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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Vestrrreichifche Wochenfchrifi Seite 777 israelitischer Wohlthätigkeitsvereine, den Kindern und der Heranwachsenden Jugend die Erwerbung gründlicher Kenntnisse der hebräischen Sprache und des heiligen Schristthums durch Besuch der Talmud-Thora-Schule angedeihen zu lassen und zur Pflicht zu machen. Die Bildung des Herzens und des Gemüthes ist ein viel wichtiges Postulat und sollte intensiver gepflegt werden, als alle anderen Fertigkeiten. Im Schuljahre 1893—94 hat die Frequenz der Anstalt die höchste Ziffer seit ihrem Bestände erreicht. Es wurden 403 Schüler und 182 Schülerinnen ausgenommen und es konnten am Schlüsse des Schuljahres 314 Knaben und 156 Mädchen classificirt werden. Bon den erstem gehörten 186 Schüler den verschiedenen Volks- und Bürgerschulen,^ 124 den verschiedenen Mittelschulen und 2 der Universität an. 2 Schüler übertreten mit Anfang des Schuljahres in das Rabbiner- Seminar. Mögen die Anmeldungen im neuen Schuljahr den Beweis erbringen, daß in allen jüdischen Familien der Sinn und das Verständniß für jüdisches Wissen und Kenntniß des Hebräischen noch rege ist, daß Eltern die Wichtigkeit dieser Kenntnisse für ihre Kinder und deren Charakterbildung erkennen, kurz, daß alle Factoren Zusammenwirken. unl die gesunkenen Kenntnisse unseres heiligen Schristthums auf jene Stufe zu bringen, auf der das jüdische Volksthum durch Charakterfestigkeit und Gesinnungstüchtigkeit einst groß dastand. Wird diese Ueberzeugung sich Bahn brechen, was zuversichtlich erwartet wird, so steht eine weitere Prosperirung und eine noch steigendere Frequenz der Anstalt in Aussicht. Budapest. Der Bericht, welchen die vereinigte dreitheilige Commission des Magnatenhauses über den auf die Reception der israelitischen Religion bezüglichen Gesetzentwurf dem Plenum eingereicht hat, lautet folgendermaßen: Der vorliegende Gesetzentwurf will die israelitische Religion als gesetzlich recipirte Religion veclariren. Dies ist nicht blos eine unabweisliche Forderung der richtigen Rechtsentwicklung, sondern es ist auch ein uothweudiger Ausfluß der gleichzeitig zu verhandelnden Vorlage über die freie Religionsübung. Denn die israelitische Religion war zwar bisher nicht als gesetzlich recipirte Religion erklärt worden, aber die Confession der vaterländischen Israeliten ist — in ihrer Organisation und staatsrechtlichen Lage — bereits als anerkannte Confession zu betrachten, wie dies in der ministeriellen Vorlage und in der Motivirung der Commissionsberichte des Abgeordnetenhauses in überzeugender Weise entwickelt ist. Die israelitische Confession kann also nicht derselben Behandlung unterzogen werden, wie sie vom zweiten Capitel der Vorlage über die freie Religionsübung für die erst in Zukunft zu constituirenden und gesetzlich anzuerkennenden Confessionen geregelt wird. Die Idee der Religions- und Gewissensfreiheit aber und das Princip der Gleichberechtigung der Confessionen gestattet nicht die Zurückweisung dessen, daß auch die israelitische Religion als gesetzlich recipirte Religion erklärt werde und im Ausflusse dessen auch die Rechtskraft all jener Paragraphen des Gcsetzartikels LUI 1868 auf die Israeliten ausgedehnt werde, welche in den §8 2 und 3 dieser Vorlage aufgezählt sind. Demzufolge empfiehltdieDreier-Commission — mitHiuweis auf die ministerielle Vorlage und die in der Motivirung der Commissionsberichte des Abgeordnetenhauses enthaltenen Ausführungen — die Vorlage im Allgemeinen und in den Details zur Annahme. In Betreff der Details jedoch hält die Commission vom Gesichtspunkte der staatlichen Interessen es für nothwendig, daß die im § 13 der Vorlage über die freie Religionsübung enthaltene Bestimmung auch in das Gesetz über die israelitische Religion in einem selbstständigen Paragraphen ausdrücklich ausgenommen werde in folgender Textirung: „Seelsorger und Gemeindevorsteher kann nur ein solches Mitglied der israelitischen Confession sein, welches ungarischer Staatsbürger ist und seine Qualifikation in Ungarn erhalten hat." Rach diesem Paragraphen würde Z 3 als § 4 folgen, so daß der jetzige §4 zu § 5 würde. Groningen. Das Taubstummen-Jnstitut zu Groningen erhielt eine beträchtliche Spende. Einer der jüdischen Bürger, Herr I. Oppenheim, hinterließ demselben testamentarisch den Betrag von 400.000 fl. Das Institut hat eine Abtheilung für jüdische Pfleglinge. Marburg, 21. Sept. Mit vielem Humor berichtet die „Frankfurter Ztg.": Ein empörendes Beispiel echt jüdischer Unverschämtheit, das vor einigen zwanzig Jahren passirte, hat dieser Tage endlich seine Sühne gefunden. Zog da aus dem KirchspielHebel, Kreis ,Hom berg, mit der seiner Rasse eigenen Aufdringlichkeit ein Jude, Namens Moses Fränkel, in den deutschfranzösischen Krieg. Damit nicht genug, erdreistete sich der Jude, offenbar auf eine geheime Weisung der Alliance israelite, sich für das deutsche Vaterland todt schießen zu lassen, für das Vaterland, das ihn doch gar nichts anging. Im Laufe der Jahre wurde beschlossen, in Hebel eine Kriegergedenktafel zum Gedächtniß an die Gefallenen aufzuhängen. Da erinnerte sich der Pfarrer von Hebel, Leichmann, an jene jüdische Schandthat und setzte all seinen Einfluß ein, daß der Name des Moses Fränkel nicht auf die Tafel komme, sintemalen der Jude, trotz seines kirchenfähigen Namens Moses, nicht in das christliche Gotteshaus gehöre. In diesen Tagen ist die Tafel aufgehängt worden, auf der der Name Moses Fränkel fehlt. Somit hat Hebel das reine Deutschthum gerettet, wenn anders das in Melsungen, der Hauptstadt der deutschen Rechtspartei, erscheinende „Hessische"Volksblatt" die Wahrheit berichtet hat. eri Wien. Sonntag, den 7. d^M. um 1 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel I., S-eitenstettengasse Nr. 4, die Trauung des Fräuleins Alice K a r p e l e s, Tochter des Herrn Moriz K a r P e l e s (in Firma Schenker u. Co.), mit Herrn Paul Eugländer statt. Wien. Fräulein Adele Störk. Tochter des Professors Carl Störk, hat sich mit Herrn Siegfried Landesberger, Procuristen der Länderbank, verlobt. Wien. (Trauungen.) Am 7. October 1894 werden im Stadttempel getraut: Herr Dr. Adolf Stößel mit Frl. Eugeuie Mittler. Im Tempel VI. Bez.: Herr Moritz Fritz mit Frl. Clara Gutfreund. Im Tempel IX, Bez.: Herr Carl 'Steiner mit Frl. Anna Frank. Wien. (Vermählung.) Einer der vorzüglichsten Sänger des Chores unseres Stadttempels, Herr Isidor Bnnim owitsch, ein Sohn des hebr. Scriptors im Hause Rothschild in Frankfurt a. M., feiert Sonntag den 7. October, 3 Uhr Nachmittags, im israel. Tempel, I., Seitenstettengasse seine Vermählung mit Fräulein Sophie Zwicker, Tochter des Herrn Jacob Zwicker aus Brünn. Wien. („D er Wiener D i e n st m a n n." ) Die Statthalterei hat soeben die Statuten eines israelitischen K r a n k e n- U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n s „Der Wiener Dienstmann" genehmigt. Der Zweck dieses neuen Vereins ist die Unterstützung kranker, arbeitsunfähiger Dienstmänner. Die geringe Eintrittsgebühr von fl. 1 und die ebenfalls sehr gering bemessene Wochengebühr von 15 kr. ermöglichen leicht den Beitritt zu dem neuen Vereine, dessen constituirende Versammlung am 28. October im Restaurant „zum Vater Radetzky". II., Blumauergasse 14, stattfindet. Wien. Am 28. September, Vormittag um 3/.tll Uhr, wurde auf dem Stubenring nächst der Aspernbrücke der Herausgeber der „Oesterreichisch-ungarischen Gasthauszeitung" Herr Samuel P o l l a k, vom Schlage getroffen. Aerzte der Freiwilligen Rettungsgesellschaft eilten zur Stelle, fanden aber Pollak bereits todt vor. Der jähe Tod des Herrn Sigmund Pollak hat nicht verfehlt, in den Kreisen der Gastwirthe die lebhafteste Theilnahme zu erwecken. Sigmund P o l l a k war, ein braver Mann, ein biederer und lauterer Charakter. Er war in der Provinz ebenso beliebt, wie in Wien, wo Taufende den Pollak von der „Gasthaus-Zeitung" kannten, liebten und achteten. Als Familienvater war Pollak, dessen Fleiß und Rührigkeit aller Orten gewürdigt wurden, musterhaft nach jeder Richtung hin, er ging in der Liebe zu Weib und Kind förmlich auf und stand eben vor der Verheiratung seiner ältesten Tochter. Für die Interessen der Gastwirthe kämpfte er mit Muth und Entschlossenheit. In den letzten Jahren, da sich auch im gastwirthfchaftlichen Leben zahlreiche Strömungen zeigten, mußte sich P ol l a k, der mitten im Kamspe stand, auch mancherlei Beschimpfungen gefallen lassen, doch nie wagte man es, seine persönliche Ehrenhaftigkeit anzutasten. Pollak befand sich auf dem Wege zu einem Freunde, den er bestellt hatte, um für seine verlobte Tochter ein Brautkleid auszusuchen. Auf dem Stubenring wurde er von einem Unwohlsein befallen und nach wenigen Minuten war er todt. Als Ursache des Todes wurde die Berstung eines Blutgefäßes constatirt. Sigmund Pollak hinterläßt eine Frau, die Tochter des vor wenigen Jahren gestorbenen Gelehrten und Forschers Tr. D u s ch a k, sechs Kinder und eine greise Mutter von 88 Jahren, die den furchtbaren Schmerz erleben muß, die Stütze ihres Alters in das Grab sinken zu sehen. — Unter zahlreicher Betheiligung von Wiener Gastwirthen und Kaffeesiedern, sowie der Mitglieder des Fachschriftstellerverbandes, des Vereines der Mährisch-Ausseer, des Vereines der reisenden Kausleute und des Vereines „Nächstenliebe" im 2. Bezirke fand das Lewstenbegängniß statt. In der Ceremonienhalle widmete Ober-

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