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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 888 Vrprvcedtzjtptze WmtzrnsÄzvifI Nr. 43 auch wenn sie uns in Form eines besonderen Gesetzes vorgelegt wird, annehmen muß, nicht als ob der confessionelle Gesichtspunkt die Reception zu einer Nothwendigkeit machen würde, sondern weil sich durch sie die ungarische Nation um mehrere Hunderttausend Menschen vermehrt und weil diesen gegenüber die Nation die Verpflichtung hat, sie aller hier vorhandenen Rechte theilhaftig werden zu lassen. (Beifall.) Hier wird die Debatte abgebrochen. Schluß der Sitzung um 2x/a Uhr. Sitzung vom 19. Oktober. Präsident Baron Desider Banffy eröffnet die Sitzung des Abgeordnetenhauses kurz nach 10 Uhr Vormittags. Als Schriftführer fungiren: Molnar, Perczel, Papp. Von Seite der Regierung anwesend: Wekerle, Szilagyi, Baron Eötvös, Josipovich. Das Protokoll der jüngsten Sitzung wird verlesen und authenticirt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Debatte über die Vorlage, betreffend die israelitische Religion. Geza Papp: Geehrtes Haus! (Hört! Hört!) Indem der Gesetzentwurf über die israelitische Religion heute zum zweiten Male verhandelt wird, sei mir gestattet, kurz und objectiv jene Gegenargumente zu prüfen, welche gegen die Vorlage geltend gemacht wurden. (Hört!) Ich kann dieselben in zwei Gruppen theilev: in solche, die streng genommen religiöser Natur sind, und in solche, die aus ungarisch-nationalem Gesichtspunkte beurtheilt werden wollen. Die erste und gewichtigste Anklage ist die, daß die Israeliten sich der ungarischen Nation nicht vollständig assimilirt haben, obgleich Jahrhunderte verflossen sind, seit sie ins Land gekommen sind. Diese Behauptung ist eine ernste Anklage, welche, so hingeworfen, auch auf Effect rechnen darf; denn wenn die Anhänger einer Confession sich seit Jahrhunderten der Nation nicht assimiliren konnten, dann ist wenig Hoffnung vorhanden, daß sie sich in Zukunft assimiliren werden. Allein die Sache verhält sich nicht so; denn wir stehen nicht Jahrhunderten gegenüber, sondern einem kurzen, dreißigjährigen Zeitraum, weil für die Möglichkeit der Assimilirung doch nur der seit 1867 verflossene Zeitraum in Betracht kommen kann. Die vorsiebenundsechziger Zeiten können nicht als solche angesehen werden, welche geeignet gewesen wären, daß wir mit einem solchen Ansprüche den Israeliten gegenüber austreten. Und wenn wir aus den, in diesem kaum dreißigjährigen Zeiträume erzielten Resultaten die berechtigten Consequenzen ableiten, wohin führen diese? Dazu, daß sie sich nicht assimilirt haben, oder dazu, daß sie in diesem kurzen Zeiträume Alles gethan haben, was sie thun konnten und mit der ungarischen Nation so weit verschmolzen sind, als es in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich war. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Vergleichen wir die heutigen Anhänger der israelitischen Confession mit jenen, die vor 1867 im Lande wohnten, was finden wir da? Finden wir etwa, daß sie hinsichtlich der Lebensweise, der Sprache, der Anhänglichkeit an das Vaterland sich der ungarischen Nation nicht genähert haben? daß sie nicht bestrebt waren, ihre eigenthümlichen und verkehrten Gewohnheiten abzulegen? Schauen wir nicht immer auf jene Israeliten, die in gewissen Gegenden des Landes abgeschlossen leben, sondern auf jene, die im Herzen des Landes, in engerer Verbindung mit der ungarischen Nation leben. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Viele werfen ihnen vor, daß sie in ihrer Sprache sich der ungarischen Nation noch nicht genähert haben. Das ist aber nicht stichhältig, denn die gegen die Juden erhobene Beschuldigung wird nicht ihrem eigenartigen nationalen Charakter zugeschrieben, man wirft ihnen vor, daß sie nicht ungarisch, sondern deutsch sprechen, die deutsche Sprache aber ist kerne jüdische Sprache, sondern es ist nur eine Sprache, welche sie sich angeeignet haben. Das beweist, daß sie sich nicht leicht ihres nationalen Charakters entkleiden, in welchem sie gelebt haben. Sie haben in unserem Baterlande bereits eine außerordentlich günstige Aenderung durchgemacht und waren so sehr bestrebt, die ungarische Sprache im Kreise ihrer Kinder zu verbreiten, daß wir viele Fälle kennen, in welchen jüdische Großeltern mit ihren Enkeln nicht verkehren können, weil sie der ungarischen Sprache nicht mächtig sind, welche die Letzteren sprechen. (Wahr ist's! So ist's) In ihren Tempeln sind sie bestrebt, nach Möglichkeit nur ungarische predigten halten zu lassen. Und was bedeutet denn die Magyarisirung ihrer Namen? Etwa, daß sie sich nicht mit der Nation verschmelzen wollen? Es wurde ferner die Beschuldigung erhoben, daß sie keine Schulen erhalten und daher nicht würdig sind, daß wir sie ganz recipiren, da sie in kultureller Beziehung nicht den Verpflichtungen Nachkommen, deren Erfüllung man von ihnen erwarten könnte. Diejenigen, die solche Behauptungen aufstellen, haben sich nicht die Mühe genommen, sich von deren Wahrheit zu überzeugen, ich habe mir diese Ueberzeugung verschafft und ich lenke die Aufmerksamkeit des geehrten Hauses auf den 1893er Bericht des Unterrichtsministeriums, laut welchem von den confeffionellen Schulen 576 von Israeliten erhalten werden; darunter sind nur 30, in welchen die Unterrichtssprache nicht die ungarische ist, doch wird auch bezüglich dieser Schulen bemerkt, daß sie den vorgeschriebenen Anforderungen vollkommen entsprechen. Es ist merkwürdig, daß man dies gerade den Israeliten gegenüber vorbringt, deren Lage, wenn man sie mit den Griechisch-Orientalen oder Griechisch-Katholiken vergleicht, eine viel günstigere ist. (Wahr ist's! So ist's! rechts.) Laut dem erwähnten Berichte gibt es heute in Ungarn 1657 griechischorientalische Schulen mit 511 unqualificirten Lehrern und 1530 griechisch-katholische Schulen mit qualificirten, 611 mit unqualificirten Lehrern. Dagegen gibt es in den 576 jüdischen Schulen 1010 qualistcirte und nur 24 unqualificirte Lehrer. Das sind Daten, welche nicht beweisen, daß die Israeliten auf dem Gebiete der Schulen nicht thun, was dir ungarische Nation von ihnen erwartet. Ich berufe mich ferner auf die ungarische Presse und erwähne es nicht als Borwurf, sondern als Thatsache, daß die größten Chauvins in der ungarischen Presse der israelitischen Confession angehören. Die Israeliten sind bestrebt, ihr Talent auch auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft zu bethätigen. (Zustimmung rechts.) Wenn wir gegen die Israeliten die Beschuldigung erheben, daß sie sich mit uns nicht ganz assimiliren, so suchen wir den Fehler nicht immer in ihnen, sondern auch in uns, in der Gesellschaft. (Zustimmung rechts.) Denn es genügt nicht, daß sie sich mit der ungarischen Nation verschmelzen wollen, es ist auch unbedingt nothwendig, daß sie auch die ungarische Nation mit sich verschmelzen wolle (Lebhafte Zustimmung rechts), denn wenn auf der einen Seite die Bereitwilligkeit hiezu gefordert werden kann, so ist es andererseits Pflicht, sie mit offenen Armen aufzunehmen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wenn einzelne Israeliten sich der ungarischen Nation noch nicht so genähert haben, wie man dies mit Recht hätte von ihnen erwarten dürfen, so ist daran nur die Kürze der Zeit schuld, welche diese Generation sozusagen gar nicht durchgelebt hat. (Zustimmunss rechts.) Hier handelt es sich übrigens um kein nationales, sondern um ein religiöses Gesetz, bei dessen Beurtheilung in erster Reihe religiöse Gesichtspunkte maßgebend sein müssen. Diese waren auch maßgebend, als anderen jetzt schon ganz recipirten Confessionen die volle Rechtsgleichheit und Reciprocität bewilligt wurde, welche sich auch jetzt noch nicht der ungarischen Nation in dem Maße genähert haben, wie dies die Juden schon bisher gethan haben. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wer über diese Dinge ein wenig nachdenkt, wird die Richtigkeit meiner Bemerkungen einsehen müssen. (Zustimmung.) Die zweite wichtigere Anklage ist religiöser Natur und lautet dahin: wir dürfen die Reception nicht annehmen, weil ihre Glaubenslehren unbekannt sind, weil sie keine Organisation haben, für die Reception nicht reif sind, es durch nichts verdient haben, daß die Rechtsgleichheit auf kirchlichem Gebiete auch auf sie ausgedehnt werde. Bei der ersten Verhandlung vermied ich es, auf eine Prüfung dieser Einwürfe einzugehen, um nicht eventuell die Empfindlichkeit anderer Confessionen zu verletzen. Heute aber, da diese Einwendungen als entschiedene Anklagen auftreten, kann ich nicht umhin, die Stichhältigkeit derselben zu prüfen. Es wird gesagt, ihre Glaubenslehren seien unbekannt. Aber ich frage: ist das alte Testament unbekannt? Sind die zehn Gebote unbekannt? Ich denke, wir alle kennen sie und wissen, daß sie gleich dem Christenthum, das auf ihnen aufgebaut ist, einen Gott und die Nächstenliebe als Grundlage ihrer Glaubenssätze anerkennen. In meiner Rede anläßlich der ersten Verhandlung habe ich all' dies dahin zusammengesaßt, daß ich, als ich mit dem Studium dieser Frage mich beschäftigte

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