Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 41 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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-r>. ig.;5!i£KJ Nr. 41 Wochrnfthrist Veflrrrrichifchr Seite 797 Knaben mit ihren hölzernen Gewehren präcis nach dem Commando ihres Führers und gaben ein Bild friedlichen Manövrirens. Dieses Exerciren, sowie die Gesammtvorträge zeigten von der Tüchtigkeit der begleitenden Lehrer und von der Disci- Plin der Colonisten, welche ganz militärisch erzogen wurden. Den Schluß bildete die von den 230 Kindern gesungene Volks- Hymne, welche in ein dreifaches Hoch ans Se. Majestät den Kaiser ausklang und von sämmtlichen Anwesenden bei gesenkter Fahne und unter Trommelschlag stehend angehört wurde. Hierauf wurde den Kindern eine Jause, bestehend aus Chocolade und Kuchen, verabreicht. Dem gelungenen Feste wohnten die Damen des Vorstandes mit der Präsidentin Frau Dr. Sofie Grünfeld, sawie zahlreiche Mitglieder dcs Vereires l«i Ferrcr eifd ifl tii’ber Bicebürgermeister Herr Dr. Richter mit seinem Frl. Tochter, Reichsrathsabgeordneter Dr. Krön awetter, der Präsident der Cultusgemeinde Gemeinderath Gustav Simon, die Gemeinderäthe Ritter von Goldschmidt, Frauenberger, Dr. Fried jung und Lang, Docent Dr. Grün selb, Ortsschulrath S. Heit, Bezirksausschuß Dr. Wald st ein, Prediger Dr. Gelb haus, Professor Kanitz, Professor Dr. Singer n. A. m. GorreMnäenLen. Wien. Anläßlich des deutschen Naturforscher- und Aerztetages lud Herr Moritz Edler von K u f f n e r für den 26. September die Theilnehmer der Section „Astronomie" und „Geodäsie" zum Besuche seiner auf. den Abhängen des Wilhelminenberges in Ottakring befindlichen Privatsternwarte ein, welcher Einladung zahlreichst entsprochen wurde. Es erschienen: FML. v. A r b t e r, Oberstlieutenant v. S t e r n e ck, die Directoren S e e l i n g e r (M ü n ch e n). Wagner (K r e m s m ü n st e r), Weiß (Wie n), Staatsrath Bachl u n d (P e t e r s b u r g), die Professoren v. H a e r d t l und v. Hepperger, Corvetten-Capitän v. B e n k o und Andere. Nachdem unter Führung des Directors dieser Sternwarte, Dr. L e o d e B a l l, die interessanten Einrichtungen und Instrumente studirt worden waren, verweilten die Erschienenen noch längere Zeit bei Herrn v. K u f f n e r, der, unterstützt von seiner Gemalin, in herzlichster Weise die Honneurs des Hauses machte. E.B. Wien. (Die Sterbestunde.) Aus dem Wiener Allgemeinen Krankenhause schreibt uns eilt Patient, daß die jüdischen Kranken daselbst vor ihrem Hinscheiden die rituellen Handlungen entbehren müssen und daß dieselben in ihren letzten Lebensmomenten der Tröstungen entrathen, die jeden, auch den ärmsten Juden von den in allen jüdischen Gemeinden wohlthätig wirkenden Chewra-Kadischa-Bereinen gespendet werden. Es wäre lebhaft zu wünschen, wenn die Wiener Vereine mit gleicher Tendenz in dieser Richtung Abhilfe schaffen würden und sind wir fest überzeugt, daß dieselben bei der Verwaltung dieser der Humanitär gewidmeten Krankenanstalt ebenso wie bei allen übrigen in Wien befindlichen öffentlichen Spitälern größtes Entgegenkommen finden würden. Wien. (D a s Testa me n t ein erW o hlth ä t erin.) Am 3. d. starb am Alsergrund, Maria Theresienstraße Nr. 19, die Private Frau Emilie S inger, geborneBaum garten, im 56. Lebensjahre. Sie war die Witwe eines Fabriks- und Realitätenbesitzers und kinderlos. Schon zu Lebzeiten stellte sie sich überall dort ein, wo es Kummer und Noth zu lindern gab; und so traf sie auch vor ihrem Tode Verfügungen, welche ihren Edelsinn im hellstem Licht zeigen. Als man nämlich ihr Testa- . ment öffnete, fand sich, daß sie den größten Theil ihres Vermögens wohlthätigen Zwecken gewidmet und in dieser Beziehung genau nach dem Beispiele ihres vor acht Jahren in Budapest verstorbenen Vaters Ignaz Baum garten gehandelt hatte, der ebenfalls als Wohthäter weit und breit bekannt war. Frau Emilie Singer hat in ihrem Testament folgende Legate festgesetzt: Für ein zu gründendes israelitisches Kinderspital in Wien fl. 60.000, für das israelitische Waisenhaus fl. 25.000, für das israelitische Altersversorgnngshaus fl. 30.000, für das israelitische Blindeninstitut und das allgemeine österreichische israelitische Taubstummen institut je fl. 10-000, für das israelitische Spital fl. 10.000, für das israelitstche Knabenwaisenhaus, den israelitischen Mädchenunterstützungsverein und den Theresienkreuzerverein je fl. 5000, für die Erste Suppen- und Theeanstalt fl. 1000, für den ungarischen israe litischen Handwerkerverein in Budapest fl. 10.000, für die Wiener freiwillige Rettungsgesellschast fl. 20.000 n.A. m. Jnsgesammt hat die Verblichene fl. 210.000 für wohlthätige Zwecke legirt. Im Testament erklärt die Heimgegangene, daß sie keinen Unterschied der Confession bei Wohlthätigkeitsacten gekannt hat, daß sie aber mit Rücksicht aas die die jüdischen Armen hart bedrückende antisemitische Strömung nun doch jüdische Wohlthätigkeitsinstitute mehr berücksichtigen mußte. Wien. Herr Ignatz Zucker Gesellschafter der Firma Zucker u. Cie., hat an die „Neue Freie Presse" folgende Zuschrift gesendet: „Nach den Berichten über den hier tagenden Naturforscher-Congreß erweist sich das Blutserum als ein Heilmittel gegen die Diphtherie, ist jedoch so thener, daß dessen Anwendung für die armen Classen gänzlich ausgeschlossen erscheint. Es werden 30 Mark für drei Jnjectionen, welche Heilung bringen können, benöthigt; dabei wird die Staatshilfe angerufen, durch ihre Mittel die Verallgemeinerung zu ermöglichen. Bis nun bei aller Promptheit im bureaukratischen geschästsordnungsmäßigen Gange die Dotationen bewilligt und angewiesen sein können, müssen vielleicht in der Zwischenzeit noch Hunderte von Kindern sterben, weßhalb hier sofort diePrivatwohlthätigkeit einspringen sollte, um ohne Verzug die Spitäler und Armenärzte in den Stand zu setzen, dieses Mittel zu verabreichen. Ich erlaube mir zu diesem Zwecke für drei Jnjectionen an drei Kinder den Betrag von 54 Gulden zu übermitteln." Die „Neue Freie Presse" schloß dieser Zuschrift folgende Bemerkung an: „Wir haben diese edelmüthige Spende dem unter der Direction des Hofrathes Freiherrn v. Widerhofer stehenden St. Anna-Kinderspital, IX., Kinderspitalgasse Nr. 6, zugemittelt, wo schon mehrere Versuche mit dem Heilserum gegen Diphtheritis den glücklichsten Erfolg bei den erkrankten Kindern erzielten und wo auch weitere Anwendungen des neuen Heilmittels für die Zukunft in größerem Maße geplant sind. Es ist hochersreulich, daß die erste Kunde von den überraschenden und erfolgreichen Heilwirkungen des Blutserums sofort auch ein wohlthätiges Echo weckte, und indem wir uns mit Vergnügen bereit erklären, weitere Beiträge entgegenzunehmen und ihrer wahrhaft humanen Bestimmung zuzusühren, sprechen wir die Hoffnung aus, daß durch werkthätige Mithilfe edler Menschenfreunde es gelingen möge, das neue Heilmittel auch in unserer Stadt den weitesten Kreisen, insbesondere aber den Spitälern, wo fiebernde kranke Kinder aus den ärmsten Volksclassen der Rettung und Genesung harren, zugänglich zu machen." Der Appell verhallte nicht wirkungslos, schon sind zahlreiche Spenden bei der Redaction des genannten Blattes eingelangt, allerdingsmeistensvon „Juden" und „Judenstämmlingen" und so ist es wieder der Initiative der jüdischen Humanität zu danken, wenn zahlreichen schwerkranken Kindern Rettung geboten werden kann. Herrn Ignatz Zucker ist folgendes Schreiben zugekommen : Brünn, 29. September 1894. Hochgeehrter Herr! Ihr werthes Schreiben an die „Neue Freie Presse" verräth ein so edles Her; und ist ein so großes Kiddusch-Haschim, daß ich es nicht unterlassen kann, Ihnen die innigsten Segenswünsche dafür zu entbieten, obgleich wir uns im Leben niemals begegnen werden und ich es auch aus verschiedenen Gründen unterlasse, meinen Namen zu nennen. Wer, so wie Sie, für arme Kinder eintritt, ist sicherlich ein glücklicher Vater. Möge Ihnen der allmächtige Gott unserer Väter zum neuen Jahre das Glück verleihen, Ihre Kinder zu ebenso guten Menschen heranzuziehen, wie Sie es selbst sind, möge Ihnen der Allgütige recht große Reichthümer verleihen, damit Sie stets in der Lage sein mögen, armen Mitmenschen wohlzuthun, möge endlich der grüße Vater im Himmel Ihr Leben bis an die äußerste Grenze menschlichen Daseins verlängern, damit Sie noch sehr lange anderen Leuten zum Muster und Borbilde dienen sollen. In tiefster Verehrung ein armer Angestellter, der auch gerne Zdoke gibt, aber leider nur wenig leisten kann. E. B. Pilsen. (Ein weißer Rabe.) Die 2limornm gentium der österreichischen Lehrerschaft zeichnet sich bekanntlich durch mehr oder minder bedenklicheHinneigung zum Antisemitismus ans, trotzdem dieselbe ihre gegenwärtig relativ glänzende Stellung