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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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’Jtr. 40 Österreichische WochenschrtN Seite 773 „Amerikanisch-Jüdisch-Hist irischen Gesellschaft", auf Grund umfassender Studien in'seinem Werke »Ille Origin of republi- •can form of government in the United States« den Nachweis geliefert, daß die Gründer der Unabhängigkeit der Bereinigten Staaten die Bibel, d. h. die altjüdische Verfassung, zum Muster für ihre Verfassungsform genommen haben. Gewissermaßen im Anschluß an diese auch in's Französische^übersetzte Schrift hat jetzt Herr Straus als Ergebniß sorgfältiger Studien das Lebens- und Charakterbild Roger Williams', eines der frühesten Kämpfer für Glaubens« und Gemifsensfrelheit, des Gründers von Rhode-Jsland, in einem umfassenden Werke zum erstenmale dargestellt. (Roger Williams, The Pioneer of religions Libertys by Oscar S Straus. New-York, The Century Co. 1894 XIII, ^57 8.). Roger Williams, in Wales geboren, stüdirte auf Wunsch seines Gönners, des großen Rechtsgelehrten Eduard Cocke, unter dessen Führung die englischen Presbyterianer sich eine völlige Organisation gegeben hatten, zuerst-Jurisprudenz, widmete sich aber bald, seiner Neigung folgend, dem Studium der Theologie und wurde Caplan in einem kleinen Orte in Essex. Schon als junger Mann stand er auf der Seite der radikalen Puritaner, so daß er, von dem Primas von England, dem päpstlich gesinnten Bischof Land, verfolgt, mit mehreren Anderen sich entschloß, nach Amerika auszuw"ndern. Aber auch hier gerieth er mit den weltlichen und geistlichen Behörden bald in Conflict; sein ganzes Leben war ein fortwährender Kampf für sein Princip, für die Freiheit des Glaubens und des Gewissens. Unerschütterlich treu seinem Princip, wurde er auch ein Anwalt der Juden. Er übte, was bisher nicht erkannt wurde, directen Einfluß auf die Freiheit, welche ihnen in England eingeräumt wurde, ebensowohl wie auf die freie Stellung, welche sie sehr früh in Amerika genossen. Mit Hugh Peters, dem Secretär Cromwell's, der schon im Jahre 1648 für den Wiedereintritt der Juden in England seine Stimme erhob, mit Thomas Godwin und Philipp Nye, welche Mitglieder der Commission waren, der die vonMenasse ben Israel dem Protektor Cromwell überreichte Petition zur Begutachtung überwiesen worden, mit dem Dichter John Milton, der in seiner „Areopagitica" mit zündender Begeisterung die Freiheit, die Mutter aller Gedanken, sowie die Wahrheit als die höchsten Güter der Erde pries, und mit anderen Independenten, welche Gleichheit in allen staatlichen und religiösen Angelegenheiten anstrebten, war er innig befreundet. Und als sich Roger Williams später im Jastre 1653 in England aufhielt, um die Anerkennung der von ihm gegründeten Colonie zu erlangen, reichte er der Commission, in der Crom well den Vorsitz führte, im Verein mit mehreren Gesinnungsgenossen eine Petition ein, in welcher er völlige Toleranz forderte und in der es u. A. heißt: „ob es nicht die Pflicht der Obrigkeit wäre, den Inden zu gestatten, frei und friedlich unter uns zu leben." Zugleich erhob er für den .Wiedereintritt der Juden in England seine Stimme. „Ich erachte es für Pflicht der Obrigkeit", heißt es in einem jener Petition beigelegten Memorial, „niederzureißen jene abergläubische und gewissensängstliche Scheidewand zwischen uns und den Inden und ihnen das freie und friedliche Wohnen unter uns zu gestatten. Wie andere Nationen hat besonders unsere Nation sammt ihren Königen allen Grund zu fürchten, daß die unchristlichen Bedrückungen nnd Grausamkeiten, welche unsere Nation gegen die Juden so lange geübt hat, gegen Himmel schreien gegen unsere Nation, ihre Königs und Regenten. Welch' schreckliche Bedrückungen und schreckliches Blutvergießen haben die Juden von den Königer und Völkerschaften Englands erduldet unter den Regierungen Heinrichs II., Königs Johann, Richards I. und Eduards I. Nicht allein wir, auch diese Juden haben die Greuelthaten in ihren Chroniken verzeichnet." Noch bevor Menasse ben Israel in London eintraf und die Judenfrage zur Verhandlung gelangte, trat Roger Wiliams, nachdem er die Anerkennung der von ihm gegründeten Colonie erlangt hatte, die Rückreise nach Amerika an. Rhode- Jsland wurde die Zufluchtsstätte aller Verfolgten; ohne Unterschied des Glaubens und des Bekenntnisses konnte Jeder, welchem Lande und welcher Nation immer er angehörte, an allen Orten der Colonie sich niederlassen; alle Bewohner sollten im Genüsse gleicher Rechte sein. Drei Monate nach seiner Rückkehr wurde Roger Williams zum Präsidenten der vereinigten Colonie gewählt und einige Jahre später ließen sich die ersten Juden in Newport nieder. Sie waren aus Amsterdam nach Neu-Amsterdam, dem h'utigen New-Z)ork, gekommen, das sie aber in Folge der Beschränkungen seitens des damaligen holländischen Gouverneurs Stuyvensant bald wieder verließen und mit dem freien Newport vertauschten. In Newport bildete sich die erste jüdische Gemeinde Amerikas. „Allg. Ztg. d. Jud." Zur Frage der Lrichenverbrennung. Anläßlich des jüngst in Budapest abgehaltenen Congresses des Verbandes oer Leichenverbrenner deutscher Zunge brachte das belletristi che ungarische Wochenblatt „Magyar Geninsz (Jahrg. III., Nr. 37) unter dem Titel: „Die Vergangenheit der Leichenverbrennun^" einen Aufsatz von Dr. Adolf Krön selb, in welchem es unter Anderem heißt, das altehrwürdige Buch der Juden, der Midrasch, enthalte ebenfalls eine Reminiscenz der Leichenverbrennung, insoferne darin ein Passus enthalten sei, wonach die Asche Isaaks, obzwar die eigentliche Opferhandlung nicht stattgefunden, dennoch als in einer Urne aufbewahlt angesehen wird. Ich gestehe, daß mich diese Behauptung nicht wenig überraschte. Das wäre ja die Leichenverbrennung in aller Form! Dabei wurmte es mich auch, daß mir, dem Theologen von Fach, dieser interessante Zug ans dem Leben meines Volkes bis dahin unbekannt geblieben. Ich war deshalb sogleich entschlossen, der Sache nach Thunlichkeit nachzugehen, und ich erlaube mir nun, das Ergebniß meiner kleinen Umschau hiemit vor die Öffentlichkeit zu bringen. Die Opferung Isaaks, erzählt im 22. Capitel des ersten pentateuchischen Buches, wird in dem Midraschwerke Bereschith Rabbah cap. 56, besonders Absatz 9, weitläufig commentirt: kein Wort von der Asche Isaaks! Ebensowenig ist ein Wort darüber zu finden in den secundären Midraschwerken, also nicht im Tanchuma, nicht im Jalkut. Dagegen findet sich in einer ziemlich entlegenen Stelle, in Bamidbar Rabbah Cap. 17, Absatz 2, folgender Passus: „als ob die Asche Isaaks aufgehäuft (zabur) läge auf dem Altäre". Jeder schlichte Jude weiß, was dieser Passus bedeutet: Isaak selbst wurde nicht geopfert, wohl aber ein Widder, der sich eben zur Stelle befand; diese Opferung hatte den Charakter eines Ganzopfers, welches bekanntlich ganz in Feuer aufging und nur ein Häuflein Asche blieb davon auf dem Altäre. Die Gemeinde Israels betet nun — dies besagt jene Midraschstelle — die symbolische Opferung Isaaks möge als eine factische angesehen werden und unter Anderem möchte es auch Gott gefallen, die Asche des ihm dargebrachten Widders für diejenige des Isaak anzuseben Von einer Leichenverbrennung oder gar von dem Aufbewahren der Asche in einer Urne ist also gar keine Rede. Seit jeher besteht in den jüdischen Gemeinden der fromme Brauch, auf die Opferung Isaaks, als eine überaus verdienstvolle Handlung, im Gebete besonders hinzuweisen. Dies geschieht besonders feierlich am Neujahrstage, dessen Mussafgebet einen besonderen Segensspruch in diesem Sinne enthält; auch die Bußgebete (Selichoth) gedenken jener Opferhandlung zu wiederholten Malen und diejenigen Erzeugnisse der fynagogalen Poesie, welche diese Opferhandlung zum Gegenstände haben, werden sogar mit einem besonderen Namen — Akedah — bezeichnet. Obzwar nun in diesen Stücken jene Opferhandlung in poetischer Freiheit nach allen Richtungen ausgeschmückt und ausgemalt wird, so ist von der Aufbewahrung der Asche dennoch in keiner einzigen Dichtung die Rede, und auch die Asche überhaupt, fast mit den nämlichen Ausdrücken wie im oben angeführten Midrasch, wird nur in drei, L-tücken erwähnt, nämlich in der Akedah für den fünften Bußetag. in der für den Morgen und in der für den Mittag des Versöhnungstages (nach deutsch-polnischem Ritus). Dieser Nachweis hindert uns übrigens, da es sich blos um einen geschichtlichen lieberblick handelt, durchaus nicht, zuzugestehen, daß die Leichenverbrennung auch den alten Juden bekannt war. Wir verweisen zunächst auf die merkwürdige Stelle in Amos VI, 10, aus welcher erhellt, daß bei massenhaften Sterbefällen statt Beerdigung das einfachere Mittel des Verbrennens im Brauche war, mit der Beschränkung jedoch, daß die Gebeine auch in diesem Falle der Erde übergeben wurden; und in der That wird diese Methode der Bestattung auch in unseren Tagen eben im Hinblicke auf Epideniien warm empfohlen. Dagegen wird von demselben Amos (II, 9) das von feindlicher Seite verübte Verbrennen der Gebeine der Könige Edoms als eine gottlose That gerügt. Auch das Verbrennen der Leiche Sauls

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