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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 764 Vesterreichifche Wochenschrist Nr. 39 berger die Einladung Bismarck's, ihn zu besuchen. Die Unterredung betraf Maßregeln im Interesse der deutschen Operationen. Nach der Schlacht von Weißen bürg ließ Bismarck Bamberger ein zweites Mal rufen; ihm lag daran, eine Persönlichkeit empfohlen zu haben, welche ihm, respective dem Hauptquartier attachirt blieb und die nöthige Verbindung des Kanzlers mit der deutschen und ausländischen Presse bewirken sollte. Bamberger schien diese Aufgabe wichtig genug, um sich selbst für diese Arbeit anzubieten, und so kam es, daß er am 7. August 1870 mit dem Hauptquartier im Salonwagen Bismarck's nach Hamburg aufbrach. Bamberger blieb die ganze nächste Zeit im directen Gefolge Bismarck's bis zum 18. August, dem Tage der Schlacht von Gravelotte. Auf Wunsch des Kanzlers begleitete jetzt Bamberger den designirten deutschen Präfecten v. Nancy dorthin; später begab er sich auf schriftliche Aufforderung aus dem Hauptquartier nach Hagenau, woselbst Bamberger noch während der Belagerung von Straßburg das erste deutsche amtliche Blatt ins Leben rief. Ende September 1870 ging Bamberger von Hagenau fort, weil es ihm unter den dort eingetroffenen Bureaukraten zu eng und unbequem geworden war. Bamberger fuhr fort, sein Talent und seinen Einfluß in der Presse im Sinne des Kanzlers geltend zu machen und correspondirte eifrig mit dem Hauptquartier in Fer- : rieres. Schließlich wollte Bamberger wissen, ob er nach Versailles kommen solle. Bismarck, von Bücher hierüber befragt, äußerte, die Herkunft Bamberger's würde ihm ganz erwünscht sein, „da uns seine Localkenntniß in Paris, wenn wir erst drin sind, nützen kann. Auch kann er nach seiner Rückkehr in seinen Kreisen über Manches Aufklärung geben, was sich nicht gut schreiben läßt." Die Abreise Bamberger's aus Versailles nach Berlin, anfangs December 1870, erfolgte nach langen und eingehenden Verhandlungen mit Bismarck über diejenigen Punkte der Verträge mit den Südstaaten, namentlich mit Baiern, welche bei der nationalliberalen Partei auf Schwierigkeiten gestoßen waren. Bismarck wünschte, daß sich Bamberger nach Berlin begebe, um seine politischen Freunde aus allgemein politischen Erwägungen zur Nachgiebigkeit in diesen Punkten zu bewegen. — Nach der Rückkehr Bismarck's aus Frankreich verblieb derselbe mit Bamberger in freundlichem Verkehr und holte dessen Ansicht in einer Reihe von Fragen ein." Das Ende des Agitators. Der Antisemitenführer Dr. Böckel, der seine Agitationsreisen auch nach Wien ausgedehnt hatte, hat von seinen „Parteigenossen" den Laufpaß erhalten und ist ^aus der antisemitischen Reformpartei ausgetreten. Der „Franks. Ztg." wird aus Marburg darüber berichtet: In Langgöns bei Gießen ist am Sonntag der hessische „Bauernkönig" gestürzt worden. Der bedeutendste und fähigste Antisemit Dr. Otto Böckel ist von seinen einstigen Creaturen schmählich verrathen und vernichtet worden. Es war kein Begräbniß erster Classe, das dem einst Hochgefeierten hier von seinen „guten Freunden" bereitet worden ist. Die seit langer Zeit gegen ihn wühlende Clique hat am Sonntag auf der Generalversammlung des Mitteldeutschen Bauernvereins triumphirt. Dr. Böckel legte unter kurzen Worten in der Versammlung seinen Vorsitz nieder. Er mußte es tbun, denn er wäre andernfalls bei der Neuwahl durchgefall'en. Keine Stimme erhob sich zu seiner Vertheidigung. Dr. Böckel erhob sich dann noch einmal, und sichtlich erregt erklärte er seinen Austritt aus der antisemitischen Reformpartei und schloß mit einem energischen Abschiedsgruß: „Ich verlasse Euch aufs Nimmerwiedersehen". Spitzenreiter und die jubelnde Dorfgemeinde empfingen einst den ungekrönten Hessenkönig, die Ortschaften waren festlich geschmückt und seine Worte fanden den andächtigen Glauben des Evangeliums. Ein einsamer Mann, verließ jetzt der „Messias" das Dorf, lange bevor die Generalversammlung geschloffen war. Sofort nach seinem Scheidewort begab er sich eilends zur Bahn. — Das Ende eines Aqitators! .. ." Antisemitische Rohheiten. Die in Borkum erscheinende Badezeitung wimmelt im Annoncentheil von den pöbelhaften Angriffen auf die Juden. Die Nummer 75 vom 25. August d. I. enthält ein Gedicht: An die „Cobra" (ein Dampfer, der von Hamburg über Cuxhaven, Helgoland und Norderney nach Borkum fährt). Die letzten Strophen lauten: Glaubst Du, daß in Deinen Busen Sich einschmuggelt Cohn und Ruth Oder unter falscher Flagge Sonst ein gottverdammter Jud'?! Meinen Rath dann nimm und richte, Nicht nach Borkum Deinen Lauf, Bring' die Deutschen sicher über, Doch die Jüden, die versauf'!!! Zu der Nachricht von dem Selbstmorde eines jüdischen Berliner Albumfabrikanten bemerkt das Förster 'sche „Frei- Deutschland": „Gott, was for ä Unglück! Der arme Isidor!" Und diese Leute spielen sich als die Verfechter der „Moral" und der „guten Sitte" auf! Rudolf Schneider. Am 10. Juni, einem Sonntag, entstand im zweiten Kaffeehause im Prater dadurch ein Gedränge, daß die im Garten sitzenden Gäste wegen eines plötzlichen Regengusses massenhaft in den Saal drängten. Behufs Aufrechthaltung der Ordnung postirte sich der Cafetier Rudolf Schneider vor die Salonthüre und hier kam es zwischen ihm und einem der Andrängenden, dem Dentisten Ernst Liebl, der sich nicht entfernen wollte, zu einem seinerzeit vielbesprochenen Rencontre, bei welchem der Cafetier Liebl einen „Judenbuben" genannt haben soll. Ueber die von Letzterem eingebrachte Ehrenbeleidigungsklage fand vor dem Bezirksgerichte Leopoldstadt die Verhandlung statt. Mehrere Zeugen bestätigten den incriminirten Ausdruck. Der Richter, Rathssecretär Dr. Sedlaczek, erkannte, daß es sich im vorliegenden Falle um eine Beschimpfung handle und verurtheilte Herrn Schneider zu einer Geldstrafe von 30 Gulden. Hutmacher Müllerin Wien,!X Währingerstraße 12* Aus Bistritz a. H. wird uns unter den 24. September 1894 gemeldet: Vergangene Woche ist mir in Wien folgende interessante „Wohnungsfrage" von einer hievon selbst Betroffenen, nämlich meiner Anverwandten,Frau Cäcilie Freund, I., Zelinkagasse 12, erzählt worden. Diese Frau sucht nämlich zum Novembertermin eine ihr convenirende Wohnung und fand eine solche in dem Hause des Hutmachers Müller in der Währingerstraße 12. Der Hausherr beschied die Wohnungsucherin in seinen Berkaufsladen und nachdem beide bezüglich der Conditionen einig geworden waren und Herr Müller sich die gegenwärtige Adresse der Dame notirt hatte, wollte sie die Wohnung beangaben. Aber Herr Müller stellte noch die Gewissensfrage: „Entschuldigen Sie, liebe Frau, wenn ich mir noch die Frage erlaube, sind Sie vielleicht Israelitin?" Auf die bejahende Antwort der Frau erhielt dieselbe vom Herrn Hutmacher achselzuckend die Auskunft: „Ja dann bedauere ich sehr, an Juden vergebe ich meine Wohnungen nicht." Es wäre meiner Meinung nach wohl am Platze, wenn Herr Müller, getreu seinem Principe, mit Juden nicht zu verkehren, über seiner Ladenthüre die Warnung anbringen ließe: „An Juden verkaufe ich meine Hüte nicht!" Was man in Wien erleben kann. Wien, 22. September 1894. An die P. T. Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien. Mit Ergebenen gestatte mir, Sie um Ausnahme dieser Zeilen in Ihrem geehrten Blatte freundlichst zu ersuchen, die zur Warnung unserer Mitmenschen dienen sollen durch die in Scene gesetzten Begebenheit. Am 19. d. Mts., 11 Uhr Vormittags, zur Zeit als ich die verlängerte Kärntnerstraße geschäftlich paffiren wollte, fuhr daselbst eine Hofequipage vor, die aller Passanten Aufmerksamkeit auf sich lenkte und auch ich, von der Neugierde beseelt, die hohe Persönlichkeit, Mitglied unseres Allerhöchsten Kaiserhauses, der Equipage zu entsteigen zu sehen, stehen blieb. Selbstredend war im Nu eine Menge von Passanten um den Hofwagen stehen geblieben. In diesem Momente drängte sich ein Bursche, der Oelfarbe mit nach Hause trug, in die Mitte der Passantenansammlung mit der Absicht, einem Jeden derselben ein Oeldenkzeichen an seinen Kleidern zurückzulaffen und diese mit dem fortwährenden Drängen zur Ausführung brachte. Selbstredend erhielt auch ich ein solches an meinem neuen Ueberzieher. Ich bemerkte dies bald und stellte den Burschen zur Rede, gleichzeitig ihm einem Sicherheitswachmanne zur weiteren Amts- Handlung zu übergeben, da drängten sich um mich einige von den Herren Fiakereigenthümern, die der Gemächlichkeit besonders gerühmt werden, von ihrem Standplatze, verlängerte Kärntnerk straße, wie Rudolf Guder, Nr. 354, III., Steingasse 26, wohn-

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