Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 41 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 798 Veprrvelchlptze WochensrtzrM Nr. 41 dem Liberalismus verdankte. Es ist daher immerhin erfreulich > und gehört zu den Seltenheiten, constatiren zu können, daß eine Lehrerin einer freiheitlichen Anschauung in puncto Juden huldigt und auch den Muth besitzt, dieser Anschauung Ausdruck zu verleihen. Frl. Katharina Hackl, Lehrerin an der hiesigen deutschen Volksschule, hat aus eigenem Antriebe vor dem Neujahrsfeste die jüdischen Schülerinnen ihrer Classe aufgefordert, nach der Unterrichtsstunde in der Schule zu verweilen, um denselben Aussätze zu Neujahrswünschen zu dictiren. Das Verdienst Frl. Hackl'sist umso größer, als dieselbe sehr fromm ist und einer sehr angesehenen katholischen Familie angehört. Brünn, am 8. October. Von einem interessanten Vorfall erlaube ich mir Ihnen heute Kenntniß zu geben. Herr Ritter von Felbinger ist Besitzer des „Grand Hotel" in Brünn, eines Gutes in S ch ö l l s ch i tz, einer Wildprethandlung und Greißlerei dortselbst und betreibt bei seiner virtuosen Vielseitigkeit auch das antisemitische Metier. Dies alles nicht erst seit heute, sondern seit vielen Jahren. Nichtsdestoweniger zählten zu seinen Hotel- und Kaffeehausbesuchern vornehmlich jüdische Gäste. Sein Kaffeehaus ersetzt in Brünn die „Waarenbörse" und wurde beinahe ausschließlich von Kaufleuten der Tuch-, Wolle-, Zucker-, Spiritus- und anderer Branchen — vornehmlich Juden — besucht. Die antisemitische Gesinnung des Herrn Ri tt er v o n Fe l b i n g er hätte die Juden längst veranlassen sollen, sein Local zu meiden. Leider herrscht bei uns eine große Indolenz und eine unbegreifliche Geduld in Sachen des Judenthums. Es bedurfte eines empörenden Unrechtes, welches dieser Herr v. Felbinger einem seiner ch r i st l i ch e n Angestellten zusügte, daß sich das jüdische Herz empörte und die jüdischen Kaffeehausbesucher zu dem Entschlüsse brachte, den sie längst hätten fassen sollen. Vor einem Jahre, nach dem Austritt eines Zahlmarqueurs, avancirte der älteste Kellner — natürlich ein Christ, denn Juden fanden bei Herrn von Felbinger überhaupt keine Ausnahme — zum Zahlmarqueur. Er versah auch diesen Posten mit Geschick zur vollsten Zufriedenheit der Gäste ohne jegliche Veranlassung; lediglich auf Veranlassung einer Kaffeeköchin wurde dieser seines Postens enthoben. Ein ernster, tüchtiger junger Mann, die einzige Stütze seiner Mutter und Geschwister ist plötzlich und ohne Verschulden brotlos geworden. Die Handlungsweise ist echt antisemitisch. Der Antisemit kennt keine Barmherzigkeit mit seinen eigenen Glaubensgenossen und übt auch gegen den christlichen Nebenmenschen kein Mitleid. Der Vater dieses unschuldig gemaßregelten Kellners war bis zu seinem Tode Zählkellner im „Grand'Cafe" gewesen, der Sohn ist der Ernährer der Witwe und seiner Geschwister und nun hat ihn die Ungnade der Köchin auf das Pflaster gesetzt. Der Jude würde mit einem Hausknecht nicht so verfahren. Im Interesse dieses armen Kellners haben sich einige Gäste veranlaßt gesehen, eine Bittschrift von ca. 230 Stammgästen unterschreiben zu lassen und diese wurde Herrn Felbinger durch 2 Herren überreicht, welche ihn im Interesse der Witwe und der Waisen, im Namen der Humanität die Wiederaufnahme des entlassenen Marqueurs nahelegten. Er,Felbing er, antwortete wie ein echter Antisemit: „Der Kellner muß meinet, wegen gehen und mit ihm die...!" Diese Rücksichtslosigkeit und Härte hat nun diejüdischen Kaffeehausbesucher zu dem Entschlüsse gebracht, die Locale des Herrn Felbinger zu meiden. 300 Stammgäste wählten zu ihrem Stammcafe das „Cafe Padow etz", welches blos einige Schritte weit entfernt ist, in der Lage der Bahn gegenüber, bei einer Haltestelle der Localbahn, an der Ecke der belebtesten Straße, dabei mit schönen prachtvollen Räumen, ein liebenswürdiger, humaner Cafetier, welcher mit größter Aufmerksamkeit seine Gäste bedient. „Cafe Padowetz" ist der zukünftige Sammelpunkt der Brünner Kaufmannschaft, welche endlich zur Einsicht gekommen ist, daß'es ihrer unwürdig ist, einem wüthenden Judenhaffer tributpflichtig zu sein. Am letzten Freitag war bereits das „Grand-Cafe" des Herrn von Felbinger leer, die großen Räume waren vollständig öde! E- L. Prostnitz. (Arisch-teutonische Dankbark e i t u n d T r e u e.) An des Kaisers Namenstag wurde hier das „Deutsche Haus" eingeweiht. Angeregt durch den wohlverdienten wackeren Altbürgermeister Z a j i c z e k, ist es wie der Phönix aus der Asche entstanden. Die deutschen Juden haben den erheblichsten Theil zum Baufond beigesteuert, ein deutscher Jude war der Bauarchitekt, wie auch die Juden hier überhaupt die Säulen des Deutschthums bilden. Die Juden haben ihre materielle Existenz preisgegeben, um den deutschen Namen in Prvßnitz zu erhalten, und wie wird ihnen all dies gelohnt! Wohl hatte Herr Za j i czek für die verdienstvolle Wirksamkeit der Juden in Prvßnitz ein Wort der Anerkennung, hingegen werden sie von der „Ostdeutschen Rundschau" dafür in unflätigster und gemeinster Weise angegriffen. Dieses die germanische Hefe vertretende Blatt verunglimpft die illustren Personen unserer Stadt: Hamburger, Brüll, Fleischer und Zweig, welche sich unvergängliche Verdienste um das „Deutsche Haus" erworben, nicht einmal die Manen des weiland Dr. Brecher, welchem Bürgermeister Engel ans O l m ü tz in öffentlicher Versammlung die Huldigung darbrachte, „daß ihm dessen persönliche Freundschaft noch nach seinem Hin gange eine theure Erinnerung und unvergeßliche Ehre sei", werden geschont und dessen Andenken in den Koth gezerrt. Und Bürgermeister Engel ist wohl ein classischer Interpret des Deutschthums, zumindest so wie Herr K. H. Wolf und Complicen; die Niedertracht der Gesinnung, die sich in dem Gekläffe der Ninornrn gentium des Prvßnitz er deutschnationalen Häufleins offenbart, läßt die schiefe Ebene erkennen, welche zu dem Niveau führt, auf dem sich die teutonischen Barbaren vor Jahrhunderten bewegten. Die modernen Germanen sind schon derzeit ein verkommenes Geschlecht und deren Physiognomie zeigt einen hypokratischen Zug. elewo ante mortem beatus. Grost-Kikirrda. (Handelskammersitzung.) Unter Vorsitz des Präsidenten Ritter Ed. v. Best fand am 5. d., Nachmittags 3 Uhr, eine Plenarsitzung statt, die in anregender Debatte bis nach 7 Uhr Abends dauerte. Aus dieser Sitzung ist hervorzuheben die motivirte Interpellation des Kammermitgliedes Ignaz Scheinberger über den Geschäftsantisemitismus des „Freimüthigen" in Temesvar und der unbefugten Geschäfte des Südungarischen Bauernvereines. Die Interpellation lautet: 1. Hat das geehrte Präsidium der Handels- und Gewerbekammer Kenntniß von den Verfolgungen, die ein Theil seiner Mitglieder von Seite des „Freimüthigen" ausgesetzt sind? 2. Hat das geehrte Präsidium Kenntniß von den Agentur- und Commissionsgeschäften, die von der Oberverwaltung des „Südungarischeu Bauernvereines" durchgeführt worden? 3. Ist daß geehrte Präsidium geneigt, Schritte zu unternehmen, daß einerseits den Verunglimpfungen in geeigneter Weise entgegengetreten, andererseits der legitime Handel durch unberufene und nicht befugte Personen nicht geschädigt werde? 4. Bitte ich das geehrte Präsidium und die geehrte Kammer, geeigneten Ortes dahin zu wirken, daß den Bereinigungen jeder Geschäftsbetrieb untersagt werde, wenn sie nicht den gesetzlichen Bestimmungen der Protokollirung und Steuerzahlung entsprechen. Hoffentlich wird der Präsident in der Lage sein eine befriedigende Antwort zu erthellen. Aus Böhmen. An Stelle des nach kurzem Bestehen behördlich aufgelösten Vereines: „?>ärodn1 Jednota cefkozidovskä“ ist eine Gesellschaft unter dem .Namen: „Ceskozidovke druzstvo vydavatelske v Praze“ in's Leben getreten. Von dieser herausgegeben erschien am 15. September die erste Nummer der Halbmonatsschrift: „Ceskozidovske listyu. (Böhmisch-jüdische Blätter.) Diese erklärt es als ihre Aufgabe, für die nationale Sache als Kämpferin eintreten zu wollen, betrachtet die hie und da in böhmischen Gegenden bestehenden jüdischen confessionellen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache als das Haupthinderniß ihrer Bestrebungen, welches beseitigt werden müsse, sich gleichzeitig eines bereits erreichten Erfolges in einem speciellen Falle rühmend. Weiter heißt es, sollen wir Juden unsere Fehler und Unthaten aus früheren Zeiten, die wir uns noch theilweise dem böhmischen Volke gegenüber zu Schulden kommen lasten, ablegen. Mit schwungvollen Worten fordert sie unsere Glaubensgenossen auf, in der nationalen Sache allein ihr Heil zu suchen und schließt ihren wohl als ein Programm zu geltenden Artikel mit den Worten: „Unser Glaube — ist das Vaterland." Nun, wir wollen nicht glauben, daß sich viele unserer hierländischen Glaubensgenossen mit den hier ausgesprochenen Ansichten und Zielen einverstanden erklären werden. Nicht, afs ob diesen das Berständniß für die nationalen Bestrebungen