Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 45 (9.11.1894)
- Date
- 1894-11-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Vrflrrrektzffchr Wortzrnphryt Seite 877 Nr. 45 und jeder andern etwa noch bestehenden Antisemitenburg zu verschaffen. Vervielfältigt diese Listen und verbreitet sie. Ihr werdet die Unterstützung aller Rechtlichdenkenden finden, und bald wird der letzte antisemitische Student aus den jüdischen Familien verdrängt sein. Jaroslau, 24. October 1894. Vorgestern, am 22. d. M. verschied hier der rühmlichst bekannte Gelehrte, Hebraist und Literat Herr Alexander L a n g b a n k im 70. Lebensjahre. Der Verblichene war ein Ausnahmsmenfch in des Wortes edelster Bedeutung. Er war eine jener Lichtgestalten des Judenthums, die wie aus einer halbverschollenen bessern Zeit Zu uns hineinragen, einer Zeit, die noch Menschen reiste, deren Seelen nicht ganz von schnöder Gewinn- und Genußsucht ausgefüllt waren, die vielmehr, von einer hohen Idealität getragen, offenen Sinn hatten für alles Gute, Edle und Schöne, die mit selbstlosen Eifer sich dem Studium und der Pflege der Wissenschaft des Judenthums Hingaben und auf diesem Gebiete Bedeutendes zu Tage förderten. Zu diesen Männern, die in Israel immer seltener werden, die nur noch wie vereinzelte Halme auf weiter dürrer Heide dastehen, des unerbittlichen Sensenmannes gewärtig, der auch sie bald hinwegmähen wird, zu diesen Männern gehörte Alexander Langbank. Weit hinaus über die Gemarkung seines Heimatlandes hatte der Name dieses Gelehrten einen guten Klang, und nennt die Geschichte der Literatur einst die Namen unserer besten Männer, so wird auch der Name dieses gediegenen Schriftstellers mit Anerkennung und Verehrung genannt werden. Der Dahingeschiedene war mit einer allseitigen Bildung und mit reichen Kenntnissen auf mannigfachem Gebiete menschlichen Wissens ausgestattet und handhabtes mit seltener Meisterschaft das hebräische Idiom sowohl als auch mehrere moderne Sprachen. Sein hebräischer Styl war geradezu mustergiltig und zeichnete sich durch Einfachheit, classische Präcision und feine Nuancirung aus. Le style c'est Thomme. Dem Style glich auch der Mann. Gerader Sinn, Bescheidenheit, Sanftmuth und Güte, Gerechtigkeits- und Wahrheitsliebe waren die hervorstechendsten Züge seines Charakters, so daß sein ganzes Wesen an die edelsten Typen unseres Stammes oder an die Weisen des griechischen Alterthums erinnerte. Von seinen zahlreichen literarischen Arbeiten, die in Buchform, zumeist aber in Zeitschriften erschienen sind, gedenkt der in Wien domicilirende Sohn des Heimgegangenen, Herr Director Benedict A. Langbank, eine Gesammtausgabe zu veranstalten. Der Hingeschiedene Gelehrte war ein warme. Freund der „Oesterreichischen Wochenschrift" und ihres Herausgebers, die ihm ein ehrendes Gedächtniß bewahren. Am offenen Grabe hielt Herr Religionslehrer Bernhard Pomeranz dem Heimgegangenen Freunde und Verwandten einen tiefempfundenen Nachruf. In der heute stattgefundenen Cultusraths-Sitzung nahm der Vorsitzende Herr Heinrich Strisower, vor Uebergang zur Tagesordnung, Gelegenheit, auf die hohe Bedeutuug des Verstorbenen und auf die Größe des Verlustes, den die Gemeinde heute zu beklagen hat, hinzuweisen, worauf die Versammlung dem Gefühle der Verehrung und Theilnahme durch Erheben von den Sitzen Ausdruck verlieh, und wurde dieser Act der Pietät im Sitzungsprotokolle verzeichnet. Mähr.-Weißkirchen, 6. November 1894. Sonntag den 4. November fand die feierliche Einführung unseres neuen Rabbiners, Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Jacob Rabinovic, in den Tempel statt. Alle Notabilitäten der Stadt waren anwesend. Der ganze städtische Gemeinderath, an der Spitze der Bürgermeister Herr Dr. Plachky, der Commandeur der hiesigen Militäranstalten, Herr Oberst Ladislaus Müller v. Königsbrück, der Director des Gymnasiums, die Directoren der Bolks- und Bürgerschule, zahlreiche Staatsbeamte, Officiere und fast die ganze Bürgerschaft der Stadt, in der unsere Cultusgemeinde sich eines hohen Ansehens erfreut. Den Einzug eröffnete Herr Obercantor A. R e i ch a r d, dem Seine Ehrwürden, Herr Dr. Rabinovic, geführt vom Vorstande, Herrn Salomon Ehrlich, folgte. Den Schluß bildete die vollständige Repräsentanz der Gemeinde. Hierauf stimmte Herr Obercantor R e i ch a r d den großen F-Dar Ha tauwn von Sulz er an, der von ihm und dem vorzüglich geschulten, gemischten Chore vorgetragen wurde. Nachdem die Klänge verrauscht waren, hielt Herr Cultusvorstand Ehrlich an Se. Ehrwürden eine schwungvolle Ansprache. Er hob die hohe Bedeutung des Momentes hervor, in dem Se. Ehrwürden das ihm anvertraute hohe Amt antrete, er betonte das große Vertrauen, das die Gemeinde ihrem neuen Seelsorger entgegenbringe, und die großen Hoffnungen, die man auf diesen baue. In warmen, zu Herzen gehenden Worten dankte der Rabbiner für die Ehre, die ihm zu Theil geworden, das wichtige Seelsorgeramt in hiesiger Gemeinde zu üben. Die Rede war ein Meisterstück theologischer Redekunst, wie es in unserem Gotteshause seit Jahren' nicht gehört wurde. Se. Ehrwürden Herr Dr. Rabinovic verfügt über eine glänzende Rednergabe, er besitzt ein Organ von einem weichen, sonoren und mächtigen Klange, eine reiche Bildkraft, Farbe und Plastik. Es ergriff Alle, wie er von seiner fernen, russischen Heimat sprach und in begeisterten Worten seine neue Heimat, „das schöne, herrliche Oesterreich," wie er sie nannte, pries. Herr Obercantor R ei ch a r d dirigirte nun seine stattliche Sängerschaar beim weihevollen Vortrage des herrlichen Beet- Hoven 'schen Chorales: „Die E h r e G o t t e s", dessen Harmonien das weite Gotteshaus dprchströmten. Nachdem Seine Ehrwürden das Gebet für Seine Majestät den Kaiser verrichtet hatte, sang der Chor die Bolkshymne, worauf die Feier zu Ende war. Herr Dr. Rabinovic wurde nun vom Herrn Vorstande allen anwesenden Honoratioren vorgestellt, die alle ihrer Hochachtung und Bewunderung Ausdruck gaben. Ebenso wurde Herr Obercantor A. Reich a rd vom Commandeur der k. u. k. Militäranstalten, Herrn L. Müller v. Königsbrück, vom Bürgermeister unserer Stadt. Herrn Dr. Fritz Plachky, sowie von den Leitern der Schulen zu seinem prächtigen Vortrage beglückwünscht. Am Abende desselben Tages gab es im festlich erleuchteten Saale des Bereinshauses ein gemüthliches Fest, das durch die schönen Reden und Toaste des Herrn Vorstandes, Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiners und dessen Schwiegervaters, des Herrn Professors Friedmann vom Wiener Seminar, Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Hillel aus L e i p n i k, auf das Fröhlichste belebt wurde. Czernowitz. (Vom israel. Cultusvorstände) wird hiemit zur Verleihung der ans Anlaß des Jnbiläums der 40jährigen Regierung Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef I. von der Czernowitzer israelitischen Cultusgemeinde gestifteten zwei Stipendien je zu 60 fl., welche alljährlich am 2. December zur Verleihung zu gelangen haben, der Concurs bis zum 15. November d. I. ausgeschrieben. Anspruch auf diese Stipendien haben Schüler mosaischer Confession an der hiesigen landwirthschaftlichen Mittelschule (Ackerbauschule) und an der mit der Staatsgewerbeschule verbundenen Handelsschule, und soll in der Regel alljährlich je eines der zwei Stipendien je einem würdigen und armen Schüler an den genannten Lehranstalten zukommen. Gehörig adstruirte Gesuche sind im Wege der betreffenden Schuldrrection an den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zu leiten. Ferner wird vom israel. Cultusvorstande der Concurs zur Verleihung der anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät gestifteten drei Franz Josef-Stipendien je zu 50 fl. zur Heranbildung tüchtiger jüdischer Handwerker, besonders Zimmerleute, Maurer, Schlaffer oder Kunstschmiede, ausgeschrieben. Die diesbezüglichen Gesuche, welche auch den Nachweis enthalten müssen, daß die respectiven Bewerber die vier Classen der hiesigen israelitisch-deutschen Hauptschule beendet haben, find längstens bis 15. November d. I. beim israelitischen Cultusvorstande zu überreichen. Die Stipendien dürfen auch an solche Bewerber verliehen werden, welche außerhalb Czernowitz bei einem obbezeichneten Handwerker in der Lehre sich befinden und werden unter Umständen nicht blos auf ein Jahr, sondern auch auf die ganze nachgewiesene Lehrzeit überlassen. Steyr. 2. November 1894. Löbliche Redaction. Endlich ist es uns gelungen, unser Ziel, das wir seit vielen Jahren verfolgten, zu erreichen. Unser Vorstand hat nämlich eines der schönsten Häuser in der Bahnbofstraße, in welchem sich die Restauration der Actienbrauerei befindet, gekauft und werden die Localitäten zu einem Tempel adaptirt. Bisher mußten wir den Gottesdienst in einem Local abhalten, welches in jeder Beziehung ungeeignet war, und begrüßt es jeder unserer Angehörigen mit Freuden, daß endlich einmal eine würdige Stätte gefunden wurde, in der wir uns dem Dienste Gottes weihen können. Es hat aber auch einen langwierigen Kampf gekostet, ehe wir zu diesem Resultate gelangten und haben wir es in erster Reihe dem ökonomischen, zielbewußten und opferwilligen Wirken unseres gewesenen Vorstehers und Ehrenmitgliedes Herrn Joachim Winter nitz, dem jetzigen Vorsteher Herrn Leopold W eign er und seines Stellvertreters Herrn Moritz Wurmfeld, zu verdanken; aber auch alle andern Angehörigen unserer Cultusgemeinde haben mit großen Opfern, trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse, ihr Schärflein zum guten Zwecke beigesteuert. Trotzdem werden wir aber gezwungen sein, an die Mithilfe unserer Glaubensgenossen zu appelliren und hoffen, daß sich auch in diesem Falle die Solidarität, die das Band unserer heiligen Religion um uns schlingt, bewähren wird.