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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 766 Veprrreichifrtze Wochenschrtst Nr. 40 nung bis zu der letzten Entscheidung festbalten. Indem Momente aber, als wir uns durch die Entschließung der „liberalen" Abgeordneten gegenüber der wirthschaftlich reactionären Gesetzgebung in dieser Hoffnung endgiltig getäuscht sehen und uns auf unsere Bertheidigung einrichten müssen,-wird dann auch die unerbittlicheNothwendigkeitgekommensein.PlanundZiel, Tactikund Strategikfür eine solche zu entwickeln. Bis zu diesem nicht allzulangen Zeitpunkte wollen wir uns richten nach jenem klassischen Tagesbefehl C r o m w e l l's an seine Armee: „Ihr Heiligen des Herrn, vertraut auf Gott und haltet Euer Pulver trocken"! Dir Juden in der österreichischen Strafrechtspflege. Das soeben ausgegebene dritte Heft des 39. Bandes der „Oesterreichischen Statistik" bringt darüber folgende Zahlen, wobei zu bemerken ist, daß die ersten zwei Rubriken die amtlichen Ziffern sind, die beiden folgenden auf Grund derselben ausgerechnet wurden: Verbrecher Procentsatz der Zahl der Sollzahl der überhaupt jüd. Verbrecher jüd. Berbr. jüd. Verbrecher 1881 33469 4, 1406 1606 1662 32092 4£ 1316 1540 1683 30359 4 1214 1884 30592 4x 1255 1457 1685 30865 4 1235 1469 1886 29706 4, 1248 1425 1887 28745 4, 1207 1360 1888 28112 3g 1096 1350 1889 28516 3g 991 1374 1890 29090 3g 1069 1392 Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs beträgt 48/10 Percent der Gesammtbevölkerung. Wir sehen also nicht nur, schreibt Herr W. Bambus in der „Jüd. Pr.", daß die Zahl der jüdischen Verbrecher immer um mehrere Hundert hinter der Zahl zurückbleibt, welche ihr nach dem Percentsatz der Bevölkerung zukäme, wir finden auch einen starken Rückgang der absoluten Zahl der jüdischen Verbrechen, der den allgemein beobachteten weit übertrifft, und daher ein starkes Sinken des Percentsatzes der jüdischen Verbrechen. Wie unseren Lesern bekannt ist, gehen auch in Deutschland die Percentsätze der üdischen Verbrechen in derselben Zeit stark zurück. Diese interessante Analogie läßt sich indeß noch weiter jverfolgen. Bekanntlich sind die Juden in Deutschland nur an denjenigen Vergehen stärker als mit dem Percentsatz der Bevölkerung betheiligt, welche vorzugsweise von den Angehörigen des Handelsgewerbes begangen werden. Dasselbe ist in Oesterreich der Fall. Die Juden stehen nach der Statistik von 1890 außerordentlich günstig in den verschiedenen Verbrechen wie Mord, Todtschlag rc., in den schweren Sittlichkeitsvergehen (17 statt 45), in schwerer körperlicher Beschädigung (47 statt 214), Diebstahl (432 statt 685), dagegen ungünstig in Betrug 369 statt 123 Verleumdung 15 „ 7 Veruntreuung 53 „ 27 Bankerott 197 „ 73 Beleidigung der Religionen 24 „ 8 Hervorzuheben ist ferner, daß die Verbrechen und Verin denen die Juden den Percentsatz übersteigen, diejenigen sind, welche mit den niedrigsten Strafen belegt sind, während sie in allen schweren Verbrechen weit hinter dem Percentsatz Zurückbleiben. Leider ist die Benennung der einzelnen Vergehen und Verbrechen in Deutschland und Oesterreich zu verschieden, als daß sich der Vergleich noch in den weiteren Details verfolgen ließe, doch steht als beiden Staaten gemeinsam fest: 1. Der Percentsatz der überhaupt wegen Verbrechens bestraften Juden bleibt unter dem Satze, der ihnen nach ihrer Seelenzahl zufallen würde; 2. der Percentsatz der jüdischen Vergehen ist in dem Jahrzehnt 1880/90 in ständigem Rückgang; 3. unter den einzelnen Arten der Verbrechen überwiegen die Juden nur bei den vorwiegend von Kaufleuten begangenen Delicten, stehen dagegen sehr günstig bei allen schweren Vergehen gegen das Leben, bei Diebstahl, Hehlerei und den schweren Sitilichkeitsv ergehen; 4. die von Juden stärker als dem Percentsatz entsprechend begangenen Verbrechen resp. Vergehen sind die vorwiegend mit Geld- oder ganz leichten Gefängniß-Strasen belegten Delicte. Die Juden stehen also günstiger als die Christen sowohl nach der Zahl, als nach der Schwere der begangenen Delicte, und zwar in Oesterreich wie in Deutschland. II. Es lohnt sich, innerhalb der österreichischen Criminalität einen Blick auf die jüdische Bevölkerung Galiziens zu werfen. Dem allgemeinen Vorurtheil zufolge sollte man annehmen, daß die galizischen Juden in moralischer Beziehung weit unter ihren Glaubensgenossen im übrigen Oesterreich stünden. Dem ist durchaus nicht so, wie die folgenden Zeilen lehren: Es wurden begangen Verbrechen überhaupt 1889 1890 in Galizien 7102 7334 von Juden „ ' „ 656 718 DadieJuden 11'68 PercentderBevölkerung Galiziens bilden*), so hätten entfallen müssen auf sie 829 856 Die galizischen Juden stehen also in ihrer Moralität weit günstiger, als die christliche Bevölkerung Galiziens, wie sich dies in den Ziffern der Criminalstatiftik ausdrückt. Aber sie stehen auch nicht schlechter, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt. Von 1,141.000 Juden in Oesterreich sind 772.213 in Galizien, d. h. 67% Percent. Im Ganzen wurden begangen von Juden in Oesterreich . . es kämen auf die galiz. Juden es wurden von Juden in Galizien in Wirklichkeit begangen 1689 1890 991 1060 Verbrechen 671 721 „ 656 718 Man sieht also auch hierbei eine allerdings ganz unwesentliche Differenz zu Gunsten der galizischen Juden und man muß sagen, daß diese nicht besser, aber gewiß auch nicht schlechter sind, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt, daß sie aber weit höher stehen, als die christlichen Bewohner Galiziens. Die russischen Juden in London. Wir lesen in der „Posener Zeitung": Sehr merkwürdige Aufschlüsse über die Colonie der aus Rußland vertriebenen Juden in der Hauptstadt gewährt ein amtlicher Bericht, vom britischen Handelsamt auf Verlangetr des Parlaments erstattet. Der Bericht ist veranlaßt worden durch die torystische Agitation gegen die Zunahme der Einwanderung fremder Arbeitskräfte, von der die englischen Lohnarbeiter allerdings bedrückt werden. Die werthvollen statistischen Ergebnisse der amtlichen Untersuchung erhalten eine Ergänzung durch die Commentare, die ein Glaubensgenosse der dort geschilderten Menschenclasse, ein Herr M. Beer, in der „Neuen Zeit" aus eigener Anschauung der Verhältnisse veröffentlicht. Die Thatsachen sind auch für deutsche Leser von Interesse, weil die wirthschaftlichen Zustände, unter *denen diese Auswandererleben, bereits anfangen, auf unsere eigenen Wirthschaftsverhältnisse zurückzuwirken. In den Ostdistricten Londons zählte im Jahre 1891 die aus Rußland und Polen stammende jüdische Bevölkerung 23.666 Köpfe.' Nach den Ermittelungen B e e r 's ist jedoch diese *) Galizien hatte i. I. 1690 unter 6,560.920 Seelen überhaupt 772.213 Juden.

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