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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-02 · 44 (2.11.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
44 (2.11.1894)
Date
1894-11-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 858 Veprrretchtptze Vochenschrtfl Nr. 44 „Antisemitenbund". Der versöhnliche Dr. Barenther konnte gegen dieses argumentum ad hominem nichts einwenden. Ob er wohl künftig seinen Bund bündig als das bezeichnen wird, was er ist, oder wieder mit dem Ausdruck allumfassender Liebe seine Arme öffnen, um alle versammelten Deutschen an's Herz zu drücken? Prag, 21. October. Der Antisemitismus in Böhmen. »Öeskozidovskd Listy« (Böhmisch-jüdische Blätter). Jahrzehnte wüthete der Antisemitismus in deutschen Gauen, ehe diese germanische Errungenschaft des 19. Jahrhunderts auch in böhmischen Kreisen Einlaß fand. Umsonst warfen die antisemitischen -öeskä Zäjmy« den böhmischen Blättern aller Parteien Verjudung und Judenknechtschaft vor. Nun heißt es, daß unter Patronanz des Abgeordneten Bkeznovsky ein antisemitisches Tagblatt erscheinen wird. Der eigentliche Proponent dieses Blattes hat als internationaler und nationaler Socialdemokrat, sowie als Organisator des Gewerbestandes abgewirthschaftet und würde auch dem antisemitischen Tagblatt abwirthschaften helfen. Zudem haben sie von vornherein eine Concurrenz in dem fünfmal wöchentlich erscheinenden clericalen -Öech«. Während der Canonicus Hora im Landtage und der Canonicus K r a s l im Stadtrathe dem Abgeordneten und Stadtverordneten Herrn Josef I n w a l d gegenüber in merkwürdiger Jdeenaffociation erklären, daß die Anhänger positiver Glaubensbekenntniffe sich gegenseitig unterstützen müssen, glaubt das böhmische Hauptorgan der Clericalen die etwas still gewordenen antisemitischen »Cesk<§ Zäjmy« überbieten zu sollen. In den ihrem Titel „Culturbilder" oft förmlich Hohn sprechenden Feuilletons sucht der hochwürdige Pater Ko pal die von ihm mit besonderer Vorliebe geschilderten Prazsk<5 Pepicx (Prager Strizzi) in derbem Judengeschimpf förmlich überbieten zu müssen. Bor Kurzem brachte der »Cech«, angeblich nach einem polnischen Blatte, das »LolUidre» im Urtext und mit einer Uebersetzung, die förmlich an die Uebersetzungen R o h l i n g's erinnern. Mit leichtem Herzen wurden der Uebersetzung ganze Sätze oder einzelne Schattirungen zugedichtet, ohne zu bedenken, daß die katholischen Geistlichen im Seminar das Hebräische eigentlich erlernen sollten und diese Fälschung leicht durchblicken könnten. In einer dieswöchentlichen Nummer wird der Judeneid besprochen. Wie? das zeigt schon die Bemerkung zum Titel, der zeigt, daß dies nur eine Compilation Eisenmenger'scher Behauptungen ist. Wozu diese Veröffentlichung wohl dienen soll? Gebildete Geistliche kennen Eisenmenger und wiffen, was sie davon halten sollen, aber es gibt auch Hetzcapläne, die bei Mangel positiver Kennünß der talmudischen Literatur sich auch mit Eisenmenger'schen Erfindungen zufrieden geben. — Nachdem sich daher auch hier der Antisemitismus zu regen beginnt, sollte ein jeder Freund des Judenthums es mit Freuden begrüßen, wenn auf eigenem Boden ein Platz gefunden wird, wo solchen Angriffen entgegengetreten werden kann. Nicht so der Herr Correspondent, der den Bericht „Aus Böhmen" in die vorletzte Nummer Ihres geschätzten Blattes einsandte. Wohl habe ich kein persönliches Motiv, für die »CeskozidovskS Listy« einzutreten, aber im Interesse der Sache glaube ich doch, dem erwähnten Herrn Correspondenten erwidern zu sollen. Man kann mit Recht erwarten, daß ein Blatt, dessen Titel in deutscher Uebersetzung: „Böhmisch-jüdische.Blätter" lautet, neben der Wahrung böhmischer Interessen auch zur Wahrung des Judenthums wird beitragen müssen. Und wirklich haben die Erklärungen der Abgeordneten Dr. Rieger, Dr. Engel, Spindler, der Artikel des Abgeordneten Franz Schwarz überall einen guten Eindruck gemacht. Ihr Herr Correspondent findet Anstoß an dem Schlußwort des Programmartikels: „Unser Glaube — ist das Vaterland". Nun könnte ich wohl darauf Hinweisen, daß unser Glaube wirklich die Vaterlandsliebe predigt, aber es genügt doch sicher, darauf hinzuweisen, daß dieser Satz blos ein Citat aus einem böhmischen Gedichte Siegfried K o p p er's ist, aus einem Gedichte, das in den Vierziger-Jahren Liebe zum Glauben und Liebe zum Vaterlande predigte. Weiter glaubt Ihr Correspondent die jüdischen confessionellen Schulen gegen die »Cz. L.« vertheidigen zu sollen, ohne sich zu fürchten, als Vorkämpfer der confessionellen Schule an die Seite des Fürsten Li echten stein gesetzt zu werden. Richtig ist der Hinweis „wie wenig für die religiöse Erziehung außerhalb der confessionellen Schule gesorgt ist". Aber selbst wenn ich zugeben sollte und könnte, daß die confessionellen Schulen dieser ihrer eigentlichen Aufgabe entsprechen, so würde daraus doch nur folgern, daß die confessionelle Schule diesem Zwecke nicht entrückt werden soll. Die jüdisch-confessionellen Schulen in Böhmen wurden unter Kaiser Josef zu Germanisirungszwecken gegründet. Bitter beklagt sich der Verfasser der Geschichte der Prager Josefstädter-Schule über die Schwierigkeiten, die die Prager Juden vor 100 Jahren der Germanisirung der Cheder entgegenstellten. Die damals gehegten Befürchtungen sind voll und ganz eingetreten. Wir müssen unsere Rabbiner aus der Fremde verschreibenunsere Jugend erhält an den confessionellen Schulen so viel religiöse Bildung, daß immer größer die Zahl Jener ist, die nicht beten können, wenn nur die jüdisch-confessionellen Schulen ihrem eigentlichen Zwecke — zu germanisiren — entsprochen haben. Auch Ihr Correspondent „aus Böhmen" fertigt den einen Zweck der confessionellen Schule — die religiöse Schule — mit zwei Zeilen ab, während er ausführlicher über die Erlernung der deutschen Sprache sich ausspricht. Confessionelle Schulen sollen und können uns erhalten bleiben, um wirklich für die religiöse Erziehung unserer Jugend vorzusorgen, aber recht hatte der Abgeordnete Adamek, als er vor nun circa 18 Jahren dem Schreiber dieses in einer öffentlichen Sitzung erwiderte, daß er sich dagegen verwahre, als Judenfeind zu gelten, aber es könne den Böhmen nicht gleichgiltig bleiben, daß unter dem Mäntelchen confessioneller Schulen Germanisirungsherde geschaffen werden. Darum glaube ich, daß Ihr Correspondent aus Böhmen gegen die »Cz. L.« allzuscharf ins Zeug ging. I. S. Kraus. Paris, 20. October. Gestern ist hier einer unserer hervorragendsten Glaubensgenossen im blühendstenMannesalter gestorben, James Darme st et er, der unter den. Orientalisten der Gegenwart mit in der ersten Reihe stand. Er war als Forscher ungemein vielseitig. Am schärfsten treten in dem Bilde seines Schaffens die vergleichend religionswissenschaftlichen Forschungen hervor. Den Untergrund dieser bilden die sprachvergleichenden Studien. Am meisten pflegte Darme steter von den einzelnen orientalischen Sprachen das Persische. Seine Arbeit hierin war sehr breit angelegt. Nicht nur die Sprache, sondern nicht weniger Literatur und Cultur fesselten ihn. 1849 zu Chateau Salins im Meurthe - Departement geboren, wandte sich James Darmesteter, ein jüngerer Bruder des Romanisten, Arsöne Darme steter, zuerst dem Rechtsstudium zu. Erst nachdem er dieses zu Ende gebracht hatte, begann er unter der Leitung des Bayern Breal, eines Schülers von Bopp und Weber, das Studium der orientalischen Sprachen. Bereits 1875 trat er mit der ersten Arbeit, einer Studie zur Mythologie des Avesta, an die Oeffentlichkeit. Bei seiner Promotion gab er zwei Jahre später die Schrift „Orauzd und Ahriman, leurs origines et leur histoire“ bekannt. Bon der Universität Oxford wurde Darmesteter kurze Zeit später der Auftrag ertheilt, für deren Sammlung der heiligen Bücher des Orients eine Uebertragung des Zendaoesta zu liefern. Von den übrigen Schriften Darmesteter's zur persischen Sprache und Literatur sind anzuführen: „Etudes iranianes“ (lb83), „Etudes sur 1’Avesta (1888),„Les orgines de la poesie persanne“ (1888) , „Epic legends of ancien Persien“. In den letzten Jahren beschäftigte sich Darmesteter auch viel mit dem Afghanischen. Hervorzuheben sind seine Studien über afghanische Volkslieder und über buddhistische Erinnerungen in Afghanistan. Von der Akademie durch einen Preis ausgezeichnet wurden 1883 D a rm e st et e r „Orientalische Essays", die Nachrichten über die Orientalia in Frankreich, Prolegomena zur-Geschichte der Religionen u. A. m. enthalten. Ihnen anzureihen sind Da rm estet er's „Indische Briefe" (1888), sein Buch über den Mahdi (1885) und seine Uebertragung von Max Mülle r's Buch über Ursprung und Entwicklung der Religionen. Auch auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft hat Darmesteter Vortreffliches geleistet. Sein Bortrag: „Coup d’oeil sur Phistoire du peuple juis“ erregte seinerzeit allgemeines Aufsehen. Im vorigen Jahre erschien sein Buch über die Propheten Israels. Auch an allen jüdischen Angelegenheiten nahm er warmen Antheil. Seine Lehrthätigkeit begann Darmesteter als Repetitor für Zend an der Ecole des hautes Etudes. Später wurde er Mitdirector dieser Anstalt und Professor am College de France. Sein Andenken wird in Ehren fortleben! Vermijscktks. Wien. Herr Leopold Louis Dreyfus, Chef und Gründer der 44jährigen Firma Dreyfus u. Comp., Welche auch Zweigniederlassungen in mehreren größeren

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