Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 45 (9.11.1894)
- Date
- 1894-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Wochenschrift Seite 867 Ich könnte diesem Paragraphe nur dann zustimmen, wenn diejenigen Israeliten, welche nachweislich ihre Sabbathruhe gesetzlich feiern, von der Verpflichtung zur Einhaltung der Sonntagsruhe ausgenommen werden. Wer die galizifchen Verhältnisse auch nur einigermaßen kennt, der weiß, wie tief diese Angelegenheit in das sociale Leben der Juden eingreift, der weiß, daß die jüdischen Arbeiter Galiziens und der Bukowina mit sehr geringen Ausnahmen am Samstag nicht arbeiten, ihre Ruhe bereits Freitag Nachmittags beginnen. Diese also zwingen, die Sonntagsruhe mit einzuhalten, also vom Freitag Nachmittag bis Montag Früh zu feiern, heißt, diese armen Leute dem Ruine preisgeben. Ja, meine Herren, im Metternich'schen Zeitalter, unter dem Eoncordate, da war man viel humaner. Der Jude durfte nur sein Geschäft während des Gottesdienstes nicht offen haben, aber wenn der Jude in seinem eigenen Heime Sonntags gearbeitet hat, so hat die Polizei dies nicht gehindert, er durfte auch seine jüdischen Gesellen arbeiten lassen. Heute wird der Jude, der vom Freitag Nachmittag bis Samstag Abend gefeiert hat, gezwungen, den Sonntag in seiner Behausung weiter zu feiern. Nun, meine Herren, ich appellire an Ihre Gerechtigkeit, sagen Sie, hat das mit dem Christenthum etwas zu thun? Das heißt nichts Anderes, als die armen, jüdischen Handwerker brotlos machen, noch mehr, das heißt sie in die Reihen der Socialdemokratie und der Anarchisten treiben. Auf der einen Seite nimmt man ihnen das Brot und auf der anderen Seite nimmt man ihnen die Religion, was sollen sie dann eigentlich Anderes machen? {Abgeordneter Schneider: Ausioandem!) Wir sind hier älter als Sie mit Ihren Anhängern. Wir haben in Wien unser Bürgerrecht schon seit 2000 Jahren (Abgeordneter Lueger: Nur nicht auf schneiden!) t jawohl seit zwei Jahrtausenden, denn schon zur Römerzeit haben hier schon Juden gewohnt. Wir haben unser Bürgerrecht mit unserem Blut, mit dem Blute unserer Ahnen erkauft. (Gelächter.) Ja es gibt keine Scholle Bodens in Oesterreich, wo nicht jüdisches Märtyrerblut geflossen wäre, und der wahre Christ, der seine eigenen Märtyrer hoch und heilig schätzt, wird nicht geringschätzig denken vom geflossenen jüdischen Märtyrerblut. (Allgemeine Beteegung.) Criminalstatistik und Resultate des philantropischen Wirkens des edlen Baron Hirsclx. Der Herr Abgeordnete für Mariahilf hat in seinen Ausführungen zu den einzelnen Delicten Illustrationen geboten. Ich will loyal constatiren, Illustrationen, die er sich nicht erdachte, sondern Ausschnitte aus Zeitungen, und der Zufall, sagen wir, fügte es, daß immer ein Abraham, ein Löw und ein Markus dabei eine unangenehme Rolle gespielt hat, der Zuhörer gewann den Eindruck, als ob alttestamentliche Gestalten unsere Strafhäuser bevölkern. Ich will dagegen nicht polemisiren. sondern die Statistik ruhig und sachlich reden lassen. Wie verhält es sich in Wahrheit mit der Zahl der jüdischen Verbrecher? Das soeben ausgegebene dritte Heft des 39. Bandes der „Oesterreichifchen Statistik" bringt darüber folgende Zahlen. An der Gesammtzahl der Bevölkerung sind betheiligt: Katholiken mit 91 Percent, Griechen mit 22 Percent, Evangelische mit 1*8 Percent und Juden mit 4'5 Percent. Diese Glaubensbekenntnisse sollten daher mit einer gleichen Ziffer betheiligt sein an der Verübung strafwürdiger Handlungen, insbesondere von Verbrechen. An Berurtheilungen für Verbrechen sind jedoch betheiligt: Katholiken mit 92 Percent, Griechen 2-9 Percent, Evangelische mit t'5 Percent und Juden mit 3'5 Percent, daher um ein ganzes Percent weniger, als nach der Zahl der Bevölkerung jüdischen Glaubens auf selbe entfallen sollte. Diese Erscheinung ist um so erfreulicher, da die Begehung von Verbrechen, insoweit es sich um Juden handelt, nahezu stabil abnimmt. Blicken wir nämlich zum Jahre 1881 zurück, so erkennen wir, daß damals die Juden noch mit 4'2 Percent an der Begehung von Verbrechen betheiligt waren, diese Zahl sank bis zum Jahre 1889 — aus diesen Jahren stammen die letzten officiellen Berichte — bis auf 3 5 Percent, daher um nahezu ein ganzes Percmt. Bei den Bekennern anderer Glaubensbekenntnisse, so namentlich den Katholiken und Protestanten, steigt diese Betheiligung. Es lohnt sich, innerhalb der österreichischen Criminalität einen Blick auf die jüdische Bevölkerung Galiziens zu werfen. Dem allgemeinen Borurtheil zufolge sollte man annehmen, daß die galizifchen Juden in moralischer Beziehung weit unter ihren Glaubensgenoffen im übrigen Oesterreich stünden. Dem ist durchaus nicht so, wie die folgenden Zeilen lehren: Es wurden begangen Verbrechen überhaupt 1889 1890 in Galizien 7102 7334 von Juden „ „ 656 718 Da die Juden 11-68 Percent der Bevölkerung Galiziens bilden, so hätten entfallen müssen auf sie . 829 756 Die Halizischen Juden stehen also in ihrer Moralität weit günstiger, als die christliche Bevölkerung Galiziens, wie sich dies in den Ziffern der Criminalstatistik ausdrückt. Aber sie stehen auch nicht schlechter, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt. Bon 1,141.000 Juden in Oesterreich find 772.213 in Galizien, das heißt 67% Percent. 1889 1890 Im Ganzen wurden begangen von Juden in Oesterreich. 991 1060 Verbrechen es kämen auf die galizifchen Juden . 671 723 „ es wurden von Juden in Galizien in Wirklichkeit begangen. 656 718 „ Man sieht also auch hierbei eine allerdings ganz unwesentliche Differenz zu Gunsten der galizifchen Juden und man muß sagen, daß diese nicht besser, aber gewiß auch nicht schlechter sind, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt, daß sie aber weit höher stehen, als die christlichen Bewohner Galiziens. Allerdings muß ich gestehen, daß diese günstigen Ziffern zum Theile dem wohlthätigen Wirken eines edlen, hochherzigen Philantropen, dem Baron Hirsch, mit zuzuschreiben find, und seiner unerschöpflichen Fürsorge für die armen Glaubensgenossen, dem ich von dieser Stelle aus im Namen der galizifchen Juden den Dank aussprechen will. Concnrsstatistik. Wie aber, meine Herren, steht es mit der Concnrsstatistik, demjenigen Delicte also, welches uns gerade der Herr Abgeordnete Dr. Pattai so vielfach entgegengehalten hat? Die vom k. k. Justizministerium bearbeiteten Ergebnisse des Concursverfahrens der k. u. k. statistischen Centralcommission Band XIX, 2. Heft der Oesterreichifchen Statistik: „Die Ergebnisse des Concursverfahrens im Jabre 1885" constatiren, daß in diesem Jahre Concurse eröffnet worden sind: in Niederösterreich ein Concurs auf 9241 Einwohner; in Böhmen auf 20.148 Einwohner; in Mähren auf 16.823 Einwohner; in Galizien dagegen auf 44.804 Einwohner. Ein Cridafall entfiel im Jahre 1885 durchschnittlich auf Einwohner: In Niederösterreich auf 5202; in Steiermark 20.569; in Kärnten 18.354; in Böhmen 12.725; in Mähren 12.030; in Galizien hingegen erst auf 30.553. Band XXIV, 2. Heft der Oesterreichifchen Statistik: „Die Ergebnisse des Concursverfahrens im Jahre 1886" constatirt: In Niederösterreich ein Concurs auf 10.498 Einwohner, in Salzburg auf 16.357 Einwohner, in Böhmen auf 18.113 Einwohner, in Galizien dagegen auf 79 552 Einwohner. Ein Cridafall entfiel im Jahre 1886 durchschnittlich auf Einwohner: In Niederösterreich auf 5012; in Salzburg 16.353; in Tirol 16.774; in Vorarlberg 6711, in Böhmen 11.257; in Galizien erst auf 40.814. Aus dem Jahre 1887 publicirte das Justizministerium im XXV11. Bande, 2. Heft der Oesterreichifchen Statistik nachstehende Daten: In Salzburg ein Concurs auf 8178 Einwohner; in Tirol auf 8946 Einwohner; in Niederösterreich auf 10.790 Einwohner; in Böhmen auf 17.394 Einwohner; in Westgalizien auf 53,164 Einwohner; in Ostgalizien erst auf 64.568 Einwohner. Sie sehen also, meine Herren, daß die Concursstatistik für dasjenige Land, welches die meisten Juden hat, ein günstiges Resultat ergibt. Ich habe mir die Jahre 1885, 1886, 1887 ausgezogen, aber ähnliche Resultate ergeben auch alle übrigen Jahre. „Sittliche Brandstiftung“. Meine Herren! Der Herr Abgeordnete für die St. Pöltner Landgemeinden hat ein gutes Wort gesprochen, welches beherzigt werden sollte, das Wort von der ideellen Brandstiftung"