Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 40 (5.10.1894)
- Date
- 1894-10-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 782 Vestrrreichiptzr Wochenschrift Nr. 40 „Deutschlands erste Philosophen haben die ersten Principien ihrer Wissenschaft in dem erhabenen Buche eines Juden, in dm Theorien Spinoza's buchstabirt. - Herrn G. M, k. k. Major. Wenn Sie die so geistvollen Ausführungen des betreffenden Artikels in die wenigen, aber um so präciseren Worte Goethe's fassen wollen: „Nichts ist widerwärtiger, als die Majorität, denn sie besteht aus wenigen großen Vorgängern, aus Schelmen, die sich accommodiren, aus Schwachen, die sich assimiliren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im Mindesten zu wissen, was sie will" — so sei hiemit Ihr Wunsch erfüllt. — Im klebrigen freut es uns, daß der Verfasser Ihnen und Hunderttausenden aus der Seele sprach. Herrn Ladislans von SR .... g. Wenn die Chinesen oder die Türken sich an Katholiken vergreifen, so schreien alle diese Leute über Barbarei, über Rohheit und Unduldsamkeit; wenn aber Katholiken die Juden schmähen und verfolgen und ihnen kaum das nackte Leben gönnen wollen, so finden gerade die ör»^en Schreier dies ganz in Ordnung. Sueve. Da Sie den Muth besitzen, sich frank und offen und mit Ihrem Namen als „Judenfeind" zu bezeichnen und andererseits Ihre Zuschrift in anständigen Formen gehalten ist, so antworten wir Ihnen auch mft den Worten des Dichters: „Die Welt schreit nach Thaten, nicht nach Glaubensbekenntnissen; nach Brot, nicht nach Dogmen; nach Wohlthaten, nicht nach Ceremonien; nach Liebe, nicht nach Sophistereien. Fraulein Sidonre. Dieses Borkommniß beweist eben nur, daß gerade bei den allermeisten Antisemiten das Wort Schopenhauers anwendbar ist: „L’homme, l’animal mecbant par d’excellence.“ Herrn Oscar Wolf. Daß, ungleich vieler arischer Männer, die Juden selbst blutdürstigen Tyrannen gegenüber ihre religiöse Ueberzeugung aufrechterhalten können, hiefür gibt Ihnen Philo's Bericht eine» deutlichen Beweis, nach welchem Calligula der jüdischen Gesandtschaft zum Hauptvorwurf machte, daß ihn die Juden nicht als Gott anerkennen wollten, aus welchem Grunde er auch ihrer Bitte um Abhilfe gegen die Bedrückungen, denen sie unterworfen, nicht willfahren könne. Herrn A. V. M. Es erweckt eben jede Gewaltmaßregel die Sympathie mit den Vergewaltigten und bringt eine bereits im Schwinden begriffene Macht wieder in die Höhe und umhüllt ihre . Vertreter mit dem Glorienscheine des Märtyrerthums. Loeal-Comitö in... . otv. Sie werden bald Gelegenheit haben, alle Ihre Wahrnehmungen und Vorschläge maßgebenden Orts mündlich vorzubringen, da nach unseren Informationen eines der rührigsten Mitglieder des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung demnächst eine Inspektionsreise nach Galizien antreten und dieselbe periodisch wiederholen wird. Aufruf! Stammes- und Glaubensgenossen! Als vor zwölf Jahren unsere Brüder im Osten unter dem Drucke der Tyrannei den Wanderstab ergreifen mußten, zerstreuten sie sich anfangs ziel- und planlos über die ganze Erde. Jüdische Barmherzigkeit brachte zwar in die Millionen zählende Capitalien zur Unterstützung der verfolgten Brüder auf, aber diese Unterstützungen, blos zur momentanen Linderung der Noch gereicht, krackten auch tmr eine vorübergehende Hilfe. Das Gros von Verfolgten verblieb im Elend oder ging darin zu Grunde. Da kamen begeisterte Juden auf den Gedanken, der Wanderung ein Ziel zu setzen, in Palästina, dem Lande unserer Väter, jüdische Ackerbau-Colonien zu errichten. Dort sollten die verfolgten Söhne unseres Stammes, der bäuerlichen Beschäftigung zugeführt, sich an productive Arbeit gewöhnen, sich dadurch physisch und moralisch stärken und dabei auch ihrer angestammten Religion treu bleiben. Bald fanden sich einige hochherzige edle Männer, die große Summen zu diesem Zwecke spendeten; Andere, nickt in solchem Maße Bemittelte, suchten durch Gründung und Antheilnahme an Colonisations- Bereinen ihr Mitgefühl, ihre Opferwilligkeit und ihren Wohlthätigkeitssinn am besten zu bethätigen. Ueber Rußland, Rumänien, Deutschland, Frankreich, England mit Schottland und Irland, Amerika breiten sich zahlreiche Verbände und Vereine aus, die den edlen Zweck verfolgen, in Palästina jüdische Ackerbau-Colonien zu errickten, respective die bereits vorhandenen zu unterstützen und zu erhalten. Zufolge dieser Thätigkeit sind bisher im heiligen Lande unserer Väter 23 jüdische Colonien entstanden die sich zumeist bereits in blühendem Zustande befinden und ihren Bewohnern eine gesicherte Existenz gewähren. Diese Colonien sind: Tantura Pekyn Rosch-Pinah Ekron Gadrah Kastine Sichron Jakob Em el Tut Pethach-Tikwah Ajun Situn Rechowoth Wacht am Jordan Schewah Jordansbrücke. Machnajim Außerhalb Oesterreichs stehechdie angesehensten Männer an derSpitze der Colonisationsbewegung, so in Frankeich außer dem nicht genannt sein wollenden Hauptwohlthäter, der schon Millionen für dieses Werk Mikweh Israel Rischon Lezion Achass Sichron Jakob Jessod-Hamaloh Chedere Minon Jehudia Wad e! Chanin verwendet hat, der Großrabbiner von Frankreich Zadoc Kahn, der Großrabbiner von Paris Dr. Dreifuss, Rab. Weißkopf, Orientalist und Professor im College de France Josef Halevy, Vicepräsident der Alliance Jfraelite Narciß Leven u. A., in England der Oberst der königlichen Leibgarde Goldsmith. Baron D'avigdor, Parlamentsmitglied Samuel Montagu u. A., in Deutschland der Rabbiner von Berlin, Rector des Rabbiner-Seminars Dr. Hildesheimer, in Rußland Banquier Grünb erg, die Rabbiner Mohiliwer, Elchanin rc. In Oesterreich hat sich, obgleich unser Verein schon seit dem Jahre 1885 besteht, erst in den letzten Jahren in Folge des rapiden Anwachsens des Antisemitismus ein größerer Kreis dieser Bewegung zugewendet, es entstanden in verschiedenen Landestheilen Palästina- Colonisationsvereine und ist es gelungen, bei der Regierung die Genehmigung des „Zion, Verbandes der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" zu erwirken, (Erlaß des hohen k. k. Ministeriums des Innern vom 26. November 1892, Z. 27.674). Schon bestehen zehn E'nzelvereine, die, Tausende von Mitgliedern zählend, das große Werk einer physischen intellektuellen, wirthschaftlichen und freiheitlichen Gesundung unserer verfolgten Brüder auf ihre Fahne schrieben. Sie denken nicht, anderen edlen Männern, die in anderen Ländern Juden colonisiren wollen, Concurrenz zu machen, denn die Roth ist groß und der Hilfe nie zu viel. Jeder helfe, wie er kann, aber Jeder thue etwas und verlasse sicki nicht auf Andere; dann kann mit vereinten Kräften Großes geleistet werden. Stammes- und Glaubensgenossen! Wenn Ihr der großen Sache der Colonisation Palästina's Euere Unterstützung angedeihen lasset, werdet ihr die ganze Seligkeit des Wohlthuns empfinden, welche darin besteht, daß man die Gabe von guten Folgen für den Unterstützten begleitet sieht. Während alle bisher üblichen Uuterstützungsarten unserer unglücklichen Glaubensgenossen nur auf den Moment berechnet und keineswegs im Stande waren, unseren armen Brüdern dauernd zu helfen, ist im Gegensätze das Colonisationswerk geeignet, dieselben vollends auf eigene Füße zu stellen, so daß sie in nicht allzulanger Zeit ohne Hilfe bei ehrlicher Arbeit ihre Tage werden verbringen können. Die echte Wohlthat ist die, welche den Unglücklichen die Möglichkeit schafft, wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden — nicht die, wellte ihn an das Almosennehmen gewöhnt. Deshalb erlaubt sich endesgefertigter Verein Euer Wohlgeboren zum Beitritt höflichst einzuladen. Sie sollen da Gelegenheit haben, die vorzüglichen Resultate der bisherigen Colonisation in Palästina kennen zu lernen; Sie sollen auch das Bewußtsein erlangen, Ihren Pflichten als Jude und als Mensch gegenüber den Opfern eines barbarischen Fanatismus und brutaler Unterdrückung Genüge gethan zu haben. Keiner schließe sich aus, wo es gilt, durch ein kleines Opfer ein großes Werk zu fördern, unseren gehetzten Brüdern und Schwestern die ersehnte Heimstätte als letzte Zuflucht zu gewähren. Der Jahresbeitrag beträgt 4 fl. ö. W. jährlich und kann auch vierteljährig gezahlt werden. Zu Anmeldungen wolleman sich der beigeschlossenen Correspondenzkarte bedienen. Wien, im September 1894.;iir den Ausschuß des Einzelvereines Dr. O. Kokesch Hof- und Gerichtsadvocat d.z. Schriftführer I., Dorothcergasse 7 Wien" des „Zion": Leopold Paul Löbl d. z. Präsident II., Afrikanergasse 9. Carl Bringer Associe der Firma Jacob Hirsch d. z. Cassier I., Kärntnerstraße 13 Auch haben sich folgende Herren bereit erklärt, Spenden und Beitrittserklärungen anzunehmen: Med. Dr Bernhard Beck kais.ottomanischerStabsarzta. D. II., Praterstraße 49 David d'Enriqueur II., Novaragasse 55 Med. Dr. M. T. Schnirer Nedacteur der „Wiener med. Presse' XIX., Hauptstraße 30. Josef Pollak Kaufmann 11., Ferdinandstraße 30 Alexander Kohn Banquier I., Kärntnerstraße 29. Dr. Siegfried Wertheimer Hof- und Gerichtsadvocat 111., Radetzkystraße 4. Oeffentliche Bitte. Ein Mann mit 6 unversorgten Kindern, einst sehr wohlthätig und. hochgeachtet, der als Jude in einem christlichen Orte viele Jahre hindurch als Gemeindevorsteher, als Mitglied des Bezirksausschusses, als Obmann des Ortsschulrathes und als Mitglied der Schätzungs- Commission seitens des h. Aerars zur vollsten Zufriedenheit gewirkt, ist leider in Folge Feuersbrunst, schwerer Krankheit und anderer Unglücksfälle gänzlich verarmt und dem größten Elende preisgegeben. Ich appellire an unsere Glaubensgenossen, diesen verdienten Mann, dessen Kinder bittere Noth leiden, in die Lage zu versetzen, sich wieder eine Existenz gründen zu können. Aemtliche Zeugnisse erliegen bei der Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". Leopold Fried, gew. Armenrath der Stadt Wien II., Kaiser Josefstraße 15. Berantwortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck vou L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)