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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 834 Veyrrrrichifchr Wochenschrift Nr. 43 jeden Mißton zu vermeiden suchen. Ich bin der Ansicht, daß kein Israelit einen solchen Schulveccius-Kaleuder kaufen darf, um nicht noch der Verbreiter solcher Verhetzungsgeschichten zu sein, und es wird eine gute Lehre für die Zukunft bleiben, die Juden, die dem deutschen Schulvereine Großes leisten, nicht zu verspotten! Ein Gerechter. Fürst Bismarck — bestochen!! Die Antisemiten hausiren noch immer mit einer judenfeindlichen Rede, die Bismarck im preußischen Landtag 1847 gehalten hat. Als er später den Antisemiten nicht willfährig genug war, hieß es stets, er sei durch den Verkehr mit Bleichröder verjudet worden. Jetzt setzt der antisemitische „Fürther Beobachter" diesen Gerüchten die Krone auf und erklärt Fürst Bismarck für — bestochen. (Nr. 82 vom 16. October.) ,,Welche Wetterfahne!! Freilich: Pecunia non ölst" („das Geld stinkt nicht") heißt es in dem Fürther Blättchen. Dieselbe Nummer bringt noch folgenden Erguß: Die Bismarckanbeter in Ostpreußen haben sich die geplante Wallfahrt zum Nationalheiligen in Varzin wieder überlegt (wegen mangelnder Theilnahme?) und wollen für den armen Ex Geld sammeln „zu eigener Verwendung". Was an Bismarcknickeln zusammenkommt, soll Ihm am 1. April k. I. zu Füßen gelegt werden. Wie er dergleichen „verwendet", weiß man aus den Ergebnissen früherer Betteleien: er sammelt Alles an und behält es für sich, auf daß Bleichröder (oder wie sein jetziger Leibjude heißt) es mehre und vervielfältige, damit der arme Ex — der bereits mit 40—50 Millionen behaftet ist — nicht gar noch verhungern muß in seinen alten Tagen Er ist ein gar sparsamer Herr und nimmt lieber ein, als daß er was ausgibt.s Die vorstehenden Zeilen hat übrigens das antisemitische Blatt einer socialdemokratischen Zeitung entnommen. Criminalstatistik. Berlin, 20. October. In den antisemitischen Blättern und Zeitschriften bildet die Betheiligung der Juden am Verbrechen ein beliebtes Thema. Es werden einzelne Ziffern willkürlich herausgegriffen und derartig gruppirt, daß natürlich die Juden im Verhältniß zu den Christen das größere Contingent der Delinquenten stellen. Demgegenüber erscheint es am Platze, die Feststellungen der officiellen Reichscriminalstatistik über diesen Punkt einmal näher zu betrachten und dazu bietet sich eine besonders günstige Gelegenheit, da der kürzlich erschienene Jahrgang 1891 der Criminalstatistik vergleichende Betrachtungen für die 10 Jahre von 1882—1891 anstellt. Diese Berechnungen haben das Ergebniß, daß im Durchschnitt der genannten zehn Jahre von 100.000 strafmündigen Personen der Civilbevölkerung derselben Kategorie 1153 Verurtheilte Katholiken, 963 Evangelische und 784 Juden sind. Hiernach ist nicht zu leugnen, daß die Criminalität bei den Juden im Allgemeinen eine geringere ist, als bei den Bekennern der anderen Religionen. Die Reichsstatistik hat sich dann noch die Mühe gemacht, die Criminalität für einzelne deutsche Bezirke festzustellen, in denen mindestens 1 pCt. der jüdischen Religion angehört. Es sind dies die Bezirke: Marienwerder, Berlin, Posen, Bromberg, Breslau, Oppeln. Caffel, Wiesbaden, Köln, Pfalz, Unterfranken, Hamburg und Unter- Elsaß. Fast überall ist das Resultat das gleiche, z. B. entfallen in Berlin aus 100.000 strafmündige Personen derselben Kategorie 994 Christen und 612 Juden, in Posen 1014 Christen und 517 Juden, in Wiesbaden 649 Christen und 414 Juden, in Hamburg 949 Christen und 565 Juden. Einzig und allein im Bezirk Oppeln ist die jüdische Criminalitätsziffer eine etwas höhere als die christliche; dort entfallen nämlich 1214 Juden auf 1181 Christen. Dabei warnten natn.rgemäß die Herausgeber der Reichsstatistik davor, aus diesen Zahlen weitergehende Schlüsse auf die criminelle Belastung nach den verschiedenen Religionen zu ziehen. Denn einmal gibt die Statistik nur Aufschluß, ob ein Verurtheilter sich äußerlich zur christlichen oder zur jüdischen Religion hinzugerechnet hat, nicht aber über das Maß der inneren Religiosität, und diese wäre es doch, die je nach ihrer Verschiedenheit in verschiedenem Maße vor Verbrechen und Vergehen bewahren sollte. Dieser Umstand läßt sich nicht beseitigen, da die Statistik überhaupt nur an äußerlich erfaßbare Erscheinungen anknüpfen kann. Dann aber müßten gleichzeitig alle anderen Factoren der Criminalität, Beruf, Alter, Geschlecht, genau berücksichtigt werden, um etwaige Verschiedenheiten in den Criminalitätsziffern auf das Glaubensbekenntniß als solches zurückzusühren. Zur Anstellung derartiger Untersuchungen fehlt es aber bisher an dem genügenden Material. Es wäre zu wünschen, daß die antisemitischen Hetzer diese treffenden Ausführungen in der Criminalstatistik beherzigen und die dort gebotenen Zahlen etwas genauer studiren möchten. Aber vorläufig sind leider berechtigte Zweifel vorhanden, ob diese Fanatiker den angezeigten Weg zur besseren Erkenntniß auch benützen werden. Antisemitische Kleptomanie. Herr Schönerer folgt mit liebevoller Aufmerksamkeit dem literarischen und anderweitigen Schaffen des Herrn Vergant. In der jüngsten Nummer der „Unverfälschten Deutschen Worte" wird dem Herausgeber des „Deutschen Bolksblatt" ein neues, ungemein ergötzliches Plagiat nachgewiesen. Als Beweis dafür diene folgende „Gegenüberftellun g." „Zur guten Stunde." S. 209—210. Jahrg. 1893—94. Eine Reise durch Schweden von Carl A. Tavastjerna. (Nachdruck verboten.) „Das Fahrwasser durch Bvhusläns weite Schären hat seinen großen frischen Reiz, wenn auch die Wellen und Stürme der Nordsee dafür gesorgt haben, daß es zwischen den kahlen Klippen nicht viel grüne Idyllen gibt. Dafür aber wird man durch die großartige Natur gefesselt, die zwar düster und karg ist, aber gewissermaßen die Gesundheit des Bergvolkes athmet. Diese Luft ist salzgesättigt und stark, das Wasser kristallklar und die Landschaft wie frisch gescheuert und polirt, eigens um dem fashionableu Stockholm oder Gothenburg eine prächtige Sommerzufluchtsstätte zu bieten, einen Zufluchtsort, wo ein Staubkorn oder ein Bacillus etwas noch nie Dagewesenes ist. Die Westküste Schwedens ist übrigens reich an Badeorten. Jedes kleine Fischerdorf trägt sozusagen ein Curhaus und eine Warmbadeeinrichtung unter seinem Felsenherzen. Eines schönen Tages flaggt es in blau und gelb von dem gelben Holzgebäude einer neuen Badeeinrichtuug, man feiert hier ein Geburtsfest und Schweden wird ein neuer Kaltwasscrcurort zu den vielen alten einregistrirt. Der bedeutendste und vielleicht der älteste von ihnen ist M a r - strand, die alte Stadt des Häringssanges auf der kleinen Insel unter üer alten Festung Karlstens. Hier haben Geld und Cultur gemeinsam einen der bequemsten und schönsten grünen Ruheplätze für verwöhnte Hauptstädter inmitten nackter Felsen weit draußen im Skager Rak hervorgezaubert.— Aber Schwedens „beau monde“ gefällt es hier vortrefflich. Der Tourist kann ne bei den Badesoirßen zahlreich versammelt sehen, und wenn er bei seinem Besuche viel Glück hat, kann er den König Schwedens bewundern, der auf seinen Reisen Marstrand alljährlich einen Besuch macht. „DeutschesVolksblatt" vom 24. Juli 1894. VIII. Fortsetzung. (Durch Skandinavien, von Ernst Berg an i). „Das Wasser durch Bohusläns weite Schären hat seinen eigenen Reiz. Wenn auch die Wellen und Stürme der Nordsee dafür gesorgt haben, daß es zwischen den kahlen Klippen nicht viel grüne Fleckchen Erde gibt, so wurden wir dafür durch die großartige Scenerie gefesselt, die zwar düster und karg ist, aber gewissermaßen die Gesundheit des Berc Volkes athmet. Die Luft ist salzgesättigt und stark, das Wasser krystallklar und die Landschaft von den Wellen wie frisch gescheuert, eigens um dem fashionableu Stockholm oder Gothenburg eine prächtige Zufluchtsstätte zu bieten, einen Zufluchtsort, wo ein Staubkorn oder Bacillus etwas „noch nie Dagewesenes" ist. Die Westküste Schwedens ist reich an Badeorten. Jedes kleine Fischerdorf beinahe bekommt ein Curhaus und eine Warmbade- Einrichtung. Eines schönen Tages flaggt es in B'au und Gelb, den schwedischen Nationolfarben, von den gelben Holzgebäuden einer neuen Bude - Einrichtung und Schweden bat um einen Kalt- und Warmwasser-Curort mehr zu den vielen alten. Der bedeutendste und vielleicht der älteste von ihnen ist Marstrand, die alte Stadt des Häringsfanges auf der kleinen Insel unter der alten Festung Karlstens. Hier haben Geld und Cultur gemeinsam einen der bequemsten und schönsten Ruheplätze für verwöhnte Hauptstädter inmitten nackter Felschen weit draußen im Skager Rak hervorgezanbert. Schwedens „beau monde" gefällt es hier vortrefflich und schon bei unserer Ankunft konnten wir die große Anzahl Curgäste, darunter reizende blonde Damen mit blauen Augen, die uns am User erwarteten, sehen. Eben wollten wir landen, da kommt plötzlich das große Kriegsschiff des Königs um die Insel herum, und mit einem dreifachen Hoch und dem Sängerwahlspruche sendeten wir unseren Gruß zum Könige hinüber, dessen hohe Gestalt wir am Bord sahen." Dr. Anton Bruckner. Die Antisemiten aller Schattirungen werden nicht müde, Meister Bruckner für den Antisemitismus zu reclamiren. Wie bekannt, verbreitete sich während des Strauß-Banketts im „Grand Hotel" die Kunde von einer schweren Erkrankung des genialen Tondichters Anton Bruckner. In der Abendausgabe vom 16. October l. I. berichtete das „Wiener Extrablatt" über einen Besuch seines Redacteurs bei Meister Bruckner: „Heute Morgens begab sich einer unserer Redacteure, der Dr. Bruckner seit Langem persönlich kennt, in die Wohnung des-

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