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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 826 VrstrrretchUche WochrnschrM Nr. 4 3 sich moralisch heben und der Bevölkerung zeigen, daß auch in der Judenschaft ein gewisses rechtschaffenes Selbst- . bewußtsein herrscht". Man traut seinen Ohren nicht! Hat wirklich Herr Professor S u e ß so gesprochen? Professor Sueß will, daß die Juden selbst dem Antisemitismus den Boden entziehen. Ist also wirklich ein Boden, das heißt, ein Grund zum Antisemitismus vorhanden? Professor Sueß wünscht, der Jude soll sich moralisch heben. Steht also der Jude thatsächlich auf einer Stufe der Moral, die der Hebung bedarf? Die Juden sollen zeigen, daß auch in ihrer Brust „ein gewisses rechtschastenes Selbstbewußtsein herrscht". — Ist somit thatsächlich bei den Juden ein Deficit an Rechtschaffenheit zu constatiren? Wähler Strauß forderte Schutz vor Verfolgung, Schmähung, Beschimpfung, er forderte diesen Schutz nicht weil er Jude, sondern weil er Staatsbürger sei. Mit anderen Worten, er verlangte eine Gasse, nicht für die Freiheit, sondern für das Recht. Dies ist ein Standpunkt, der eine tiefe rechtliche Begründung hat. Dies ist die Parole, mit welcher der häßliche Antisemitismus vernichtet werden kann. Holländisches Iudenthum. Von D. Zeuchtwang. Wenn man bei Emmerich die holländisch-deutsche Grenze erreicht, macht sich der veränderte Typus des Landes bald bemerkbar. Schon vorher blickt man aus dem Wagenfenster in weite, doch nicht öde Flächen. Die Beschaffenheit des Bodens erinnert an Westphalen; soweit das Auge reicht, üppig grünes Wiesenland, daraus zahlreiche Rinderheerden gelagert. Unzählige schmale Wasserarme durchziehen kreuz und quer diese flache Gegend. Man steht, sie ist ein Geschenk des Meeres. In kurzen Zwischenräumen folgen massiv gebaute Windmühlen. In Zeoenaar ist nun Alles holländisch, der Volkscharakt>-r, die Sprache, beides trotz der Stammverwandtschast mit den Deutschen fremd. Die Mundart klingt dem, der sie noch nicht gehört hat, fast possirlich. Das verursachen die vielen gurgelnden Kehllaute, die langgezogenen Doppelvocale, die wie verdorbenes Deutsch klingenden Worte. Nachdem die sehr nachsichtige Revision glücklich überstanden ist, geht es weiter. „Jnstappen" (einsteigen) klingt es und wir sitzen wieder in unserem eleganten Wagen. Trotz ihrer Eintönigkeit ist die Gegend interessant. Das Bild erhält Abwechslung durch das Wasser und die Rinderheerden. Der Himmel ist graublau; das mag durch die Nähe des Meeres kommen. Die Dörfer sind schmuck und sauber, die Dorfbewohner schlendern behaglich mit spitzen Holzklumpschuhen an den Füßen, die Hände in den Taschen, die Thonpfeise im Munde, daher. Amsterdam! Wir sind am Ziele unserer Reise. Lange haben wir von dieser merkwürdigen Stadt geträumt; nun ist sie da. Die imposante Bahnhofhalle unterscheidet sich nicht wesentlich von den übrigen großen Bahnhöfen des Continents. Sobald man die Halle verläßt, bietet sich sofort das Bild einer See- und Handelsstadt dar. Wir erblicken die Ruyterkade mit dem 2), ersteres eine langgestreckte Straße, durch deren Mitte ein breiter Wassercanal strömt, letzteres ein mächtiger Seehafen, in welchem colossale Dampfer mit unzähligen Masten majestätisch vor Anker liegen. Bezaubernd schön ist dieser Anblick in mondheller Nacht, wenn die tiefen Schatten der gewaltigen Schiffskörper und des viel verschlungenen Takelwerkes auf den mondbeglänzten Wasserspiegel fallen und die vielfarbigen Lampen ihre rothen, grünen und weißen Lichter auf die stillen Fluthen werfen. Hier sieht man die charakteristischen Gestalten holländischer Schiffer — die fliegenden Holländer — in schwarzen Gewändern. Still und verschlossen thun sie ihr Werk und rauchen die unentbehrliche Pfeife. Nicht sehr weit gehen wir, und wir sind an der Stelle, die unser Interesse sehr in Anspruch nimmt: beim Beginne des Judenviertels. Rechts ab biegt nämlich die Rapenburgerstraat, die Hochburg Amsterdam'schen Judenthums. In dieser Straße allein wohnen über 2000 Juden von den 57.000 anderen, die in Amsterdam leben und welche, abgerechnet 5000 Sephardim, eine einzige große Gemeinde bilden. Ein ohrenzerreißender Lärm tönt uns entgegen. Im selben Momente gewahren wir Schwärme Hunderter von Kindern, die sich, mit Schulbüchern beladen, auf der Straße tummeln. Es ist gerade Abends gegen 7 Uhr, die Godsdienstschoolen sind zu Ende; das sind Lehranstalten für den Religionsunterricht der Judenkinder. In Amsterdam, wie in ganz Holland, ist der Religionsunterricht vollkommen von dem sonstigen Unterrichte getrennt. Die Gemeinde hat Riesenbauten aufgesührt, einzig und allein der gottesdienstlichen Unterweisung gewidmet. Doch davon später. Die Rapenburgerstraat trägt nur zum Theile holländischen Charakter, denn sie ist keine Wasserstraße, obzwar auch sie auf Wasser gebaut ist. Schnurgerade laufen die Häuserreihen hin; die Bauten sind schmal, zwei bis vier Fenster Front, drei bis vier Stockwerke hoch. Steht man an dem Ende der Straße, so erblickt man unzählige Freitreppen, die in das Hochparterre führen, zur Voorkamer (Wartezimmer) und zum Empfangszimmer. Neben der aufwärtsführenden Freitreppe läuft ein Trepp'hen von fünf bis.acht Stufen nach abwärts in die Untererdräume, welche nach rückwärts zu dem gewöhnlichen Wohnzimmer, zur Küche rc., zum Hof und Garten gelangen lassen. Sehen wir uns auf der Straße um: Nederl. Godsdienstschool voor Jongens, Nederl. Godsdienstschool voor Meisjes, Koningl. Nederl. Isr. Meisjes-Weeshuis (Mädchenwaisenhans). Nederl. Isr. Kinder-Bewaarschool, Koningl. Nederl. Isr. Theo]. Seminarium, Bethhamidrasch, das sind die Aufschriften. He uns sofort in's Auge fallen. Man sicht sogleich, daß hier viel für Juden geschieht. In dieser Straße wohnt auch der Opperrabbyn (Oberrabbiner), gleich verehrt, geliebt und auch gefürchtet, ein treuer Hirte über 57.000 Seelen, ein Herrscher aber auch im Reiche des Geistes. Seine Gelehrsamkeit geht auf vielen Gebieten des Wissens weit über das gewöhnliche Maß menschlicher Erkenntnis hinaus. Die jüdischen Bewohner Hollands sind nur im Zweifel, ob sie ihn mehr wegen seines marmornen Charakters, seines gewaltigen Wissens, seiner glänzenden Beredtsamkeit, seiner göttlichen Menschenliebe oder ob seiner großen Bescheidenheit bewundern sollen. Wir werden diesen Mann noch ferner in seiner Thätigkeit beobachten. (Fortsetzung folgt.) Me Rreeptionsvorlage;um zweiten Male im Ungar. Abgeordnetenhause. Freitag, am 18. October eröffnete Präsident Baron Desidor B ans fy die Sitzung des Abgeordnetenhauses um 10 Uhr Vormittags. Als Schriftführer fungiren: Schober, B. Perczel, B a r t o k. Bon Seite der Regierung anwesend: Wekerle, Baron Eötvös, Szilagyi, Graf Andrassy, Lukacs, Graf Festetics, Josipovich. Das Protokoll der jüngsten Sitzung wird verlesen und authenticirt. Zweiter Gegenstand der Tagesordnung: das Nuntium des Magnatenhauses, betreffend den Gesetzentwurf über die israelitische Religion. Ministerpräsident Alexander Wekerle: Geehrtes Haus! Jede Partei, jede Schattirung des Abgeordnetenhauses hat hinsichtlich der Richtigkeit der in diesem Entwürfe enthaltenen Principien eine viel zu große Einmüthigkeit bekundet, als daß ich mich in eine Wiederholung jener Motive einlassen sollte, welche die überwiegende Mehrheit dieses Hauses, ja ich könnte sagen, das ganze Haus leiteten, als es den Entwurf annahm. Ich glaube, es ist kein Motiv aufgetaucht, welches uns veranlassen würde, einen andern Standpunkt einzunehmen; Alles spricht dafür, den bisherigen unverändert aufrechtzuhalten. Ich erlaube

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