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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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EL. Ü: - SS»..^r^g., Nr. 43 Deflerrektzifche Wochenfitzrist Seite 83S GR. Renunkel fragt, ob der Sergeant einen schriftlichen Auftrag von der Behörde erhalten habe. Der Präsident antwortete, daß es ein schriftlicher war. Brody, 20. October. Hochgeehrter Herr Redacteur! Ich würde auf das Eingesendet, das sich Herr Moses Landau schreiben ließ, nicht zurückgreifen, da ich für eine fremde Correspondenz, deren Verfasser sonder Zweifel der verehrlichen Redaction besser bekannt sein dürfte, als mir, keine Verantwortlichkeit trage, wenn es nicht die Richtigstellung von entstellten Thatsachen gälte. Es ist unwahr, daß die hiesigen Wähler sich an mir wegen meiner Gegnerschaft bei der Wahl des Abgeordneten Herrn Dr. Byk haben rächen wollen; erstens ist das Gros unserer Wähler, nicht so zärtlicher Natur und so zart besaitet; zweitens war unmittelbar nach der Reichsrathswahl eine Gemeinderathswahl und ich wurde mit großer Majorität wieder gewählt; drittens war ich kein Gegner der Candidatur des Dr. Byk, sondern ein passiver Zuschauer, der weder irgend ein Werbelocal besuchte, noch an der Agitation theilnahm und krankheitshalber nicht einmal zur Stimmenabgabe erscheinen konnte, übrigens auch damals nicht von der Eignung des Herrn Dr. B y k so überzeugt war, wie sie sich später so trefflich bewährte. — Was das Stimmenverhältniß bei der letzten Gemeinderathswahl betrifft, so finde ich es geradezu glänzend. Wenn man bedenkt, daß meine Gegner feigerweise meine Abwesenheit benützten, um mittelst geistiger Getränke den Mob aufzuhetzen, an den Wahltagen die Wähler terrorisirten, ihnen Vieles vorlogen, namentlich, daß ich gar nicht ausgelost worden sei, ferner, daß die auf mich abgegebenen Stimmen qualitativ ungleich mehr werth sind, als Jene, die man mittelst Schnaps und Bier gegen mich aufbrachte, so wird man in dem Wahlresultat eher eine Anerkennung, als eine Niederlage finden! — Schließlich ist mir der Gemeinderath durchaus nicht verschlossen, indem sich Vormänner erboten, zu meinen Gunsten zu resigniren, weil ich durch 39 Jahre in warmer Weise jüdische Interessen im Gemeinderalhe vertrat; ich nahm jedoch dies Opfer nicht an und wünsche den Männern, die nach mir kommen, daß sie nach Jahren auf einen Erfolg zurückblicken, dessen Bewußtsein mich für Angriffe entschädigt, die ich verachte, weil sie erbärmlich sind. Hochachtungsvoll Leo Herzberg-Fränkel. Münster i. W., 14. October. Der Regierungsrath Dr. Paul Meyer in Köln ist zum Oberregierungsrath und stellvertretenden Präsidenten der am 1. April 1895 zu errichtenden königlichen Eisenbahn-Direction in M ü n st e r befördert worden. Darüber ist die „Kreuz-Zeitung" sehr entrüstet und schreibt: „Aus Münster erhielten wir eine Zuschrift, in der lebhafte Beschwerde darüber geführt wird, daß ein jüdischer Regierungsrath Dr. Paul Meyer in Köln zum Oberregierungsrath und stellvertretenden Präsidenten der am 1. April 1895 neu zu errichtenden königlichen Eisenbahn-Direction in Münster befördert werden soll. Der Gedanke, daß über das Wohl und Wehe von zahlreichen christlichen Beamten und Arbeitern, über ihre persönlichen und dienstlichen Angelegenheiten, ihren Urlaub zum Abendmahl und an Feiertagen in Zukunft ein Jude frei zu bestimmen haben soll, wird von den dortigen christlichen Bahnbediensteten als eine schwere Last und Kränkung empfunden. Wir kennen Herrn Dr. Paul Meyer nicht, wissen nicht einmal, ob er Jude ist; ist er es aber, so scheint uns seine Beförderung auf eine so maßgebende Stelle mindestens nicht — zeitgemäß." Weshalb? Ist das Gesetz, betreffend die bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung der Confessionen, etwa schon außer Kraft gesetzt? Bern, 16. October. Das Militärdepartement macht folgende Mittheilung: Auf die Beschwerde eines israelitischen Wehrmannes, daß er und seine Glaubensgenossen durch den Inhalt einer Feldpredigt, zu welcher sie während ihres Wiederholungscurses commandirt worden waren, in ihren religiösen Gefühlen verletzt worden seien, wird nach Anhörung des betreffenden Feldpredigers verfügt: Es geht aus der Vernehmung des Feldpredigers Widmer hervor, daß derselbe keineswegs die Absicht hatte, Andersgläubige zu verletzen. Dagegen ist derselbe aufmerksam zu machen, daß es Uebung ist, die Truppen zur Theilnahme am Feldgottesdienst ohne Rücksichtnahme auf ihre Confession zu commandiren und daß in Folge dessen die Feldprediaten so zu halten sind, daß sie von Angehörigen aller Confessionen ohne Beeinträchtigung ihrer Glaubens¬ und Gewissensfreiheit angehört werden können. Nermijscktes. Wien. (Trauungen.) Sonntag am 28. d. M., halb 1 Uhr Nachmittag, findet im israel. Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Herrn Dr. Norbert Klinge r, Sohnes des Herrn kaiserlichen Rathes und Kammerrathes Heinrich Klinge r, mit Frl. Seraphine Straus, einer Nichte des Gemeinderathes Dr. Alfred Stern, statt. Es findet ferner im israelitischen Tempel in dcr Leopoldsladt um V-2 Uhr Nachmittags die Trauung von Fräulein Gisela Berger, Tochter des Herrn B ernhard Berger, mit Herrn L e o p o l d Kohn statt. Am genannten Tage 3 Uhr Nachmittags findet im israel. Tempel VI., Schmalzhofgasse, die Trauung von Frl. R o s a L ö b l mit Herrn Eduard Schlesinger aus B u k statt. — Dienstag am 30. October, 5 Uhr Nachmittags, findet im israel. Tempel zu Fünfhaus, Turnergasse, die Trauung des Herrn AlbertMandl aus P r e r a u mit Fräulein Rosa Krieser statt. Wien. Sonntag den 21. October feierte die Vorsteherin des israelitischen Frauenvereines, Frau Regine Hildburghäusser, Gattin des Cultusvertreters. Herrn Hildburgh äusser, in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Von Nah und Fern sind der Jubilarin, die sich durch humanitäres Wirken auszeichnet und den Armen und Bedrückten aller Confessionen ihr Leben widmet, Glückwünsche und Zeichen der Sympathie und Verehrung zugekommen. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien entsendete eine Deputation zu der Jubilarin und beglückwünschte dieselbe mit nachstehendem Schreiben: Hochverehrte gnädige Frau! Die Feier Ihres achtzigsten Geburtstages gibt uns den angenehmen Anlaß, Ihnen unsere aufrichtigsten, herzlictsten Wünsche für ihr Wohlergehen auszudrücken. Diese finden ihre volle Begründunq in Ihrem segensreichen, menschenfreundlichen Wirken in unserer Gemeinde und cs sei uns gestattet, hauptsächlich auf die Verdienste hinzuweisin, die Sie sich durch Ihre aufopfernde Thätigkeit in der Leitung eines unserer hervorragendsten Vereine seit vielen Jahren erworben haben. Wir verehren aber auch in Ihnen die Gattin unseres allverehrten College», der seit vielen Jahren seine Kräfte dem Dienste unserer Gemeinde aufopfernd zur Verfügung stellt. Möge es Ihnen, hochgeschätzte Frau, gegönnt sein, an der Seite ihres hochgeschätzten Gemals gleich diesem noch lange Jahre bei vollkommenem Wohlbefinden zum Besten unserer Gemeinde und ihren Institutionen zu wirken. Und so beglückwünschen wir Sie aus ganzem Herzen und haben die Ehre, in ausgezeichneter Hochachtung zu zeichnen Wien, 21. October 1894 Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde: Gustav Simon m. x. MorizKarpeles m. p. Dr. Gustav Kohn m. p. Dr. Theod. Lieben m. p. Secretär. Wien. Herr und Frau Wilhelm und Marie Heller II, Taborstraße 48, feiern am 28. d. M. ihr 40jähriges Hochzeitsjubiläum im Kreise ihrer Kinder. Wien, 17. October 1894. Heute feierte hier Herr Leopold T e d e s k o, der Senior und Begründer der Confections-Firma Leopold Tedesko u. Co., mit seiner Gemalin das Fest der goldenen Hochzeit Das Jubelpaar, Gatte und Gattin, sieht im gleichen Alter von 76 Jahren und erfreut sich der besten Gesundheit und Rüstigkeit. Wien. (Verlobung.) Fräulein Aurelie H e r z f e l d, eine Tochter des Arztes und Operateurs Dr. Adolf H erz feld, hat sich mit Herrn Severin Heinrich Grünspan jun., diplom. Apotheker (Bären-Apotheke) in Wien verlobt. Wien. (Ferienheim.) Zu Händen der Frau Präsidentin Dr. Sofie Grünfeld sind folgende Spenden eingelaufen : Frau Regine B e t t e l h e i m fl. 20, Herr A. W. aus Anlaß des Todestages (Jahrzeit) seines seligen Vaters fl. 25. Wien. Der zufällig in Wien als Gast weilende Rabbinatscandidat G.S ch m e l k e s, Neffe des berühmten LembergerRabbiners, wurde vom Vorstand des Tempelvereines für den polnisch-jü-

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