Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 45 (9.11.1894)
- Date
- 1894-11-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 878 jp^ron?!Biini|? jyvvl|vltfffIvi|1 Nr. 46 Krumau. Am 34. October verschied hier nach schwerem, schmerzlichen Leiden Herr Ignaz Spir o, Chef der weltberühmten Papierfabrik in Kr um au, im Alter von 77 Jahren. Mit dem Hintritte dieses Mannes hat unsere israelitische Cultusgemeinde den Verlust eines ihrer vornehmsten und begabtesten Mitglieder zu beklagen. Die Familie Spiro stammt aus Spanien, mußte während der Herrschaft der spanischen Inquisition auswandern und ein Theil derselben ließ sich in Spei er in der baierischeu Pfalz nieder, wovon auch der Name Spiro herrühren mag, der andere Theil siedelte sich in den Städten Wien und Prag an. Ein Grab am alten Friedhof zu Prag trägt noch heute die hebräische Inschrift: Ausgestattet mit vorzüglichen Geisteseigenschaften, bethätigte der Verblichene seine Fähigkeiten im Dienste und zum Wohle der Gemeinde. Er war der Gründer der israelitischen Cultusgemeinde und gleichzeitig Cultusvorsteher und genoß in dieser Doppelstellung das höchste Ansehen bei allen Mitbürgern ohne Unterschied der Confession. Renommage und Phrasenprunk verschmähend, kargte er mit den Worten, ober wenn er sprach, waren seine Argumente sachlich, zutreffend und ausschlaggebend. Der Verstorbene war im wahren Sinne des Wortes ein „Iseb Chosehiw“, der in seiner Jugend einen harten Kampf mit derArmuth bestand; er wußte, was Noth heißt und deshalb war er ein Wohlthäter in des Wortes e d e l st e r Bedeutung, d. h. er that viel, sehr viel Gutes, ohne daß Jemand hievon erfuhr. Er war eine Zuflucht der verschämten Armen, für die er stets eine offene Hand hatte und kein Bittender verließ unerhört sein wohlthätiges Haus. 30 Jahre hindurch war er Vorstand des israel. Cultusvereines und seit vorigem Jahre der neu creirten Cultusgemeinde, seit 3 Jahren Obmann der von ihm gegründeten Obevra-llaäweba. Nur durch seine ausgiebige Unterstützung war es möglich, den Cultusverein zu erhalten und vor 2 Jahren einen großen israelitischen Friedhof, zu welchem der Grund unentgeltlich von der Stadtgemeinde Krumau in munistcenter Weise beigestellt wurde, zu erbauen. Wir haben hier eine circa 100 Personen fastende Betstube, welche, besonders an den hohen Feiertagen, zu klein wurde, er regte daher die Erbauung eines Tempels in Krumau an, zu dem er durch häufiges Spenden vor der Thora Bedeutendes beitrug. In seinen Intentionen glauben auch dessen trauernde Hinterbliebenen gehandelt zu haben, wenn Sie zum Andenken an ihren theuren Gatten und Vater fl. 5000 für den Tempelbau, fl. 4000 für wohlthätige Zwecke, fl. 1000 für die Armen der Stadt Krumau ohne Unterschied der Confession, fl. 10.000 für den Unterstützungsfond ihrer Beamten, fl. 10.000 für den Unterstützungsfond ihrer Arbeiter stifteten. Die Hinterbliebenen haben überdies dem Bürgermeisteramte eine Rentenobligation per fl. 1000 überreicht, deren jährlicher Zinsenertrag per fl. 42 stets am Sterbetage des Verblichenen unter die Ortsarmen ohne Unterschied der Confession vertheilt werden soll. Außerdem spendeten sie den Betrag von fl. 50 zur Vertheilung am Begräbnißtage. Im vorigen Jahre feierte der Verstorbene sein 50jähriges Geschäftsjubiläum; aus diesem Anlasse erbaute er ein Stiftungshaus im Werthe von fl. 20.000, dessen Erträgniß circa fl. 700 bis fl. 800 jährlich dem Unterstützungsfonde seiner Beamten und Arbeiter der beiden Fabriken Krumau und Pötschmühle zufließt. Nicht unerwähnt sei noch folgende Episode: Knapp vor Ostern war Herr Spiro sehr schwer erkrankt und wurde bereits von dem ihn behandelnden Arzte aufgegeben. Glücklicher, weise erholte er sich wieder, und als er genesen und halbwegs hergestellt war. begegnete er dem hiesigen infulirten Prälaten, der ihn zur Genesung beglückwünschte und ihm mittheilte, er habe, als er von seiner schweren Erkrankung erfuhr, für seine Genesung eine heil. Messe lesen lassen. Das tückische Leiden, dem der Verewigte zum Opfer siel, mochte wohl seinen Körper brechen, sein Geist blieb bis zuletzt unversehrt. Er wünschte noch am Neujahrstage, daß der Cantor das Mincha-Gebet bei seinem Sterbebette verrichten sollte. Alle Anwesenden waren tief ergriffen während dieser Andacht. Er war ein aufrichtiger Jude bis zum letzten Augenblicke. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung von Liebe und Verehrung für den Verstorbenen. Dem Conducte folgten sämmtliche Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde, der Bürgermeister mit den vornehmsten Bürgern christlicher Confession und mehrere Vereine. Der ehrwürdige Rabbiner schilderte den Lebenslauf und die Verdienste des Verstorbenen, seine Zärtlichkeit als Gatte, wie als Vater und sprach Worte des Trostes und der Ermunterung zur gramgebeugten Witwe und zu den Kindern, welche Alle recht brave und von allen Mitbürgern geachtete Menschen sind. Effek. (Ein Festtag.) UeberAnregung derslovenischen Handels- und Gewerbekammer, an deren Spitze unser allgemein verehrter Glaubensgenosse Herr Julius Miskolczy steht, trafen am 28. October hier der Banus Graf K h u e n-H ederv a r y und der Handelsminister Böla L u k a c s ein, um unsere wirtschaftlichen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Der Besuch der beiden hohen Dignitäre gestaltete sich zu einem Festtage für ganz Effek und zu einem seltenen Ehrentage für die Kammer und deren verdienstvollen Präsidenten. Nach dem feierlichen Empfange der hohen Gäste auf dem Bahnhofe, bei welchen Herr Miskolczy die Excellenzen in croatifcher Sprache begrüßte, folgte die Festsitzung in dem neuen Kammergebäude, einem prächtigen, monumentalen Bau, welches die Handels- und Gewerbetreibenden Effeks sich aus eigener Kraft errichteten und um dessen Zustandekommen sich gleichfalls Herr Miskolczy die größten Verdienste erworben hat. Den Platz des Vorsitzenden nahm der Handelsminister B6la Luka cs ein, rechts von demselben saßen der Banus Graf Khuen-Heder- Vary und der ehemalige Banus Graf Ladislaus Pejacsevies, links Kammerpräsident Miskolczy, Obergespan Dr. Theodor Graf Pejacsevics, Baron Fedor N i k o l i c s und Landtagspräsident Baso Gjurgjevics. Bei dem Nachmittags im Casinosaale stattgefundenen Festbankett nahm Kammerpräsident Miskolczy den Ehrenplatz ein, umgeben vom Banus, dem Handelsminister. sowie den übrigen Dignitäreru Nach einer sensationellen Rede des Kammerpräsidenten, welcher die wirthschaftlichen Verhältnisse des Landes eingehend erörterte, wurden Trinksprüche auf die hohen Gäste ausgebracht. Sodann erhob sich Bürgermeister Rotier und trank auf das Wohl des Präsidenten Herrn Miskolczy. Der Letztere machte Abends im Theater die Honneurs in der Festloge. Auch nicht der leiseste Mißton störte die Feststimmung des Tages. Bei der Vorstellung der Geistlichkeit wurde auch unser ehrwürdiger Rabbiner Dr. Spitzer vom Banus in eine längere, auszeichnende Conversation gezogen. Der 28. October wird nicht allein der gesammten Bevölkerung Effeks, sondern auch insbesondere den jüdischen Bewohnern als ein Beweis freier, vorurteilsloser Gesinnung der ungarischen Staatsmänner in froher Erinnerung bleiben. C^ernowitz. (Festabend der jüd. nat. akad. Verbindung „H asm oitaea*.) Die Eröffnung des siebenten Semesters dieser Verbindung fand mit einem im großen Saale des „Hotel Ruffie" veranstalteten Festabend statt. Der Präses der „Hasmonaea" Stud. jur.Emanuel Brodfeld begrüßtenachAbsingung des Gaudeamus die erschienenen Festgaste und insbesondere die Vertreter der Universität Se. Magnificenz Prof. Dr. Alois H a n d l und den Decan der philosophischen Facultät Prof. Dr. Smal-Stocki, Oberrabbiner Dr. Josef R o s e n f e l d, LGR. Dr. Bernhard B a r b e r, LGA. Dr. Moriz Salter, Vertreter des akad. Pharmaceutenvereines „Hygiea", u. m. A. Schon das schwermüthige Bundeslied brachte in die Versammlung einen feierlichen Ernst, der sich noch steigerte, als der Festredner Emanuel Brodfeld in schwungvoll gehaltenem Bortrage, mit der der Ueberzeugung innewohnenden Kraft der Begeisterung vor den Zuhörern die Tendenzen und Ideale der „Hasmonaea" entwickelte. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen und in dem derselben folgenden Colloquium lebhaft besprochen. Nachdem das Farbenlied gesungen wurde, sprach der VicepräsesStud. jur. Jacob Kammer auf die Alma water. Aus dem reichen Schatz der jüdischen Geschichte holte Redner einen ebenso geistreichen als trefflichen Vergleich, indem er auf die wissenschaftlichen Bestrebungen eines Jochanan ben Sakai anspielte, der Vaterland und Heimat opferte, um aus dem allgemeinen Ruin die jüdische Wissenschaft zu retten. Auf das der Alma water dargebrachte vivat crescat floreat erwiderte Seine Magnificenz Professor Doctor Alois H a n d l in längerer Rede, die von der Wirkung des bisher Gehörten und dem nachhaltigen Eindruck, den dasselbe hervorrief, Zeugniß gab. Redner dachte hier eine lustige, fröhliche Kneiptafel zu finden, und siehe da, er fand ernstdenkende junge Leute deren tiefgehende, aus dem Herzen kommende Worte vollste Berechtigung haben. Redner sei selbst in eine ernste Stimmung gekommen. Er kenne die traurigen Verhältnisse, die die Gründung der „Hasmonaea" veranlaßt haben und gestehe ihre Existenzberechtigung zu. Redner meint, die „Hasmonaea" sei die Reaktion gegen die verwerfliche üoi KESBSSBaSB