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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 752 Vrflrrretrtzisrtze MochenschrM Nr. 39 beschimpft und bedroht haben; insbesondere soll Carl Slama mit geballten Fäusten auf ihn zugegangen sein und ausgerufen haben: „Ich zerreiß Dich, wenn Du etwas aussagst." Der Letztgenannte gab nur zu, sich geäußert zu haben, Musil verdiene Ohrfeigen, Leopold Slama junior leugnete. lieber Befragen gab der Kläger an, daß er viele Jihre hindurch genöthigt worden sei, an den betrügerischen Manipulationen des verstorbenen Gemeinderathes Leopold Slama theilzunehmen, die Angeklagten, die diese Betrügereien fortsetzten, hätten nun befürchtet, daß er nach seinem Austritte dies oerrathen könne und aus diesem Grunde gedroht. Richter (Adjunct Dr. Hörn es): Was verstehen Sie unter diesen betrügerischen Manipulationen? — Kläger: Das war so, Herr Richter! Der verstorbene Gemeinderath Herr Slama hat immer schwere Goldketten punziren lasten und dann zu Hause in der Fabrik die punzirten Ringe an schwächere legirt, also minderwerthige Goldketten angefügt und so die Kunden betrogen. Dasselbe thun auch sein Herr Sohn und sein Onkel. Diese Angaben riefen Bewegung im Auditorium hervor, die beiden Angeklagten fanden jedoch kein Wort zu einer Einwendung. Auf den Oheim, der bereits vom Bezirksgerichte Rudolfsheim wegen einer solchen Veranlassung zu vier Tagen Arrests verurtheilt worden ist, schienen diese Enthüllungen nicht ohne Eindruck zu bleiben, denn er leistete Abbitte und erklärte sich zum Klagskostenersatze bereit. Da Dr. Ehrenth eil hierauf die Klage gegen Beide fallen ließ, beschloß der Richter die Einstellung des Strafverfahrens. Der Lehrmeister und Compagnon des Herrn Pfarrers Dr. Deckert in Weinhaus, Paulus Mayer, befindet sich seit mehreren Wochen im Leipziger Untersuchungsgefängnis, wohin er von Wien aus transportirt wurde. Er wird sich in Leipzig neben dem Verleger Rust und Dr. Wesendonck wegen Beleidigung des Herrn Pastor Bodelschwingh und mehrerer Diakonissinnen zu vertheidigen haben. Ein Ehreneommaudant der päpstlichen Nobelgarde. Florenz, 25. September. Großes Aufsehen erregt hier die Becurtheilung des Sprossen eines der hervorragendsten italienischen Adelshäuser, des Grafen Annibale Bentivoglio, zu zweiundeinhalbjährigem schweren Kerker wegen Veruntreuung ihm anvertrauter Gelder im Betrage von 16.000 Lire. Graf Bentivoglio, welcher als Führer der hiesigen clericalen Partei galt, war Ehrenkämmerer und Ehrencommandant der päpstlichen Nobelgarde. Nürnberg, 25. September. (Verurtheilung eines antisemitischen Agitators.) Die Strafkammer verurtheilte den antisemitischen Agitator und Broschürenschrciber Vetter spitz wegen Beleidigung mehrerer Beamten zu sechsmonatlichem Gefängnisse und verfügte dessen sofortige Verhaftung. Graz, 22. September 1894. (Ein Pfarrer als Mörder.) Aus der Ortschaft Morawica wird ein gräßliches Verbrechen gemeldet. Der orthodoxe Pfarrer B j o - r i c, ein dem Trünke ergebenes Individuum, war am 19. d. einer kleinen Ungezogenheit seines älteren Sohnes wegen derart in Aufregung gerathen, daß er denselben mit dem geladenen Gewehre in der Hand in den Hofraum verfolgte. Um den Vater zu besänftigen, warf sich der jüngere 14jährige Sohn dem Pfarrer zu Füßen und mit der flehentlichen Bitte: „Vater, Vater tödte nicht den Bruder!" umschlang er dessen Knie. Im Zorne feuerte nun Bjoric das Gewehr auf seinen jüngeren Sohn ab. Der Knabe blieb auf der Stelle tobt liegen. Grostwardein, am 22. September 1894. (Ein sauberer Professor.) Wie uns berichtet wird, wurde der Großwardeiner Realschulprofessor Johann K. seines Amtes enthoben und gegen ihn seitens des dortigen Schulinspectors Nattafalüsog die Disciplinaruntersuchung eingeleitet. Der sonderbare Pädagoge, der gleichzeitig auch die Jugendbibliothek der Großwardeiner Realschule verwaltete, lockte die Schüler ins Bibliothekszimmer und versuchte sie hier;u unsittlichen Handlungen zu verleiten, was ihm auch bei einigen Knaben gelang. Ein arischer Priester. Aus Mo rasch itz bei Hermanmestetz wird den „Pardubicke Noviny" geschrieben: „Schon vor längerer Zeit circulirten in unserer Gemeinde verschiedene Gerüchte über die Handlungsweise des Pfarrers P. K., und da diese Nachrichten durch die Nachforschungen der Gendarmerie und die theilweisen Geständnisse vieler Mädchen, dieden Herrn Pfarrer beiuchten, als Wahrheit sich herausstellten, verschwand der Herr Pfarrer plötzlich und an seine Stelle wurde ein Caplan aus dem nahen Hermanmestetz gesetzt. Wie man uns von vertrauenswürdiger Seite mittheilt, wird gegen den Pfarrer wegen unsittlichen Handlungen im Sinne des 8 128 St.-G. vorgeaangen werden. Wo sich der Pfarrer jetzt aufhält, ist nicht bekannt. Chemnitz, 15. September 1894. Das hiesige Landgericht verurtheilte den Volksschullehrer Karl Julius Kl itz sch aus Heiersdorf bei Burg st ädt zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Dieser „Erzieher" hat sich seit Jahren durch Verübung schwerer Sittlichkeitsverbrechen gegen die §§ 174 und 176 des Strafgesetzbuches fortgesetzt vergangen. Klitzs ch war antisemitischer Agitator, der mit Vorliebe gegen die „jüdische Unmoral" eiferte. Ein edler Israelit. „Der Pilger" in Nr. 19 vom 15. September 1894 meldet: Der Besitzer der Glasfabrik in Bürmoos, Herr Ignaz Glaser, hat als Israelit'für seine christkatholischen Arbeiter, welche aus Mangel an Zeit die weitgelegenen Kirchen Lamprechtshausen, St. Georgen oder Oberndorf nicht besuchen können, ein selten dagewesenes schönes Werk gethan. Er hat nämlich für diese Arbeiter eine sehr schöne Capelle erbauen und vollständig Herstellen lasten. Diese Capelle wurde am Sonntag den 2. September durch den hochw. Herrn Dechant Anton Keil eingeweiht, wobei derselbe eine die Anwesenden tief ergreifende Ansprache hielt. Zugleich wurde durch einen Herrn P. Franciscaner der heilige Kreuzweg für diese Capelle eingeweiht. Die katholischen Arbeiter sind ihrem Arbeitsgeber Herrn Ignaz Glaser für dieses gute und schöne Werk sehr dankbar und wünschen demselben recht viele Nachahmer. Erzbischof und Rabbiner. Vorigen Sonntag reiste der Erlauer Erzbischof Samassa nach Budapest und zufällig benützte den gleichen Zug auch der Erlauer Rabbiner Dr. Max Schwartz, der zu seiner Mutter auf Besuch reiste. In Füzes- Abony ging der Erzbischof auf dem Perron auf und ab; da bemerkte er unter dem Publicum den ihm bekannten Rabbiner, den der Kirchenfürst herzlich begrüßte und nach dem Ziele seiner Reise befragte. Nach der Antwort des Rabbiners, daß er seine Mutter in Kisvarda besuchen wolle, fragte er — wie ein Zeuge dieser interessanten Scene dem „Pester Lloyd" mitthmlt — auch seinerseits den Erzbischof, wohin ihn sein Weg führe. „Nach Budapest", erwiderte Se. Eminenz, „um zu schauen und zu schweigen." „....und um zu kämpfen", ergänzte der Rabbi, „zu kämpfen, obgleich die heutige Gesellschaft so sehr verderbt ist, daß sie nicht einmal glaubt, daß es noch selbstlose Menschen gibt." „Sie haben Recht", gab der Erzbischof zurück, „die Gesellschaft glaubt, daß jeder Mensch egoistisch ist und sich nur darum kümmert, wie und auf welche Weise er sich Jenen nähern kann, durch die er ein Ziel erreichen kann." „Jawohl; Ew. Eminenz sind die personisicirte Selbstlosigkeit und werden trotzdem immer angegriffen." „Kennen Ehrwürden nicht aus der Geschichte den Fall Scipio's, der, als er die Feste erobert hatte und auf deren Zinne gelangt war, von Hunden angebellt wurde?! So ist es beim Menschen; er kämpft und kämpft, und wenn er sein Ziel erreicht hat,.wird er verleumdet." „Ja. und doch ist es die Aufgabe des Menschen, zu kämpfen. Sehr richtig sagt ein deutscher Clastiker: Wenn Gott in der einen Hand die Wahrheit, in der anderen das Bestreben nach der Wahrheit halten und den Menschen fragen würde, nach welchem von Beiden er Verlangen trage, so würde der Mensch sicherlich das Bestreben wählen, denn wenn er die Wahrheit besitzt, so hat er weiter keine Mission mehr auf Erden." In diesem Augenblicke brauste der Eilzug in die Halle und der Erzbischof und der Rabbiner verabschiedeten sich herzlichst von einander. Vom „Judentvucher^. Oft haben wir darauf hingewiesen, daß man in früheren Jahrhunderten den Juden ungleich mehr Steuern auferlegte, als den Christen, was zur Folge hatte, daß die Judenmit den geringen Mitteln, die sie zum Gelderwerb hatten, mehr verdienen mußten, als die Christen. Da ihnen jedes redliche Handwerk und jeder Ackerbau verboten war, waren sie allein auf den Handel und Wucher beschränkt. Sie mußten weitaus mehr Steuern zahlen als die Christen, waren nie vor Extra-Eintreibungen sicher und nahmen daher

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