Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021048--03904-3028064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sekte 768 Vrllerretchychr WochenschrM Nr. 40 Es ist Unwahr, daß meine Clienten jemals oder vor zwei Jahren aus Drohobycz „auf und davon sind". Es ist unwahr daß David Münzer keinen Beruf hatte, daß er das Erbe seines armen Großvaters Isaak Münzer angetreten hat. Es ist unwahr, daß Isaak Münzer ein alter Trödler War; wahr ist vielmehr, daß der genannte Großvater Isaak Münzer Besitzer von Erdwachsgruben in Boryslaw gewesen ist. Unwahr ist, daß David Münzer keinen Beruf hatte, wahr ist im Geaentheile, daß David Münzer in der Zeit von 1880 bis 1885 die juridische Facultät an der Universität zu Wien besuchte und dann nach Ablegung seiner Staatsprüfungen in der Kanzlei des Advocaten Dr. Ludwig Poplawsky in Drohobycz die Praxis ausgeübt hat. Es ist unwahr, daß die gedachten drei Brüder mit Sensen von Dorf zu Dorf hausirten. Es ist unwahr, daß David Münzer von dem k. k. Bezirksgerichte in Drohobycz, Z. 8340 ex 1893 oder überhaupt jemals als contractbrüchig erklärt wurde. Richtig ist vielmehr, daß unter der gedachten Zahl eine Realität in der Executionssache des Briefschreibers Alexander Schorr wider den Vater meiner Clienten Herren Maier Münzer von Israel Haimburg erstanden, von diesem an Maier Falk und von letzterem an David Münzer gegen Entrichtung des vollen Kaufschillings veräußert wurde. Was den gegnerischen, meinen Clienten vorgebrachten Vorwurf betrifft, daß sich dieselben als reiche Doctoren ausgeben, so muß der Wahrheit gemäß festgestellt werden, daß Elieser Münzer an der Wiener Universität zum Doctor der Rechte promovirt wurde und daß, wie bemerkt, mein Client David Münzer jedenfalls dieselbe absolvirt, die Staatsprüfung und zwei Rigorosen abgelegt hat und demnächst nach Ablegung auch der dritten strengen Prüfung die Doctorwürde erhalten wird. Die von mir vertretene Firma Münzer & Comp, betreibt Handelsgeschäfte, kauft nur gegen Cassa, gewährt den mit ihr arbeitenden Stahlwerken und Sensenfabriken Vorschüsse bis zu 100.000 Gulden und kauft überhaupt nicht auf Credit. Das von der Firma Münzer & Comp, ein geführte Sensenwerk steht als Marke erster Qualität im hohen Ansehen, worüber zahlreiche Dankbriefe und Ehrendiplome, die sich in den Händen der von mir vertretenen Firma befinden, Zeugniß abgeben können. Hochachtungsvoll Dr. Friedrich Elbogen. David Münzer und Elieser Münzer — Münzer und Comp. — berichtigen, daß sie keine Antisemiten sind! „Die Möglichkeit des antisemitischen Bekenntnisses ist ihnen leider bei der Geburt grausam abgeschnitten worden", würde Dr. Elbogen sagen, wenn die Münzerbrüder nicht seine Clienten wären. Aber uns, wie Niemanden in der Velt, wird es beifallen, dem Münzerpaare, welches mit jedem einzeln gesprochenen Worte Abstammung und Landsmannschaft verräth, Antisemitismus zuzumuthen. Was wir ihnen vorwarfen und was die Berichtigung aus der Welt zu schaffen nicht vermag, ist die Thatsache, daß sie — die galizischen Juden — auf die Instinkte des Antisemitismus speculirend, den Antisemitismus in niedrigem Concurrenzkampf zu verwerthen suchen. Vor Monaten haben wir unseren Lesern die wortgetreue Uebersetzung eines antisemitischen Circulares in czechischer Sprache, wie es in unzähligen Exemplaren auf dem Lande verbreitet worden, geboten. Styl und Tendenz sind ungemein bezeichnend. „Hütet Euch vor Betrug . . Ein jüdischer Senseusabrikaut in Galizien hat sich heuer besonnen, sogenannte magnetisirte Sensen zu verkaufen. Unter diesem Namen verkauft er gewöhnliche, einen Finger schmale Sensen aus Blech (aus weichem Eisen), welche er in der Fabrik um den Preis von zwei Kreuzern nur oberflächlich magnetisirt. — Jeder, der nur etwas gelernt hat, weiß, daß weiches Eisen in Berührung mit einem Magneten die Eigenschaften desselben annimmt und dies desto mehr, je weicher das Eisen ist, dagegen nimmt hartes Eisen nur sehr schwer die Eigenschaften eines Magneten an, wenn man daher eine Sense magnetisiren will, muß erst die Härte entfernt werden und dadurch wird die Sense unbrauchbar sür's Mähen. Dieses Vorgehen ist eine gemeine jüdische Durchtriebenheit um leichtgläubige Bauern zu betrügen, umsomehr, wenn man behauptet, daß Stahl magnetisirt werden kann und daß das Magnetisiren dis Schärfe der Sense erhöht. Wir wenden uns daher an alle Pfarrer, Lehrer und überhaupt an alle gescheidtenLeute, die mit unseren Landleuten in Berührung kommen, mit der Bitte, diese vor einem Betrüge zu schützen und sie zu belehren, daß es gefährlich sei, bei schlechtem Wetter in seinem Hause eine magnetisirte Sense zu halten, denn in Folge der magnetischen Kraft besitzt sie die Eigenschaft, die Blitze anzuziehen und dadurch kann dem ganzen Dorfe geschadet werden. In anderen Ländern ist der Handel mit magnetisirten Sensen verboten und die Versicherungsanstalten im Fall daß ein Blitz jenem Hause Schaden bringt, in welchen sich eine magnetisirte Sense befindet, weigern sich, jene Summe zu zahlen, auf welche das Haus versichert war. SPF“ Ueberdies sind solche Sensen einen Finger schmal und entsprechen nicht der gewöhnlichen Form. -WW In Wien. Mit Achtung Münzer und Comp. Dieses Circular in czechischer Sprache wurde uns im Originale von einem unserer Leser aus Böhmen zugesendet. Galizische Juden mit „unverfälschter Mundart", welche derart bodenlos niederträchtige Pasquille fabriciren und colportiren, sind im öffentlichen Urtheil von Jud und Christ gerichtet und sollten trachten, von der Bildfläche so rasch als möglich zu verduften. Das Geld, welches mit Hilfe solcher Bauernfängerei „erworben" wird, ist — erschwindelt! J.r den „Mttheilnnxen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus“ in Berlin war in drei aufeinanderfolgenden Nummern folgender Steckbrief gleichlautend abgedruckt worden. „In Köln besteht eine Fabrik unter der Firma: „Rheinisches Sensen- Versandthaus, A. Würtenb er g L Co." „Gegen diese Firma, deren Inhaber als rechtliche ' Leute gelten, werden gegenwärtig Circulare mit dem gemeinsten antisemitischen Inhalt versandt. „Unter Anderem Folgendes: „Besonders warnen wirvorjenem galizischen Schwindler, welcher schlauer Weise nach Deutschland ausgewandert ist, wo er seinen patriarchischen Namen hinter der urdeutsch und patriotisch klingenden Firma: „Rheinisches Sensen-Versandthaus" verbirgt und gegen ausländische Sensenfabriken mit Warnungen auftritt, um dadurch von sich selbst jeden Verdacht abzulenken. „Zudem beschäftigt sich dieser galizische Lump das ganze Jahr mit dem Verkauf von Zahnstochern und Spielpuppen in seinem zehn Pfennig-Bazar u. s. w." „Gegen eine andere Firma lauten die Circulare: „Den Ruhm unserer Karpathensensen bestreben sich in diesem Jahr zwei „Talmudjuden" in Tarnopol (Galizien), der ein? gewesener Kellner, der andere ein Talmudlehrer in einer jüdischen Schule, Beide ohne Vermögen und Fachkenntnisse, auf eine betrügerische Art für sich auszunützen. „Einer von Ihnen macht jetzt Versuche, um in Verbindung mit andern galizischen Juden unter fremder Firma in K o l o m e a neuerlich das Glück am Sensenhandel zu erproben." „Diese Circulare sind aber nicht nur in über 150.000 Exemplaren unter das deutsche und polnische Landvolk verbreitet worden, sondern wurden auch von dem Verfasser an die antisemitische Buchhandlung in Köln gesandt, welche dasselbe an ihrem Schaufenster angeklebt hat. „Wir haben uns die Mühe gegeben, die Urheber dieser schändlichen Machwerke zu ermitteln, um deren Bestrafung herbeizuführen, und waren nicht wenig erstaunt, zu erfahren, daß dieselben die Herren Elieser und David Münzer ans Drohobycz in Galizien sind, deren Namenszugehörigkeit leider keinem Zweifel unterliegen dürfte, und die also mit den Haß schüren, der gegen die eigene Existenz gerichtet ist! „Die Firma, welche in dieser Weise Geschäfts-Antisemitismus treibt, ist die in Wien und Paris bestehende Sensenhandlung Münzer L Co. „Das Benehmen dieser jüdischen Firma mit dem richtigen Wort zu bezeichnen, ist wohl überflüssig." Diese wiederholten Steckbriefe im Organe des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin" zählen vielleicht auch zu den zahlreichen Diplomen und Anerkennungsschreiben, deren sich die edlen Brüder Münzer rühmen. Galizische Juden, welche solche freche und schamlose Pasquille fabriciren und verbreiten, sollte man mit Ruthen aus der jüdischen Gemeinschaft hinauspeitschen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.