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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 838 Vestrrrrtttzischr Wochenschrift Nr. 43 erworben, denn er wurde wegen Fälschung von Stimmzetteln bei dessen Wahl zu drei Wochen Arrest verurtheilt. Seine Functionirung als Geschäftsleiter der Lederhalle gab von solcher Unfähigkeit Zeugniß und seiner heutigen Verantwortung nach bekundete er einen solchen Mangel an Verständniß für sein Amt, daß der Präsident zu ihm sagte: „Man soll sich nicht zu einer Angelegenheit drängen, die man nicht versteht. Sie mögen ein ausgezeichneter Schuhmacher sein und vortreffliche Oberbestandtheile erzeugen — ich weiß es nicht — aber zum Vorstand einer Genoffenschaft taugen Sie gewiß nicht." Als eine der Ursachen des Zusammensturzes bezeichnet der Angeklagte den Umstand, daß ein Angestellter der Genossenschaft, dem Vermuthen nach, Diebstähle verübt habe, und zwar habe dieser es gethan, weil ihm ein Jude gesagt haben solle: „Ich gebe Ihnen 500 Gulden, wenn Sie die Genoffenschaft zu Grunde richten." — Präs.: Aber verurtheilt wurde er nicht wegen Diebstahles? — Angekl.: Nein. — Präs.: Wurde er überhaupt anqeklagt? — Anaekl.: Auch nicht. Einem von dem Vertheidiger Dr. Frischauer gestern gestellten Anträge auf Vorladung des Herrn Hauck als Zeugen ist von der Rathskammer nicht stattgegeben worden, weil die Punkte, über welche er befragt werden sollte, für das Beweisthema irrelevant seien. Auf Befragen des Vertheidigers Dr. Jacques Fisch er gab Kastinger heute an, daß Herr Hauck das Versprechen seiner finanziellen Betheiligung vor der Landtagswahl gegeben habe. Der Vertheidiger Dr. Br o li ch fragte: Warum hatHerr H a u ck das Versprechen gegeben?— Kastinger: Das weiß ich nicht. — Dr. Brolich: War es bei einer Wahlversammlung? — Präs, (einfallend): Eine weitere Erörterung hierüber kann ich doch nicht zulaffen. Auf eine Frage Dr. Frischauer's gibt der Angeklagte an, daß die Statuten im Aufträge Hauck's —er wisse nicht, ob durch dessen Buchhalter oder durch dessen Rechtsfreund—verfaßt wurden. Der Schuhmacher Josef Hey l theilt mit, daß er auf Wunsch Kastinger's das Amt eines Controlors übernommen hatte. Auf seine Frage, was ein Controlor zu thun habe, hatte Kastinger geantwortet: „Gar nichts." Da Hehl nur czechisch lesen und schreiben kann, wäre es ihm auch nicht möglich gewesen, eine Controle auszuüben. Bon der Insolvenz der Genossenschaft erfuhr der Herr Controlor erst, als — ihm die Anklageschrift zugeftellt wurde. Cassier war der Schuhmachermeister Karl Gmusdek, der gegenwärtig Taglöhner ist. Er war ebenso Cassier, wie Hehl Controlor; er hatte nämlich mit der Casse nichts zu thun. Er bemerkt zur Aufklärung hierüber, daß fast Alles auf Credit genommen wurde; Herr Hauck hatte ja Alles zu zahlen. — Präs.: Solche Verpflichtungen wird doch Niemand übernehmen. — Dr. Frischauer: Es waren ja Gegenleistungen zugesichert. Im weiteren Verlaufe des Verhörs bemerkt der Präsident: „Das war das Zerrbild eines Vereins; selbst Knaben müßten bessere Antworten zu geben wissen " Der Schuhmachermeister Franz Mayer war Präses des Aufsichtsrathes, ohne jemals eine Aufsicht geübt zu haben; nicht einmal seinen Beitrag zahlte er. Er erklärt, daß Herr Hauck anläßlich süner Wahl die 2000 fl. versprochen habe. Auch ihm persönlich habe er vor der Wahl Geld versprochen; „aber vor der Wahl wollt' ich es nicht annehmen, weil es nicht anständig gewesen wäre; nachher hat er mir's nicht gegeben". (Heiterkeit.) Dr. Frischauer beantragt hierauf nochmals die Vorladung H a u ck's als Zeugen; die beiden anderen Vertheidiger schließen sich ihm an. Der Gerichtshof gibt auch trotz der Opponirung des Staatsanwaltes dem Anträge nach längerer Berathung Folge und vertagt zu diesem Zwecke die Verhandlung. Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" hat gelegentlich ihrer Gründung folgenden Aufruf an den Wiener Hochschulen veröffentlicht: Jüdische Commilitonen! Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" eröffnet ihr erstes Semester. Ein Schwesterverein der „Kadimah", bezweckt sie laut § 2 ihrer Statuten: „Die Hebung des jüdisch-nationalen Bewußtseins und die Pflege der nationalen Geschichte und Literatur". Demgemäß fordert die Verbindung von ihren Mitgliedern freies und stolzes Einbekennen ihrer Abstammung, mannhaftes Eintreten für bedrohte Interessen des jüdischen Volkes — allezeit und allerorten — ohne nach dem Glaubenseifer des Einzelnen zu fragen. Sie bietet den Ihrigen reiche Gelegenheit zu geistiger Vervollkommnung und soweit sie cs mögen, zu fröhlichem, studentischem Leben: Das eine in allwöchentlich stattfindenden Rede-, Lese- und Discussionsabenden, das andere in geselligen Zusammenkünften. Jüdische Commilitonen! Wenn irgend eine Vereinigung akademischer Bürger sich ein ideales Ziel" gesteckt hat und mit lobenswürdigen Mitteln es erstreben will, so ist es die „Unitas". Darum Commilitonen! wer von Euch sich ein Herz bewahrt hat, rein vom dumpfen Pessimismus unserer Tage, frei von gestalt- und körperlosen Zukunftsträumen, der schließe sich uns an, der stelle Herz und Geist in den Dienst des bedrängten jüdischen Volkes. I A. D. A. Drd. Med. Karl P o l l a k, Stud. Med. Richard Wolf, derzeit Präses. derzeit Schriftführer. Die Verbindung feiert Samstag den 27. d. M. in Khuner's Restaurant, I., Schottenring Nr. 19 ihr erstes Stiftungsfest, wozu Gäste herzlich eingeladen sind. Beginn 8 Uhr Abends. Brünn. Das hier erscheinende „Deutsche Blatt" zäblt wohlnicht zu den Antisemitenblättern vom reinsten, oder vielmehr schmutzigsten Wasser, es ergeht sich nicht inunfläthigen Schimpfereien gegen die Juden und Alles, was ihnen heilig ist. ungeachtet dessen enthält jede seiner zweimal wöchentlich erscheinenden Nummern einen offenen Angriff, einen versteckten Seitenhieb, eine boshafte Glosse oder neidvolle^Verunglimpfung der „geschäftskundigen Raffe", der „fainen Leute", der „zudringlichen Gesellschaft" u. s. w. Auch die am 20. d. M. erschienene Nummer brachte unter der Ueberschrift „S Portnnd Indentbu m" eine Notiz über die in neuerer Zeit sich mehrenden Turfscandale mit folgendem Schluß: „Mit dieser Umgestaltung sind „G e - s ch ä f t s k n i f f e" (gesperrte Schrift und Gänsefüße gehören dem D. B.) auch auf die Rennbahn verpflanzt worden. Diese Veränderungen gehen aber Hand in Hand mit dem Eindringen des Judenthums in die Sportwelt." Fern liegt es uns, mit dem „D. B." polemisiren zu wollen, wir haben wichtigere Dinge zu thun, auch ist uns das „D. B." zu gescheut oder zu gescheit. Wir bezwecken mit diesen Zeilen blos, jene vier, oder fünf jüdischen Firmen, welche in diesem Blatte inseriren und deren Inhaber als gesinnungstüchtige und theilweise frommgläubige Juden bekannt sind, darauf aufmerksam zu machen, daß einem Blatt, welches zweimal wöchentlich Anlaß nimmt, die Juden zu verunehren, die jüdische Kundschaft entzogen werden sollte. Sambor. In der letzten Gemeinderathssitzung wurde eine Interpellation des israelitischen Gemeinderathes verlesen. Am 11. l. M. ereignete sich ein sehr unliebsamer und Aergerniß erregender Vorfall. Während des Gottesdienstes trat in die Synagoge mit einer Cigarre im Munde ein Polizeimann in Begleitung des Schindersmann, dessen Knechte sich zwischen die Betenden drängten, und singen alle drei an, die Synagoge mit aufgelöstem Carbol zu bespritzen. Sie stießen die Betenden hin und her, da es solchen bei dem Gebete der Zobuwue-esre nicht gestattet ist, den Platz zu wechseln oder auf was immer ihre Aufmerksamkeit zu lenken. Im Angesicht dieses so viel Aergerniß erregenden Falles fragen die Interpellanten den Herrn Bürgermeister, ob das in Folge seines Auftrages geschehen und wenn, mit was er es begründet; wenn es nicht auf seinen Befehl geschah, was er unternehmen wird, um Satisfaction zu verschaffen? Der Präsident erwiderte, daß er einen solchen Auftrag nicht gegeben, daß er erst am 1. l. M. sein Amt nach dem Urlaube angetreten habe, sogar fehle ihm eine genaue Kenntniß über die ganze Sache. Er habe nur gehört, ein Polizeisergeant sollte auf Grund einer Verfügung der k. k. Bezirkshanptmannschaft (C. K. Starostwa) die Bespritzung in den Synagogen vornehmen und derselbe konnte es zu keiner anderen Zeit als Während des Gebetes durchführen, da der Gottesdienst den ganzen Tag dauerte. Der Präsident bedauerte lebhaft den Vor. fall, versprach, die Sache genau zu untersuchen und die Schul, digen zu bestrafen.

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