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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 40 VrsterreiMfchr Wochenkchrlfl Seite 779 zwanzigjährige Jubiläum als Leiter dieses hervorragenden Etablissements. Der Jubilar genießt den Ruf eines ausgezeichneten Fachmannes. Bukovar, 25. September. Am 24. September Nachmittags 4- Uhr fand die feierliche Grabmal-Enthüllung des tu seinem 67. Lebensjahre dahingeschiedenen Oberrabbiners David Löwy statt. Die ergreifende Feier begann mit dem Choral „Adonaj mah adarn“, den Obercantor H. N. Heller mit dem Knabenchor wirkungsvoll vortrug. Dann schilderte Rabbiner Dr. Julius Diamant in ergreifender Weise die unverwelklichen Verdienste seines Heimgegangenen Vorgängers, die er sich während seines 41jährigen Wirkens um seine Gemeinde und um unsere Glaubensgemeinschaft erwarb. Anknüpfend an die Worte unserer Weisen: „Man errichtet Euere Denkmale auf den Gräbern der Frommen, denn ihre Werke und Thaten vereinigen ihre Namen," hob er die Verdienste des Verewigten um das nach vier Jahren erbaute, prachtvolle Gotteshaus und um unseren musterhaft geordneten Friedhof hervor, welche seine Verdienste auch künftigen Geschlechtern verkündet werden. Das Denkmal soll uns erinnern, den Geist zu wahren, ivelcher den Heimgegangenen beseelte, an dem von ihm begonnenen Baue weiter zu arbeiten. Oberrabbiner David Löwy erhielt von dem Comitate als Zeichen der Anerkennung den Titel „Comitats-Oberrabbiner" und von Sr. Majestät das goldene Verdienstkreuz. Hierauf übergab der Gemeindepräses Jacob Braun das von der Gemeinde dem Andenken ihres unvergeßlichen Seelenhirten gewidmete Denkmal der „Chewra-Kadischa" mit der Bitte, dieser Verein möge es in seinen Schutz nehmen. Der Präses der Chewra, Herr B. Obersohn, betonte in seiner Antwort, daß der heilige Verein nur einen kleinen Tribut der Anerkennung und des Dankes abstattet, wenn er diesen Denkstein in seine Obhut nimmt. Mit dem Choral „Sobin^si" schloß die ergreifende Feier. Radantz, 27. September 1894. Der hiesige Talmud- Thoraverein sah sich aus Mangel an einem geeigneten Schullocale genöthigt, an die Erbauung eines eigenen Schulgebäudes zu gehen. Es wurde nun ein der hiesigen Cultusgemeinde gehörendes Grundstück diesem Zwecke gewidmet und wurde auch schon der Grundstein im Beisein des Bürgermeisters Major Hübsch, k. k. Bezirksschulinspector, k. k. Steueramtsoberinspector und anderer Honoratioren, wie auch in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums feierlichst in den Boden versenkt. In der von Sr. Ehrw. unserem Herrn Oberrabbiner Kunstadt gehaltenen Ansprache an die Festversammlung hob derselbe die hohe Bedeutung der Religionsschule hervor und drückte allen Jenen, die den schönen vielversprechenden Anfang durch ihre Werkthätigkeit unterstützten, die öffentliche Anerkennung aus. Der Präses der Talmud-Thora, Herr E. Grab scheid, hat .sich um das Werk hohe Verdienste erworben. Berlin, 26. September. Die „Jüd. Presse" meldet: Am 25. Elul sind fünfundzwanzig Jahre verflossen, seitdem Herr Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer seine Wirksamkeit in Berlin begonnen hat. Aus diesem Anlasse fand sich heute Vormittag eine Deputation des Vorstandes der „Israelitischen Synagogengemeinde (Adaß Jisroel)" im Hause des Herrn Rabbiners ein, um demselben ihre Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Nachdem der Vorsitzende des Vorstandes, Herr H. London, diesen Empfindungen Worte gegeben, richtete der Vorsitzende des Repräsentanten-Collegiums, Herr Dr. A. Berliner eine tiefempfundene Ansprache an den Herrn Rabbiner, welche in der dringenden Bitte gipfelte, daß der rastlos, mit jugendlicher Kraft noch immer thätige, lernende und lehrende geistliche Führer sich größere Schonung seiner Kräfte aufzwingen möge, um dieselben noch recht lange ungeschmälert für den Dienst im Heiligthum zu erhalten. Redner wies mit besonderer Genugthuung darauf hin, daß dem Herrn Rabbiner im eigenen Hause Mithelfer erstanden seien, daß der jüngste Sohn seine unermüdliche Thätigkeit erfolgreich der Religionsschule widme, als Begründer des Jugend- . gottesdienstes, welcher für weiteste Kreise beispielgebend geworden sei, sich große Verdienste erworben habe, und schon jetzt einen sehr heilsamen Einfluß auch auf die der Schule entwachsene Jugend ausübe. Tiefergriffen dankte Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer für diese Bekundung von Liebe und Dankbarkeit, welche ihn aufrichtig erfreut habe, und verhieß, dem von Herrn Dr. Berliner ausgesprochenen Wunsche zu willfahren. Elbing, 26. September. Auf dem Friedhof in Elbing fand Sonntag des 16. d. M., Vorm. 10 Uhr, eine Gedächtnißfeier für den am 25. November 1892 verstorbenen Lehrer Jsae L e v i n angesichts des von der Frau des Verstorbenen kürzlich errichteten Leichensteines statt. Herr Cantor Baum st ein sang Psalm 16 und verrichtete das übliche Ul male während Herr Dr. Silberstein eine Ansprache hi-lt. Lev in war 30 Jahre in Elbing Religionslehrer, besaß Rabbinats-Zeugnisse von M i g s ch ü tz, war ein Schüler R. A k i b a E g e r's und Mitschüler des verstorbenen Holluber Rabbiners, der ihn sehr hoch schätzte. Dessau, 24. September. Bei der Eröffnung der Eisenbahn von hier nach Wörlitz durch den Erbprinzen Friedrich erhielt Baron v. Cohn als Urheber und Förderer des Bahnbaues den Ehrenbürgerbrief der Stadt Wörlitz durch den Bürgermeister. Konstantinopel. (Ein Menschenfreund.) Es wird gemeldet, daß das Bankhaus Camondo mit 1. October liquidirt. Herr Camondo hat allen Beamten eine lebenslängliche Pension in der Höhe eines halben Gehaltes bewilligt. Feuilleton. Drr gordische Knoten. Von Eleonore Pechkranz. Bor einigen Tagen erhielt ich von einem Freunde ein in polnischer Sprache in Krakau im Jahre 1893 unter dem Titel „Der gordische Knoten" erschienenes Lustspiel. Da der Stoff der darin bearbeitet wurde, eigentlich die Judenfrage ist, so interessirte es mich umso'mehr. Ohne in eine nähere Kritik über das Werk selbst, Charaktere, Jnscenirnng einzugehen, wollen wir nur einige Gespräche mit anhören, denn trotzdem es sozusagen nur Polen charakterisirt, begegnen wir so allgemeinen Typen, die überall bekannt sind. In welcher Stadt gibt es nicht jüdische modernisirte Protzen, die im Judenthum eine Störung ihrer lächerlichen Prätentionen sehen, die, um dem Zeitgeist zu entsprechen, den letzten Lumpen, wenn er nur Christ ist, eher als den ehrwürdigsten Juden in ihren Salons bewirthen. Und es gibt noch gegenwärtig strebsame Männer, die, wenn auch Juden, die Ehrenhaftigkeit und die Wissenschaft, ohne Rücksicht, ob man stehend oder knieend seine Andacht verrichtet, als die festesten Sproßen, die zum Bürgerrecht und socialer Höhe führen, betrachten. In welcher Nation findet man keine abgewirthschafteten Edelleute und ruinirte Aristokraten, die der Staatsanwalt ins Zuchthaus, gemeiner Verbrechen wegen, schicken müßte. Soll ein Jude sich erkühnen, das Kind beim Namen zu nennen, dem Aristokraten sein Schuldenregister vorzuhalten und für die „Beleidigung" bereit sein, ihm Genugthuung zu geben, so antwortet ihm kalt und gelassen der Aristokrat, indem er ihm eine Ohrfeige versetzt. „Mit einem Juden schlägt man sich nicht, ein Jude wird geschlagen." Der Inhalt des Lustspiels ist nicht neu. Ein braver Gutsbesitzer, Christ, wird durch einen abgewirthschafteten, bankerotten Edelmann,^ seinem gewesenen Nachbar, zum Verkauf seines schuldenfreien Gutes an einen Grafen gegen fast werthlose Actien bestimmt. Er nennt sich mit Stolz einen Agenten: Factor ist nur ein Jude, ich heiße Agent. Der Graf, der sto^z auf seine Ahnen ist, beeilt sich, die Hypothek des Gutes derart zu belasten, daß die Macht des Gesetzes es ihm nicht entreißen kann, da es bereits den Gläubigern gehört. Derselbe Graf Czolowski begeht auch andere Delicte, aber die sind schon gebräuchlich, über die redet man nicht mehr — einem sogar adeligen Mädchen die Ehe versprechen, sie verführen und hernach verhöhnen, sie habe keine Beweise —das ist gute Sitte, aber ein Jude, der sich als Rächer ihrer Ehre in der Person des Advocaten Ratman findet, ist nicht — satissactionsfähig. Ratman: Ein Jude wird geschlagen und weshalb? Ist es deshalb weil er die ersten Begriffe von der Lehre Gottes gegeben? Ist es deshalb, weil sein Werk die heilige Schrift ist, die für die ganze Humanität eine unerschöpfliche Quelle des Wissens und der Moral ist? Ist es deshalb, daß er auf seinen zwei Tafeln die zehn Gebote, die bis auf den heutigen Tag die Grundlage zu den Gesetzbüchern der civilisirten Welt dienen, ausgeschrieben? S |i : - j ,?■

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