Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021047--03895-3028054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

mm BÄ. Aüt *j.:t_.,A- •. Nr. 39 Oestrrreichifche Wochenschrift Seite 759 Theodor Rausnitz für 20, und Herr Ludwig Lacke ubacher für 10 Dienstjahre. Ybbs <r. D. Herr Rabbiner Adolf Löwy wurde znm Bezirksarmeurath gewählt. Prehburg. (Trauungsfeier.) Die Trauunganmuthigen Tochter des Rabbiners von Rosen b erg Emanuel Elsaß, Fräul. Fanny Elsaß mit dem Grazer Weingroßhändler Herrn Heinrich Wechsler fand am 18. d. M. in Preßburg unter Betheiligung der Vorstände sowohl der Preßburger wie Rosenberger Gemeinde, sowie des Herrn Dr. David, den redegewandten Prediger, wie eines großen Kreises von Verwandten und Freunden statt. Die schwungvolle Trauungsrede des Bruders der Braut, Herrn Dr. Elsaß, Prediger von L a n d sb er g a. d. Warthe, machte großen Eindruck, wie die von Geist und Schwung getragenen Reden des Predigers Dr. David, Professor Ed. Nascher u. A. Der grausame Schnellzug, der um sieben Uhr das Brautpaar entführte, bereitete dem schönen Fest ein jähes Ende. Markwaretz, Bezirk Datschitz. Am 9. d. M. verschied hier ein frommer Greis im 83. Lebensjahre, Herr Moses Freund, der sich vermöge seiner Frömmigkeit, feines edlen Charakters allgemeiner Sympathien erfreute. Der Heimgegangene war in der rabb. Literatur heimisch und wirkte in unserer Cultusgemeinde etliche 30 Jahre als Vorsteher, in der er durch seine besondere Wohlthätigkeit sowohl gegen Juden als Nichtjuden sich auszeichnete, trotz feiner früheren beschränkten Mittel. Er war auch der Begründer unserer Beerdigungsbruderfchaft. Ein aufrichtig frommer Jude ist mit ihm zu Grabe getragen worden. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer besonders imposanten Leichenfeier. Alle Insassen von Nah und Fern, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubensbekenntnisses, betheiligten sich an derselben; selbst ein k. k. Militärhauptmann, der Sohn des Herrn Oberlehrers I. Christian, der auf Urlaub bei seinen Eltern in B ö h m.-R udoletz weilt, gab unserem Freund das Ehrengeleite bis zur Ruhestätte. Der Verblichene wurde vom Trauerhause in den Tempel getragen, wo die Herren Lehrer und Cantoren aus Datschitz und Zlabings im Vereine mit unserem Cantor Herrn Bene sch die Trauergesänge andächtig und ergreifend vortrugen. Im Tempel auf der Kanzel hielt Se. Ehrwürden unser sehr geehrter Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Frank aus Piesling einen gediegenen Nekrolog. Auf dem Friedhofe hielt unser obgenannter Cantor Herr Benesch, der durch volle 40 Jahre mit dem Verblichenen in freundschaftlichem Verkehre stand, in einfachen Worten einen Vortrag mit Schilderung der Biographie des Dahingeschiedenen. Seinen Sarg umstanden trauernd seine 4 braven Söhne und eine Tochter, die sännntlich eine angesehene Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft einnehmen. Zugleich erstatten die trauernden Kinder auf diesem Wege, sowie auch unsere Gemeinde Allen, die unserem geehrten Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleite gaben, den innigsten Dank. Aloezow, 18. September. Am 14. d. M. Abends veranstaltete unser Verein „Degel-Jeschurun" einen Vortrags-Abend. Nachdem Herr M. A. Neiger, als Delegirter des Vereines, von der II. Conferenz der Jüdisch-Nationalen in Lemberg, Bericht erstattete, betrat Herr Joachim Neiger die Tribüne, und forderte auf, ermuthigt durch die bisherigen Erfolge, unermüdlich weiter zu arbeiten. Die Rede, die mit einem Hoch auf unfern erlauchten Kaiser Franz Josef I. endete, fand reichlichen Beifall und Händeklatschen. Zuletzt sprach noch Herr I. Schwadron und wies auf die Nützlichkeit und Nothwendigkeit des Zusammenhaltens der Bekenner aller religiösen Richtungen hin, da wir nur dann einen Widerstand gegen die zahlreichen Angriffe leisten können. Kirnpolung (Bukow.), 25. September 1894. Herr Salomon Mittelmann und seine Gattin spendeten der hiesigen Synagoge eineSepher-Thora, welche sie eigens anfertigen ließen. Aus diesem Anlasse fand Samstag Abends ein Fest statt, an welchem sich die gesammte hiesige jüdische Gemeinde und die Verwandten des Spenders aus Jassy, Czernowitz und Gurahumora betheiligten. Feuilleton. „Im Hinterhaus." Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Schluß.) Nachdruck verboten. Ungefähr eine Viertelstunde vom Dorfe entfernt, befand sich ein altes, baufälliges Gebäude, das mit seinen verfallenen Mauern und schadhaften Ziegeln nunmehr einer Ruine glich, und allgemein der „Schüttboden" genannt wurde. Hinter demselben befand sich ein kleines, aber dichtes Tannenwäldchen, welches sich weit bis zur vorübergehenden Landstraße hinzog, die zum Dorfe führte. Ursprünglich diente dieses Gebäude den Dorfbewohnern zur Aufbewahrung von Getreidevorräthen für eventuelle Mißernten oder Hungersnoth. Später, als man von dieser Einrichtung abkam, wurde dasselbe, da man es zu einem anderen Zwecke nicht verwenden konnte, vernachlässigt und ging immer mehr seinem Verfalle entgegen. Unter den abergläubischen Ortsbewohnern hatte sich nach und nach die Sage gebildet, daß es im „Schüttboden" spuke. Jeder wollte bei Nacht dort etwas Anderes wahrgenommen haben, und so wagte sich im Dunkeln keiner in die Nähe desselben. Hier glaubten die Liebenden ein verschwiegenes Asyl gefunden zu haben. Eines Abends, als die Dunkelheit bereits eingetreten war und die jungen Leute im Wäldchen wie gewöhnlich promenirend miteinander sprachen, gewahrten sie in ihrem Eifer nicht, wie ein Mann seit einer geraumen Weile hinter einen Baum stand und mit flammenden Blicken ihr Gespräch zu verfolgen schien. Es war dies der Gutsherr, der, von einem benachbarten Dorfe spät heimkehrend, den Steg durch den Wald benützte, um früher ins Dorf zu gelangen, und so unwillkürlich Zeuge ihres Gespräches wurde. Die augenscheinliche Aufregung aber, in der sich die Beiden befanden, das eifrige Zwiegespräch derselben, belehrte ihn, daß das Zusammentreffen dieser jungen Leute kein zufälliges war und daß dasselbe hier nicht zum ersten Male geschah. Plötzlich stieg der Vollmond auf und Gietele gewahrte zu ihrem Schrecken ihren Vater und stieß einen leisen Schrei hervor, aber schon stand Rosenheim vor ihnen. Er war todtenbleich und starrte die Beiden lange an. ohne indessen ein Wort Hervorbringen zu können. Ein Zug schwerer Enttäuschung und unsäglicher Kränkung spiegelte sich in seinem Gesichte und das heftige Wogen seiner Brust verrieth seine tiefe Erregung. Gietele faltete flehend die Hände und ließ sich aus die Knie nieder vor ihrem ergrimmten Vater, indessen der Graf mit fahlem Gesichte wortlos dastand. Rosenheim erhob drohend seine Hand, und indem er mit derselben gegen die Richtung zum Schlosse zeigte, schrie er mit bebender Stimme Gietele an: „Geh' heim, Du gottvergessene Tochter, ich werde Dich schon Zucht lehren!" Einen flehenden Blick auf ihren Vater richtend, erhob sich das unglückliche Mädchen, zitternd am ganzen Leibe und ging. Sie wagte dem furchtbar erzürnten Vater nicht zu widersprechen. . Hierauf wendete sich der Gutsherr au den noch immer stumm stehenden jungen Mann und sprach: „Sie haben mein Vertrauen schmählich mißbraucht, indem Sie sich in mein Haus schlichen, um das Herz meiner Tochter zu stehlen. Weiß Gott, ich habe Sie, wie einen Sohn geliebt. Nun aber dürften Sie eingesehen haben, daß Sie auf meinem Gute nichts mehr zu suchen haben." , _ Während Rosenheim dieses sprach, erwachte endlich Herr v. Bokovski aus seiner Betäubung, in der er sich bis dahin befunden hatte. , . . „ ... Er verwünschte innerlich seine Feigheit, und wollte muthig dem Gutsherrn seine Liebe zu Gietele offen bekennen und deren Hand von ihm fordern, möge dann was immer geschehen. Allein kaum hatte er einige Worte gesprochen, da wandte ihm der Gutsherr verächtlich den Rücken und ging. Der junge Mann blieb wie vernichtet noch lange am selben Flecke. Sein Gesicht verzerrte sich schmerzlich, seine Hände ballten sich krampfhaft zusammen und Thränen des Zornes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.