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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Destrrreichiphe Wochenptzrist ©eite 815 HorrLMnäenLen. El. B. Wien. (DiejüdischenTabaktrafikanten am Jom Kipur.) Die jüdischen Tabaktrafikanten, welche Heuer um die Bewilligung nachsuchten, am Jom Kipur ihre Berkaufslocale gesperrt halten zu dürfen, wurden abschlägig beschieden. Es ist dies zweifellos darauf zurückzuführen, daß im Vorjahre das antisemitische Hetzorgan „Deutsches Bolksblatt" über den Umstand, daß einige Tabaktrafiken am Bersöhnuugstage geschlossen blieben, aus dem Häuschen gerieth. Nicht Rücksichten auf das Publicum oder das Monopol dürften bei der illiberalen Behandlung gegenüber den jüdischen Tabaktrafikanten maßgebend gewesen sein, dies geht wohl aus der Thatsache hervor, daß z. B. von sieben Trafiken der Praterstraße nur zwei, von drei Trafiken der Kaiser Josefstraße nur eine um die betreffende Bewilligung nachsuchte. Es gewinnt vielmehr den Anschein, daß der Antisemitismus auf allen Gebieten des Verkehres und socialen Lebens dominirt und sich als eine Nebenregierung ausgestaltet und alle Actionen müssen von „Cherchez les Antisemite“ aus beurtheilt werden. Wien, den 11. October 1894. (Akademischer Verein „K ad im ah".) Löbliche Redaction! Die ergebenst Unterzeichneten bitten um Aufnahme folgender Zeilen. # In der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes findet sich eine Notiz über die bereits vollzogene Theilung des jüdisch-nationalen akademischen Vereines „Kadimah". Der Grundstock der alten „Kadimah" behielt den alten Namen und mit ihm die in den letzten Jahren mit Muth und Ausdauer verfochtenen Priucipien und Ideale, insbesondere die Hebung des jüdisch-nationalen Bewußtseins und die Kräftigung des Solidaritätsgefühles unter den jüdischen Studenten der Wiener Hochschulen. Die neue „Kadimah" wird auch fernerhin mit warmer Begeisterung für die gerade in letzter Zeit wieder so arg bedrohten Interessen der jüdischen Studenten eintreten und mit Aufwendung der ganzen Kraft und des zu Gebote stehenden Einflusses den Anfeindungen der Gegner Trotz bieten. Auch für die wissenschaftliche und gesellige Ausbildung der Mitglieder ist vorgesorgt. Eine reichhaltige Bibliothek enthaltend Werke sowohl jüdischen, als auch allgemeinen Inhalts, sowie allwöchentliche Vortrags- und Discussionsabende werden gewiß das Ihrige zur Ausbildung beitragen. So hoffen wir, daß es der „Kadimah" im Vereine mit den bereits entstandenen und den im Werden begriffenen jüdisch-nationalen Vereinen, sowie der allgemeinen jüdischen Lese- und Redehalle gelingen wird, in diesem Jahre ein noch größeres Feld sich zu erobern, zum Wohle und Nutzen der jüdischen Studentenschaft Wiens. In die Leitung des Vereines wurden berufen die Herren: Drd. Med. Leonhard G e r b e l als Präses, Drd. Med. S. Neuberger als Bicepräses und Drd. Med. Armin Mayer als Schriftführer. Es zeichnen ergebenst unter Versicherung vorzüglicher Hochachtung. I. A. D. A. Drd. Med. Leonhard Gerber Drd. Med. Armin Mayer d. Z. Präses. d. Z. Schriftführer. Von der Universität. Der akademische Verein „Gamala" veröffentlicht folgenden Aufruf: Jüdische Commilitonen! Mit dem akademischen Verein ,,Gamala" tritt der dritte, specifisch jüdische Verein der Wiener Universität ins Leben. Nach § 2 seiner Statuten bezweckt er, „die. Hebung und Förderung des Bewußtseins der Stammeszusammengehörigkeit aller jüdischen Studenten, die Wahrung ihrer geistigen, ethischen und materiellen Interessen, sowie die Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur". Ueber die Notwendigkeit der Existenz solcher Vereine, wie es der unserige ist, unter den heutigen Verhältnissen noch Worte zu verlieren, halten wir für vollständig überflüssig. Wir sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß uns jüdischen Studenten, mehr als irgend welchen anderen. Selbsthilfe noththut. Wir empfinden es tief, daß wir einen Theil der Zukunftshoffnung unseres Volkes bilden, und wir sind fest entschlossen, durch liebevolle Beschäftigung mit dem Schriftthnm und der Geschichte unseres Volkes seine Eigenart genau kennen zu lernen, um uns dadurch das Verständniß zu verschaffen für das, was ihm frommt. Durch diese Bestrebungen, durch die Studien, denen wir obliegen, und durch die Pflege freien Mannessinues. ohne Rücksicht auf veraltete Anschauungen im Leben und in der Wissenschaft, hoffen wir unser Ziel zu erreichen. Diejenigen unserer jüdischen Commilitonen, deren Herz noch für ihr Volk schlägt, die an der Universität im Kreise redlich Strebender — und wenn nöthig — auch Kämpfender ihren Studien leben wollen, mögen sich uns anschließen, wir werden sie zu gemeinsamer Arbeit herzlich willkommen heißen. Und so entbieten wir ihnen allen unseren brüderlichen Gruß. Der Ausschuß. Wien. (Strafmilderung für die relegirten Studenten.) Wie uns mitgetheilt wird, hat sich der Unterrichtsminister Dr. Ritter v. Madeyski bewogen gefühlt, die aus Anlaß der bekannten Scandalc an der medicinischen Falcultät über mehrere Studenten verhängten Strafen herabzumildern. Diese Entschließung des Ministers ist auf die eindringliche Bitte Sr. Magnificenz des neuen Rectors, Prof. Dr. Laurenz Mü lln e r, zurückzuführen, der bei seinem Amtsantritt unter Anderem auch diese vom letzten Schuljahre herübergekommene Affaire vorfand und den herzlichen Wunsch hatte, diese odiose Angelegenheit endlich in möglichst befriedigender Weise aus der Welt zu schaffen. Bekanntlich hatten die vom Senate mit Relegirung bestraften Studirenden gegen das Erkenntniß Recurse eingebracht, welche jedoch ursprünglich von dem Minister abschlägig beschieden wurden, so daß also die Entscheidungen des akademischen Senates endgiltig bestätigt erschienen. Nunmehr unterbreitete aber der Rector aus eigenem Antriebe dem Minister die Bitte, daß derselbe, nachdem die Autorität des akademischen Senates nun voll und ganz gewahrt sei, den gemaßregelten Studenten doch eine S tr afmilderun g angedeihen lassen möge; und dieser Bitte, deren Motive man ausschließlich in der herzlichen Sorge des Rectors für das Wohl der Universität zu suchen hat, willfahrte, wie gesagt, der Minister. Es wurden dementsprechend auf der ganzen Linie Strafmilderungen durchgeführt. Die Studenten, über welche die Relegirung verhängt war, werden im Sinne der neuesten ministeriellen Verfügung blos eine Rüge, diejenigen, die mit Rügen bestraft wurden, eine Belehrung durch den Rector erhalten. Ferner wird für solche Studenten, denen die Ablegung der Prüfungen für ein oder zwei Semester strafweise untersagt wurde, diese Strafe vollständig entfallen und anstatt derselben eine leichtere Strafbehandlung eintreten u. s. w. Der betreffende Erlaß des Ministers ist bereits herabgelangt und die in Betracht kommenden Studenten werden von demselben im Laufe des heutigen oder morgigen Tages durch eine Verständigung des Rectors in Kenntniß gesetzt werden. Brünn. (Abraham Popper'sche Stiftung.) Der vor einigen Jahren dahingeschiedene Brunner Großindustrielle und Gutsbesitzer Abraham Popper hat bekanntlich testamentarisch eine Stiftung von 10.000 fl. in 1854er-Losen errichtet, mit der Bestimmung, es seien von dem Zinsenerträgniß derselben alljährlich zu Beginn des Schuljahres arme, brave, die hiesigen deutschen Communal-Bolksschulen besuchende Kinder mit je 25 fl. zu betheilen. Mit Rücksicht auf die Höhe des Erträgnisses wurden unlängst auf Grund der von den Schulleitungen erstatteten Vorschläge neunzehn bedürftige Schulkinder im Sitzungssaale des Gemeinderathes durch den Bürgermeister, Dr. Ritter von Mieser, mit je 25 Silbergulden betheilt. Bürgermeister Dr. Ritter v. Wie fer leitete den Act, dem nebst den Angehörigen der zu beiheilenden Kinder auch die hiesigen Schulleiter anwohnten, mit einer Ansprache ein. Budapest, 13. October. (EinRencontreimBallsaal.) Der Ruderverein „Neptun", welcher zufolge des Umstandes. daß seine Mitglieder sich ausschließlich aus den Gentrykreisen angehöreuden jungen Herren recrutiren, eine gewisse Exclusivität besitzt, veranstaltete am 6. März l. I. einen Ball, auf welchem es zwischen dem Beamten des ungarischen Bodencreditinstitutes Johann H offmann und dem Kaufmann Desider B o r o s zu einer peinlichen Auseinandersetzung kam. Hoffmann, der als Vereinsmitglied wußte, daß der Verein unter seine Mitglieder keine Juden aufnehme und auch bei seinen Unterhaltungen diesen exclusiven Charakter bewahre, sah sich auf dem „Neptunballe" einem ihm unbekannten Herrn gegenüber, von dem er voraussetzte, daß er ein S e m i t s e i, was jedoch nicht der Fall w a r. Er betrachtete diesen Herrn als Eindringling, maß ihn mit verächtlichen Blicken und suchte ihn auch einer Dame, in dessen Gesellschaft er sich bis damals befunden, unleidlich zu machen,

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