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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 888 Vestrrreichlfrtze Wmtzrnphrtfl Nr. 46. Salair". Er hat viel Geld. Das Blut steigt Einem zu Kopfe, wenn man dies liest! Er will keine Gefallene, denn sonst dürfte er seine Auswahl in den Bordellen treffen. Er will ein junges, hübsches Mädchen, und dieser Schurke äußert sogar seine Vorliebe für Blondinen. Er null ste zur H . .. machen, und das „Grazer Tageblatt" steht ihm Pathin dabei". Die „Deutsch-Socialen Blätter" in Leipzig bemerken hiezu: „Es ist dies semitischer Brauch. Man erinnere sich, wie im Talmud von einigen Rabbinern erzählt wird, daß sie, wenn sie in eine fremde Stadt kamen, öffentlich anfragen ließen, welches Frauenzimmer sich ihnen für die Dauer ihres Aufenthaltes zur Verfügung stellen wolle. Wenn man Semiten gewähren läßt, darf man sich nicht wundern, wenn sie semitisch verfahren." Da war es nun wichtig, hervorzuheben, wessen Geschäfte das „Grazer Tageblatt" betreibt und welcher Geistesrichtung dieses Organ dient, welches die Schächthetze in Graz initiirt hat. Wenn aber das „Grazer Tagblatt" dem „Rabbi Bloch" vorwirft, daß er zu erwähnen versäumte, daß das „Grazer Tageblatt" angeblich in „sämmtlichen einschlägigen Artikeln" über das Schächten, „die politischen und nationalen Momente von dieser Frage ausdrücklich loslöste und sie rein sachlich vom Standpunkte des Thierschutzes aus erörterte", so erachten wir das insolange für eine blöde gehaltlose Flunkerei, als das Organ der Steinwenderei nicht rund heraus — ein Jagdverbot fordert und beim Grazer Gemeinderath urqirt. Die pharisäischen Splitterrichter und Balkenträger mutzten einmal vor aller Oeffentlichkeit gezüchtigt werden. Schmutzige Wäsche. Ein geistreicher preußischer Abgeordneter richtete einst an einen Gelehrten, der für seine äußere Erscheinung sehr wenig Sinn hatte, die Frage: „Sagen Sie mir, lieber Professor, wer trägt denn Ihre reine Wäsche?" Die Antisemitenführer verrathen bekanntlich bei jeder Gelegenheit eine weitgehende Mißachtung für all das, was man gewöhnliche innere Ehrenhaftigkeit nennt, und so könnte man in gewissem Sinne auch an ne, die so oft ihre schmutzige Wäsche coram publico waschen, die Frage richten, wer denn ihre reine Wäsche trage. Es scheint, daß Herr Gregorig für seine Gesinnungsgenossen wenig zu thun hat. In den letzten Tagen war beim „Deutschen Volksblatt" große Wäsche. So unappetitlich auch der Anblick ist, den die Küche des Vergani-Blattes bei diesem Anlaß bietet, wollen wir uns doch nicht der Aufgabe entziehen, die antisemitischen Herrschaften in dem Momente vorzuführen, wo sie einander mit Kübeln, und nicht mit leeren, begießen. Jede Partei hat die Presse, die sie verdient. Wenn man das moralische Niveau kennen lernen will, auf dem die antisemitische Partei steht, muß man die leitenden Männer ihrer Presse kennen. Unsere Betrachtung soll eine objective sein. Wir werden Herrn Schönerer, den Herausgeber der „Unverfälschten Deutschen Worte", in allen Fällen beistimmen, wo er im Rechte gegen Herrn Vergani, den Eigenthümer des „Deutschen Volksblatt", ist, und werden diesem gerecht werden, wenn er gegen den Schriftleiter der „Ostdeutschen Rundschau" Herrn K. H. Wolf mit schlagenden Argumenten auftritt. Herr Schönerer macht Herrn Vergani alle vierzehn Tage den Vorwurf, er habe das „Deutsche Volksblatt" mit dem Gelde Anderer gegründet und nehme mit offenen Händen Beträge von „jüdischen" Instituten entgegen. Wer wird dem Gutsherrn von Rosenau widersprechen können? Herr Vergani hat ja mit biederem, deutschem Mannessinne es im Gerichtssaale selbst bekannt, daß er vor Gründung des „Deutschen Volksblatt" nahe dem Bankerott war und er hat mit nicht geringerer Biederkeit gleichfalls im Gerichtssaale es zugestanden, daß sein Blatt ohne die Unterstützung der „jüdischen" Institute nicht existiren könne. Vergani will die Juden nicht leben lassen, aber das ist, wie er selbst zugab, kein Grund, daß die Juden ihn nicht leben lassen. Schönerer erhebt ferner gegen Vergani die Beschuldigung, daß sein Blatt die Gesinnung gewechselt habe. Das ist vielleicht nicht ganz richtig, die Gesinnung kann, unseres Erachtens nur Derjenige wechseln, der eine hat, aber unbestreitbar' wahr ist, daß das „Deutsche Volksblatt" mehr Gesinnungen schon vertreten hat, ^als es Jahrgänge zählt. Bisher ist also Schönerer völlkommen im Rechte. Nicht so klar steht die Sache betreffs eines anderen Punktes. Von Schöne r er'scher Seite wird bei jeder festlichen Gelegenheit die Frage aufgeworfen, wieVergani sich mit seinen Theilhabern Lehrner und Hauck auseinandergesetzt habe. Nach Schönerer's Ansicht wäre Vergani da in einer Weise vorgegaugen, zu deren Eharakterisirung es nur ein Wort gäbe, welches wir niederzuschreiben aus preßpolizeilichen Gründen Unterlasten. Diese Ansicht hat Schönerer auch in dieser Schrift vertreten, durch die selbst die beträchtlich dicke Haut Vergani'8 ein wenig empfindlich gekitzelt wurde. Vergani läßt sich von Schönerer, ohne mit der Wimper zu zucken, einen „literarischen Dieb", einen „schamlosen Plagiator" nennen, aber er sah sich doch gezwungen, gegen die Schrift Schön erer's: „Wie sich Vergani mit seinen Theilhabern auseinandergesetzt" etwas zu thun. Es gelang ihm auch, sich von einem seiner „Theilhabbr", Ernst Lehrner, ein Wohlverhaltungszeugniß zu verschaffen. Lehrner erzählt ein Langes und Breites über seinen Austritt aus dem „Deutschen Volksblatt" und versichert, daß Herr Vergani sich ihm gegenüber als Ehrenmann benommen habe. Nebenbei erwähnt auch Herr Ernst Lehrner, daß er darnach trachte „zumindest als Mitarbeiter bei diesem Blatte angestellt zu werden" — was wir ihm auch gerne glauben. Der andere „Theilhaber", Herr Hauck — schweigt. Die Darstellung S ch ö n e r e r's wird also von Herrn Lehrner bestritten, wie Herr Hauck sich zu derselben verhält, ist vorläufig noch unbekannt. Das Wohlverhaltungszeugniß, welches L eh r n e r seinem gewesenen Compagnon Vergani ausstellt, beschäftigt sich auch ein wenig mit Herrn K. H. Wolf, dem Preßlakaien des Herrn Schönerer, welcher seinem Herrn und Meister Tag für Tag Gruß- und Rauchopfer in der „Ostdeutschen Rundschau" darbringt. Es scheint, daß K. H. Wolf nicht immer eine so erhabene Meinung von Schönerer hatte, denn Lehrner erzählt unter Anderem folgende, erbauliche Geschichte aus den Redactionsgeheimniffen des „Deutschen Volksblatt". Da heißt es: „Auch die Verhältniffe in der Redaction hatten sich mittlerweile ganz eigenthümlich gestaltet. Der damalige Leitartikler K. H. Wolf war der erste, der Vergani, Hauck und mich aufforderte, uns von Schönerer loszusagen; es sei schmählich, sich von einem Manne, der nicht ganz bei Sinnen sei, Fußtritte gefallen zu lassen u. s. w. Vergani selbstwar das politische Vorleben Wolf'sund seine.Feindschaft gegen Schönerer früher nicht bekannt gewesen, sonst würde er ihn gewiß nicht angestellt haben. Herr Schönerer selbst erklärte mehreren Gesinnungsgenossen und mir gegenüber, daß er unmöglich zu einer Schriftleitunq Vertrauen haben könne, in der einWolf sitze.Vergani schätzte indessen die Feder Wols's und glaubte daß er seine Feindseligkeit gegenSch önerer oblegen werde, daher entließ er ihn nicht, sondern sendete ihn als Berichterstatter nach Berlin." So dachte — nach der Behauptung L e h r n e r's — K. H. Wolf vor wenigen Jahren noch über den Mann, den er heute als das verehrungswürdige Ideal aller deutschen Männer preist und verherrlicht. Freilich,Herr K. H. Wolf ist wieder in der angenehmen Lage, Herrn Vergani daran zu erinnern, daß sie Beide eigentlich nur die Rollen gewechselt hätten. So wie Wolf heute von Schönerer spricht, schwärmte einst Vergani von ihm und just so wie Wolf vor Jahren von Schönerer sprach, schreibt über diesen heute Vergani ... Wie sich doch die Zeiten und die Menschen vom Schlage Vergani's und Wolfis ändern — wenn ein Millionär wie Schönerer ihnen gegenüber sich ändert . . . Die Art und Weise, wie Herr Vergani in seinem Blatte über seinen einstigen Freund und Mitarbeiter Wolf herfällt, wird erklärlich, wenn man weiß, wie Wolf über seinen einstigen Freund und Meister Vergani schreibt. Als Probe diene nur das Folgende, welches am 2. Juni 1894 in der „Ostdeutschen Rundschau" zu lesen war: „Wir haben aus den jüngsten scheußlichen Fcll von journalistische r Verk cm m cnheir, dcffen sich Vergani in seinem

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