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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 814 Vestrrrrlrtztptze WMtzrnsÄpM sicr. 42 Se. Hochwürden darin bekundet. Wer seine Mutter öffentlich bemitleidet und seine Geschwister herabwürdigt, weil sie nicht seines Glaubens sind, kann nebenbei ein großes Kirchenlicht sein, aber Alle, die sich zur Religion der Anständigkeit bekennen, werden eiligst von ihm fortrücken. Und einen vorzüglichen Eindruck bringt auch der Priester hervor, der mit gedankenlosem Freimuth die Glaubensaenossenschaft verleumdet, aus der der Stifter seiner eigenen Kirche, der „Religion der Liebe", hervorgegangen ist. ,,Opfer -er Berjudung^. Ab und zu gehen die Antisemiten mit der deutschen Geschichte fürchterlich ins Gericht. Hardenberg gilt ihnen als Judensöldner, Bismarck als verjudet u. s. s. Am 10. October mußte der arme Karl der Große nach säst 1100jährigem Schlafe sich folgende antisemitische Censur in „Freideutschland" gefallen lassen: „z. B. Karl der Große, dieser „größeste aller Deutschen", ist gewissermaßen der Vater der fälschlich für deutsch erklärten, in Wirklichkeit lateinischen Schrift. Aber in Wirklichkeit ist auch dieser sog. „Große" oder nur im schlimmen Sinne „Große" ein ausgesprochener Römling, Psaffenknecht, eine Wiederausgraber des „Classischen" (das uns so unsäglich geschadet), ein Verwüster echtesten Deutschthums (vergl. die Sachsen!) ein Vergewaltiger deutscher Ueberlieferung, deutscher Stammessonderung, ein Willkürherrscher, ein Einheitsstaatler nach altrömischem und neurömischem gallischen „Muster", ein „Cäsar", ein „Napoleon des Mittelalters", an dessen Hofe nebenbei, namentlich \n geschlechtlicher Hinsicht, die schmutzigste Unsiltlichkeit herrschte, ein Hohn auf die altgermanische Hoheit und Reinheit des Weibes, — kurz, er ist die undeutscheste Erscheinung der Geschichte gewesen." Ueber Schiller heißt es: „Welche traurige Undeutschheit der Stoffe! Eine ganze „Collection >" Abgesehen von der Jungfrau von Orleans! Teil! Abfall der Niederlande! Dreißigjähriger Krieg! Wallenstein! Wie ausgesucht Nur das Demüthigeude, den Verfall Darstellende, Verkleinernde! Und, im Gewände dichterischer Verherrlichung, wahrhaft vaterländisches Gift! Nun läßt sich freilich aus Schiller'schcin, selbst aus seinem Gift, vaterländischer Honig genug saugen." Wir haben keine Veranlassung, uns für Karl den Großen besonders ins Zeug zu legen und geben zu, daß in dem antisemitischen Urtheil über ihn neben einigem Falschen viel Wahres ist. Aber gerade vom antisemitischen Standpunkt aus fehlt die Hauptsache: nämlich der Nachweis, daß Karl und hinterher Schiller verkappte Juden gewesen seien. Vielleicht hat die Acten für diesen Nachweis noch A h l w a r d t hinter sich. Sieben große Infamien der „Reichspost". (Vierte Aufführung in dieser Saison.) Wie tief dieses Schaudblatt gesunken ist, haben wir bereits in Nr. 28 der „Oesterr. Wochenschrift" gezeigt. Wir schrieben damals: „Der antisemitische Journalismus ist auf einer Stufe glücklich angelangt, von wo er — wie oberflächliche Beobachter urtheilen, — nicht mehr tiefer sinken kann. Es geht aber noch immer abwärts in den unergründlichen Morast.Die „Reichspost" bringt am 22. Juni: Sieben kleine Geschichten aus Niederösterreich. 1. Der jüdische Beamte W. hetzte gegen den Ortsseelsorger. Auf die Frage eines Christen um den Grund, sagte er: „Er hat mir nichts gethan — über ich kann ihn nicht leiden." 2. In Th. wurde das heilige Sacrament zu einem Kranken geragen. Ein Judenbube verhöhnte und verspottete den Priester und das heilige Sacrament durch Worte, Geberden. Er wurde auch in Folge dessen gerichtlich bestraft. 3. In Schr. — einem Dorfe! — veranstaltete ein reicher Jude z» Ehren seines Töchterleins einen Kinderball. Dazu wählte er den Abend vor dem weißen Sonntag, an dem die Christenkinder zur ersten heiligen Communion gehen sollten. 4. In W. herrscht der Gebrauch des sogenannten „Stümpfelns". Dieser besteht darin, daß pflichtvergessene Kinder oder nichtsnutzige Weiber hinter dem Rücken des Mannes Säcke (Stümpfe), Getreide zum Juden schleppen und dort verschleudern. Beim Gerichte in Weitra wurde vor einigen Jahren ein Fall verhandelt, bei dem der Jude die Kinder und Dienstboten geradezu zum Bestehlen der Ellern und Dienstgeber verleitete. 5. Beinahe der ganze politische Bezirk, in dem ich weile, ist von der Schnapspest verseucht. Der Erzeuger des gesammten Schnapses ist ein Jude von Neubistritz, der ihn hauptsächlich durch seine Stammesgenoffen verschleißen läßt. In jedem Orte, wo ich noch ansässig war, hatten Juden eine Schnapsschäuke. 6. Auffallend ist, daß überall, wo ich es zu bemerken Gelegenheit hatte, die kleinen Judenmädchen die allerkürzesten Röcke tragen. 7. Großes Aufsehen erregte hierorts die Nachricht, daß eine reiche Jüdin sammt Tochter wegen Diebstahls an einen armen Schuster im Bezirksgerichtsarreste eingesperrt wurde. Noch an allen Orten, i,r denen ich weilte, fand ich, daß die Judenfirmen meist nicht auf den Ehemann lausen, sondern auf die Frau. „Diese „sieben kleinen Geschichten aus Niederösterreich" sind ebensoviele große Bubenstücke, erstunken und erlogen, vom ersten bis zum letzten Worte. Dieser Grad von moral mssnit^ ist selten! Heimtückische, niederträchtige Verleumdungen aus dem sicheren Hinterhalte, die das sittliche Gefühl jedes anständigen Menschen empören müssen." „Der jüdische Beamte W.? Wer ist W? Heraus mit dem Namen, Ehrabschneider, wenn Dü überhaupt einen weißt? — In Th. verhöhnt ein „Judenbube" das Sacrament? Wo ist Th. und wie heißt der Bube? — In Schr. ist was geschehen^ was Dir nicht recht ist — so thu nicht verschämt und nenne den Ort oder schweige ganz still." „Auf die Anfrage eines christlichen Lesers bezüglich dieser sieben „Raubersg'schichten" antwortete das Blatt unverfroren genug: „Wir beehren uns höflichst mitzuthetten, daß uns über den betreffenden Purikt leider keine näheren Daten zur Verfügung stehen." Daten stehen nicht zur Verfügung, aber Gemeinheit, freche Verleumdung und bodenlose Niedertracht, die stehen zur Verfügung." „Auf eine zweite Anfrage über nähere positive Daten, die erdichteten Facten betreffend, reagirte das Blatt gar nicht. Es roch vermutlich Lunte und stand nicht Rede — die alte Berleumdungspraxis. Erst verdächtigen und dann feige auskneifen." Die „Neichspost" hüllt sich noch immer in tiefes Schweigen.- Die „Reichspost" schreibt ganze Artikel und Feuilletons über die „Oesterr. Wochenschrift", allein diese Infamien berührt sie mit keinem Worte. Die Herren Redactenre wollen sich in ihrem Lügengewerbe nicht stören lassen. Franz Ritter v. Felbinger. Herr Franz Ritter von Felbingerin Brünn publicirt in Brünner, Budapester und Wiener Journalen in Rücksicht aus die Mittheilungen in letzter Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" eine langathmige und gewundene Erklärung, daß er die „antisemitische Tendenz", „entschieden mißbilligt". Gleichzeitig werden wir von einem Leser gebeten, nachstehende Zuschrift zu Publiciren: „Seit circa 60 Jahren ist unsere Familie in S ch ö l ls ch i tz geschäftlich thätig, wo seit 30 Jahren mein Bater ein bescheidenes Specereigeschäft führte, welches ich vor circa 8 Jahren nachdem mein Vater zu dieser Zeit gänzlich erblindete, übernommen habe. Gleich als F e l b i n g e r sich in Schöllschitz angekauft hatte, sprach er sich dahin aus, daß er alle in Schöllschitz wohnenden Juden vertreiben werde und nur dem Edelsinn und der Güte seiner Frau Gemalin, welche den vielseitigen Sport ihres Gemals nicht theilte, war es zu danken, daß wir die erste Zeit glimpflich davonkamen. Als sich jedoch die Eheverhältnisse des Herrn v. F e lb i n g e r gewaltig änderten und seine Gattin gezwungen war, in die Fremde zu gehen — ging der Spuk gegen uns gewaltig los. Bor Allem richtete er sich ein Gasthaus ein, um eine dort wohnende Gasthausbesitzerin, Namens Kathi F i s ch l, die Witfrau mit vielen unversorgten Kindern ist, zu Grunde zu richten. Bier Häuser von meinem Geschäftslocal entfernt, eröffnete er eine Greißlerei, um mich, den Juden, zu verdrängen. Ferner müssen seine Arbeiter bei ihm kaufen, weil er und auch dessen gleichgesinnter Verwalter — ein gewesener Schweinetreiber — stets zu diesen Leuten äußerten, daß, wenn selbe zu den Juden kaufen gehen, er ihnen keine Arbeit gibt. Thatsächlich hatte er Erfolg. Ich konnte mich nur noch längere Zeit darum halten, weil ich einerseits sehr arbeitssam und sparsam lebte und anderseits mein seit Jahren betriebenes Krautgeschäft mir einen ziemlichen Nutzen abwarf. Kaum hatte Felbinger jedoch diese meine einzige mir verbliebene Erwerbsquelle herausgefunden, beeilte er sich, ein Krautgeschäft zu eröffnen und er Hatte damit sein Ziel, mich zu ruiniren, vollkommen erreicht. Ich mutzte vor sechs Monaten mein Geschäft in S ch ö l ls ch i tz auflassen und lebe seit dieser Zeit mit meiner Familie ohne Existenz in Wien. Mein, seit zehnJahren gänzlich erblindeter 78jähriger Vater, den ich die ganze Zeit ernährt habe, muß heute, da selber ganz hilf- und mittellos ist — bei einer ganz armen Arbeiterfamilie in S ch ö l l s ch i tz bei kaum denkbaren Entbehrungen — leben. Hermann Sulzer. XVI., Yppenplatz 2, Th. 11".

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