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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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BIT*!' Nr. 43 VeflerredWche WochenphrM Seite 805 die Thatsache, daß selbst die conservativsten Comitate ihren Ablegaten zum Reichstage von 1847/48 die Instruction ertheilt hatten, 'die Emancipation der Juden befürworten zu wollen, mit der Einschränkung jedoch, daß dieselben vorher ihre Glaubenssätze vorzulegen haben und daß die Emancipation nur dann votirt werden dürfe, wenn in diesen Glaubenssätzen keine staatsfeindlichen Lehren enthalten wären. Man darf sich nicht wundern, daß die Emancipation jener Religionsgenossenschaft, deren Glaubensbekenntniß das älteste der bestehenden monotheistischen Religionen ist, deren heilige Schriften in der ersten Sitzung des Conciliums von Trient für die katholische Kirche als canonische erklärt worden sind, deren Lehren seit Jahrtausenden für die ganze Welt ein offenes Geheimniß waren, im Vormärz an solche Bedingungen geknüpft wurde. Hat ja noch dieser Tage im Ausschüsse des ungarischen Magnatenhauses ein antidiluvianisches Monstrum, Baron Josef Knanyanszky, die Forderung gestellt, daß der Reception die Vorlage des jüdischen Glaubensbekenntnisses voranzugehen habe. Aber auch die Bewegung, welche die ungarische Judenheit in der Frage der Emancipation ergriffen hatte, wurde von Tag zu Tag intensiver. Leopold L ö w, der berühmte Oberrabbiner von Szeged in, forderte am 22. Juni 1847 feine Collegen zur Unterfertigung und Befolgung folgender Declaration auf: „Wir unterfertigten ungarischen Rabbiner erklären, im Einklänge mit unserer heiligen Religion, hiemit feierlich: 1. Alle Pflichten gegen Mitmenschen, welche in unseren heiligen Schriften gelehrt werden, müssen auf gleiche Weise nicht nur gegenüber Israeliten, sondern auch gegenüber Nichtisraeliten unverbrüchlich gehalten werden. 2. Wir anerkennen Ungarn als unser wahres und einziges Vaterland; wir werden bestrebt sein, daß wir Liebe für dasselbe und Anhänglichkeit für seine Nation in den Herzen unserer Glaubensgenossen erwecken sollen. 3. In Würdigung des Werthes der Volksbildung werden wir unseren ganzen Seelsorgereinfluß aufbieten, daß im Bereiche unserer Gemeinden gute und zweckentsprechende Volksschulen errichtet werden sollen. 4. Alles, was in unseren casuistischen Werken mit dem Gesagten nicht übereinstimmt, erklären wir für veraltet und ungiltig; wir werden auf alle mögliche Weise trachten, daß unsere erwähnten Grundsätze sowohl durch Schritt, als durch Lehrbücher, welche geschrieben und von uns approbirt werden müssen, in unserem Volke verbreitet werden sollen. Auf Grund der Verwirklichung dieser Vorschläge gewinnen Alle. Die Negierung gewinnt intelligente und gebildete Unterthanen; das Vaterland gewinnt ehrliche Söhne; die Nation gewinnt begeisterte und eifrige Anhänger; wir selbst gewinnen die Ruhe unseres Gewissens, das Wohlgefallen unseres Gottes und die Anerkennung, daß die Judenfrage nicht mehr dem Gewebe der Penelope gleichen werde, welches heute gesponnen wird, daß es morgen wieder aufgetrenrck werden solle." Am 23. September 1847 wurde von der Pester israelitischen Cultusgemeinde im Namen der Israeliten Ungarns und partium adnexarum unter Vorlage ihres Glaubensbekenntnisses folgendes Rundschreiben erlassen: „Die Großmuth, mit welcher die Stände des Landes sich unserer Angelegenheit, der Sache der Humanität, der Gerechtigkeit und der Wohlfahrt des Vaterlandes angenommen haben und mit der sie die Manifestation ihres edlen Willens vor Sr. Majestät gnädiges Angesicht gelangen ließen, ist überall bekannt und mit den unauslöschlichen Zügen unseres Dankes unserem Herzen eingeprägt. „Aber auf wie festem Grunde auch das Vertrauen zu dem guten Willen unserer hohen Negierung und unserer weisen Gesetzgebung bei uns beruhen möge, wie sehr auch inzwischen diese Frage entsprechend den Erfordernissen des Zeitalters und der Culturstufe unseres Jahrhunderts überall in Europa entschieden werde und wie überflüssig es auch hienach erscheinen möge, neuerlich bittend unser Wort zu erheben, so können wir es doch nicht versäumen, im Namen unserer Glaubensgenossen mit der ehrfurchtsvollen Bitte vorzutreten, daß auf dem nächsten Reichstage im gemeinsamen Interesse des Vaterlandes auch unserer Lage liebevoll, wohlwollend und mit einer auf das Gemeinwohl der Gesammtheit hinzielenden Begeisterung gedacht werden . und belieben solle, mit einflußreichen Worten unsere 'gesetzliche Aufnahme in die Reihen der Gesammtheit zu unterstützen. „In unserem geliebten Vaterlande, dem wir in aufrichtig treuer Anhänglichkeit ergeben sind, geboren und erzogen, werden wir vor dem Gesetze noch immer als Fremde betrachtet und wahrend der wirklich Fremde, von wo er auch kommen solle, in demselben liebevolle Aufnahme und Schutz findet, sich auch naturalisiren lassen kann, wird uns Eingebornen diese Wohlthat versagt. Daß wir Ungarn fein sollen, war unser Streben, unser Stolz und doch begegnen wir jeden Augenblick der Ermahnung, daß wir uns als solche zu betrachten noch nicht berechtigt seien. „Und nicht den Schuldigen trifft die harte Strafe, daß er in seinem Vaterlande fremd zu fein genöthigt ist, sondern sie trifft alle Jene, welche vermöge des Willens der göttlichen Vorsehung als Israeliten geboren wurden, sie trifft also unsere jetzt geborenen unschuldigen Kinder und drückt auf ihre Stirne sofort bei ihrer Geburt das Stigma der Zurücksetzung, da sie noch keine andere Anklage belasten kann, als daß sie in der Religion von Moses das Licht der Welt erblickt haben, deren Grundsätze durch die Beilage in's gehörige Licht gesetzt werden. Diese Beilage aber, nachdem sie nicht nur auf Grund unserer heiligen Schrift durch eine sehr berühmte theologische Autorität redigirt, sondern auch in einer allgemeinen Versammlung der sämmtlichen Repräsentanten der Israeliten Ungarns und der partium aduexarum einstimmig gutgeheißen wurde, kann mit Recht als die Quintessenz unseres eigentlichen Glaubensbekenntnisses betrachtet werden. „Diesen Zustand — die Hoffnung lebt in uns — kann die edle ungarische Nation nicht weiter dulden. Wenn sie 1791 in dieser Sache Europa zuerst das Beispiel gab, so wird sie auch 1847 nicht hinter Europa Zurückbleiben, — sie wird nicht Gute mit Bösen, Würdige mit Unwürdigen gemeinsam zusammenwerfen — sie wird nicht den ehrlichen Kaufmann und Fabrikanten, welche die vaterländische Industrie befördern — den Künstler und Gelehrten, die im Lande Eultur und Wissenschaft verbreiten, den Handwerker und Landwirth, die diese Laufbahn trotz aller Hindernisse betreten haben, in Bezug auf die Besserung ihres Loses vollends der Verzweiflung preisgeben. „Es ist uns zwar gut bekannt, daß im ganzen Lande uns gegenüber noch vielfache Antipathie herrscht und daß uns von Vielen auf vielerlei Weise Vorwürfe gemacht werden. Aber bestehen alle diese Fehler und Eigenheiten in Wirklichkeit und find sie bei uns Allen vorhanden? Ist Niemand von denselben frei? Soll der Schuldlose mit dem Schuldigen gleichmäßig leiden? Und schließlich, sind diese Fehler uns angeboren oder find sie nicht vielmehr Producte der gegebenen Verhältnisse unserer geschilderten gedrückten Lage? Und wenn die bisher gegen die Israeliten geübte Behandlungsweise zu so traurigem und für Niemanden günstigen Resultate geführt hat, ist nicht gerade dieser Umstand der gewichtigste Beweis dafür, daß die Aenderung des gegenwärtigen Zustandes und die Ersetzung desselben mit zweckentsprechenderem nothwendig sei? Dies Alles wird ihre Weisheit und Unparteilichkeit zu beurtheilen und zu entscheiden wissen. Jnsbefonders a ob der Separatismus insolange aufhören werde, bis wir nicht mit den anderen Einwohnern des Landes gleichberechtigt sind? Bis wir Alle ohne Rücksicht aufdie Lebensweise, welche wir uns eigen gemacht haben und ohne Rücksicht auf jene Stufe der Sittlichkeit und Bildung, welche wir innehaben, unter der exclusiv collectiven Be-

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