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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 774 Veprrrrtchifche Wochenschrift 9«. 40 und seiner in der Schlacht gefallenen Söhne (I. Samuel XXXI, 12) war wohl nicht der Ausfluß einer bestehenden Sitte, sondern ein Act der Notwendigkeit. Was von den Nachrichten, welche beim Hillscheiden einiger Könige von einem „Brandmachen" (II. Chron. XVI, 14; XXI, 19; Jercm. XXXIV, 5) berichten, zu Hallen sei, ist ungewiß; im schlimmsten Falle haben wir darin den Rest einer heidnischen Sitte zu erblicken, aber eine eigentliche Leichenverbrennung hat gewiß nicht stattgefunden. Der Talmud, der sich über diese Sitte zu wiederholten Malen äußert, erblickt hierin keinen Verstoß gegen die Religion und keine Beziehung zum Heidenthum, ja, er bezeichnet sie sogar Als eine rein jüdische Einrichtung (siehe Thoseftha Sabbath VII, 18, b. Aboda sara 11 a, b. Sanhedrin 52 b, Samachoth Cap. VIll); auch erzählt der Talmud, der fromme Proselyt Onkelos (Akylas) habe beim Hinscheiden des Patriarchen Rabban Gamliel des Aelteren einen überaus kostspieligen „Brand" veranstaltet; spätere Autoren untersagen selbst diesen Brauch (vergl. lore vea § 349), der übrigens beim Tode von gemeinen Leuten nie vorgekommen ist. Eine regelrechte Abhandlung über die Leichenverbrennung, wie sie wohl angesichts der Herrschaft dieser Sitte in der griechisch-römischen Welt zu erwarten gewesen wäre, findet sich in der Traditionsliteratur nicht. Der Talmud und Midrasch scheinen überbaupt nur eine dunkle Ahnung davon zu haben, daß bei den Heiden des Alterthums ein Verbrennen der Leichen stattgefunden. So erzählt nämlich der Talmud (Gittin 55 b) von Ti tu s, dem Eroberer Jerusalems, daß er angeordnet habe, man möchte nach seinem Tode seinen Leichnam verbrennen und die Asche auf sieben Meere ausstreuen, damit „der Gott der Juden" ihn nicht finden und an ihm keine Rache nehmen könne. Der ganze Tenor dieser phantastischen agadischen Erzählung spricht dafür, daß man an dem Verbrennen der Leiche selbst keinen Anstoß nahm und man nur die Absicht, unauffindbar zu werden, als Gotteslästerung betrachtete. Die ganze Erzählung aber dürfte davon herrühren, daß den Juden die Leicheuverbrennung ziemlich unbekannt war und daß sie nun in einem vereinzelten Falle, wo dies dennoch geschehen, gleich eine gotteslästerliche Tendenz erblickten. Hat also das jüdische Schriftthum selbst in der Römerzeit keine Veranlassung, sich mit der Frage der Leichenverbrennung meritorisch zu befassen, so ist es nur natürlich, daß die Gesetzesbestimmungen der späteren Zeit, welche in christlichen und mohammedanischen Ländern entstanden sind, keinerlei Verfügung darüber enthalten. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Palästinensischer Hilssverem „Ikmaan Zion". Sechster Jahresbericht. Wiederum liegt ein Jahr angestrengten Mühens hinter uns, und wir treten vor unsere Mitglieder und Freunde, um zu berichten, was wir geleistet haben. Wie gerne hätten wir noch mehr zu Wege gebracht, wie vielen Unglücklichen hätten wir noch mehr helfen können, wenn uns nur die Theilnahme unserer wohlhabenden Glaubensgenossen in reicherem Masse zur Seite gestanden hätte. Allein mit Bedauern müssen wir darauf Hinweisen, daß unsere Einnahmen lange nicht mehr hinreichen, unsere Ausgaben zu decken, so sehr wir auch, der Noth gehorchen-, diese beschränkten. Die einzige Seite unserer Thätigkeit, die wir nicht beschränken durften und wollten, war die Hilfeleistung an arme Kranke in Jerusalem. Die Zahl der von unserem Arzte Herrn Dr. Feuchrwanger in den Sprechstunden behandelten Patienten stieg auf über 12.000, die Zahl der vom Arzte gemachten Krankenbesuche auf etwa 3000. Nur insofern trat eine Aenderung ein, als wir mit dem 1. April 1893 die kaufmännische Leitung unserer Apotheke in die Hand unseres Agenten Adelmann legten und deren Benutzung allen diplomirten Aerzten gegen Zahlung der Recepte freistellten. Durch diese Neuordnung -ist es uns gelungen, den Zuschuß des Vereines, der im Vorjahre circa 7000 Mk. betrug, auf circa 5000 Mk. zu reduciren, während zugleich der Werth der vorräthigen Arzneien (am 31. December 1893 1879 Mk.) um mehrere hundert Mark stieg. Den Gemeinden Tiberias und Hebron wandtew wir gleichfalls Beihilfen zur Honorirung ihrer Aerzte zu und verschafften dem Hospital in Jaffa vom Hilfscomite für die russischen Juden dahier eine Unterstützung von 1000 Mk. lieber die Fürsorge für die armen Erkrankten vergaßen wir jedoch nicht der in Noth befindlichen Handwerker und Gewerbetreibenden, deren Unterstützung unser Verein ja von vornherein auf seine Fahne geschrieben hatte. Wer sich nrit einem begründeten Gesuche an uns wandte, dem wurde, soweit es unsere Mittel erlaubten, Beistand gewährt So gaben wir an 41 Personen (Schreiner, Schneider, Schuster, Klempner, Graveure, Färber, Schmiede, Chirurgen, Ladenbcsitzer v. s. w.). zinslose Darlehen in Höhe von 3300 Frcs., und hatten die Genugthuuna, daß sich die Rückzahlungen auf 1710 Frcs. beliefen. Es zeigt sich bereits, daß unsere Bestrebungen nicht ganz erfolglos sind und daß das entwürdigende System der Bettelei doch schon in arbeitsfähigen ehrliebenden Kreisen I erusalems die verdiente Verachtung genießt. Ferner bewilligten wir eine Anzahl von Nähmaschinen gegen Ratenzahlungen, sowie Lehrgeld für 31 Knaben im Betrage von 1030 Frcs. Um den Schülern zu ermöglichen, sich später im Verkehr mit der Tagesbevölkerung ihren Lebensunterhalt zu erwerben, gewährten wir auch in diesem Jahre die Kosten des arabischen Unterrichtes in den Talmud-Thora- Schulen der S e p h a r d i m und Moghrabim in Jerusalem und der Gemeinde Hebron. Sechs, bereits längere Zeit zu ihrer Ausbildung in Europa sich aufhaltende junge Leute subventionirten wir mit zusammen circa 1000 Mk. Wir warnen aber bei Erwähnung dieser Thatsache aus's dringendste davor, daß, wie zu unserem Bedauern in letzter Zeit öfter vorgekomnien ist, Leute aus Palästina ihr Gesuch hier persönlich Vorbringen, statt ihre Wünsche schriftlich an uns oder Herrn Adel mann gelangen zu lassen, oder auf's Gerathewohl nach Deutschland kommen, in der Erwartung, hier weiter ausgebildet zu werden. Wir sind fest entschlossen, solchen Personen in Zukunft keine Unterstützung irgend welcher Art zuzuwenden. Baare Gaben wurden in Palästina nur in dringenden Nothfällen verabreicht, hingegen, wie im Vorjahre, Kohlen mit 10 Percent Verlust für den Verein an die Bedürftigen abgegeben. Ferner spendete das Hilfscomite für die russischen Juden auf unsere Befürwortung den armen Emigranten in Jaffa 1000 Francs, und weitere 300 Mark zur Beschaffung von Mazzoth. Leider ist, entgegen unserer im letzten Berichte ausgedrückten Hoffnung, das Edict, wodurch nichttürkischen Juden der Erwerb von Häusern und Ländereien in Palästina untersagt ist, noch nicht aufgehoben. In Folge dessen konnte auch unser Haus in Ramleh noch nicht auf uns überschriebcn werden. Ueber die Niederlassungen jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender, die wir zur Entlastung Jerusalems an genanntem Orte, sowie in Lud, Sch echem (Nablus) und Nazareth gegründet haben, gehen uns gute Nachrichten zu, doch können sie sich noch nicht selbst erhalten. Für den Unterhalt von Lehrern, Schächtern und rituellen Anstalten daselbst haben wir abermals über 3000 Frcs. ausgeben müssen. Sämmtlichen Mitgliedern und Spendern,' die uns in unseren Arbeiten unterstützt haben, sagen wir unseren wärmsten Dank, mit der Bitte, unseres Vereines doch recht oft zu gedenken. Einer der eifrigsten Sammler war auch im abgelaufenen Jahre unser Eomilemitglied Herr Bezirksrabbiner Dr. Salve n d i in Dürkheim; ihm sei unser specieller Dank gewidmet. Von Ihrer Hochwohlgeboren, Frau Freifrau Wilhelm Carl, von Rothschild dahier wurde uns auf Veranlassung des Herrn Henry A. Franklin in London Mitglied des Comites, die hochherzige Gabe von 3000 Mk. zur Verfügung gestellt, um in Jerusalem das Spitzenktöppeln als Erwerbszweig für Frauen und Mädchen einzuführen. Wir haben den Betrag getrennt gehalten und nicht unserer allgemeinen Casse 'zugeführt, in der Erwartung, daß die menschen-

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