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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 43 - — » » frj - . |. „,fi ,,if jpepetveui|t|iste Mmvnptznf» Seite 837 mein Pferd zu satteln, um nach dem 3—4 Stunden entfernten Quartier des Generals v. Wittich zu reiten und Meldung zu überbringen und Befehl zu holen. Nach meiner Karte und der mir gewordenen Instruction hatte ich in der Entfernung von einer Stunde ein Dorf zu passiren. Nach dem Verlassen desselben sollte ich von den in dasselbe einmündenden drei Wegen den mittleren einschlagen. Sodann müßte ich die rechts von dem eineinhalb Stunden durch Wald führenden Weg liegende Mühle passiren, bei der vor ein gen Tagen eine Ordonnanz erschossen worden, die aber vermuthlich jetzt frei von Franktireurs sei. Auf keinem Fall dürfte ich den linken Weg wählen, da auf demselben sich Franktireurs umhertrieben. Als ich das Dorf hinter mir hatte, machten die Dunkelheit und der Sturm es mir unmöglich, den rechten Weg herauszufinden. Ich ritt zu dem ersten Haus des Dorfes zurück und klopfte ans Fenster. Als dasselbe geöffnet wurde, begeehrte ich unter Vorhalten des Carabiners Licht. Es erschien darauf ein Bauer mit einem Licht, der auf meine Aufforderung, mir den Weg nach 'Maintenon zu zeigen, sich hierzu bereit erklärte. An dem Punkte, wo die Wege sich trennten, wollte er mich durchaus auf den linken Weg führen. Als ich ihm unter der Drohung, ihn zu erschießen, zu verstehen gab, daß dies der richtige Weg nicht sei. sprang er plötzlich über den Straßengraben hinüber in den Wald. Ich setze ihm nach und da inzwischen etwas Schnee gefallen war und die Bäume nicht dicht standen, so hatte ich ihn sofort wieder eingeholt. Meine Schußwaffe gegen ihn zu gebrauchen, schien mir nicht räthlich, da der Schuß sicherlich Franktireurs angelockt hätte. Deshalb bearbeitete ich den Rücken des Bäuerleins gehörig mit der flachen Klinge. Laufen lassen durfte ich den Kerl auch nicht, dazu erschien er mir nicht harmlos genug, und er hätte mir wohl noch einen bösen Streich spielen können, zumal ich die berüchtigte Mühle noch vor mir hatte. So blieb mir nichts übrig, als ihn bei mir zu behalten. Schnell warf ich ihm meine Fouragierleine um den Hals und drohte ihn zu erwürgen, wenn er noch einmal Miene zum Fortlaufen machte. Schließlich dauerte mich doch seine Situation und ich zog ihm die Schlinge vom Hals. Um ihn aber am Davonlaufen zu hindern, ließ ich mir seinen Gürtel geben, der ihm die Hosen festhielt, so daß er diese mit seinen Händen halten mußte, wodurch er am Laufen gehindert war. Als wir die gefürchtete Mühle hinter uns hatten, gab ich meinem unfreiwilligen Begleiter seinen Gürtel und ließ ihn laufen. Mein Pferd aber mußte nun die über den Franzosen versäumte Zeit einholen; rechtzeitig kam ich nach M., und gegen Morgen war ich bereits wieder bei den Meinen. — Solche nächtliche Ocdonnanzritte, die stets allein ausgeführt werden müssen, habe ich viele gemacht. * * * Nach Beendigung des Feldzuges kehrte Grünebaum mit drei Orden geschmückt in seine Garnison zurück. Der Großherzog von Sachsen-Weimar wollte ihm unter seinen Hofbeamten eine Stelle geben, doch lehnte Grünebaum das Anerbieten ab. Lange Zeit nach der gesetzlichen Frist zur Jnvaliditätsmeldung stellten sich bei ihm die Folgen der großen Strapazen ein. Der eine Unterschenkel starb ab und Grünebaum mußte gefahren und getragen werden, Trotzdem konnte ihm nach dem Gesetz keine Jnvalidenpension bewilligt werden. Erst durch die dem Kaiser zur Verfügung gestellten Fonds wurde es möglich, ihm eine solche zuzuerkennen. Nach langjährigem Besuch verschiedener Heilquellen ist Grünebaum jetzt im Stande, sich mit Hilfe zweier Stöcke gehend zu bewegen und das in einer vom hochseligen Kaiser ihm geschenkten Maschine liegende Bein nachzuziehen. Grünebaum lebt in Fulda, angesehen und beliebt bei den staatlichen und städtischen Behörden. EorrLSponäenLen. Wien.Das „Deutsche Bolksbl." bringt eine Notiz von einem namenlosen jüdischen Agenten, der angeblich einer Frau in Ottakring „Kaltwasserseife" angeboten und nichtzubewegen war, das Zimmer zu verlassen, weil sie ihm nichts abkaufen wollte. „Auf das hin lief sie rückwärts in den Hofraum, mit der Drohung, Leute zur Hilfe zu rufen. Erst dann kam die Feigheit des Juden an den Tag. Er rannte unter den gemeinsten Schimpfreden zur Thüre hinaus." Abgesehen davon, daß diese Erzählung die untrüglichsten Merkmale der Erdichtung an der Stirne trägt, erinnern wir die antisemitischen Scribler daran, daß einer ihrer intimsten Gesinnungsgenossen, Reichsrathsabgeordneter, Geschäftsreisender für Fürst Liechtenstein rc. rc., das höchste Zeugniß für Frechheit und insbesondere Feigheit (von seinen sonstigen Verbrechen nicht zu sprechen, die ein gewöhnliches Menschenkind längst hinter Schloß und Riegel gebracht hätten) abgelegt hat, indem er in Lemberg und Graz feige abgezogen ist, weil er kein Terrain für seine Absichten und Pläne gefunden hat und daß dieser Ehrenmann, Führer der Antisemiten und Intimus eines Dr. Lueger, Fürst Liechtenstein rc., vor einigen Jahren den höchsten Grad von Feigheit und Frechheit dam't bethätigte, indem er für eine ihm von einem angesehenen jüdischen Industriellen öffentlich applicirte Ohrfeige nicht nur keine Satisfaction nahm, sondern aus Feigheit oder vielleicht aus schnödem, materiellen Interesse denselben für die erhaltene Ohrfeige öffentlich um Verzeihung bat. F. Wien. Das „Deutsche Volksblatt" vom 23. October notirt aus der Sitzung von Montag den 22. d. I. „daß ein Pfarrer durch den Rabbiner Dr. Bloch eine Bittschrift überreichen ließ, damit aber keinen Erfolg erzielte, da sich Dr. Bloch um den Bittsteller nicht angenommen hatte." Das antisemitische Preßgesindel kann daraus jedenfalls entnehmen, daß der betreffende Pfarrer dem Rabbi Bloch das nöthige Vertrauen geschenkt hat und wenn der Letztere sich angeblich um die Petition nicht weiter bekümmerte und sich des Pfarrers nicht mehr annahm, so geschah es, weil als Referent ein humaner Geistlicher Abt Treuinfels einen vom Ausschuß einstimmig gefaßten Beschluß dem Plenum zur Genehmigung empfohlen hatte. Allerdings steht auch Abt Treuinfels beim „Deutschen Bolksblatt" im Verdachte der Verjudung; für den Rabbi Bloch ist das aber kein Grund, diesen Referenten entgegenzutreten. Wien. 20. October. (G a n z ä la M u rek.) Im Nachstehenden berichten wir über einen Vorfall, der sich dieser Tage in D ornb ach zutrug und dessen Richtigkeit uns von autoritativer Seite vollkommen verbürgt wird. Drei Beamte einer hiesigen Fabriksniederlage in der Innern Stadt, die Brüder Richard und August H. und ihr Freund W i lhelm H., sämmtlich Norddeutsche protestantischer Confession, kehrten dieser Tage von einem Ausfluge zurück und passirten gegen halb zehn Uhr Abends Dornbach. Als sie sich in der Hauptstraße zwischen der „Güldenen Waldschnepfe" und der Kirche befanden, wurden sie von einigen Ortsburschen verfolgt und ehe sie sich's versahen, waren sie von einer Rotte von etwa zwanzig Personen umringt, welche auf sie losstürzten, sie ohne jeden Grund mißhandelten und ihnen die Ueberzieher. Hüte und Stöcke entrissen. Trotz der Hi'ferufe der Mißhandelten kam ihnen Niemand zu Hilfe, weshalb sie ihre Effecten im Stiche ließen und entfliehen mußten. Da kein Wachmann zu sehen war, begaben sich die Herren zur Wachstube. Zwei der Rädelsführer, welche die drei Herren offenbar für Juden gehalten haben, sollen bereits agnoscirt worden sein, nach den übrigen wird gefahndet. Einige der entwendeten Effecten wurden bereits zu Stande gebracht. Da einer der Herren eine sehr bedenkliche Verletzung der Hand davontrug, ließ er sich von dem Dr. R i e g e r ein Parere ausstellen, welches wohl dazu beitragen wird, eine genaue ger i ch t l i ch e Untersuchung des bisher nicht in die Oeffentlichkeit gedrungenen Vorfalles herbeizuführen. Wien. (Eine Schöpfung des Abgeordneten H a u ck.) Bor zwei Jahren entstand im Bezirke Favoriten eine registrirte Genossenschaft „Erste Wiener Schuhmacher Lederhalle", zu welcher der Abgeordnete Hauck den Anstoß gegeben hatte. Er hatte die Statuten der Genossenschaft ausarbeiten lassen und auch — es war vor den Wahlen — ein Capital von 2000 fl. für die Unternehmung zugesagt, wovon er freilich nur 469 fl. einzahlte. Damit sollte eine Musteranstalt in antisemitischem Sinne gegründet werden. Das Ende der Genossenschaft war jedoch, daß sie mit einem Deficit von 3000 fl. in Concurs gerieth und sieben Mitglieder, die in den Vorstand oder Auffichtsrath gewählt worden waren, wegen verschuldeter Crida in Anklagezustand versetzt wurden. Die heutige Verhandlung, welche unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Dr. Fr i m me l stattfand, gab ein drastisches Bild darüber, wie diese Genossenschaft verwaltet wurde. Der Schuhobertheil-Erzeuger Johann K a st i n g e r war der Leiter des Unternehmens, wofür er einen Monatsgehalt von 60 fl. erhielt. Kastinger hat sich große Verdienste um Herrn Hauck

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