Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 41 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 794 Vrperretchtptze Wmtzenschrff! Nr. 41 setzt" veröffentlichte und besonders aus folgende Ausführung in dieser Druckschrift sei hingewiesen: ^Es läßt sich nicht annehmen, daß die Bilanz des Zeitungs- Unternehmens eine passive sei; denn dann würde Berg an i mit vollem Bewußtsein im überschuldeten Zustande das Zeitungs-Unternehmen weiter betreiben, und sich dadurch zum min de st ens des Vergehens der leichtsinriigen Crida schuldig gemacht haben; denn wer nicht gerade bereits für das Zuchthauö reis ist, kann ja doch unmöglich die Frechheit soweit treiben, im passiven Zustande an der Spitze einer — angeblich — anti-corruptionistischeu Zeitung zu bleiben, und sogar um ein Mandat zum Reichsrathe zu werben; dann aber ist es allerdings unerklärlich, daß er seinen Verbindlichkeiten gegen seine Theilhaber nicht gerecht wird, sa sogar jeder Erklärung darüber sowie über seine finanzielle Situation aus dem Wege geht und nicht einmal die Accepte Hauck's deckt, obwohl die Einlösung von Gefälligkeitswechseln für jeden Geschäftsmann und überhaupt für jeden halbwegs rechilich denkenden Mann als E h r e ns a ch e gilt. Doch welche Schlußfolgerungen sich aus Ber gani's Handlungsweise ergeben, mag dahingestellt bleiben. Es dürfte noch nie und nirgends — auch in Tarnopol nicht — vorgekommen sein, daß ein Geschäftsmann es gewagt hätte, seine Theilhaber so — cavalierement — zu behandeln." Die Ehrenschuld Bergani's an Herrn W. Ph. Hauck beträgt bekanntlich heute noch viele Tausende von Gulden, und ohne diese finanzielle Beihilfe wäre B e r g a n i seinerzeit nicht im Stande gewesen, das „Volksblatt" weiter zu führen, sowie er ohne die seinerzeitige Hilfe Schönerer's zum Bettler geworden wäre, desselben Schönerer, den er jetzt inder gemein st en Weise fortwährend beschimpft. — Und dieser Ausbund aller-wagt es heutzutage im Bolksblatte von „Dankbarkeit" zu sprechen! Der „christlich-soeiale" Obmann der Gehilfenkrankenkaffe der Friseure — verhaftet. Vom Polizeicommissariate in Währing wurde der kürzlich seines Amtes enthobene Obmann der Gehilfenkrankencasse der Wiener Friseure, Eduard Karlowitz, unter dem dringenden Verdachte, Unterschleffe zum Nachtheile der genannten Krankenkasse verübt zu haben, verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert. Am 27. September fand in Deigner's „Lanner-Saal" eine Versammlung der Friseurgehilfen statt, in welcher' gegen den gewesenen Obmann Karlowitz und den Secretär C h m e l eine Reihe der schwerwiegendsten Beschuldigungen erhoben wurde. Der derzeitige Obmann der Krankencasie (aus dem Stande der Principale), Herr Kaiser, erklärte, daß die Casse um mehr als tausend Gulden geschädigt erscheine, und daß er sich genöthigt gesehen, von dieser Defraudation die Staatsanwaltschaft in Kenntniß zu setzen. Die vom Landesgerichte eingeleitete Strafuntersuchung hat nun die Verhaftung des abgesetzten Obmannes Karlowitz zur Folge gehabt. Eduard Karlowitz, ein gebürtiger Agramer, ist 42 Jahre alt. verheiratet und wohnte zuletzt Währing, Marktgasse Nr. 7. Er gehörte der „christlich-socialen"Arbeiterparteialseifriger Agitator an. Die Höhe der defraudirten Summe hat bisher noch nicht festgestellt werden können, da in den Geschäftsbüchern große Unordnung herrscht und auch zahlreiche Fälschungen constatirt wurden. Mit der Prüfung der Bücher sind erst kürzlich seitens der Gewcrbebehörde Magistratsrath Dirub a u e r und ein städtischer Buchhalter betraut worden. Noch vor wenigen Tagen stellte Karlowitz in einer Gehilfenversammlung ganz entschieden in Abrede, sich an den Geldern der von ihm geleiteten Casse vergriffen zu haben und behauptete, es liege absolut keine Defraudation vor, sondern blos ein buchhalterisches Deficit infolge unrichtiger Buchungen. Die auf Grund der staatsanwaltschaftlichen Anzeige eingeleitete Untersuchung stellte jedoch ein frauduloses Gebaren des K a r l o w i tz fest, der nunmehr, da er auch fluchtverdächtig war, in Haft genommen wurde. Ein k. k. Bezirkshauptmann in Sambor. Die hiesige jüdische Gemeinde engagirte einenZ loc z o - wer Getreidehändler Namens Schornstein als Vorbeter für die hohen Feiertage. Der acceptirte Vorbeter kam in Begleitung seines Chores mit einem Gesundheitszeugnisse versehen in Sambor an. Der k. k. Bezirkshauptmann Herr B o g u - mil Kieszkowski ertheilte einen Ukas, den Borbeter sammt Begleitung ins Cholera-Spital zu senden, weil angeblich im Zloczower Bezirke Cholerafälle vorgekommen sein sollen, wiewohl einige Tage früher derselbe Bezirkshauptmann der Repräsentanz der jüdischen Cultusgemeinde auf eine Anfrage, sagte, er habe gegen den Vorbeter aus Z loczow nichts einzuwenden, wenn er ein GesundheitLattest mit sich bringt und rechtzeitig der Sanitäts-Behörde sich vorstellt. Als der Vicepräsident des Cultusvorstandes Herr Menke s an der Spitze einer Deputation vorstellig wurde, daß er doch selbst gesagt habe, es kann dem Aufenthalte des Vorbeters nichts in den Weg gelegt werden, wenn er ein Gesundheits- Attest mitbringt, wurde unser Herr Bezirkshauptmann böse und gab zur Antwort: „Ihr Juden verdrehet immer die Wahrheit, Ihr seid eine Plage, eine Qual und ein Unglück unseres Landes, Ihr seid Diejenigen, die die Cholera im Lande verbreiten, durch das Aufsuchen euerer Wunderrabbis und durch stetes Herumziehen im Lande. Es wäre schon höchste Zeit, derlei los zu werden, da die Juden in der Minorität sind, so muß die Majorität der Christen sich gegen sie schützen." Herr Cultusvorstand Menkes replicirte darauf, daß nach den Zeitungsberichten nicht Juden, sondern christliche Flößer und Taglöhner es gewesen seien, die den Cholerabacillus aus den verseuchten Gegenden Rußlands nach West- Galizien verschleppten und von da erst fand die Seuche nur deshalb Verbreitung, weil um der Landesausstellung in Lemberg nicht zu schaden, durch längere Zeit kein einziger Cholerafall constatirt werden durfte. Der Lemberger Ausstellung hatten es wahrscheinlich auch die Tausende von Bauern zu verdanken, daß sie trotz Choleragefahr den Ablaß in Kalwarya mitmachen konnten, es wurde von keinem der Besucher ein Gesundheits-Zeugniß verlangt, auch wurde Niemand gefragt, ob er von einer choleraverdächtigen Gegend komme oder nicht. Diese richtig angebrachte Entgegnung setzte den Herrn Bezirkshauptmann derart in Harnisch, daß er der jüdischen Deputation die Thüre vor der Nase schloß. Es begann nun eine Razzia auf die aus der Umgebung kommenden Juden, indem die k. k. Gendarmerie vom 27. an alle per Bahn oder Wagen ankommenden fremden Juden ins Cholera-Spital brachte, wiewohl diese aus cholerafr eien Gegenden kamen. So wurde ein Mann Namens Saul Latke aus D o b r o m i l verhaftet und mußte volle 24 Stunden im Cholera-Spitale zubringen, weil er die Frechheit hatte, die freie königliche Stadt Sambor zu besuchen, um seine Tochter abzuholen. Unser Herr Bezirkshauptmann scheint aber blos die Juden als choleraverdächtig zu erachten; denn sonst hätte er auch den hiesigen Arzt Herrn Doctor Chrzaszczewski, seinen nächsten Verwandten, ebenfalls ins Choleraspital schicken sollen, da derselbe direct vom Cholera- Herde Czernowitz kam, wo er seinem an 6boiera asiatiog. verstorbenem Schwiegervater das letzte Geleite gab, die verwitwete Schwiegermutter aber und deren Kinder mit j i ch nach Sambor brachte; ebenso kam die Strenge des Gesetzes nicht zur Anwendung bei den Hunderten und aber Hunderten von Bauern, die in Sambor vor einigen Tagen einen Ablaßort besuchten. Da nun die Cultusrepräsentanzbei der Bezirkshauptmannschaft nichts auszurichten vermochte, indem selbe vom Pontius zu Pilatus geschickt wurde, bald der Kreisphysicus auf den Bezirkshauptmann, der Bezirkshauptmann auf den Kreisphysicus sie Schuld wälzte, blieb nichts Anderes übrig, als den Vorbeter in seine Heimat zurückzusenden und auch dies gelang nur schwer. Wir Juden hatten nun während der hohen Feiertage zwar keinen Vorbeter, dafür aber den Schinder, denn im Aufträge der Behörde (nach einer Version des Bezirkshauptmannes, nach einer anderen Version des Magistratslefters Herrn Eitner) erschien während des Gottesdienstes der Wäsenmeister in Begleitung seines Gehilfen und eines Wachmannes in der Synagoge und ohne auf die andächtig betende Menge zu achten desinfieirte er mit der brennenden Cigarre im Munde das Bethaus mit aeoiänm earbolieum eruäi, wiewohl die jüdische Gemeinde selbst die Bethäuser mit öperzentiger Carbolsäure desinficirt hat. Wir wenden uns hiemit an Se. Excellenz dem Herrn Statthalter Grafen B a d e n i, dem Auftreten dieses Herrn Bezirkshauptmannes, der als Mitglied der Sanitäts-Commission bei einem Besuche des 'sogenannten Bleichviertels sich geäußert haben soll: meiner Ansicht nach wäre es am besten, einen Galgen zu errichten und alle Juden dieses Viertels aufzuknüpfen, eine prüfende Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir rechnen auf seine Gerechtigkeit.