Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 39 (28.9.1894)
- Date
- 1894-09-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 750 Vesterreichtfchr Wochenschrift Nr. 39 nr i r, um die heute m ü n d l i ch v o n m i r z u g e b e n d e Antwort z u v e r e i n b a r e n. Ich hoffe, Sie noch vor .8 Uhr bei mir zu begrüßen und zeichne Hochachtungsvoll Ihr ergebenster 11. Dec. 92. Dr. A. Geßmann." Im Anschlüsse an diese beiden Schreiben lassen wir eine Reihe von Correspondenzkarten, pneumatischen Karten und anderen Briefen folgen, die bekunden, mit welcher Hochachtung, Verehrung und Freundschaft Dr. Geßmann die Dienste Geider's fortgesetzt in Anspruch genommen hat. Die Briefe lauten: „19./2. 93. Sehr verehrter Herr Ingenieur! Ich bitte, die Abschrift der Coucordatsinterpellation ja gewiß mir morgen um 9 Uhr Früh gütigst in meine Wohnung zu bringen, da in der „Extrapost", wie ich soeben erfahre, dieselbe bereits angekündigt ist. In freundschaftlichster Hochachtung Ihr ergebenster Dr. A. G e ß m a u n." „Dienstag, d. 4./4. 93. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich erbitte mir für einen der nächsten Tage die E h r e I h r e s Besuches, womöglich um 2 Uhr Nachmittags. In freundschaftlicher Hochachtung ergebenst Dr. A. G e ß m a n n. Haben Sie vielleicht heute Abends 8 Uhr Zeit, in Decker's Gasthaus, Ullrichsplatz Nr. 2, zu kommen? Beste Empfehlungen von meiner Frau. In freundschaftlicher Hochachtung zeichnet sich ' Ihr ergebenster Dr. A. Geh m a n n." „6./4. 93. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Haben Sie die Güte, mich morgen Freitag statt um 7 Uhr um 6 Uhr Abends mit Ihrem Besuche zu beehren. In freundschaftlicher Hochachtung Ihr ergebenster Dr. dl. G e ß m a n n." Wir kommen nun zu einer anderen Serie von Briefen, unter denen der nachfolgende geradezu eine Perle ist: „Lieber Herr Ingenieur! Ich bitte Sie, möglichst prägnante T h a t s a ch e u u. unanfechtbare Ziffern ohne persönliche Angriffe in Ihrem gütigst zugesagten Expose zu geben. Das Persönliche bitte ich separat zu m Schlüsse z u s a m m e n z u f a s s e n, damit dasselbe vielleicht von Lueger behandelt werde. Den . . . . (Hier folgt die Bezeichnung einer sehr hohen Persönlichkeit. D. Red.) l a s s e u w i r w e g, ebenso den Finanzminister (damals Dr. Sreinbach. D. Red.), denn es würde dadurch nur Mang's und Kaans Position verbessert. Mit beßem Gruße Dr. Albert G e ß m a u n, k. k. Universitäts-Bibliotheks-Scriplor u. Reichsrathsabgeordneter der Stadt Wien. Wien, VII., Lerchenfelderstraße 33." Dieser Brief, bei welchem das Datum fehlt, gewährt einen überaus charakteristischen Einblick in die antisemitische Arbeitsmethode. Dr. Lueger bleibt das „Persönliche" Vorbehalten, Herrn Geßmann mithin das „Sachliche", und zwar in der Weise, daß er Alles wegläßt, was den von ihm augefallenen Persönlichkeiten zum Nutzen gereichen würde. Geider mußte von Vorneherein das Material so bringen, wie es dann Dr. Geßmann unter dem Schutze der Jntmunität gebrauchte. Nun noch einige weitere Briefe über die Ausdehnung der Beziehungen zwischen Geßmann und Gelder. „Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich bitte Sie recht sehr, gütigst allsogleich nach Erhalt dieser Karte unter M'Uiahme der auf den Fall M l z o ch bezugnehmenden Papiere und des betreffenden Artikels bei mir zu erscheinen, da eine lange Berichtigung eingelawen ist, die im morgigen Volksblatte gebracht werden muß. Mit bestem Gruße Ihr freundschaftlichst ergebener Dr. -Albelt G e ß m a n n, österr. Reichsrath, (Ohne Datum.) Wien, VII., Lerchenfelderstraße 33." „18/5 93. Sehr verehrter Herr Ingenieur! Ich bitte, mir gütigst dieJhneu letztlich übergebenen Drucksorten der Allianz und Stuttgarter Versicherungsgesellschaft zur Post übersenden zu wollen, ,n a ch d e in d a s b e t r e f f e n d e I n d i v i d u u m, das niir dieselben ins Haus gebracht, versichert, er bekäme seine dort deponirtenPapiere nicht zurück. Bei Herrn Z u l e g e r war ich bereits z w e i m a l, leider jedes Mal, ohne ihn zu treffen. Ich versuche heute wieder mein Glück. I n freundschaftlichster Hochachtung ergebenst Dr. A. G e ß m a n n." Am 1. Juni d. I. fand die Schlußverhandlung in der Affaire Kaiser-Pol l itzer statt, bei welcher der Charakter des Geider bereits genügend gekennzeichnet war, so zwar, daß der Vorsitzende des Gerichtshofes, Landesgerichtsrath Doctor Haller, die Ausführungen des Angeklagten Pollitzer über Geider in die Bemerkung zusammenfaßte: „Sie wollen also sagen, G eid er se i dasjenige, man was im gewöhnlichenLebeneinenRevolverjournalistennennt." Geider war damals bereits vollständig erkannt, was aber Dr. Geßmann nicht hinderte, mit ihm die Verbindung aufrecht zu erhalten. Er richtete nämlich an ihn an einem Tage zwei Briefe. Der erste lautete: „Abgeordnetenhaus, Wien, 23/6 1c 94. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich erlaube mir, Sie zu bitten, mir gütigst ehebaldigst die ungebundenen Nummern der bereits zu Beginn des vorigen Octobers en t l eh n t e u Revue (Bd. XVIII/1—38), w e Ldf) e schon lauge hätten gebunden werden sollen, s o w i e b e n C o mp a ß 1894 wegen der bevorstehenden Revision zurückznst e l l e n. In vorzüglich erHochach tun g und sieter Dienstesb e r e i t s ch a f t zeichnet sich Ihr ergebenster Dr. A. Geßmann." Noch bezeichnender ist folgender, auf eine Visitkarte gefchriebene Brief ohne Datumangabe, aber mit dem Poststempel vom 23. Juni d. I. und mit einem Couvert, das die Bezeichnung „Abgeordnetenhaus" trägt: „Dr. Albert Geßmann, k. k. Universitäts-Bibliotheks-Scriptor und Reichsrathsabgevrdneter der Stadt Wien. VII., Lerchenselderstraße 33. I ch b i tt e, m i ch a l l s o g le i ch z u b e s u ch e n. Höchst w i ch t i g u n d d r i n g e n d und das g e s a m m t e Phönix- Materiale gefälligst m i 1 z u b r i n g e n." Wir haben dieser Auslese nichts beizufügen. Ihr Inhalt spricht für sich selbst. Vom Jahrmarkt des Lebens. * Von der Lemberger Landesausstellung. Noch immer zehrt Lvmberg von den herrlichen Kaisertagen, noch immer werden interessante Einzelheiten von dem Kaiserbesuche besprochen. Herzerhebend war die Leutseligkeit Sr. Majestät gegenüber Handwerkern jüdischer Confession, die es durch Fleiß dazu gebracht haben, ihre Händearbeit als Musterstücke ausstellen zu können. So bemerkte der Kaiser einen Schreibtisch, den der Tischlermeister Herr Jacob Wallmann — ein Zögling der Bernstein'schen Stiftung — verfertigte und frug den danebenstehenden Tischlermeister Wallmann, ob dies sein Werk sei? Auf dessen Antwort, daß dieser Tisch seiner Hände Arbeit ist, drückte der Kaiser ihm seine höchste Zufriedenheit aus. — Von den Etablissements, welche die Aufmerksamkeit Sr. Majestät bei dessen Rundgang durch die Ausstellung erregten, haben wir bereits die Spiritusraffinerie, Rum-, Ligueur- und Essigfabrik I. Mikolasch' Nachfolger und Jacob Sprecher & Comp, in Lemberg erwähnt. Ein Theil ihrer Production besteht aus absolutem, das ist hundertpercentigem Alkohol, der in Galizien ausschließlich von der Sprecher'schen Fabrik erzeugt wird. Der Betrieb ist jedoch nicht auf die Erzeugung von hochgradigen Feinsp^it beschränkt, -sondern es wird der letztere auch zu feineren Rosoglios und Ligueuren verarbeitet, die sich bereits einen Weltruf erworben haben und weit über die Grenzen der Monarchie nach England, Amerika und Asien exportirt werden. In Folge des stetig wachsenden Absatzes ist die Fabrik ununterbrochen im Betriebe, Eigene Bahngeleise, die in das Innere der Fabriks-