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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 43 OestrrrrUtzttarr Vortzentchrlft Seite 833 ander näher. Redner schloß: „Ich, der Schüler Arlt's, senke ehrfurchtsvoll die Fahne der Schule vor Deinem Sarge. Ich bringe Dir die letzten Grüße der Poliklinik und streue eine Handvoll Erde auf Deinen Sarg. Lebe wohl!" Im Namen seiner Schüler sprach zum Schluffe Professor Maut hu er's bisheriger erster Assistent an dessen poliklinischer Abtheilung, Dr. Aladar Bekeß. Er hielt dem Meister folgenden Nachruf: „Hochgeschätzter, innigstgeliebter Meister! Kaum sind unsere mit freudig bewegter Brust dargebrachten Glückwünsche verklungen, stehen wir bereits, vom schwersten Schicksalsschlage getroffen, mit beklemmter Brust an dieser Bahre. Welch'furchtbar trauriges Spiel des Schicksales! Noch im ersten Freudentaumel ob derErreichung der höchsten akademischen Ehren, riß Dich der unerbittliche Tod grausam aus unserer Mitte. Unersetzlich ist der Verlust, den Deine tieftrauernde Familie erlitten, in deren Erinnerung Du unauslöschlich fortleben wirst, unersetzlich ist der Verlust, den die Wissenschaft erlitten, in welcher Du Dir aber durch Deine glänzenden Arbeiten ein ewiges Denkmal gesetzt, unersetzlich ist der Verlust, den wir, Deine treuen Schüler, deren jüngster und leider letzter ich gewesen, durch Dein Hinscheiden erlitten. Biel zu Früh starbst Du uns o Meister! Unmündig hast Du uns zurückgelassen, o Vater! Mit Dir tragen wir unsere Freude, unser Glück, unser Alles zu Grabe. Wer wird sich jetzt Deiner Waisen annehmen? Als letzter und am schwersten nehme ich Abschied von Dir Unvergeßlicher und gelobe Dir, treu Dein Schüler zu bleiben. Dein erhabenes Andenken wird fortleben in uns, unzerstörbar und unauslöschlich bis zum Tode! Mein Vater, mein Meister, lebe wohl!" Schmerzlichst bewegt kam die Trauergemeinde der pietätvollen Pflicht nach, die ersten Schollen zum Grabhügel zu thürmen und um dreiviertelvier Uhr schloß die Ceremonie. Zu Beginn seiner Montag-Vorlesung hielt Hofrath Nothnagel dem verblichenen Gelehrten einen Nachruf, in welchem er nach einigen einleitenden Sätzen unter Anderem sagte: Mauthner gehörte zu den glänzendsten Vertretern seines Faches. Seine Forschungen auf dem Gebiete der Ophthalmologie, der mathematischen Optik, der Nerven- und Muskelerkcankungen des Auges sind ein hervorragender Beweis seines Scharfsinnes, seiner Beobachtungsgabe, seines großen Talentes. Und uns, seinen Fachgenossen der inneren Medicin, stand er bi sonders nahe dadurch, daß er sich vielfach und eingehend mit den Augen-Affectionen beschäftigte, welche im Zusammenhang mit allgemeinen Erkrankungen und den Erkrankungen anderer Organe stehen. Für das nächste Jahr hatte er ein großes Werk in dieser Hinsicht geplant. Eine reife Frucht durften wir wieder erwarten — und jetzt liegt er da, gebrochenen Auges, schon bedeckt von der Erde. Mauthner hat einen eigenartigen wissenschaftlichen Entwicklungsgang genommen. Aber er wurzelte voll und ganz in dem Boden der Wiener Ophthalmologenschule. An das strahlende Dreigestirn A r l t, Jäger, Stellwag reiht sich als Vierter würdig Mauthner an. Mauthner war ein eminent kritischer Kopf. Seine Hauptstärke war iu seiner geistigen Eigenart bedingt, in verwickelten Fragen den Kernpunkt zu erfassen. Das einmal Erfaßte vermochte er in glänzender, formvollendeter Diction darzustellen, und wie er ein Meister des geschriebenen Wortes war. so war er auch ein Meister des gesprochenen Wortes. Sein klarer scharf gegliederter Bortrag konnte sich zu wahrhaft classischer Schönheit erheben. Es ist Ihnen nicht gegönnt gewesen, meine Herren, ihn noch als Lehrer zu haben. Und ich beklage tief, daß es Ihnen nicht vergönnt war. Denn er war ein Lehrer allerersten Ranges. Die feine und geistvolle Ironie seines Wesens erhielt eine wohlthuende Ausgleichung durch seine ganz ungewöhnliche Herzensgüte. Und wenn die Wissenschaft, die Universität und Sie, meine Herren, den schweren Verlust erlitten haben, so beklagen seine Freunde den Hingang eines theuren Freundes. Ich bitte Sie, sich zum Andenken des Geschiedenen von den Sitzen zu erheben. (Geschieht.) Vom Jahrmarkt des Levens. Die russischen Juden für den Czaren. London, 23. October. Bei der gestrigen Abendandacht anläßlich des Fnertagslchluffes im israelitischen Tempel in. Eastmd Londons kam es zu einer bemerkenswerthen Scene. Die Riesenhalle war bis auf das letzte Plätzchen von armen Juden des Eastend, meistens von aus Rußland vertriebenen Juden, gefüllt. Der Rabbiner vom Montefiore College, selbst ein russischer Flüchtling und in Eastend sehr einflußreich, hielt die Predigt und forderte knapp vor Schluß zu einem Gebet für die Genesung des Czaren auf. Zuerst war allgemeines Murren vernehmbar, als jedoch der Rabbiner fortfuhr, riß er die Versammlung mit sich fort. Er sagte: Da die meisten Anwesenden Russen seien, so sei es ihre Pflicht, dem Heimatlande in der Stunde des Unglücks ihre Sympathie zu bezeugen. Wohl seien die meisten der Anwesenden Opfer von Verfolgungen, aber die Religion gebiete, auch für die Verfolger zu beten. Ueberdies lehre die Religion, daß Verfolgungen ein Theil des göttlichen Planes zum schließlichen Guten sind und übrigens seien die Inden der russischen Regierung für den Schutz, welchen sie bei allen Schattenseiten doch Millionen von Mltgläubigen angedeihen lasse, zu Danke verbunden. Daher sei es Pflicht, für die Genesung des Czaren zu beten, vielleicht, wenn er die Krankheit überstehe, werde sie sein Herz erweicht und ihn Milde gelehrt haben. Der Rabbiner sprach nun hebräisch das Gebet, welches die Versammlung stehend anhörte. Warum die Hausherren Antisemiten find. Die hiesige „Hausherren-Zeitung", officielles Organ der Hausherrenvereine, veröffentlicht in ihrer Nummer 169 vom 15. Oktober d. I. eine bemerkenswerthe Zuschrift. Der Verfasser derselben polemisirt darin gegen ein Wiener Tagesjournal, welches gegenüber dem bekannten „Schwarzbuche" der Wiener Hausherren, die Miethzinsschuldner, oder wie sich der Verfasser ausdrückt, die „Miethzinsschwindler" in Schutz nahm. Die Hausherren sagt der Einsender, sind in der Regel die Opfer dieser Leute. „Zuerst wird der Vermiether um Erstreckung der Zahlungsfrist gebeten, dann wird, ohne ihn zu bitten, die Frist von selber erstreckt. Hat auf diese Art ein Meitzer eine Zeit lang umsonst gewohnt, so wird er kurz augebunden, bekommt hieraus die Kündigung, hat eine Zeit lang ohne zu zahlen gewohnt und seinen Zweck erreicht. Ein Urtheil im Namen Sc. Majestät des Kaisers ist vollständig ohne Wirkung. „Was kinnen's mir den thuan? Nix kinnen's mir ihuaw", meint der Geklagte und verläßt mit höhnischer Geberde den Gerichtssaal? Zur Erhärtung dieser seiner Ausführungen legt der Einsender der Redaction der „Hausherren- Zeitung" eine lange Liste Derjenigen bei, die auf „unverschämte Art und mit allerhand Ranken" in seinem Hause es innerhalb zweier Jahre dahin gebracht haben, keinen Miethzins zu bezahlen. Diese Liste enthält 49 Namen, und zwar durchwegsArier. Es findet sich nicht ein einziger Jude, der seiner Verpflichtung nicht nachgekommen wäre. Und wie bei diesem einen Hausherrn, so geht es bei allen. Der Jude ist erfahrungsgemäß der pünktlichste Zahler des Miethzinses. Und trotz dieser Erfahrungen, welche die Hausherren in jedem Quartale mit christlichen und jüdischen Miethern machen, segeln die Wiener Hausherrenvereine unter antisemitischer Flagge, steht an der Spitze des Centralverbandes dieser Vereine der sattsam bekannte Gemeinderath S t r o b a ch und erfreut sich dieser Verband der eifrigsten Patronanz der Herren Lueger und G e ß m a n n. Warum sind nun die Hausherren Antisemiten? Dic Miethzinsschwindler sind ausschließlich Arier, die Executions-Novelle, welche die Herren zu völliger Ohnmacht gegen solche „Schwindler" verurtheilt, ist von Niemanden stürmischer gefordert und eifriger betrieben worden als von den Führern der christlich-socialen Partei im Parlamente. Warum sind also die Wiener Hausherren Antisemiten? Wir finden keine Antwort auf diese Frage. Man wende sich an den „dummen Kerl von Wien", vielleicht weiß dieser eine Erklärung für diese unbegreifliche Thatsache. Kalender des deutschen Schulvereines. Geehrter Herr Redacteur! Der Kalender des deutschen Schulvereines pro 1895. redigirt von Hans Grasberger, Verlag von A. Pichler's Wikwe und Sohn in Wien, bringt unter Anderem eine Geschichte unter dem Titel und Erklärung: „Parapluietonerl", eine unglaubliche Geschichte aus dem Wienerwalde von Hugo Gerard S t r ö h l, in welcher sich folgende erbauliche Sätze nebst genauer Illustration befinden „Zwei polnische Kaftane, welche gerade das Städtchen mit ihrer Anwesenheit beglücken, fielen sofort über den Hausen alter, abgebrauchter Kleidungsstücke und Möbel her rc. rc." Dann weiters: „Prüfend spannte ihn einer der polnischen Händler auf, da fuhr ein heftiger Windstoß über den kleinen Platz — Regenschirm und der daranhängende Hebräer baumelte in der Last — ein Ruck — und der kreischende Käufer kollerte über das Straßenpflaster in die Gosse." (Siehe Illustration.) Ich frage nun, ob es nicht andere geistreichere Geschichten gibt, als diese das Jndenthum verhöhnende? Der deutsche Schulvereinskalender darf sich solcher Geschichten nicht bedienen, um die Juden in den Augen ihrer Mitbürger herabzusetzen, im Gegentheil, er muß

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