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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 778 Deprrreirtziptzr Wochenptzrtfl Nr. 40 rabbiner Dr. Güdemanu dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Am offenen Grabe sprachen namens des Fachschriftstellerverbandes Redacteur Lichtblau, ferner der Obmann des Vereines der Mährisch-Auffeer und Vicepräsident des Vereines der reisenden Kaufleute. E. B. Wien. (Todesfall.) Ende vorigen Monates verschied hier nach längerem Leiden der in Geschäftskreisen geschätzte und geachtete Kleiderwaarenfabrikant Herr Samuel Bell, Schwager des Bezirksschulrates Beer, im 55. Lebensjahre. Der allzufrüh Dahingeschiedene brachte es durch rastlosen Fleiß und streng rechtlichem Charakter von kleinen Anfängen zu einer sehr angesehenen Stellung in seiner Branche und die ungeteilten Sympathien, welcher sich derselbe bei Lebzeiten erfreute, gelangten durch die lebhafte Beteiligung beim Leichenbegängniffe zum Ausdrucke. Friede seiner Asche. Wien. (Das Jubiläum eines Arztes.) Herr Doctor Alexander Hirschfeld, Nervenarzt, feierte zu Ende des vorigen Monats sein 25 jähriges Doctor-Jubiläum. Aus diesem Anlasse erhielt der Jubilar zahlreiche Beglückwünschungen und Sympathiekundgebungen. Doctor Hirschfeld wurde an der Wiener Universität 1869 promovirt. Er prakticirte zuerst im Wiener k. l. Allgemeinen Krankenhause, später an der Wiener Poliklinik, an letzterer länger als ein Decennium, und zwar als Assistent der Abtheilung für Nervenkrankheiten und Elektrotherapie. Seit seinem Austritte aus der Poliklinik leitet er ein eigenes Ambulatorium für unbemittelte Nervenkranke. Dr. H i r s ch f e l d ist als geschickter Diagnostiker auf dem Gebiete der Nervenkrankheiten und erfahrener Elektrotherapeut in weiten Kreisen bekannt. Bei seinen Patienten erfreut er sich ob seiner liebevollen und humanen Behandlung größter Beliebtheit, denn er besitzt im Umgänge mit seinen Patienten eine bewunderungswürdige Geduld. Dr. Hirschfeld ist auch literarisch thätig. Seine „Diätetik für Nervenkranke" hat bei ihrem Erscheinen sowohl bei der gesammten Kritik, als auch beim Publicum die freundlichste und wohlwollendste Aufnahme gefunden. Dr. Hirschfeld steht im 50. Lebensjahre. Wien, 3. October. Vorgestern ist in Berlin ein Pa rteitag der antisemitischen Vereinigung für Norddeutschland abzehalten worden. Es waren 70 Orte vertreten und fand ein starker Concurrenzkampf der antisemitischen Blätter statt, von denen schließlich nur „Staatsbürger-Zeitung", „Bundschuh" und „Frei-Deutschland" zu amtlichen Organen erklärt wurden. Es wurde beschlossen, in Eisenach für die Vereinigung aller Antisemiten zu stimmen, aber unter der Bedingung, daß auch Ahlwardt ausgenommen würde, für den sich Bachler und Förster als einen „unentbehrlichen Vorkämpfer" ins Zeug legten. Einige Redner, die auch Dr. B ö ck e l vertheidigten und ausgenommen wissen wollten, stießen auf starken Widerspruch, und der Vorsitzende erklärte, der Parteitag habe keine Veranlassung, für Dr. B ö ck e l einzutreten. Für Berlin soll eine neue Organisation geschaffen werden. Bezüglich der Polen-Frage wurde eine merkwürdige Resolution angenommen. Dem Adel und der Geistlichkeit will man entgegentreten, aber die Antisemiten sind „gern bereit, mit der polnischen Bevölkerung, so weit es sich mit unserer deutschen Gesinnung vereinbaren läßt, bei den Wahlen Hand in Hand zu gehen." E. B. Brünn. (Neuer Sachverständiger. — Verlobung.) Herr Edmund Back, Weingroßhändler in Königsfeld, wurde zum gerichtlichen Sachverständigen im Weinhandel und zum Schätzmeister für Weine bestellt. — Fräulein Clara Strakosch, Tochter der Fabrikantenswitwe Frau Antonie Strakosch, hat sich mit Herrn Eduard Marcus, Kaufmann aus Berlin, verlobt. E. B. Protznitz. (Etablissementsbesuch.) Der Bezirkshauptmann von P r o ß n i tz, Herr Graf M a r s ch a l l beebrte Dienstag den 25. d. M. die Brauerei und Malzfabrik der Herren Brüder Winter mit seinem Besuche, besichtigte das Etabliffement in allen Theilen und sprach sich beim Abschied sehr lobend über das Gesehene aus. Mittwoch den 26. d. M. erschien der Herr Bezirkshauptmann in der Malzfabrik der Herren Gebrüder Hamburger und Singer und ließ sich die Fabrication durch zwei der Herren Chefs, welche ihn beim Rundgang begleiteten, erklären. Nach ungefähr zweistündigem Aufenthalt verließ er die Fabrik, nachdem er auch hier sein vollstes Lob über die Einrichtungen des Etablissements ausgesprochen hatte. E. B. Protznitz. (Jubiläum.) Von allen Seiten ertönt der Klageruf: Niedergang und Nothstand im Kleingewerbe. Umsomehr erregt es Befriedigung von einer freilich seltenen und vereinzelten Ausnahme berichten zu können. Herr Sigmund Springer feiert nämlich nächstens sein fünfzigjähriges Jubiläum als zünftiger Schustermeister. Der Jubilar hat allerdings bei seinem Gewerbe keine Reichthümer erworben, allein er hat sich dabei redlich ernährt. Wie er's gemacht? Er war fleißig, mäßig, bescheiden und nüchtern, hat selbstthätig mit Kneip und Ale mitgewirkt, die Zeit nicht im Wirthshause todtgeschlagen und seine Kunden stets mit guter, solider Arbeit zufriedengestellt. Meister Springer hat sich nie seines Standes geschämt, vielmehr eine Ehre darein gesetzt, ein tüchtiger Handwerker zu sein. In Würdigung dessen soll derselbe von competenter Stelle Sr. Majestät dem Kaiser für eine Auszeichnung vorgeschlagen worden sein. Die Gemeindevertretung und die Handels- und Gewerbekammer werden den seltenen Jubilar in entsprechender Weise beglückwünschen. Auch wir nehmen an dem Feste vom Herzen theil, ist doch Herr Springer ein lebendiger Protest gegen den gegnerischen Vorwurf, daß die Juden manueller Thätigkeit abhold sind und sich ungerne dem Handwerke zuwenden. Brüx. Am 1. Selichoth-Tage hat die Einweihung der von der „Chewra-Kadischa" auf dem hiesigen Friedhofe neu erbauten Ceremonienhalle in würdiger und erhebender Weise stattgefunden. Unter den zahlreichen Teilnehmern an dieser ernsten erhebenden Feier befanden sich der k. k. Bezirkshauptmann Herr Franz Josef Krikaw a mit den Beamten der Bezirkshauptmannschaft und andere Honoratioren der Ste.dt Brüx. Nachdem der Tempelchor-Verein unter Leitung seines Chormeisters Herrn Obercantor Lamm „Die Ehre Gottes" von Beethoven vorgetragen hatte, ergriff Herr Ludwig Black als Obmann der „Beerdigungs - Brüderschaft" das Wort. Er dankte der Stadtvertretung für die munificente Unterstützung, welche sie der „Chewra-Kadischa" durch die Ueberlassuug des Baumateriales als unverzinsliches Darlehen angedeihen ließ, ferner dem „Jsr. Frauenverein" und jenen Gemeindemitgliedern, die in opferfreudiger Weise das Zustandekommen des Baues förderten. Herr B lack fuhr dann fort: „Wenn wir daran denken, daß vor einigen Jahrzehnten unsere Glaubensbrüder in dieser Stadt nicht übernachten durften, so müssen wir dankerfüllten Herzens Desjenigen gedenken, durch dessen Huld und Gnade es uns heute gleich allen Staatsbürgern möglich ist, unsere Todten hier zu begraben; müssen uns Gefühle innigster Dankbarkeit erfüllen für unfern allgeliebten Herrn und Kaiser Franz Josef I.. den Gott erhalten und beschützen möge!" Herr Black, dessen Ansprache einen tiefen Eindruck machte, übergab hierauf das Gebäude in das Eigenthum der Cultusgemeinde. Herr Dr. Josef Häu tl er, in Vertretung des Cultusvorstandes, dankte der „Beerdigungs-Brüderschaft", deren verdienstvollem Obmann Herrn Ludwig Black und insbesondere dem Obmann des Baucomites, Herrn Director Josef Reis, für deren unermüdliche und gemeinnützige Thätigkeit und übernahm sodann das Gebäude in das Eigenthum der Cultusgemeinde. Nun bestieg Sc. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Adolf Biach die Kanzel und hielt eine gehaltvolle Rede, die in folgender Apostrophe gipfelte: „Mögen die Worte, die unser allergnädigster Herrscher in jüngster Zeit an eine Deputation zu richten geruhte, daß nämlich in seinem Herzen die Verschiedenheit des Religionsbekenntnisses keinen Unterschied unter den Staatsbürgern bilde, in die Herzen aller Menschen dringen; mögen alle Bürger dieses Staates nicht nur im Tode einander gleich sein, sondern auch im Leben einander brüderlich die Hand reichen!" Hierauf wurde das Mincha-Gebet vom Obercantor Jacob Lamm in ergreifender Weise vorgetragen. Zum Schluß dankte der Herr Bezirkshauptmann sämmtlichen Rednern für die loyalen Kundgebungen in herzlicher Weise. Herr Ludwig Black hat sich durch diesen prächtigen Bau ein dauerndes Verdienst in unserer Gemeinde gesichert. E. B. Prag. (Jubiläum.) Der Director der Ernst Mautner'schen Spinnerei in Bubentsch, Herr Moritz P o l l a k, beging dieser Tage in voller Rüstigkeit das fünfund-

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