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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Oeflerrrktzifchr Wochensttzrifl Seite 775 freundliche Absicht der edlen Spenderill sich in Kürze verwirklichen lasse. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Schwierigkeiten, welche sich dem Unternehmen entgegenstellen, und die Kosten, welche seine Ausführung verursachen würde, vorerst noch allzngroß sind, und wird deshalb, zufolge der gütigen Erlaubniß der Frau Baronin, der obige Betrag für ähnliche Zwecke nach und nach zur Verwendung kommen dürfen. Leider müssen wir unseren Bericht mit einer traurigen Nachricht beschließen. Am 28. April d. I. verloren wir Herrn Arnold Merzbach dahier durch einen plötzlichen Tod. Mitgründer unseres Vereines, Mitglied des. geschäftsführenden Ausschusses von Anbeginn an, war der Verblichene der pflichteifrigste Verwalter, der liebenswürdigste College, der wärmste Freund aller Bedürftigen, der mitleidige Befürworter aller unsere Hilfe Nachsuchenden. Schwer werden wir seine Mitarbeit vermissen; sein Andenken aber wird bei uns und Allen, die ihn kannten, in Ehren bleiben und nie erlöschen. Frankfurt a. M., im Juni 1894. Der gstchäftsführende Ausschuß: Rabb. Dr. Hildesheimer in Berlin, Vorsitzender. Alfred Geiger in Frankfurt a. M., Schriftführer. GorreiigonclenLkn. E. B. Wien. (Der Taufsch ein.) Die Direction der Actien-Gesellschaft der Neugedeiner Schafwollwaaren-Fabrik schreibt für die Betriebs-Krankencasse ihres Etablissements die Stelle eines Krankencassen-Arztes aus, stellt jedoch unter Anderem auch die Bedingung, daß derselbe der christlichen Confessio n angehören müsse. Zu den Kunden der erwähnten Fabriks-Actien-Gesellschaft zählen in der größten Mehrzahl Juden, was ja der Direction zweifellos bekannt sein muß, daher die Provocation eine doppelt unverschämte ist. Hoffentlich wird der Berwaltungsrath, dessen Mitglieder sämmtlich liberaler Richtung sind, seiner Direction die Weisung zugehen lassen, bei der Competenz nur auf Befähigung und nicht auch auf die Confession des Bewerbers um die Fabriks-Arztensstelle Rücksicht zu nehmen. Wien. Bei Gelegenheit der Naturforscher-Versammlung in Wien hielt der Director des israelitischen Blindeninstituts Herr S. Heller einen Bortrag über psychische Taubheit im Kindesalter, in welchem er durch physiologische Darlegungen und durch Demonstrationen an Kindern nachwies, daß es einen Zustand gibt, der alle Merkmale der Taubstummheit zeigt und doch nur scheinbare Taubstummheit ist. und daß Kindern, die daran leiden, durch heilpädagogische Behandlung Gehör und Sprache wiedergegeben werden können. Geheimer Rath Professor Dr. Heubner constatirt, daß die angeführten Behauptungen durch seine Studien bestätigt werden und freut sich, daß er durch die demonstrirten Fälle von der Heilbarkeit des Nebels überzeugt worden ist; er ersucht den Vortragenden, sein Heilverfahren zu veröffentlichen, was dieser zusagt. Der Vortrag wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Brünn, 1. October. Bei dem gestern in Kremsier stattgefundenen czechischen Gewerbetage fand sich nebst mehreren czechischen Abgeordneten auch der Reichsrathsabgeordnete Mechaniker Schneider ans Wien als Delegirter von Wiener Genossenschaften ein. Er wurde aber nicht zum Worte zugelassen, weil sich die anwesenden politischen Persönlichkeiten entschieden dagegen aussprachen. Kolomea, 20. Sept. 1894. Drei Angeklagte, und zwar Anna und Georg Pisko zub, Mutter und Sohn, wohlhabende Leute und die Anna Woyankiewicz. eine Köchin von Profession, hatten sich bei der am 13. September l. I. beim hiesigen k. k. Kreisgerichte stattgefandenen Schlußverhandlung wegen eines Aufsehen erregenden Verbrechens des Diebstahles zu verantworten gehabt, bei der alle drei Angeklagten vom diesem Verbrechen freigesprochen wurden, nachdem die Geschwornen angenommen haben, daß die W o y a n k i e w i c z, die mit dem Verunglückten mitunter ein Lieüesverhältniß unterhielt, im guten Glauben gehandelt habe. Hingegen wurde die Anna Piskozub, da sie von dem gestohlenen Gute eine gewiffe Summe für sich heruntermanipulirt habe zu drei Monaten schweren Kerker verurtheilt. Der demselben zu Grunde liegende Thatbestand ist folgender: Johann Kro nholz, der Sohn eines sehr geschickten und hier in größter Achtung gestandenen Arztes, dessen Vermögen auf fl. 80.000 geschätzt wurde, stand seit vielen Jahren mit hiesigen Juden in regem Geschäftsverkehre, unterhielt in Gemeinschaft mit ihnen eine Gutspachtung und wohnte auch bei ihnen. Eines Tages faßte er jedoch den Entschluß, sich vom Geschäft zurückzuziehen und in Ruhe zu setzen, deshalb nahm er bei der genannten Familie Piskozub Logis und die Anna Woyankiewicz als Wirthschafterin auf, um eigene Haushaltung zu führen. Eines Morgens, als er in den im Hofraum seiner Wohnung sich befindlichen Anstandsort ging, befiel ihn unterwegs ein Unwohlsein, so daß er von Ohnmacht überwältigt zu Boden niederfiel. Anstatt bei dem Verunglückten Rettungsversuche anzustellen, hatten die Angeklagten nichts Eiligeres zu thun, als Alles, was im Hause an Kostbarkeiten, Antiquitäten, baarem Gelbe u. s. w. vorhanden war, in sicheren Hafen der Hauswirthe unterzubringen und den Verunglückten gleich einem verreckten Thiere an derselben Stelle, wo er ohnmächtig zusammenstürzte, liegen zu lassen. Erst einigen Freunden, die herbeigeeilt waren, war es Vorbehalten, die bereits erstarrte Leiche ins Zimmer zu nehmen und an ihn vergebliche Belebungsversuche vorzunehmen, gleichzeitig bemerkten sie, daß Alles im Hause ausgeplündert wurde, und veranlaßten eine gerichtliche Hausrevision bei den ihnen verdächtig vorgekommenen Hauswirthen vorzunehmen, die auch insoferne von Erfolg war, als man bei ihnen viele dem Verunglückten gehörige kostbare Sachen und einen Betrag von fl. 38.000 in Staatspapieren, die sie gut und sorgfältig verwahrten, gefunden hat. Nun fragen wir, wenn dieses Verbrechen in einem Judenhause sich abgespielt hätte, würde es nicht in allen antisemitischen Zeitungsblättern Schmähungen geregnet haben. Man hätte die Juden auch zweifellos sogar des Mordes beschuldigt und über das Thema der „jüdischen Herzlosigkeit" hätte ein Richter vom Schlage des Gerichtsadjuncten in Stanislau ein Langes und Breites zu sagen gewußt. Wenn wir aber dies hier hervorheben, so geschieht es deshalb, um auf das famose vöm Stanislau er k. k. Gerichtsadjuncten Herrn Piskozub gefällte, einen zwischen zwei Juden und zwei Christen aus einem Besitzstreite entstandenen Jnjurienproceß betreffende Straferkenntniß vom 29. Nov. v. I. und auf dessen Gründe hinzuweisen. Herr Gerichtsadjunct P. hatte die Bestrafung dieser zwei fraglichen Juden zum Anlaß genommen, um gegen das ganze Judenthum den Borwurf der Frechheit, Rafsinirtheit und Gefährlichkeit gegenüber Andersgläubige zu erheben, er hat nicht geahnt, daß in einer kurzen Spanne Zeit darauf in seiner Vaterstadt ein scheußliches Verbrechen ffch abspielen könnte, aus welchem für seine Person solche sehr unliebsame Consequenzen insoferne hätten gezogen werden können, wenn bei Beurtheilung dieses Delicts generaliter und zwar nach seinem gegebenen Beisviele vorgegangen werden sollte, da doch der genannte Herr Gerichtsadjunct mit der Haupttbeilnehmerin nicht nur glaubenssondern blutsverwandt ist. Demgemäß finden wir die Worte Bo ltaire's hier sehr passend: „Große Männer werden persiflirt, hingegen kleine persifliren sich mehr als dies Andere hätten thun können." Johann Marmoros ch. Lemberg, 30. September. Die Kaisertage sind verklungen. die Feste haben sich ausgelebt, die Fremden haben sich entfernt, die Ausstellung hat den Zenith überschritten und geht rasch ihrem Ende zu. Medaillen aus Bronze, Silber und Gold in niedlichen Etuis sind reichlich ausgetheilt worden und nur noch der Ordenregen ist ausgeblieben, dem sehnsüchtig entgegengeblickt wird. Viele Leute, die sich vor- und aufdrängten, harren ungeduldig der glückbringenden „Wiener Zeitung" mit den Ernennungen und Verleihungen und der Rückkehr des Statthalters. der dem Vernehmen nach zur Erstattung seiner Vorschläge nach Wien reiste. Einige unserer jüdischen Mitbürger sollen auch dieses Segens theilhaftig und zwei sogar nobilisirt werden. Welche Freude für Dr. Lueger und Consorten 5 Das neueröffnete jüdische Waisenhaus soll in der That auf den Kaiser und sein hohes Gefolge einen sehr günstigen Eindruck gemacht haben. Als Gegensatz zu den hiesigen freudigen Vorgängen,

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