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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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«i. 46 Vrstrrrrtchiptzr Wochrnschrtfl Seite 887 aber unmöglich die so oft wiederholten Borwürfe gelten lassen, daß den Käufern schlechte Maaren für übermäßige Preise in die Hände gespielt würden. Es kann ja das zuweilen Vorkommen, aber im Allgemeinen läßt sich die ländliche und kleinstädtische Bevölkerung nicht so leicht übervortheilen. Ich begreife vollkommen, daß vom Standpunkte gewisser überspannter Ansprüche egoistischer Claffeninteressen die strenge Handhabung dieses strengen Gesetzentwurfes sehr erwünscht wäre, wie ich begreifen würde, wenn dieselben zu dem geschaffenen System des Localprotectionismus noch manche andere Schutzzolllinien gerne hinzufügen möchten, z. B. Verbot der Consumvcreine und Aufhebung des Packetportos von 30 kr. per 5 Kilogr.-Packete. Das war wohl im staatswirthschaftlichen Systeme einer längst verflossenen Zeit am Platze, aber mit dem heutigen Stande der Berkehrsentwialung ist es gänzlich unvereinbar. Beschränkungen des Verkehrs sind nicht im Interesse des consumirenden Publicums- Eine weitere Ausdehnung der loealprotectionistischen Bestrebungen ist nicht zu wünschen. Uebrigens ist ja die ganze rückschrittliche Bewegung gegen den Hausirhandel und die Wandergewerbe nichts Neues und keine österreichische Erfindung. Ich erinnere an einen Beschluß des deutschen Reichstages, der den Reichskanzler Bismarck um Veranstaltung einer Enquete in dieser Angelegenheit ersuchte. Was war die Folge? Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind in einer Denkschrift dem Reichstage vom Jahre 1878 niedergelegt worden. Diese Ergebnisse lauten im Ganzen keineswegs ungünstig für das Wandergewerbe. Den erhobenen Vorwürfen wurde entgegengehalten : 1. Daß Uebervortheilungen des Publicums auch in den stehenden Geschäften Vorkommen und beim Hausirhandel keineswegs die Regel bilden; 2. daß die Gefährdung der ansässigen Detailhändler nicht ausschließlich dieser Geschäftsform zuzuschreiben ist. sondern in der allgemeinen Veränderung der Lage des Kleinhandels ihren Grund habe; 3. daß die ungesunde Richtung der Industrie und des Handels, vermöge welcher die Güte und Solidität der Waaren durch das einseitige Streben nach Billigkeit beeinträchtigt werden, zum Theil auf den Wirkungen der Ueberproduction, zum Theil auf den wirthschaftlichen Anschauungen und Gewohnheiten des Publicums beruhe. Das ist das Resultat einer wissenschaftlichen EnquZte, das sagt die Wissenschaft! Wie verträgt sich damit die in dem vorgelegten Entwürfe ausgesprochene Absicht der Regi rung einer Beschränkung, wenn nicht vollkommenen Beseitigung des Hausirhandels? Wenn ich nun die richtigen Consequenzen aus meinen Ausführungen ziehen wollte, so müßte ich den Antrag auf die Tagesordnung bringen. Das thue ich nicht in Anbetracht der Möglichkeit einer Regelung des Hausirhandels, aber ich kann nicht umhin, zu sagen, wenn dies die reife Frucht der Neberlegung Sr. Excellenz des Herrn Handelsministers war — „D as war kein Meisterstück, Octavio!" Nschklänge zur Rede des Abgeordneten Dr. Bloch. Das „Wiener Tagblatt" schrieb: „Dem Abg. Dr. Bloch ist altes und neues Strafgesetz so lange egal, als nicht eine gleichmäßige Handhabung der Gesetze, gleiches Recht in Justiz und Verwaltung für alle Confessionen besteht. Das ist in unserem Abgeordnetenhause auch ein origineller Standpunkt, aber leider ein nur zu berechtigter. Der Abgeordnete Bloch, der auch sonst gestern in überaus glücklicher und treffender Art gegen die Ganz- und Halb-Antisemiten polemisirte und ihre gefälschten Hetzlehren mit anerkennenswerthem Muthe rücksichtslos bekämpfte, der Abgeordnete Bloch hat sich nicht gescheut, diejenigen Factoren, die es angeht, für ihren Theil an der Schuld verantwortlich zu machen. Mit frommen Wünschen allein kann eine verderbliche Volksströmung nicht hinweggezaubert werden; nur das gerechte Beispiel der Staatsgewalt, das entschiedene, allen Bürgern voranleuchtende Beispiel kann Borurtheile beseitigen und einen gesunden Umschwung berbeiführen". „Natürlich konnte sich auch gestern die Blüthe von Fünf- und Sechshaus die Gelegenheit zu einigen gepfefferten Zwischenrufen nicht entgehen lasten. Man thut diesen Leistungen schon zn viel Ehre an, wenn man sie nur zur Notiz nimmt. So gefiel sich z. B. der biedere Wahrheitsfanatiker darin, einem notorisch antisemitischen Grazer Blatte, von welchem der Abgeordnete Bloch einige nicht ganz saubere Inserate zum Besten gab, den Stempel eines liberalen Organs auszudrücken. Den Herren liegt nämlich das Blatt im Magen, weil es gelegentlich der verunglückten Grazer Expedition seinen patentirten Original-Antisemitismus gegen den Wiener Wander-Antisemitismus etwas kräftig zu wahren bemüht war. Und da kommt es den Aposteln der Wiener Borstadthetze auf eine Lüge mehr nicht an!" Das „Neue Wiener Tagblatt" äußert sich kurz: „Die Discuffion war gestern eine sehr lebhafte. Das Haus begleitete namentlich die Rede des Abgeordneten Dr. Bloch mit großem Interesse. Dieser trat mit viel Schärfe und Gewandtheit den Ausführungen entgegen, welche einzelne antisemitische Redner in früheren Sitzungen zum Besten gegeben hatten. Die Zwischenrufe der ob der kräftigen Polemik einigermaßen irritirten Herren Sch eich er und Genossen brachten den Redner keineswegs aus der Fassung. Er kennzeichnete die Moral der antiliberalen Führer und ihrer Presse in durchaus zutreffenden Worten". Die „Wiener Sonn- und Montagszeitung berichtet: „Gelegentlich der Generaldebatte über das n e u e S t r a fgesetz hielt der Abgeordnete Dr. B l o ch eine etwa zweistündige Rede, deren Werth vielleicht am besten dadurch charakterisirt wird, wenn wir sagen, daß sie trotz ihrer Länge das allgemeine Interesse bis zum Ende festhielt. Dr. Bloch trat den Ausführungen antisemitischer Redner mit ebenso viel Geist wie Sachkenntniß entgegen, und namentlich Dr. P attai hatte die Wucht seiner Polemik zn empfinden. Die Herren Lueger und Schneider versuchten, den Redner durch Zwischenrufe zu irritiren; dieses edle Bestreben mißlang vollkommen und Dr. Bloch benützte diese Zwischenrufe vielmehr dazu, das treffende Bild, welches er von der Moral der antisemitischen Führer und ihrer Presse entwarf, zu ergänzen. Die Antisemiten im Priesterrvck werden Mühe haben, sich von den Hieben zu erholen, mit denen Dr. Bloch erbarmungslos ihr antichristliches und antibiblisches Treiben tractirte". Die „Ostdeutsche Rundschau" bequemte sich zu dem Geständniß, daß der „Rabbi von Kolomea", es verstand „den Spieß umzukehren und die gegen die Juden geführten Anklagen gegen die Antisemiten zu erheben" und mit „Beweisen dienen konnte". Am 9. November ließ sich das Blatt aus Graz melden, daß die Rede des Rabbi Bloch „hier große Bestürzung und Verstimmung" hervorgerufen habe. „Wer soll künftig vor jüdischer Frechheit sich sicher fühlen?" Ein einziges Ehebruchinserat in einem ganzen Jahrgang kann doch unmöglich solche Bloßstellung im Parlament rechtfertigen! Nur in Bezug auf die Juden sind die Germanen so sittenstreng, während sonst in ihren Augen alljährlich ein einziger Fehltritt der Reputation einer germanischen Jungfrau keinen Schaden zufügt! Seinen Lesern erzählt das „Grazer Tagblatt", „Rabbi Bloch habe mit emsigem Fleiße in drei Jahrgängen des Blattes zwei Inserate entdeckt, deren zweideutiger Inhalt bedenklicher Weise durchgeschlüpft war." Du lügst, „Grazer Tagblatt", wie ein bekannter germanischer Ritter! Rabbi Bloch hat die vorgelesenen Schandinserate gar nicht ausfindig gemacht und er hat selbstverständlich nach diesen Ehebruch- und Kuppler-Inseraten auch nicht „emsig gesucht". In Wahrheit haben wir bereits in Nr. 44 der „Oesterr. Wochenschrift" unter dem Schlagwort.,Annageln" zum Gaudium unserer Leser einen Entrüstungsruf der „Polst. Fragmente" gegen die Juden mit folgendem Wortlaute citirt. „Schlechter als die Prostituirte, die nur des leben Lebens willen ihre Ehe an lüsterne Geldbesitzer verschleißt, ist die Kupplerin, und eine solche ist das „G r a z e r T a g e b l a 1 t". Wer es nicht glaubt, der lese folgendes Inserat (21. Juni). „Ein Herr sucht gegen hohes Salair eine junge, hübsche Reisebegleiterin. Blondine bevorzugt. Briefe mit Photographie und Angabe von Alter an die Administration des „Grazer Tageblatt". — Ein Mann, der Geld hat, (selbstverständlich ein Semite), sucht ein Mädchen, das ihn für gute Bezahlung aus der Reise begleitet, ihm seine Ehre und seinen Leib opfert „gegen hohes

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