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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-09 · 45 (9.11.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Vrsterretchiptzr WochenkchrM _ Seite 865 Der Standpunkt der hygienischen Wissenschaft. Die deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege hielt am Freitag den 29. Juni d. I. im Hörsaale des Hygienischen Instituts in Berlin eine Sitzung ab, um den physiologischen Werth des nach verschiedenen Methoden geschlachteten Fleisches in Discussion zu stellen. Vorsitzender war der Geheime Oberregierungsrath S p inola, Referent war Dr. Krüger vom Berliner Physiologischen Institut. Dr. K r ü ger schloß seinen Vortrag mit der Erklärung, daß ein Urtheil über die beste Schlachtmethode nicht den Schlächtermeistern, auch nicht den Thierschützlern, sondern nur allein denPhysiologen zustehe. Vom hygienischen Standpunkte aus könne man nur wünschen, daß die jüdische Schächtmethode endlich die Anerkennung finde, welche sie verdient. Die Staatsbehörden hätten alle Veranlassung, nicht Verbote gegen diese Schlachtmethode zu erlassen, sondern die a ll g em ein e Einführung derselben zu bewirken. Mit Zustimmung der Versammlung erklärte Geheimrath Spinola das volle Einverständniß der Versammlung mit den Ausführungen des Vortragenden. Ende letzten Monates hielt in Paris Herr Professor I. V. La borde, Chef des physiologischen Instituts der dortigen Universität, in der Sitzung der ^.cLäswie äe wöäieme einen Vortrag über „die verschiedenen Schlachtmethoden vom physiologischen Standpunkte". Er gelangt ebenfalls zum Schlüsse >liest): „Resumiren wir also, so glaube ich auf Grund sowohl der auseinandergesetzten Motive der experimentellen Beobachtung, als auch der praktischen Thatsachen, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Verhältnisse, die Blutentziehung durch den Halsschnitt, — das ist also das jüdische Schächten — ausschließlich vom physiologischen Standpunkte betrachtet und frei von jeder Frage der Secte und des Ritus, diejenige Schlachtmethode bildet, welche am wenigsten dazu angethan ist, den Thieren, bei welchen sie Anwendung findet, Schmerzen zu verursachen." Vor zwei Monaten kam die verbürgte Mittheilung, daß die königliche Militär-Conservenfabrik zu Spandau bei der Polizei die Erlaubniß nachgesucht hat, die jüdische Schächtmethode anzuwenden. In der Militär-Conservenfabrik zu Mainz werden aus denselben Gründen, die in Spandau für die Neuerung maßgebend sind, nämlich aus Rücksicht auf die bessere Conservirung und Gesundheit des Fleisches, schon seither sämmtliche Thiere geschächtet. Die Schächtverbote in Hannover und Marienwerder wurden vom preußischen Ministerium cassirt. Arische Schächtmethode. Ich erhielt einen Brief aus Bielitz über die Vorgänge in dem dortigen Schlachthause. Er lautet (liest): „Bielitz, Februar 1894. In den Schlachthause der Stadt Bielitz wurden am 24. d. M., wie täglich, mehrere Stück Vieh von Fleischern geschlagen und auch einige von mir, als Schächter der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, geschlachtet. Ein Fleischer, namens Carl Linnert, hatte auch drei Ochsen zum Schlagen, von welchen zwei mit schwerer Mühe fielen. Der dritte Ochs, von mehreren Gehilfen mit circa 30 Schlägen beschüttet, fiel noch nicht, auch nicht, als sämmtliche circa 24 beschäftigte Personen mit der Schneide der Hacke am Schädel des Thieres herumschlugen, so daß ganze Splitter vom Kopfe flogen und ein Theil der Gehirnschale einfiel; das Thier, trotz des großen Schmerzes, da doch Theile vom Kopfe fielen und das Blut in Strömen floß, erlag noch immer nicht. Sämmtliche anwesenden Personen, denen doch eine starke Natur ihrem Berufe halber zu Grunde liegen muß, packte ein Grauen, da sie den colossalen Schmerz nicht ansehen konnten, und wollten das Schlachthaus verlassen, als mir ein Herr Althammer, der hier Schlachthausverwalter und zugleich diplomirter Thierarzt ist, sagte, daß er den Schmerz nicht ansehen könne und mich bat, das unglückliche Thier zu schlachten". — Der Schreiber ist nämlich der jüdische Schächter. — „Nach großen Schwierigkeiten, da das Thier wüthend wurde, band man es und ich schlachtete es auf „trefe". Euer Wohlgeboren können sich unmöglich ein Bild dessen vorstellen, wie ein Vieh leidet, welches geschlagen wird und nicht fällt. Dieses wüthende Gebrüll, dieses Ausschlagen, diese Splittertheile, vom Kopfe fliegend, dieses Blutausströmen, das Alles ist nur eine Plage für das Thier, welchem sehr leicht abzuhelfen wäre. Der verständige und praktische Thierarzt selbst sagte es unter Zeugen, daß es über das „Schlachten" nichts gibt, da das Thier im Moment besinnungslos zusammenstürzt." 254 Gutachten. Nun hat aber der Herr Abgeordnete Dr. P a t t a i bemerkt: „Selbst das den Schächtern günstige Gutachten lautete dahin, daß das Schächten der Thiere zwar nicht schlechthin als Thierquälerei bezeichnet werden könne, jedoch gewisse Schutzmaßregeln erheische, um nicht zur Grausamkeit zu werden." Ich habe mir erlaubt mehrere Exemplare der Gutachten hieher zu bringen und auf dem Tische des hohen Hauses niederzulegen. Das hohe Haus möge sich selbst überzeugen, inwiefern diese Behauptung mit der Wahrheit übereinstimmt. Es sind nicht weniger als 254 Gutachten über das beste Schächtverfahren abgegeben worden. Diese Gutachten sind erstattet von 23 Professoren der Physiologie, Pathologie rc. in Deutschland, welche sämmtlich zugleich Directoren physiologischer, pathologisch-anatomischer oder hygienischer Universitätsinstitute sind; von 7 Universitätsprofessoren Oesterreich-Ungarns, von 6 Universitätsprofessoren Hollands, von 3 Universitätsprofessoren Englands, von 3 Universitätsprofessoren Dänemarks, von 3 Universitätsprofessoren der Schweiz, von 3 Universitätsprofessoren Italiens, von 2 Universitätsprofessoren Frankreichs; im Ganzen von 50 Universitätsprofessoren. Dazu kommen: 14 Directoren von Thierarzneischulen, 24 Professoren der Thierarzneikunde, sowie 152 Thierärzte in verschiedenen Stellungen. Endlich haben sich diesen Gutachten auch 14 Großschlächter und Metzger-Innungen angeschlossen. Aus diesen Gutachten erlaube ich mir hervorzuheben (liest): Professor Dr. Gerlach, Director der königlichen Thierarzneischule in Hannover, derzeit in Berlin: „Die Empfindung und das Bewußtsein auf möglichst milde, schnelle und sichere Weise zu vernichten, das ist eben die Hauptaufgabe beim Schlachten, und diese Aufgabe ist durch das Schlachten nach jüdischen Vorschriften bis jetzt noch am vollkommensten gelöst". Professor Rudolf Virchow, Director des pathologischen Institutes in Berlin: „Wenn alle Bestimmungen des Rituals vollständig erfüllt werden, was bei der Natur der Handlung sicher zu erwarten ist, so wird sie (beim Schächten) in ungleich sicherer Weise erreicht als durch irgend eine andere Art der Tödtung". Ihnen schließen sich an: die Professoren Hannover, Panum, Steenstrup, Bagge in Kopenhagen: »Zufolge Aufforderung erklären wir hiemit, daß die Art und Weise, wie die jüdischen Glaubensbekenner die Thiere schlachten, die ihnen zur Speise dienen, in gewisser Beziehung der allgemeinen Schlachtungsweise vorzuziehen ist". Die Professoren Lundberg und Kinberg in Stockholm: . . . „bestätigen es amtlich, daß die gedachte Tödtungsweise der Thiere bei den Israeliten, wenn gut ausgeführt, eine weniger schmerzhafte als die bei den Christen ist". Aehnlich äußern sich sämmtliche Gutachten, die ich hiemit dem hohen Hause vorlege. Lin „staatsgrundgesetzlich gewährleistetes Recht auf Thiermarter“. Der Herr Abgeordnete Dr. Pattai behauptete, es geb. kein „staatsgrundgesetzlich gewährleistetes Recht auf Thiermarter" Das war nach meiner Meinung eine unvorsichtige Behauptung von Seiten eines Juristen. Wie steht es. dann eigentlich mit der Jagd? Ereignen sich denn bei der Jagd gar keine Vergehen gegen die Vorschriften, betreffend den Thierschutz. Vor mir liegt die „Deutsche Jäger-Zeitung"; sie ist bestimmt für die vom „edlen Waidwerk" und enthält an erster Stelle eine Klage über die von der „Jagd" unzertrennlichen Thiermartern. Die Schilderung des Anschießens und schließlichen qualvollen Berendens der hilf-- und schutzlosen Geschöpfe des Waldes hat lediglich den ausgesprochenen Zweck, einer vermehrten Verwendung waid- und kunstgerecht arbeitender Schweißhunde das Wort zu reden. Unser Jagdfreund sagt zunächst:.,Wenn man die Waidmannslust der farbenprächtigen und poesievollen Aus-

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