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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 776 Vesterretchtsche Wochrnschrtfl ytr. 40 muß ich jene in Brody bezeichnen, wie ich sie bei meiner letzten Anwesenheit dort gefunden habe und die wirklich ein warmes jüdisches Herz betrüben muffen. Der bekannte Schriftsteller Herr Leo Herzberg-Fränkel hat sein Amt als Jnspector, der israelitischen Volksschulen, das er 30 Jahre lang bekleidete, niedergelegt. Die gesammte Lehrerschaft, welche in ihm einen ebenso eifrigen als humanen Vorgesetzten verehrte, gab sich alle Mühe, ihn von seinem Entschlüsse abzubringen, aber vergeblich. Diese Resignation ist umso bedauerlicher, als es in Brody an Männern fehlt, die in nur annähernd gleicher Weise diesen Ehrenposten ausfüllen könnten. Wie oft sahen wir Herrn Herzberg-Fränkel hier in öffentlicher Mission für Gemeinde und Schule, in deren Interesse er eifrig und meist mit Erfolg wirkte. Er war der feste Punkt in der Flucht der Personen und im Wechsel der Brodyer Verhältnisse und kann dort unmöglich entsprechend ersetzt werden. Der Grund des bedauerlichen Rücktrittes soll aber außerhalb der Schule liegen und kann daher nicht gebilligt werden, daß diese ihrer besten Stütze beraubt wird. Bei der letzten Gemeinderathswahl hat nämlich ein Consortium inferiorer, scheelsüchtiger Personen, denen die geistige Ueberlegenheit und der Einfluß des Herrn Herzberg-Fränkel in die Augen stach, in seiner Abwesenheir eine heftige Agitation gegen ihn entfesselt und im Bunde mit einer Anzahl Antisemiten, die gerne den namhaften Vertreter jüdischer Interessen aus der Gemeinderepräsentanz verdrängen wollten, uneingedenk der Kraft, die man verliert, ohne sie ersetzen zu können, den altbewährten Mann zu Falle gebracht, was selbstverständlich, wie es in Brody üblich, viel Schnaps und Bier gekostet hat. Der Kampf, bei dem der bessere Theil unterlag, soll ganz vehement gewesen sein. Abermals ein Stück vom bessern Brody abgebrochen, mit dem es leider in raschem Tempo abwärts geht! J. M. Rzeszolv. (Ein antisemitisches L o ca lb latt.) Heute erschien hier die erste Nummer des „Kuryer Rzeszowski“ nachdem die früher bestandene „Gazeta Rzeszowska“ wegen ihrer antisemitischen Tendenzen noch vor zwei Jahren eingegangen ist. Im Programme erklärt die Redaction dieses Blättchens, daß sie die moralische und materielle Wohlthat sämmtlicher Mitbürger ohne Unterschied der Confeffion und Standes hüten wird. Die Juden sollen das Blatt also unterstützen! Man sollte nun glauben, daß die Redaction diesem ihren Versprechen wenigstens kurze Zeit treu bleiben wird. Allein schon in diesem ersten Probeblatte wird in einem Artikel „Aus Tarnobrzeg" folgende Denunciation geleistet: Das Casino hat in seinem umfangreichen Locale einen jüdischen Restaurateur und eine jüdische Dienerschaft ausgenommen, sich an das Princip haltend: ,,Brvd für die Deinigen." Zur Aufreizung des Volkes wird weiters berichtet: Es scheint hier Alles den Einflüssen der Polenseinde zu unterliegen. Laut den statistischen Nachrichten des Prof. Dr. Pi lat weist der Tarnobrzeger Bezirk den größten Percentsatz Juden von sämmtlichen westgalizischen Bezirken auf, nämlich 13*81 Percent; ferner weist der Tarnower Bezirk 14*54 Percent auf, aber die Stadt Tarnow weggerechnet, sind im Bezirke weniger jüdische Seelen als in unserem, welcher mehr bat als die Bezirke Przemysl, S t r y i, N a d w o r n a und Sniatyn. Im Großgrundbesitz weist das nichtpolnische Element beinahe die Hälfte der Stimmen auf, denn cs fehlt ihm nur eine Stimme. Es ist somit klar, daß wir in diesem Localblättchen ein antisemitisches Unternehmen zu begrüßen haben. Unsere Glaubensgenossen in der genannten Stadt werden hoffentlich Mannesmuth genug besitzen, ihre eigene Ehre zu schützen, vor Allem aber ein Blatt weder moralisch noch materiell zu unterstützen, dessen judenhetzerische Tendenzen offenkundig zu Tage treten. Das Blatt will nichts Anderes als das friedliche Zusammenleben der Bevölkerung stören, den Bürgerzwist schüren, um an der. Flamme der gegenseitigen Erbitterung und des Judenhaffes seine eigene Suppe zu kochen. Seid gewarnt. Prag. (Synagogenbau in König l. Weinberge.)^ Am 28. d. M. hat die feierliche Einweihung eines Betsaales, welcher einen Seitentract der im Bau begriffenen großen Synagoge bildet, in der Stadt König l. Weinberge bei Prag stattgefunden. Zu der Feierlichkeit hatten sich nebst einem überaus zahlreichen Publicum, der Bezirkshaupt mann Prohaska nebst den Beamten der Bezirkshauptmannschaft, der Bürgermeister und die S t a d t r ä t h e von Kgl. Weinberge, Feldprediger Rabbiner Dr. Kisch, die Cultus- und B e t h a u s-V o r st ä n d e von Prag und der gesammte Cultusvorstand von Kgl. Weinberge eingefunden. Der Präses des letzteren, gleichzeitig Obmann des Bau- Comites Herr JUDr. Hamburger, begrüßte die. Erschienenen in schwungvoller Rede und dankte dem gütigen Monarchen, in dessen Herzen die Verschiedenheit des Religionsbekenntnisses seiner Unterthanen keine Scheidewand bildet. Nach Einzug der Thorarollen wurde das ewige Licht entzündet; der Rabbiner von Weinberge nahm hierauf die Weihe des Hauses vor und mit Absingen von Psalmen und der Volkshymne schloß die Feierlichkeit, welche bei allen Anwesenden einen mächtigen Eindruck hinterlassen hatte. Mit dem Bau des Haupttractcs wird unmittelbar nach den Feiertagen begonnen werden und ist in Aussicht genommen, denselben bis zum Herbst 1896 zu vollenden. Die Pläne zu dieser Synagoge, welche eine der größten in der Monarchie werden dürste, sind von dem Wiener Architekten Herrn k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny entworfen, der auch die Durchführung des Baues leitet. Um das Zustandekommen und die Durchführung des Baues, von welchem, wie oben bemerkt erst ein Seitentract als Wintersynagoge der Benützung übergeben worden ist, hat sich das Baucomite, insbesondere die Herren Dr. Hamburger, Goldschmidt, Popper und k. k. Bezirksarzt Dr. Schwarzkopf, große Verdienste erworben. Prag. (Talmud Thor a-S ch u l e.) Diese im Jahre 1858 von der Prager israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz gegründete behördlich genehmigte Lehranstalt tritt mit Anfang des Schuljahres 1894—95 in das 39ste Jahr ihres Bestandes. Sie hat den Zweck, den die Prager Volks-, Burger- und Mittelschulen besuchenden Kindern Gelegenheit zu geben, erweiterte Kenntnisse in allen Religionsdisciplinen als in den Gebeten und deren llebersetzung, in der Liturgie, im Pentateuch, in den Propheten und deren Cvmmentaren, in der Mischna und im Talmud, endlich in der hebräischen Grammatik und im hebräischen Aufsatz sich anzueignen oder aber den in den öffentlichen Schulen ertheilten Religionsunterricht zu ergänzen. Die Schule besteht aus einer Knaben- und Mädchenabtheilung und es wirken an derselben sechs Lehrkräfte. Es bestehen acht aufsteigende Knaben- und fünf aufsteigende Mädchenclassen. Die Einrichtung des Unterrichtes an der Anstalt ist derart, das; jeder Schüler einer öffentlichen Schule demselben ohne Störung anwohnen kann. Jede Classe hat täglich eine Stunde nach dem allgemeinen Schulunterricht. Ein Kind, das von Anbeginn die Schule fleißig besucht, kann es bis zur vollendeten Schulpflichtigkeit bis zum Unterrichte in der Mischna und im Talmud bringen; denn. der genehmigte Lehrplan trägt dem systematischen Fortschreiten und den pädagogisch-didactischen Normen vollkommen Rechnung. Der Unterricht an der Anstalt ist unentgeltlich und nur braven, gesitteten Kindern ohne Unterschied zugänglich. Die Schule befindet sich vom Schuljahre 1894—95 an in der Jakobsgasie Nr. 4 neu, 1. Stock. Die Lehrzimmer cntsvrechen nunmehr allen hygienischen Anforderungen, sind gut eingerichtet und wurden sowohl von der löblichen Schulbehörde, als auch von der Sanitätscommission als geeignet für Schulzwecke erklärt. Die Schule untersteht der Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. N. Ehren selb und der löblichen k. k. Schulbehörde. Im Schuljahre 1893—94 wurde dieselbe vom k. k. Herrn Bezirksschulinspector, Professor E m a n u e l R e i n i s ch und vom Präses der löblichen Cultusgemeinde Herrn Dr. Arnold Rosenbacher inspicirt, und sprachen sich beide Herren recht lobend über Disciplin und Leistungen aus. Ganz besonderer Dank gebührt der löblichen Cultusgemeinde-Repräsentanz für die besondere Fürsorge und Opferwilligkeit, die sie der Schule angedeihen läßt. Zur Förderung des fleißigen Schulbesuches, des sittlichen Betragens und guten Fortganges bestehen nebst mehreren Stiftungen auch Geldprämien, welche am Schluffe des Schuljahres anläßlich der Zeugnißvertheilung an brave und fleißige Schüler vertheilt werden. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in sieben Knabenrmd in fünf Mädchenclassen 420 Kronen an Prämien vertheilt. Schüler der Talmud-Thora-Schule genießen auch besondere Berücksichtigung bei Schulstiftungen und bei den bestehenden Wohlthätigkeitsvereinen, wofür letzteren besonderer Dank und Anerkennung gebührt. Diese Vereine machen sich hierdurch zu wahren indirecten Förderern des Studiums unseres heiligen Schriftthums, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein unabweisliches Gebot der Nothwendigkeit ist. Die heutige Zeit braucht gesinnungstiichtige, überzeuguugstreue, für ihre angestammte Religion erglühte und charakterfeste Männer, die befähigt und im Stande sind, mit heroischer Begeisterung und mit den Waffen des Geistes für unsere: heiligsten Güter einzutreten und die falschen Anklagen unserer Gegner zu bekämpfen. Diese Charaktereigenschaft kann aber nur Derjenige erlangen, der in die Geschichte seines Volkes eingedrnngen, das hebräische Schriftthum i:’ d den ibm innewohnenden moralischen und ethischen Werth und Inhalt gründlich erfaßt und erlernt hat. Es ist daher eine Ehren- I pflicht eines jeden Einzelnen, ganz besonders der Eltern und Leiter

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