfungen des Ellbogens nichts entdeckte, bereicherte er das Parere mit der für ein ärztliches Attest zweifellos sonderbaren Behauptung, die S a h u l a sei von ihrern Dienstgebern Gesindel, stinkendes Christenmädchen u. dgl. beschimpft worden. Die Untersuchung gegen das Ehepaar Geiringer, welches seinerzeit gegen die Magd eine Diebstahlsanzeige erstattet hatte, wurde e i n g e st^e l l t und der ganze Act dem Bezirksgericht Währing abgetreten, wo das merkwürdige Parere vom Richter bei der für den 7. d. M. anberaumten Verhandlung auch verlesen wurde. Die Verhandlung endigte mit dem völligen Freispruche aller Angeklagten. Das Gericht erachtete also die Injurie, die sich angeblich bei geschlossenen Thüren ereignete, als nicht erweisbar. Nur der antisemitische Gemeinderath gab darüber ein „ärztliches Parere" ab. Die Juden in Baiern. In der zwölften Sitzung der Kammer der Reichsräthe in Baiern vom 7. Mai 1861 fand eine längere Judendebatte statt. Auf Antrag der Abgeordnetenkammer sollte der Reichsrath beschließen: „Die gemäß §§ 13, 15 und 18, Absatz 1 des Ediktes vom 10. Juni 1813 — die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen betreffend — rücksichtlich der Ansässigmachung und des Gewerbebetriebes der Israeliten in den Provinzen diesseits des Rheines bestehenden Beschränkungen sind aufgehoben." Der zweite Präsident Graf Karl von Seinsheim stellte einen Antrag, der den Gemeinden ein absolut hinderndes Widerspruchsrecht gegen die Ansässigmachung der Israeliten zuwies. Interessant ist, daß alle Prälaten sich gegen diesen Antrag und für den Antrag des Ausschusses, dem Beschlüsse der Abgeordnetenk mmer beizutreten, erklärten. So sprach (laut amtl. stenogr. Bericht) Erzbischof von Scherr. „Meine hohen Herren! Ich erlaube mir nur kurz den Maß stab anzulegen, nach welchem ich meine Abstimmung in dieser Frage richten werde. Es ist der allgemein geltende Grundsatz: „Was Du nicht willst, daß man Dir thu', das füg' auch keinen Andern zu." Ich würde tief beklagen, wenn meine Glaubensgenossen unter einem ähnlichen Ausnahmegesetze zu leben hätten, und deswegen stimme ich unbedenklich für den Antrag des Ausschusses. Ich halte nicht für unnöthig, dieses von meinem Standpunkte aus zu bemerken."? Der Antrag des Grafen Seinsheim wurde mit allen gegen 7 Stimmen abgelehnt. Mit Nein stimmten u. A.: der Erzbischof von Scherr, der Erzbischof von Deinlem, der Bischof von Dinkel und der Präsident des protestantischen Oberconsistoriums Dr. A. von Harleß. Juden und Preußen. Treitschke sagt: „Die Juden sind unser Unglück." Das baierische „Rkummtter Tageblatt" dagegen schreibt: „Traue keinem Preußen, sie sind Baiern s Unglück!" und fährt dann fort: „Unser uuglücklicher König Lu dw ig könnte uns sagen, warum er Preußen so gehaßt hat. Wenn wir aufrichtig sind und es offen sagen: Ganz Baiern verflucht heute noch den Tag, der uns in Preußer s Arme geworfen hat. Und je eher wir von Preußnr getrennt würden, desto besser wäre es für uns. Wir haben nichts bekommen, als Roth, Jammer und Elend durch diese Preußen- Herrschaft, und nicht eher wird es besser, als bis dicier Vormund von uns genommen ist, und Gott gebe, doß dem recht bald so werde." Das Gebet des Rabbiners. Seit Wochen liegt der ehemalige Abgeordnete und Präsident der Debrecziner liberalen Partei Cmerrch Frater, der Curator des Ermelleker reformirten Kirchendistricts, auf feiner Almosder Besitzung (Biharer Comitat) krank darnieder. Vorigen Samstag erschien nun — wie man dem „P. Lloyd" aus Debreezin schreibt — der Rabbiner der Almosder israelitischen orthodoxen Gemeinde beim Krankenbette Fraler's und fragte diesen, ob er es gestatte, daß er für seine (Frater's) Genesung in der Synagoge Gebete verrichte. Auf die Bemerkung Frater's, daß er doch wohl noch nicht so gefährlich krank sei, daß Bittgebete in Gotteshäusern nothwendig wären, bemerkte der Rabbi, die Gemeinde wolle hiedurch blos ihre Anhänglichlichkeit und Verehrung für den verdienten Kämpen des Liberalismus documentiren; Frater willigte ein, worauf der Rabbi sofort an dem Krankenbette einhebräisches Gebet sprach und dann in der Synagoge die üblichen Gebete verrichtete. Interessant ist jedenfalls die von dem Gewährsmann hervorgehobene Thatsache, daß Frater's Zustand sich bereits wesentlich gebessert und hat daß der Kranke inzwischen auch bereits nach Trohobicz befördert werden konnte, wo er sich nun langsam erholt. Jerusalem inff kmnstlrrilchrr Nachbildung. „Ueber's Jahr in Jerusalem" beten und bitten gar viele Israeliten, aber nur sehr Wenigen ist es wirklich vergönnt, die heilige Zionsstadt mit Augen zu erblicken. Eine lange, mühevolle und kostspielige Reise ist hiezu nöthig, und was man heute dort findet, ist nur geeignet, die schmerzlichsten Gefühle und die wehmüthigsten Erinnerungen zu erwecken. Ruinen und Trümmer zeigen von einstiger Größe und Pracht. Es muß daher als ein überaus glücklicher Gedanke begrüßt werden, daß ein Künstler den Plan faßte, ein Bild der Stadt, wie sie vor der Zerstörung aussah, in plastischer Leibhaftigkeit und greifbarster Naturwahrheit uns. vor das Auge zu zaubern. Der Holzschnitzer Franz S t i e l g e r in einem kleinen galizischen Provinzneste war es. dem diese grandiose Idee vorschwebte und der auch dreißig volle Jahre mit der Ausführung desselben zugebracht hat. Ein immenser, nimmer ermattender Fleiß und eine seltene Ausdauer, das Werk lobt heute den — leider seither verstorbenen — Meister. Auf Grundlage peinlich genauer, wissenschaftlicher Forschungen bat er das monumentale Panorama entworfen und Tempel, Paläste, Häuser und Häuschen mit äußerster Sorgsamkeit und Exactheit nachgebildet. Ob man sich nun dem perfpectivischen Eindruck hingebe und das Werk in seiner Gänze auf sich wirken laste, oder ob man in's Einzelne gehe und den Details nachspüre — es hält in jedem Falle der Kritik Stand und erfüllt uns bei wiederholter Betrachtung mit immer wiederkehrendem Interesse. Die Stadt Jerusalem war getheilt in 3 Bezirke. Obere Stadt oder Davids-Stadt, Untere Stadt oder Acra mit dem Bezirk Ophla und Moria-Bezirk oder Zioustadt. In die Oberstadt, welche 60 Thürme hat, führen uns 2 Thore, das eine Thor Gennath (Gartenthor) und das andere Effener-Thor. Durch die Thore kommen wir zum Königspalast oder Makkabäer- oder Hasmonäer-Palast; gleich neben dem

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