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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 42 Vrstrrrrvtziptze Wortzrnschrifl Seüe 819 Der Heimgegangene, welcher den Ruf eines bedeutenden Gelehrten genoß, erfreute sich allgemeiner Anerkennung und erhielt wiederholt Ordensauszeichnungen. Seine Gemeinde hing an ihm mit Liebe und er wußte sich auch die Verehrung der andersgläubigen Bevölkerung zu erwerben. Friede seiner Asche! ' Neudek. Wir halten alljährlich, da wir von unserer Muttergemeinde, weit entfernt sind, zu den hohen Feiertagen in gemiethetem Locale unseren Gottesdienst. Es war gerade unser Herrschaftsbesitzer Herr Baron Wilhelm Königswarter sammt Gemalin hier anwesend. Wir luden die Herrschaften in schlichter Weise ein, an unserem bescheidenen Gottesdienste theilzunehmen und wie groß war unsere Ueberraschung, als am ersten Feiertage der Herr Baron unser Betlocal betrat und am nächsten Tage auch seine Gemalin. Unsere verehrten Gäste haben sich lobend über unseren Gottesdienst ausgesprochen, was auch Ihre Andacht und Ausdauer bis zum Schluß bewiesen. Der Herr Baron wurde auch zur Thora gerufen. Ueber Befragen des Herrn Barons, ob wir auch an den übrigen Feiertagen Gottesdienst haben, mußten wir leider verneinen, da wir, gering an der Zahl (7 Familien), keine Mittel haben, uns ganzjährig ein theueres Local zu halten. Baron K ö n i g s w a r t e r, der sich mit Herrn Moritz Kreisch in liebenswürdigster Weise unterhielt und über die hiesigen israel. Verhältnisse Auskunft einholte, ersuchte denselben, für seine, des Herrn Barons Rechnung, ein beständiges Local zu miethen und ganzjährigen Gottesdienst einzurichten, was selbstverständlich mit innigem Danke und großer Freude begrüßt wurde, und wurden auch die nöthigen Schritte eingeleitet. Wir wünschen, alle unsere hervorragenden Glaubensgenossen möchten gleichen Sinn fürs Judenthum bezeigen. Saffin (Sasvar.) Am 3. d. verschied hier nach schwerem schmerzlichen Leiden Herr Ignaz Spie g l e r, Chef der Medicinalkräuterfirma M. D. Spiegler. Mit dem Hintritte dieses Mannes hat die Jsraelitengemeinde den Verlust eines ihrer vornehmsten und begabtesten Mitglieder zu beklagen. Ausgestattet mit vorzüglichen Geisteseigenschaften, bethätigte er seine Fähigkeiten im Dienste und zum Wohle der Gemeinde. Er war längere Zeit Cultusvorsteher und Cassier der Orts gemeinde und genoß in dieser Doppelstellung das höchste Ansehen bei allen Mitbürgern ohne Unterschied der Confession. Renommage und Phrasenprunk perhorrescirend, kargte er mit den Worten,- aber wenn er sprach, so waren seine Argumente sachlich, zutreffend und ausschlaggebend. Das tückische Leiden, dem der Verblichene zum Opfer fiel, mochte wohl seinen Körper brechen, sein Geist blieb bis zum letzten Augenblick unversehrt und noch wenige Tage vor seinem Tode disponirte er vom Krankenbette über geschäftliche Agenden und dictirte die abzusendende Correspondenz seinem Sohne in die Feder. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung von Liebe und Verehrung für den Verstorbenen. Was im Orte und zu Hause war, betheiligte sich an der Leichenfeier. Dem Conducte folgten sämmtliche Mitglieder der Jsraelitengemeinde, der Ortsrichter mit den vornehmsten Bürgern christlicher Confession, eine Abordnung der Gendarmerie, eine Abordnung der freiwilligen Feuerwehr unter Führung ihres Hauptmannes Paul v. Ma ch a tsch e k, endlich zahlreiche Leidtragende aus den benachbarten Ortschaften. Bor dem Tempel wurde Halt gemacht. Ehrwürden Bezirksrabbiner M. L. Engel schilderte den Lebenslauf und die Verdienste des Verstorbenen, seine Zärtlichkeit als Gatte, wie als Vater und sprach Worte des Trostes und der Ermunterung zur gramgebeugten Witwe und zu den Kindern. Nun ging es nach dem Friedhof. Ergreifend war hier das Jammern und Wehklagen der schwergeprüften Angehörigen. Möge er sanft schlummern, das Grab ihm die ersehnte Ruhe bringen — nach den unsäglichen Qualen und Schmerzen, die er monatelang ertragen mußte. Berlin. (Professor Lazarus.) Allgemeines Interesse erregt hier die Ernennung des rühmlichst bekannten Professors Dr. M. Lazarus zum Geheimen Regierungsrathe anläßlich seines 70. Geburtstages. Der Kaiser hat diese Ernennung am 15. v. M., also am 70. Geburtstage von Lazarus, an Bord der „Hela" vollzogen. Professor Lazarus, der ja auch in Wien von seinen Vorträgen in der „Concordia" her noch im besten Angedenken steht, war früher Lehrer an der königlichen Kriegsakademie und ist gegenwärtig ordentlicher Honorar-Profeffor für Philosophie und Pädagogik an der hiesigen Universität. Der greise Gelehrte hat seinen 70- Geburtstag in stiller Zurückgezogenheit in Schönefeld bei Leipzig gefeiert. Die Universität Bern, deren Rector er in den Sechziger-Jahren war, hatte ihn aus diesem Anlaffe zum Ehrendoctor der Rechte ernannt. Hunderte von Glückwünschen kamen von gelehrten Körperschaften, Universitäten, Vereinen, Gemeinden und Privaten, die von der großen Beliebtheit Zeugniß ablegten, deren sich Lazarus in allen Welttheilen zu erfreuen hat. Hier in B e r l i n hat sich ein Comite gebildet, das eine Lazarus-Stiftung zur Förderung der wissenschaftlichen Disciplinen ins Leben gerufen hat, denen der Jubilar sein besonderes Wirken zugewendet, nämlich der Völker-Psychologie, die er bekanntlich mit seinem gelehrten Schwager H. Steinthal begründet hat, der Ethik und der Wissenschaft des Judenthums, die ihm werthvolle Schöpfungen zu danken haben. Lazarus befindet fich in voller geistiger, Frische und hat eben erst eine sehr bedeutende Schrift überden Propheten Jeremias veröffentlicht. Berlin. (Der Geheime Medicinalrath D r. Leopold L e w i n.) der langjährige Arzt des hiesigen Untersuchungsgefängnisses, ist in der vergangenen Nacht plötzlich einer Herzlähmung erlegen. Durch zwei Depeschen ging heute der Direction diese Nachricht zu, welche dort um so erschütternder wirkte, als der greise Geheimrath noch gestern in voller Rüstigkeit seines Amtes daselbst gewaltet halte. Geheimrath L e w i n hat sein schwieriges und verantwortungsvolles Amt mit großer Humanität versehen, den Untersuchungsgefangenen war er nicht nur ärztlicher Rathgeber und Helfer, sondern auch vielfach Tröster, und verschaffte ihnen, wo es ihm angebracht erschien, so manche Erleichterung, die er als Anstaltsarzt gewähren durfte. Dagegen war er streng gegen Simulanten, die dec erfahrene Arzt sehr bald erkannte, so daß sie bei ihm stets erfolglos ihre Kunststücke versuchten. Eine Episode in seinem Leben hat Herrn Geheimrath Lew in seinerzeit in weitesten Kreisen bekannt gemacht. Es war am 2. Juni 1878, als N ob i l i n g den ruchlosen meuchlerischen Anschlag gegen das Leben des greisen Kaisers Wilhelm ausführte; Dr. L e w i n, welcher sich zufällig in der Nähe des Thatortes befand, sprang schnell entschlossen in den kaiserlichen Wagen und leistete dem schwer verwundeten Monarchen die erste Hilfe und geleitete ihn dann in das Palais. Der Verstorbene hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. Berlin. (Professor Pringsheim.) Der ausgezeichnete Botaniker und Pflanzenphysiologe Geheimrath Professor Nathan Pringsheim ist, wie wir gemeldet haben, am Freitag in Berlin im 71. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist einer der liebenswürdigsten und bescheidensten Gelehrten dahingegangen. ZuWziesko in Oberschlesien geboren, studirte er in Breslau, Leipzig, Berlin und Paris Medicin, dann Naturwissenschaft und habilitirte sich 1851 als Privatdocent der Botanik an der Universität Berlin. Bereits 1856 wurde er auf Grund seiner beiden Schriften „Grundlinien einer Theorie der Pflanzenzelle" und „Ueber die Befruchtung und Keimung der Algen und das Wesen des Zeugungsactes" zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaft ernannt. 1864 folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor der Botanik nach Jena und gründete dort das erste Institut für Pflanzenphysiologie, welches den Anstoß zu vielen ähnlichen Einrichtungen gab. 1868 legte jedoch Pringsheim diese Profeffur nieder und kehrte nach Berlin zurück. Dort errichtete er aus eigenen Mitteln ein Privat-Laboratorium, das nicht nur an Umfang und Ausstattung, sondern auch hinsichtlich der aus ihm hervorgegangenen wissenschaftlichen Ergebnisse mit jedem staatlichen Institut wetteifern kann. Pring sh e im war der Entdecker der Sexualität bei den niedrigsten Gewächsen und stellte eine neue Theorie von der Rolle des Chlorophylls in den Pflanzen auf. Er veröffentlichte „Untersuchungen über das Chlorophill", „Entwicklungsgeschichte der Achlya prolifera", „Beiträge zur Morphologie und Systematik der Algen", „Ueber die Dauerschwärmer des Waffernetzes", „Ueber Paarung von Schwärmsporen" rc. Außerdem bezogen sich seine mikroskopischen Forschungen auf die Vorgänge der Zellbildung in den „Untersuchungen über den Bau und die Bildung der Pflanzenzelle" und besonders auf die Entwicklungsgeschichte und die Wachsthumsgesetze der Stämme und Blätter. Seit 1857 gab Pringsheim auch die „Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik" heraus. Conftarrtinopel. (Ernennung.) Der Kapu Kehaja des Großrabbinats Adschidevan Efendi erhielt den Rang eines Mutemaiz. _

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