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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 Oestrrrrichifche Wochenschrift Seite 753 oft mehr Zinsen als jene. In dem Schriftchen: „Wie Wertheim evangelisch wurde", von Fritz Baumgarten (Nr. 8 der vom Verein für Resormationsgeschichte herausgegebenen „Schriften für das deutsche Volk") wird S. 50 f. erzählt: „In das Jahr 1527 scheint eine Verordnung zu gehören, welche gegen die Unsitte ankämpfte, bei fremden Juden Geld zu nehmen und ihnen die Pfandobjecte durch fremde Personen zuzuschicken, auch allen „Wucher bei Jüden und Christen zu nehmen und zu geben" verbot. Auch bestimmte eine vom Grafen Georg für die Mainfähre erlassene Ordnung, daß bei gewöhnlichem Wasserstand der einzelne Bürger ohne Fuhrwerk unentgeltlich überzuführen sek, ein Fremder sollte einen Pf. zahlen, „ein Jüde aber für seinen Fährlohn 6 Pf. entrichten." Ein jüdischer Oberst und sein jüdisches Regiment. Das „Freie Blatt" bringt in Nr. 124 aus polnischen Quellen authentisches Material über den jüdischen Obristen Bereck Josielowicz. Mit Genehmigung Koscziuskos erließ er im Jahre 1791 einen Aufruf zur Bildung eines jüdischen Reiter-Regiments. (Der Aufruf ist in der Biograpie Koscziuskos von Carl Falkenstein, Secretär der Dresdener Bibliothek, citirt.) Bei der Erstürmung Pragas, der Vorstadt Warschaus, durch Suwarow kam der größte Theil des Regiments um, Josielowicz rettete sich mit wenigen Ueb erleb enden zu der polnischen Legion Dombrowsky's und machte mit dieser später die Napoleonischen Feldzüge mit. Im Jahre 1809 fiel er in einem Treffen zu Kolp bei Serokomla (zwischen Siedlec und Lublin) an der Spitze seiner Leute. Bei der am 22. December 1809 in der „Gesellschaft der Warschauer Freunde der Wissenschaft" abgehaltenen Feier feierte Stanislaus Potocki das Gedächtniß Bereck's, der für das Vaterland in den Tod gegangen. Friedrich- August von Sachsen als Fürst von Warschau setzte unter Gegenzeichnung des Staatsseccetärs Stanislaus Breza 1810 Bereck's Witwe eine Pension von 1800 fl. ans. Unter Bereck hatte 1809 auch dessen Sohn Joseph Kerkowicz Josielowicz gefochten, der nochmals im Aufstande von 1830 seine Glaubensgenossen zum Kampfe für ihr Vaterland aufrief. Nach dem unglücklichen Ende des Kampfes siedelte er nach Frankreich und später nach England über, wo er in den Vierziger Jahren starb. Zum Andenken an den jüdischen Patrioten heißt eine Krakauer Gasse „Bereck Josielowicz-Gasse". Dies sind in gedrängten Zügen die Mittheilungen unserer Wiener Collegin, denen wir noch entnehmen, daß von Glaubensgenossen Bereck's unter Napoleon Hauptmann Notkiewicz, Major Casper Junghof mit den Militärkreuze virtuti militari ausgezeichnet, der Jägerhauptmann Mordche Rosenfeld und Andere sich hervorthaten. Judenreine Länder. Auf dem Bortcagscurs der (ultramontanen) Leo-Gesellschaft erklärte der Abgeordnete Lueger: „Wenn der Mörder Carnot's, wie ihn ein Wiener Judenblatt nennt, ein Mordbube ist, so sind die Anderen Mordscheusale, Mordmaschinen" .... Die altrömische Sclaverei muß ein Kinderspiel gegen die jetzige Mißhandlung der Arbeiter in Sicilien gewesen sein, und wenn Caserio aus der Mitte eines solchen Volkes entstand, so kann man Mitleid mit dem Verführten haben, nicht aber mit Jenen, welche die Ursache der jetzigen Gestaltung verschulden." Ei ei, Herr Lueger, Sicilien ist vollständig „judenrein", durchweg katholisch, sehr kirchlich. Und trotzdem solche Zustände! Da haben Sie sich aber verplappert, Herr Lueger. Jüdische Millionäre in Rustland. Der amtliche Bericht der 1893 gebildeten Bielaia Tzerkor Sanitäts-Commission besagt: Das Maximum an Erkrankungen und Todesfällen trat bei der jüdischen Bevölkerung ein, und das Gleiche scheint 1894 der Fall gewesen zu sein. Die amtirenden Aerzte sind der Meinung, daß als Hauptursachen der Epidemie in Bielaia Tzerkor und anderen Plätzen des südwestlichen Rußland, die überwiegend von Juden bewohnt sind, die Ueberfüllung der Wohnungen, die erstaunliche Armuth und die dürftige Nahrung zu betrachten sind. Zahlreiche jüdische Arbeiter kamen nach Bielaia Tzerkor, um auf den Eisenbahnbauten thätig zu sein; nach deren Beendigung stehen sie ohne Beschäftigung und Nahrung da und fallen als die ersten Opfer der Epidemie. ... Bei der Beschreibung der Verwüstungen, welche die Cholera in Bogopol, Balta Uyezd, Provinz Podolsk, angerichtet hat, sagt der Bericht: Die Mehrzahl der Opfer bestand aus Juden; bis jetzt hatten sie 227 Erkrankungen und 108 Todesfälle gegen 12, bezw. 8 bei den Christen. Als Hauptursachen sind ihre außerordentliche Armuth und die Ueberfüllung ihrer Wohnungen in Bogopol zu betrachten. Unlauterer Wettbewerb auf dem Gebiete der Presse soll, nach antisemitischer Auffassung, besonders den Juden eigen sein. Der Drucker, Verleger und Redacteur des christlich-socialantisemitischen „Kasseler Sonntagsblatt", F ö b u s, belehrt uns eines Anderen. In seiner Abonnementseinladung heißt es: „In dem gegenwärtigen Concurrenzkampf auch auf christlichem Gebiete bitten wir herzlich, nicht ab-, sondern zuzubestellen, denn nur Blätter, die die Wahrheit reden, haben wahren Werth vor Gott und den Menschen. Man sucht heute auch von sogenannter christlicher Seite mit viel Lug und Schwindel das zu erreichen, was man auf geradem Wege nicht erreichen kann. Preußen drängen sich in unserm (!) Hessenlande mit Macht hinein, wo sie eigentlich gar nichts zu suchen haben. Und dann wendet man alles nur Denkbare an, um für sich Leser zu gewinnen. Vor Lüge und Schwindel schreckt man nicht im geringsten zurück, und dann dankt man nachher Gott dem Herrn, der Alles so wohl gelingen ließ." Das ist ja eine recht erbauliche Schilderung, welche Herr Föbus hier von dem „Concurrenzkampf auf christlichem Gebiete" entwirft. Lüge und Schwindel, Dinge, die sonst mit Vorliebe der „Judenpreffe" zur Last gelegt werden, wirft der fromme Preußenfreffer fernen Berliner Gesinnungsgenossen vor. Wer hätte das gedacht?! Der Ritualmord vor dem Jnjurienrichter der Strafkammer in Danzig am 17. Sept. 1894. Am Morgen des 5. April schickte die Arbeiterfrau Herrmann in Berent ihr Töchterchen fort, um eine kleine Ziege zu verkaufen. Das Mädchen bot der jüdischen Schlächterfrau Werner das Thier zum K auf an. Auf die Ablehnung der Frau Werner entfernte sich die kleine Herrmann in Begleitung des Söhnchens der Frau Werner. Unterdessen hatte Frau Herrmann ihre Tochter vermißt und stellte Frau Werner, die sie bald darauf traf, energisch zur Rede. Sie schüttelte die Frau und rief laut: „Sie haben mein Kind eingesperrt, die Juden brauchen Blut, die Juden haben mein Kind zu Ostern geschlachtet." Es sammelte sich bald eine bedeutende Menschenmenge, welche Partei für Frau Herrmann ergriff. Eine Frau gab an, sie habe das Kind in das Werner'sche Haus hineingehen, aber nicht heraustreten sehen. Frau Herrmann lief nun zum Bürgermeister, um diesen um Hilfe zur Befreiung ihres Kindes zu bitten. Die Aufregung der Menge wuchs bedenklich und war schon aufs Höchste gestiegen, als das Kind, welches mittlerweile die Ziege einem jüdischen Handelsmanne verkauft hatte, zurückkehrte. Frau Herrmann wurde wegen groben Unfugs vom Schöffengericht zu Berent zu zwei Wochen Haft verurtheilt. Gegen dieses Urtheil hatte sowohl die'" Angeklagte als auch die Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Erstere entschuldigte ihr Gebühren mit ihrer Matterliebe und fand die Strafe zu hoch, die Letztere fand die Strafe für die Handlungsweise der Frau Herrmann, welche leicht bösere Folgen nach sich hätte ziehen können, zu niedrig. Der Staatsanwalt beanttagte, die Strafe auf vier Wochen zu erhöhen. Der Gerichtshof verwarf die eingelegte Berufung der Angeklagten und bestätigte die vom Bereuter Schöffengericht festgesetzte Strafe. Ludwig Bamberger. Ueber die Wirksamkeit Bamberger's vor und nach Ausbruch des Krieges von 1870 in Frankreich und seine Beziehungen zu Bismarck berichtet v. P o s ch in g er in der „Deutschen Revue": „Bor Ausbruch des Krieges mit Frankreich war Doctor Ludwig Bamberger zufällig in Paris, um auch die Wohnung, die er bis dahin daselbst noch immer besaß, aufzugeben. Bamberger telegraphirte — aus Umwegen —Delbrück und dem Gouverneur seiner Vaterstadt Mainz seine Pariser Eindrücke. Als Bismarck in Begleitung des Königs am 5. August 1870 in Mainz eintraf, um dort mit dem Hauptquartier bis zum 7. August zu verbleiben, erhielt B a m-

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