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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 40 VeSerretchiptze WochenptzrM Seite 781 mit gebrochenem Steuer und zerrissenen Segeln, bleibt nichts; Anderes zu thun übrig, als der Stimme des Gewissens zu! folgen — und diese ruft mir zu, es ziemt sich nicht, fahnenflüchtig; zu sein, das Schlachtfeld zu verlassen, am wenigsten damals, wenn j der Kampf wüthet und man das Jammern und die Ruse der! Verzweiflung der Mitduldenden hört. Ich folge also der Stimme des Gewissens, sogar um den unermeßlichen Preis, Dich theueres Wesen als Gefährtin auf dem dornenvollen Wege des Lebens nicht zu besitzen. Sophie: Ich bin ein Weib, wenn meine Gefühle Deinen Entschluß nicht ändern können, wird auch der Verstand hilflos sein. Ich schweige also, sage Dir aber, daß ich Dir treu bleibe und wann immer Du mich rufen wirst, stehe ich zu Dir, um mit meiner Liebe Dir Deine Leiden zu lindern. R a t m a n: Dank, tausend Dank, theuere Sophie. Ich lebe in einer Welt, an deren Eingang die Worte Dante's geschrieben stehen: „Keine Hoffnung für Diejenigen, die hier eintreten." Für Dich aber steht die Welt offen, voll Glanz und Reiz, Dich erwartet Glück und Freude, deshalb versperre Dir nicht die Zukunft mit einer Hoffnung, die wahrscheinlich sich nicht erfüllen wird. Sophie: Beraube mich nicht der Hoffnung, Jacob, und auch Du sage ihr nicht lebewohl. Der gordische Knoten, der schon fast zum entwirren war und nur durch Böswilligkeit wieder verwirrt wurde, läßt sich nur deshalb nicht lösen, weil die Menschen, dem Beispiele Alexanders von Macedonien folgend, ihn mit dem Säbel ansaffen. Der Säbel, ein Kriegswerkzeug, ist nicht geeignet, als Schlüssel zur Lösung socialer Probleme zu dienen; die Menschheit besitzt einen viel verläßlicheren, der wirksamer als die Erfindungen der modernen Civilisation ist, und der beruht auf einer alten Satzung: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst." Der Schlüssel wurde verrostet und ist in Verlust gerathen, doch wenn es Licht werden wird, wird der Schlüssel aufgefunden werden und auch die verwirrtesten socialen Probleme werden gelöst werden. Auch wird er die Pforten öffnen und aus der dumpfen nebeligen Atmosphäre die Menschheit der sonnigen Hoffnung einer besseren Zukunft jubelnd zuführen. Wer wird nicht mit der edlen Sophie übereinstimmen, daß die Judenfrage nicht durch Gesetze allein, aber hauptsächlich durch die Menschenliebe gelöst werden kann? Nun wurde bis jetzt der ernste Theil des Stückes besprochen. Wo ist das eigentliche Lustspiel, wo ist die heitere Seite, wird der geehrte Leser fragen. Ueber die komischen Personen ist nur zu sagen, sie haben ihr Ziel erreicht. Der protzige Jude in der Person des Banquiers Krakauer hat es endlich vollbracht, daß er einen Grafen zum Schwiegersohn bekommt — und wenn es nur ein Czolowski ist, wird doch seine Tochter Frau Gräfin genannt werden. — Graf Czolowski wird in die Lage gesetzt, seine Spielschulden zu bezahlen. Damit glaubt er seinem Wappen neuen Glanz zu verleihen — ihm winkt eine rosige Zukunft, denn seine Hochzeitsreise soll ihn zum Mecca eines Spielers, nach Monaco, führen. Wie in jedem Drama, muß nur der Edle dulden und verzichten — auch wie in diesem Jacob Ra tm an n und Sophie Gajew ska. Am Schluffe bleibt mir nur übrig, wie der Frosch in der Esop'schen Fabel mit Wehmuth den übeimüthigen Knaben zuzurufen: „Für Euch ist es Kurzweil und uns geht es um's Leben". Literatur. „Mißtöne ans dem neuen Chaos" nennt sich ein kleines Heft aus sieben Gedichten, die in sarkastischer Weise den Antisemitismus verdammen. Der Verfasser, unter dem Pseudonym „Lynceus der Thürmer", zeigt, daß er Geist und Meisterschaft in gebundener Rede genug besitzt, um auch größere Arbeiten Hervorbringen zn können, oder solche schon geschaffen hat. Das aeluettste dieser sieben Gedichte ist das mit der Ueberschrift „Vindobona", welches im Heine'schen Stile das antisemitisch verseuchte Wien geißelt. Das Büchlein verdient gelesen zu werden. Dasselbe erschien in Budapest bei Singer und Wolfner. Erinnerungen an die Excursion der Mitglieder des Nieder österreichischen Gewerbev ereines nach Galizien vom 24. bis 29. Juni 1894 unter Führung ihres Präsidenten Alois Freiherr von Czedik. Verfaßt von Franz Frankl Spielwaarensabrikant. Bei den desolaten Zuständen, die der Antisemitismus in gewerblichen Kreisen und gewerblichen Corporalionen geschaffen, ist es für den Menschenfreund erhebend, zu wissen, daß es doch noch einen Gewerbeverein gibt, welcher Einigkeit und Fortschrittssinn bewahrt, als Apostel dieser Tugenden eine Excursion in eine entfeinte Provinz unternimmt und überall mit Enthusiasmus begrüßt wird und Handels¬ und Gewerbekammern, Gewerbevereine und die Spitzen der Behörden und Cerporationen aller Städte, die er auf dieser Fahrt besuchte, in dem Bestreben wetteiferten, den Mitgliedern dieses Gewerbevereines den Aufenthalt daselbst so angenehm als möglich zu machen, was die Antisemiten Lügen straft, welche ausschreien, daß die ganze Welt, insbesondere aber die gewerbliche Welt schon ihnen gehöre. Herr Franz Frankl hat sich mir der Herausgabe dieses Büchleins das Verdienst erworben, dem Pessimismus z i steuern, der das Gewerbe bereits als dem antisemitischen Anarchismus verfallen betrachtet. Wer diese Erinnerungen liest, wird freudig wahrnehmen, welche allseitige Achtung der gewerbliche Stamm genießt, wenn er auf freisinniger fortschrittlicher Basis organisirt ist, wie der Niederosterreichische Gewerbeverein unter seinem Präsidenten Freiherrn von Ezedik, oem diese Arbeit auch gewidmet ist. Predigten aus dem Nachlaß von Dr. M. Jostt, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Breslau. Herausgegeben vom Rabbiner Dr. A. Eckstein und Rabbiner Dr. B. Ziemlich. Band II: Fest- und Gelegenheitspredigten. 20 Bogen groß 8". Geheftet Mk. 6.—; gebunden Mk. 7.50, (Breslau, Schlesische Buchdrnckerei, Kunst- und Verlags-Anstalt v. S. S ch o ttla end e r). Der zweite Band der „Predigten ans deni Nachlaß von Dr. M. Josl" enthält: „vierundzwanzig Festpredigten und zwanzig Gelegenheitsreden". Die claffischen Leistungen des Heimgegangenen Meisters der Kanzelberedsamkeit bedürfen keines Wortes der Empfehlung. Die Tiefe und Fülle der Gedanken und Anschauungen, die in diesen Reden niedergelegt sind, sowie die meisterhafte und geistvolle Darstellung jüdischer Lehre und jüdischen Lebens, die sie enthalten, weifen dieier Sammlung ohnehin einen der ersten Plätze in der jüdischen Erbauungsliteratur an. Erschienene Neuheiten. 1. Festreden von Dr. S. Horowitz, Rabbiner in Bielitz, Gr.-Oct., 140 S., fl. 1.25. 2. Der Prophet Jeremias von Dr. M. Lazarus, Professor iu Berlin. Gr.-Oct., 103 S., st. 1.—. 3. Sludieu zur Geschichte der Orthographie des Althebräischen von Dr. L. Bardowicz, Rabbiner in Mödling. Gr.-Oct., 112 S., sl. 1.20. . 6b. D. Lippe’s Buchhandlung, II., Praterstrasse 13. Briefkasten. Georg Puffer jun., Floridsdorf. Auf Ihre Correspondenzfacte vom 27. September können wir Ihnen die beruhigende Versicherung geben, daß Herr I. R. an Ihre Person nicht gedacht hat. Es wird überhaupt selbst jeder Jude, der je das Vergnügen hatte, sich niit Ihnen zu unterhalten oder Ihrer Unterhaltung beizuwohnen, Sie gegen den Verdacht einer jüdischen Abstammung energisch vertheidigen. G a m b e t t a, Garibaldi, B i s m a r ck, Pius IX , Jules Simon und ähnliche Männer wurden antisemitischerseits jüdischer Abstammung beschuldigt und die meisten großen und gescheidteu Männer der Geschichte stehen in solchem Verdachte. An Sie aber wird sich eine derartige böswillige Verleumdung gar nicht herauwagen und Sie haben nicht nothwendig, Ihren interessanten „Stammbaum väterlicher- und mütterlicherseits" der Oesfentlichkeit preiszugeben. Frau CH. Kr. in W. Daß das Wort des polnischen Primas, Dr. v. Stablewskp, „Der Antisemitismus sei nur ein Geschäft und e i ir V o r w a n d für e g o i st i s ch e S o n d e rzwecke" so recht markant diese ekle Frage als das bezeichncte, was sie ist, können Sie so recht deutlich an dem jüngsten Proceß, w,e auch an dem ganzen Thun und Lassen Dergani's und seiner Streitgenossen ersehen. Herrn H. W. in W. Nun gut; eben derselbe Grillparzer läßt aber auch den König in der „Jüdin von Toledo" (im zweiten Aufzug) sagen: „Ich selber lieb' es nicht, dies Volk, doch weiß ich, Was sie verunziert, es ist unser Werk; Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken, Zudem ist etwas großes, Garceran. In diesem S tamm von unstet s lüch t'g eti H i r 1 en : Wir Andern sind von heut', sie aber reichen Bis an der Schöpfung Wiege." Herrn Julius B.r. „Ueber das, was oft angeblich zu Gottes Ehren geschieht und geschah, muß sich der Teufel freuen" — ist von Anzengruber, und kommt in dessen gesammelten Denkst rächen vor. Herrn' G .... f .... d. Emilio Castelar, der berühmte Staatsmann Spaniens, hat sich hierüber in Folgendem geäußert:

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