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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-02 · 44 (2.11.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
44 (2.11.1894)
Date
1894-11-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 44 uff ,« j. tyji— _'f~ f , .fM FwMrrempptzr Mmyrnptzrtfl Seite 857 Gäste empfängt und Auskünfte ertheilt die Verbindung in ihren Localitätcn, IX., Müllnergasse 13. täglich in den Abendstunden. Die Eröffnungskneipe der „Kadimah" findet Samstag den 3. November, Abends, 8 Uhr, im Restaurant Khun er I., Schottenring statt. Wien, 23. October. (Akademischer Verein „Gamal a.") Der akademische Verein „Gamala", ein jüdisch-nationaler Studentenverein, von dessen Entstehung wir jüngst berichteten, hat nunmehr seine Thätigkeit ausgenommen. Der Verein wird im Sinne des von uns reproducirten, an die jüdische Studentenschaft gerichteten Aufrufes wirken und die R ihe jener Vereine vermehren, welche sich gegen den immer härtere Formen annehmenden Kampf von Außen durch — fast möchten wir sagen — Rückkehr zum Judenthum mit neuem Muth und Selbstbewußtsein wappnen wollen. Darum begrüßen wir den Verein, welcher bestimmt ist, dem so hart um seine Existenz ringenden jüdischen Volke eine neue Generation tüchtiger, schaffender Kräfte zuzuführen, auf das Sympathischeste. Die in der Plenar-Versammlung vom 20. d. M. stattgehabte Wahl des Ausschusses ergab als gewählt die Herren: Cand. med. Marcus Ernst, zum Präses, Stud. med. Moses Salz zum Vicepräses und Stud. phil. A. Berkowicz zum Schriftführer. Der Verein wird bis zur Aufnahme eines eigenen Locals, die in Kurzem erfolgen wird, seine Thätigkeit in den Localitäten der akademischen Verbindung „Kadimah" entwickeln. Wien. (Der neue Capellmeister der Budapest e r Oper.) Bor einigen Tagen hat die Budapesterkönigliche Oper in der Person des Herrn Josef Großmann, eines Wieners, einen neuen Capellmeister erhalten. Der treffliche junge Musiker — er steht heute erst im 29. Lebensjahre — hat bisher glänzende Carriere gemacht. Als Schüler des hiesigen Conservatoriums errang er den ersten Preis, sowie die Gesellschaftsmedaille und wandte sich dann nach seiner Absolvirung sofort der Dirigentencarriere zu. Er begann dieselbe am Jschler Theater, war dann einige Jahre Militärkapellmeister der Infanterie-Regimenter Nr. 12 und Nr. 40, hierauf Operndirigent in Regensburg und seit zwei Jahren Capellmeister des Stadttheaters in Köln. In dem letzteren Theater wohnte im verflossenen Winter der Intendant der Budapester Oper, Graf Zichy, einer Opernvorstellung bei; G r o ß m ä n n saß am Dirigentenpulte und die Art, wie er die Vorstellung leitete, interessirte den ungarischen Intendanten so lebhaft, daß er den jungen Capellmeister einlud, an der Budapester Oper mit unterlegtem Contracte zu dirigiren. Im Mai dieses Jahres führte sich Großmann demzufolge mit der Leitung des „Don Juan", der „Hugenotten" und des „Lohengrin" mit großem Erfolge ein. Es blieb nun bei seinem Engagement, trotzdem mittlerweile der Rücktritt des Grasen Z i ch y erfolgte; die Direktion des Kölner Theaters wollte indessen ihren jungen Dirigenten nicht geraden Weges ziehen lassen, so daß er erst nach Bezahlung eines bedeutenden Pönales und nachdem der frühere Capellmeister, Professor K l e s f e l, dem Kölner Theater seine Dienste wieder zugesichert hatte, den dreijährigen Contract mit der Budapester Operndirection unterzeichnen konnte. Heut wird Großmann zum erstenmal als Capellmeister der königlichen Oper dirigiren, uud zwar den „Fliegenden Holländer". Wien, 29. October. Das „Znaimer Wochenblatt" vom 27. October enthält folgende Stelle: In der am 5. November l. I. beginnenden 4. und letzten Schwurgerichtsperiode gelangen folgende Fälle zur Verhandlung: 1. Montag den 5. November gegen Franz Viklicky wegen Verbrechens der Nothzucht. 2. Am selben Tage Nachmittags 3 Uhr gegen Carl Kadlec wegen Verbrechens der Nothzucht. 3. Dienstag den 6. November Vormittags 9 Uhr, gegen Johann und Justine Czech wegen Verbrechens der Nothzucht und Blutschande. 4. Mittwoch den 7. November gegen Johann Hrdlicka wegen Verbrechens des Raubes, der Nothzucht und des Diebstahls. 5. Donnerstag den 8. November gegen Caroline V r b a wegen Verbrechens des Kindesmordes. 6. Am selben Tage, Nachmittags 3 Uhr gegen Antonia Havlena wegen Verbrechens des Kindesmordes. Wie also Herr Redakteur sehen, durchwegs rassenreine Arier. Was die Natur der Delicte anbelangt, ist ein Commentar überflüssig. H. K. Pretzburg, Ende October1894. („Jüdischer Christenhaß".) In Bur St. Miklos bei Malaczka im Preßburger Comitat starb am 20. October die Gattin des hiesigen Schuhmachers Ma chatschek im Wochenbette und blieb der in äußerst kümmerlichen Verhältnissen lebende Mann mit 6 kleinen unversorgten Kindern — von denen das jüngste 14 Tage alt ist — zurück. Der vom Unglück so hart Betroffene schien fast der Verzweiflung nahe. Trotzdem nun der betreffende Schuhmacher christlicher Confession ist, kamen, von Mitleid gedrängt, zwei jüdische Frauen, und zwar Frau Charlotte G r ü n h u t und Frau Fanni W ei n w u rm, veranstalteten unter ihren Glaubensgenossinnen eine Collecte, welche ein Resultat ergab, daß vorderhand ein Kind dieses bedauernswerthen Mannes gänzlich in Pflege und Versorgung gegeben werden konnte, und hoffen dieselben, da die Spenden noch immer in entsprechender Weise zufließen, auch ein zweites Kind zu versorgen. Steinamanger. Donnerstag Nachts saßen im Speisesaale des „Hotel Sabaria" mehrere Reisende, während am oberen Ende des Saales eine Gesellschaft von sieben bis acht Officieren des hier stationirten Husaren-Regiments bei den Klängen einer Zigennercapelle sich unterhielt. Es war halb 12 Uhr Nachts, als ohne allen Grund und ohne den geringsten Anlaß ein Husaren-Lieutenant, Baron Korb, mit Stentorstimme in den Saal rief: „Juden müssen hinaus!" Und ohne erst die Wirkung dieses Commandos abzuwarten, schleuderte er Champagnergläser gegen die Köpfe ruhig sitzender Gäste. Diese Würfe verfehlten glücklicherweise ihr Ziel. Ein großer Theil der Reisenden verließ sofort behufs Vermeidung eines Scandäls das Local; zwei Viehhändler, Namens Jsak Kulsbeimer aus Pforzheim (Großherzogthum Baden) und Emil Mayer aus Rastatt, blieben jedoch ruhig auf ihren Plätzen. Plötzlich kamen Salzkipfel gegen ihre Köpfe geflogen, was sich Kulsheimer energisch verbat. Er hatte aber kaum geendet, als Baron Korb auf ihn losstürzte und ihn am Halse zu würgen begann. Der zweiundfünfzigjährige Kulsheimer schleuderte hierauf den Lieutenant in eine Ecke, worauf dieser vom Leder zog und ihm am Kopfe mittels-Säbels eine schwere Verletzung beibrachte. Auch die übrigen sechs Officiere eilten dem Kameraden zu Hilfe und nur auf seine.jammervollen Rufe daß er Familienvater sei und Schonung erflebe, ließen die Officiere von weiteren thätlichen Angriffen ab. Ein Lieutenant war nicht zu beschwichtigen und führte neuerdings die Klinge gegen den Kopf Kulsheimer's, wobei der Oberlieutenant B a l t a z z i den Hieb auffing und an den Fingern der rechten Hand Schnittwunden erhielt. 'Kulsheimer wurde im schwerverletzten Zustande, über und über mit Blut bedeckt in sein im Hotel „Sabaria" befindliches Zimmer gebracht, woselbst ihm Dr. Ullmann noch Nachts einen Verband anlegte. Hier erschien alsbald Lieutenant Baron Mar sch all vom Oedenburger 9. Husaren-Regimente, der als Gast hier weilte, bat zunächst namens der betheiligten Officiere um Entschuldigung und erklärte, den Schwerverletzten reichlich zu entschädigen, sofern derselbe von einer Anzeige beim Regimentscommondo und der Veröffentlichung des bedauernswerthen Vorfalles in der großen Tagespresse Umgang nehme. Freitag Vormittags erschien auch Oberst v. Barkassy beimkranrenKulsb e im er sprach namens des Regiments sein tiefstes Bedauern über den skandalösen Vorfall aus und. bot ihm als Schmerzensgeld die Summe von 1300 fl. an, womit sich Kulsheimer zufrieden gab. Donnerstag Nachts erschien auch ein Polizei-Commiffär im Hotel behufs Aufnahme des Thatbestandes. Der zweite Viehhändler, Herr Emil Mayer, begab sich heute Nachmittags nach B u d a p e st, um beim deutschen Consulate Beschwerde zu erheben. Prag. Aus dem „Deutschen Hause", wo bekanntlich am 14. October die deutsch-böhmische Bertrauensmänner-Versammlung tagte, ist nachstehende charakteristische Episode zu berichten. Nachdem Abgeordneter Dr. B areuther seine Rede beendet hatte, die in salbungsvoll versöhnlichem Tone seinen „Bund" allen Deutschen, welche Mitarbeiten wollen, empfahl, ging ein Vertrauensmann, der angesehene Stadtrath und Advocat Dr. F. aus Karlsbad mit den Worten auf ihn zu: „Ihre Rede hat Eindruck auf mich gemacht; ich ersuche Sie, mich für Ihren „Bund" anzumelden." Dr. Bareuther gerieth in Verlegenheit und sprach von Schwierigkeiten, die er nicht beim rechten Namen nennen wolle, bis endlich Dr. F. ihm zurief: „So fagen Sie es doch heraus, die Sache hat den Haken, daß ich ein Jude bin; aber dann nennen Sie auch Ihren Bund geradeaus einen

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