Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 39 (28.9.1894)
- Date
- 1894-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 39 Vrstrrreirhlfrhe »ochenfchrM Seite 751 anlage führen, elektrische Motoren arbeiten ununterbrochen, um den anlangenden Rohspiritus in die unterirdischen Lagerreservoirs abzuleiten und das Rectificat in die abzusendenden Waggons hineinzupumpen. Das Ganze bietet ein großartiges Bild moderner Fabriksthätigkeit und wurde die Fabrik auch von der hiesigen Jury mit der silbernen Staatsmedaille prämiirt. — Wie man uns mittheilt, hat sich Herr Emil von Mieses um die Versorgung von Waisenkindern besonders verdient gemacht, was wir hiemit gerne constatiren. Auf dem Congreß der aus Sibirien heim gekehrten Polen sah man einen Theilnehmer im langen Kaftan; es war ein Jude aus Sambor, der als politischer Gefangener jahrelang in Sibirien schmachtete und glücklich zucückgekehrt ist. Die jüdische Schächtmethode. Der „Berliner Börsencourier" vom 23. d. M. bringt nachfolgende Meldung, daß die königliche Militär- Conservenfabrik zu Spandau bei der Polizei die Erlaubnis nachgesucht hat, die jüdische Schächtmethode anzuwenden. Die polizeiliche Genehmigung ist nöthig. weil die Tödtung der Thiere durch Halsschnitt ohne vorherige Betäubung in dem Spandauer Schlachthof nur für das jüdische rituelle Schächten gestattet ist. In der Militär-Conservenfabrik zu M a i n z werden aus denselben Gründen, die in Spandau für die Neuerung maßgebend sind, nämlich aus Rücksicht auf die bessere Conservirung und Gesundheit des Fleisches, schon seither sämmtliche Thiere geschächtet. Was werden die Antisemiten zu dieser Gräuel sagen, auch Diejenigen, die die Maske von Thierschutzvereinlern tragen? Ein edler, humaner Gymnasialprofessor. Angesichts der betrübenden Vorgänge an der Wiener Hochschule theilt uns ein Freund unseres Blattes, Herr Alfred Zimmermann in Krukienice, einen Vorfall aus dem Gymnasium zu Sambor in Galizien mit, der Werth ist, weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Es war noch vor vier Jahren, als mein Sohn M. Z. das Samborer Gymnasium besuchte, er gerieth mit seinen auf derselben Bank sitzenden christlichen Collegen Namens M or a w s k i (Sohn des dortigen k. k. Staatsanwaltes) in Wortwechsel, welcher damit endete, daß letzterer meinen Sohn wegen seiner Religion verspottete und ihm das gewöhnliche „schäbiger Jude" zurief. Mein Sohn meldete sich sogleich zum Professor Petz old, der ihm auch unverzüglich um sein Begehren fragte. Als mein Sohn dem Professor Petzold die Beschwerde vorbrachte, sagte derselbe zum Angeklagten: „Komme hervor, Murawski! Du scheinst nicht zu wissen, daß die Juden einst ihre Könige hatten, so den Salamon, so den Saul, so den David, dessen Psalter wir täglich in den Kirchen singen hören, der Moses war ein großes Genie rc. rc., selbst der Heiland war Jude, die heilige Jungfrau Maria war auch Jüdin und alle Apostel waren Juden; gedenke daher Morawski! sobald du solche Dummheiten wiederholen und'die jüdischen Mitschüler Deiner Classe ihrer Religion wegen beschimpfen wirst — so wirst du der wohlverdienten Strafe nicht entgehen." Kein schöneres Wort ist in dergleichen Vorkommnissen durch einen Hüter der Civilisation, Erzieher und Leiter unserer studirenden Jugend öffentlich vor seinen Schülern gesprochen worden. Diese zündende Rede hat auf alle Schüler einen solchen tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht, daß derlei Aeußerungen nicht mehr vorkamen. Leider hat Oesterreich wenige solcher Professoren und Jugendbildner. Hätten wir deren mehr, es stünde besser um unser armes Oesterreich. ^Jüdische Arbeitsgeber.! Am 17. September starb in Aussee Herr Moritz Stransky. Die Leiche wurde nach Wien znr Beerdigung überführt. Die Arbeiter seiner Fabrik haben sich veranlaßt gesehen, an das Wiener Rabbinat folgendes Schreiben zu richten: Jägerndorf, 19. September. Am 17. d. M. verschied nach längerem Leiden in Aussee unser allverehrter Herr Chef Moritz Stränsky. Wir Arbeiter erblickten in ihm nicht nur den Chef, sondern auch unseren Vater, der so oft uns seine hilfreiche Hand lieh und so manche Thräne trocknete; obwohl andersgläubig, unterließ er es dennoch nicht, alljährlich am Weihnachtsabende uns mit namhaften Geldspenden zu unterstützen, und so wurde es uns auch ermöglicht, an diesem Abende im Kreise unserer Familien fröhliche Weihnachten zu feiern und dankbar seiner zu gedenken. Nun ist es uns aber nicht gegönnt, am Rande seines Grabes für alle diese Wohlthaten zu danken, und ersuchen Sie daher höflichst, bei Haltung der üblichen Leichenrede, diesem unserem allverehrten Herrn Chef und Vater ein von seinen Arbeitern gesandtes „Vergelt's Gott" und „Ruhe sanft" nachzurufen. Im Aufträge der Brünn er sowie Jägerndorf er Arbeiter seiner Fabriksfirma. HI o s ef Schaupal. Antisemiten als Arbeitsgeber. Zu den ständigen Kunden des Berliner Gewerbegerichts gehören die Eigenthümer und Drucker antisemitischer Zeitungen, also diejenigen Leute, die in der Theorie von „christlichem Lohn" dem „deutschen Arbeiter" nicht genug reden können. In der Praxis sieht das Ding aber etwas anders aus. Erst klagten die Setzer von Förste r's „Frei-Deutschland" um ihren wohlverdienten Lohn; der Termin mußte vertagt werden, weil keiner der Herren Druckereibesitzer der eigentliche Eigenthümer sein wollte. Also eine seine Schiebung. Jetzt ist verklagt die antisemitisch-agrarische „Deutsche Tageszeitung", die das schöne Motto: „Für deutsche Arbeit in Stadt und Land" am Kopse trägt. Auch hier versuchten die angeklagten Eigenthümer allerhand Winkelzüge, sie lehnten alle die Ehre ab, Arbeitgeber der Kläger zu sein. Nicht weniger als 7 Vergleichstermine standen am 11. d. Mts. gegen die Firma „Deutsche Tageszeitung" aus dem Terminzettel. Die Arbeiter glauben, jetzt den „richtigen" Arbeitgeber gefaßt zu haben. -v ^DeiH arische Vater und der jüdische Wucherer. Przemysl. Am 14. Sept. 1894 hat bei dem hierortigen städt. deleg. Bezirksgerichte nachstehende Verhandlung stallgefunden: Eltern, katholisch, ,,L an d l eu t e", klagten ihre Tochter und Schwiegersohn und beharrten fest darauf, daß die Letztgenannten eine schuldige Summe sofort mit „einemmale" berichtigen sollen. Die Belangten baten flehentlich die Eltern mögen die Erbringung des geforderten Betrages in monatlichen Theil- Zahlungen gewähren, worauf sich folgende Auseinandersetzung entspann: Klageanwalt Dr. Glanz (zu den Geklagten): Ihr seid doch gute Kinder, zahlet den Eltern den schuldigen Betrag aus „einmal" zurück. Angeklagte (Tochter): Ich war einem Juden Geld schuldig, als wir dem unsere Noth klagten und sagten, wir können Dir nicht gleich zahlen, hat er sich unser erbarmt, und Eltern sollen so rücksichtslos Vorgehen? Richter: Gebt ihnen den ganzen Betrag, damit sie sich eine Kuh kaufen können. Angeklagter: Herr Richter, es ist uns unmöglich auf einmal den „ganzen" Betrag zu decken. Richter: So werde ich Euch verurtheilen daß Ihr diesen ganzen Betrag binnen acht Tagen zahlen müßt. Angeklagte: Sehr gut, Herr Richter, „desto besser" für uns; die Eltern werden dann das Urtheil einem Juden verkaufen, der wird uns nicht zu Grunde richten, der wird bei uns die Forderung auch in den „kleinsten" Theilbeträgen annehmen. Richter: Hältst Du denn die Juden für besser, als Deine Eltern? Beide Angeklagten (einstimmig): O, hundertfach besser! Richter: Ihr gebt doch da den Juden ein großartiges Zeugniß. Angeklagte: Die reine Wahrheit. Dr. Glanz (zum Richter): Wenn die Antisemiten dies da hören könnten, was müßten die aus dieser ungekünstelten Aeußerung entnehmen? Kauft nur bei Christen. (An ti sem itische G o ldketten.) Der Sohn des vor drei Monaten verstorbenen antisemitischen Gemeinderathes Leopold Slam a, der Hausbesitzer und Goldwaaren-Fabrikant gleichen Namens, und dessen Oheim Carl Slam a, gleichfalls Goldwaaren-Erzeuger, standen gestern vor dem Bezirksgerichte Alsergrund unter der von Dr. Ehrentheil vertretenen Anklage der Ehrenbeleidigung. Laut Angabe des Privatklägers Franz Musil, welcher sechzehn Jahre hindurch bei Leopold Slama gerüor als Arbeiter thätig war, sollen ihn am 7. August die damals angeheiterten Angeklagten