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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 818 Drsterveichifchr Wschenfrtzrifl Nr. 48 VermiMtes. Wien. Baron B e r t h o l d Popper ist mit dem Ritterkreuz des rumänischen Kronen-Ordens ausgezeichnet worden. Nachstehende literarische Werke wurden vom Kaiser sür die k. u. k. Familien-Fideicommißbibliothek allergnädigst angenommen: „Die Localbahnen in Galizien und der Bukowina" von E. A. Ziffer, „Scepter und Kronen, die Herrscher Europas in Wort und Bild" von Adolf Ascher. Der Kaiser hat dem Obersten Maschinenbau- und Betriebs-Ingenieur Jakob Fasse! den Orden der Eisernen Krone taxfrei zu verleihen geruht. (Verlobung.) Fräulein JennyRedlich, Tochter des Herrn Adolf Redlich in Floridsdorf, hat sich mit Herrn Gustav Seidl verlobt. Der Statthalter von Mähren hat den Assistenten Dr. Sigmund L e w i t h zum k. k. Bezirksarzte 2. Elaste in Littau, den Assistenten Dr. Ignaz G o t t l i e b zum k. k. Bezirksarzte . 2. Elaste in Wallachisch-Meseritsch ernannt. Wien, 13. October. Lange, lange war die ophthalmologische Klinik an der Wiener Universität verwaist. Hofrath Stellwag hat letzten Sommer von seinen Hörern Abschied genommen. Unter den Namen Derjenigen, die der Nachfolge des berühmten Gelehrten würdig erschienen, wurde in erster Linie Profeffor Dr. Ludwig Mauthner genannt und das Profestoren-Collegium schlug ihn auch dem Unterrichtsministerium primo loco zur Ernennung vor. Heute erst meldet das „Fremdenblatt", daß Professor Ludwig M a u t h n e r zum Nachfolger S t e l l w a g's ernannt wurde. Profeffor M a u t h n e r, der nunmehr die Leitung der ophthalmologischen Klinik übernimmt, ist ein gebürtiger Prager und steht jetzt im 54. Lebensjahre. Er besuchte das akademische Gymnasium in Wien und bezog mit 16 Jahren die Wiener Universität. 18 Jahre alt, veröffentlichte er seine erste wissenschaftliche Arbeit über den Bau des Rückenmarkes. Im Jahre 1861, kaum 21 Jahre alt, wurde Mauthner zum Doctor der Medicin an der Wiener Universität promovirt. Im Jahre 1862 unternahm er eine Studienreise nach. Deutschland — in Berlin bielt er sich längere Zeit bei Albrecht v. Graese auf — Holland, England und Frankreich. Zurückgekehrt, habilitirte er sich im Jahre 1864 als Privatdocent der Augenheilkunde an der Wiener Universität, wurde 1866 Secundararzt erster Elaste bei Professor Eduard v. Jäger, 1869 ordentlicher Profeffor der Augenheilkunde und Vorstand der neu errichteten Augenklinik an der Universität zu Innsbruck. Seit 1877 lehrt Profeffor Mauthner wieder an der Wiener Universität. 1890 nahm er die Stelle eines Abtheilungsvorstandes an der Allgemeinen Poliklinik in Wien an, deren Directorstellvertreter er seit 1893 war. Profeffor Mauthner hat sein erstes großes Werk auf dem Gebiete der Augenheilkunde im Jahre 1868 publicirt. Es ist dies das „Handbuch der Ophthalmoskopie", die „Lehre vom Augenspiegel". Mauthner hat außer diesen beiden Werken und zahlreichen kleineren Abhandlungen noch zwei größere Bücher verfaßt: „Die optischen Fehler" und die „Vorträge ausdem Gesammtgebiete der Augenheilkunde", ferner eine Reihe trefflicher Monographien. Profeffor Mauthner genießt in Fachkreisen ebenso als Diagnostiker wie als Operateur einen ausgezeichneten Ruf. Seine Ernennung wird deshalb auch überall mit der größten Genugthuung begrüßt werden. E. B. Wien. (B a n k d i r e c t o r.) In der letzten Sitzung des Generalrathes der österreichisch-ungarischen Bank wurde Herr Bernhard H e l l m a n n, öffentlicher Gesellschafter der Firma N. H e l l m a n n in W i e n, zum Mitgliede der Direction in Wien auf dieDauervon vier Jahren gewählt. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hielt am 14. d. M. seinen ersten literarischen Nachmittag des Winterhalbjahres. Die Präsidentin Fräul. Bertha Schalit hielt eine längere Ansprache an die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder. berührte in ihrer Rede die Bedeutung des Tages (8uccot) und ertheilte dann dem Fräul. Adele Poppenscheller das Wort. Diese sprach über Bosch hasehono mtb Jom Kipur mtb geißelte in wohlerwogener Rede die Unzukömmlichkeiten des Verkaufes der Betsitze einerseits, aus welchem Grunde jene Juden, welche beten wollen und nicht das Geld haben, Sitze zu kaufen, das Bethaus gerade all diesen hohen Festen nicht besuchen können; tadelte andererseits wieder Jene, welche Sitze haben können und sich solcher nicht versichern aus Furcht, isie möchten im Tempel Langeweile empfinden. Fasten und dabei in den Prater gehen und sich zerstreuen — bemerkt Rednerin — - seien zwei Dinge, welche, am Bosch haschono und Jom Kipur zur Schau getragen, geradezu lächerlich erscheinen. Anschließend daran rccitirte Fräul. Jda Werner ein Gedicht, betitelt: „Vorbei — gewesen", welches den letzterwähnten Vortrag wirkungsvoll ergänzte. Nach einer kleinen Pause gelangte die Haus- und Geschäftsordnung zur Verlesung und Annahme. Eine sehr rege Discussion über die Stellung des Vereines zu den nationalen Bestrebungen im Judenthume beschloß den äußerst gelungenen Nachmittag, von dem zu hoffen steht, daß ihm seine Nachfolger gleichen werden. Der nächste literarische Nachmittag findet am 28. d. M. statt und sind Gäste (Damen) herzlich willkommen. Bereinsnachmittage werden abgehalten I., Schottenring 23. Wien. Muß nicht jedem anständigen Juden die Schamröthe ins Gesicht steigen, wenn er hört, daß in H e l f erst orf er's Gasthaus, 2. Bezirk, Taborstraße, „zum goldenen Wider", an derselben Stelle an welcher Tags vorher der Bal Tfille für uns betete, 24 Stunden später der Mechaniker Ernst Schneider!! seine bekannten Vorträge hielt? Es ist ja richtig daß die Gemeinde nicht so viel Geld besitzt, um einDutzend Tempel zu bauen, aber daß der Gottesdienst in weniger profanen Localen abzuhalten ist, ist ebenso richtig. Wien. Sehr geehrte Redaction! Ich kann mich nicht enthalten, an dieser Stelle der unter tiefster Trauer und allgemeiner Theilnahme am 3. October zu Grabe getragenen Frau Anna Jette M e i s e l geb. B o r n st e i n, Gattin des Herrn S. Meisel, Obmann des Vereines „Beth Israel", in wärmster Weise zu gedenken. Ich stehe noch immer unter dem nachhaltigen Eindruck der ergreifenden und jeden Zuhörer aufs Mächtigste erschütternden Gedenkrede des Oberrabbiners Dr. G ü d e m a n n. der ihren Verdiensten und persönlichen Vorzügen in so' beredten Worten Ausdruck verliehen. Die Verstorbene hat sich selber ein Denkmal im Herzen aller Hinterbliebenen und zahlreichen Bekannten, unvergänglich für alle Zeit, gesetzt und ich meinerseits rufe ihr zu: Rah' sanft für Ewiges, du aller Frauen Zierde, Die stets der Menschheit Recht geübt und hohe Würde, Die prahlend, nie zur Schau ihr Herze hat getragen, Und Wunden lindert' da, wo Andre sie geschlagen. Von Wohlthatssinn erfüllt, wo's Noth galt zu besiegen. Fürwahr ein Engel wohnt' in allen deinen Zügen. Wie auch Dich hat erhellt, des Wissens milde Leuchte Ein Glanz, der wenn er strahlt, auch Andere erreichte Und felsenfest und treu, Du zugethan dem Glauben Geschmäht, Dir heilig stets, den niemand konnte rauben. D'rum Segen die gesäet der guten Werke Thaten Bon dem ein spät' Geschlecht, noch erntet seine Saaten. Michael Kahanc. Wien, 17. October. Unter großer Theilnahme wurde heute die Schriftstellerin Frau Prof. Nascher, Schwester der Jnstitutsvorsteherin Directorin T h i l o und Gattin des Herrn Prof. E. Nasche r, zu Grabe getragen. Die erhebenden Worte des Oberrabbiners Dr. Güdemann gipfelten in den Gedanken, daß das Leben dieser würdigen, geist- und gemüthsstarken Frau der Laubhütte glich, geschmückt mit dem Immergrün des Lehrens, den Blüthen der Poesie. Die weihevollen Gesänge des trefflichen Obercantors Goldstern geleiteten die Verblichene zu Grabe, wo sie an der Seite ihrer Mutter zur ewigen Ruhe gebeitet wurde. Tarnopol. Der Lehrkörper der israel. Hauptschule zu Tarnopol hielt am 4. October l. I. seine monatliche Lehrerconferenz unter Vorsitz seines Directors Marek Majerowicz ab. Bei derselben las der Vorsitzende den vom Herrn Fabriksbesitzer I. W e r t h e i m e r in der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 39 enthaltenen Leitartikel: „Das Kaiserwort von Balassa-Gyarmath" vor. Auf Antrag des Herrn Vorsitzenden wurde auch vonr ganzen Lehrkörper einstimmig beschlossen das Kaiserwort von Balassa-Gyarmath, nämlich: „In meinem Herzen bildet der Unterschied der Religion meinen Völkern gegenüber keine Scheidewand" mit Goldbuchstaben in Druck zu legen. — Und schon glänzt das Kaiserwort von Balassa-Gyarmath im schönen Rahmen unter Glas in allen zwölf Lehrzimmern, wie auch in der Schulkanzlei unter dem Bilde Sr. Majestät. Auch wurden 300 solche Exemplare unter die Schuljugend vertheilt. Reichenau a. d. Kneezna. Unsere israelitische Cultusgemeiude hat einen schweren Verlust erlitten. Unser allgemein verehrter Seelsorger, Herr Rabbiner Dr. L e n g s f e l d e r, .ist hochbetagt nach langem Leiden eines sanften Todes verschieden.

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