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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 VrprrrriWfchr Wochrnfchrtfl Seite 749 die Unternehmungen oder deren Leitung schwer zu schädigen und öffentlich beschimpfen zu lassen. Jeder antisemitische Beamte ist ein Feind des Unternehmens, welches ihm die Existenz bietet, er ist ein Spion und Verräther und jeden Augenblick bereit, die Geschäftsgeheimnisse dem Meistbietenden zu verkaufen. Der Fall Gei der sollte unseren Instituten eine Mahnung und Lehre sein. Hinaus mit den antisemitischen Beamten, sie mögen sich ihr Brot in den Kreisen ihrer Gesinnungsgenossen suchen! Solange unsere Institute solche Schlangen an ihrem Busen nähren, werden sie sich immer und immer wieder gegen Erpressungsversuche zu wehren haben. Hausjuden der Autisemiten. Es ist ein Dogma der Antisemiten, daß jeder Jude ein Ausbund von Schlechtigkeit ist. „In der Rasse liegt die Schweinerei", und daß auch die Taufe nicht reinzuwaschen vermag, beweisen ihre Angriffe auf den Erzbischof Kohn. Mit dem Worte „jüdisch" allein machen sie Alles verächtlich, was ihre Kreise zu stören vermag, und es gibt keine berühmte freisinnige Persönlichkeit in ganz Europa, die sie nicht zu einem Juden oder Abkömmling der Juden gestempelt hätten, um ihn wehrlos zu machen und zu verdächtigen. Aber der Proceß Geider hat bewiesen, daß auch die Antisemiten ihre Juden haben, die sie zu schonen und mit denen sie freundschaftlich zu verkehren wissen, wenn es ihr Vortheil verlangt. Allerdings sind diese Jllden ihrer vollkommen würdig. „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist." Ernst Vergani und Hermann Geider. Der antisemitische V e r g a n e w klopft sich stolz an die Brust. Er ist doch anders als Hermann Geider, er versteht das Metier besser, er ist schlauer und seine „Unternehmungen" mißlingen ihm nicht: „Wir bezweifeln, daß der Verwaltungsrath des „Oesterr. Phönix" seinem Director „Dr." James Klang dafür Dank wissen wird, daß er den gewesenen Herausgeber der „Kritischen Revue", Hermann Edgar Geider, dein Staatsanwalte überlieferte. — Es ist gewiß richtig, daß für Männer, wie Geider, die, wie sich nun heransstellt, fast ausschließlich von Erpressungen leben, es nur einen einzigen Ort gäbe, um die Habsucht derartiger Vampyre einzudämmen: dasCriminat! Wir erlauben uns dementgegen zu bemerken, daß das schlaue Manöver, welches Vergani mit der Südbahn durchgeführt hat, eine verteufelte Aehnlichkeit aufweist mit jenen „Geschäften", welche Hermann Geider allerdings etwas ungeschickter und plumper prakticirt hat. Auch gegen die Südbahn kam Herr Geßmann rechtzeitig mit einer Interpellation im Abgeordnetenhause. E'rn st Vergani läßt sich allerdings die Pauschalien und Schweiggelder in Jnseratenscheinen einwickeln. Er beschimpft die Gesellschaft, wenn er etwas von ihr erlangen will, und schweigt, wenn er seinen Zweck erreicht hat. E r n st V e r g a n i ist auch sein eigener „Gewehrs"- Mann! Geßrnann's Correspondenz mit Geider. (Veröffentlicht auf Grund von Originalbriefen.) In seinem Plaidoyer sagte der Vertreter Geider's: »Selbst seine engsten Parteigenossen, jene Männer aus dem hohen Rathe, deren Egeria er war, die um seine Freundschaft gebuhlt, denen er das Material zugetragen und die ihre Erfolge darin suchten, seine Reden herunterzulesen, sie, deren Opfer er war, und ihr Moniteur, waren die Ersten, die sich beeilten, ihm den Gnadenstoß zu geben, als das Schicksal sich gegen ihn entschied. Allerdings dort, wo Alles verhöhnt und verlästert wird, was den Menschen zum Menschen gesellt, mußte auch die Tugend der Dankbarkeit fehlen! Und so erging es ihm nach dem Dichterworte: Ihr laßt den Armen schuldig werden. Dann überlaßt Ihr ihn der Pein. Der Vertheidiger geht nun zur Sache über, indem er auf oberstgerichtliche Entscheidungen sich beruft, denen zufolge eine Erpressung nicht vorhanden ist. wenn die Bedrohung auf eine Leistung hinziekt, auf welche der Angreifer ein Recht hat. Ja, sogar der gute Glaube, ein Recht zu vertreten, schließe schon die Strasbarkeir aus. UeberdieS ist Geider nicht selbst zum „Phönix" gekommen, sondern von G l aub er und Graf, welche beim „Phönix" Geld verdienen wollten, ausgesucht worden. Der Letztgenannte hat mit der Person und dem Namen des Angeklagten ein Geschäft gemacht. Graf sagte den Direktoren des „Phönix," es sei der Wille der antisemitischen Abgeordnete n, daß Geider befriedigt werde. Warum klagt nun die Staatsanwaltschaft den Geider und nicht etwa die antisemitische Partei wegen Erpressung an? Graf durfte sich der vertrautesten Freundschaft der Antisemiten erfreuen. E r, ein Jude, erscheint als der Bert rauensmann der Antisemiten. Und da fällt mir ein — sagt der Vertheidiger — in welcher Beziehung der Antisemitismus zum Gerichtssaale steht. Der Entwicklungsgang der antisemitischen Bewegung ist mit Strafprvcessen gepflastert. Und dabei ist Eines interessant: Rohling hatte seinen Aaron Brimann, Deckert seinen Paulus Meyer. Nun versucht das „Deutsche Bolksblatt" und mit ihm die antisemitische Partei, Herrn Geider zu verleugnen. Diese Methode befolgten sie erst kürzlich, als es sich um den Fall des Pfarrers Scherzer handelte — allein diesmal werden die zwischen dem Reichsrathsabgeordneten Dr. Geßmann und dem Edgar Hermann Geider gewechselten überaus markanten Briefe die Herren Lügen strafen. Aus denselben geht mit aller Evidenz die regste Verbindung zwischen Geßmann und Geider hervor und es erscheint ferner auch die Person Dr. Lueger's in diesen Verkehr miteinbezogen und überdies sind andere antisemitische Größen direct als handelnde Personen zu Gunsten Geider's angeführt. Es ergibt sich auch aus dem Briefwechsel mit vollster Klarheit, daß Geßmann der beste und willigste Abnehmer des von Geider zusammengetragenen Materials war und daß er diesen Mann wiederholt einlud, ihm solches zu überbringen. Wir beginnen bei jener Serie der Briefe Geßmann's, welche erhärten, daß sich die Führer der antisemitischen Partei für G eider aufs Lebhafteste interessirten und mit ihm in Bezug auf seine Tbätigkeit einen förmlichen Feldzugsplan vereinbarten. Der zunächst folgende Brief wirft überaus interessante Streiflichter auf den Verkehr der Antisemiten untereinander, sowie mit Geider. Wer in diesem Brief mit dem Anfangsbuchstaben „B" bezeichnet ist, das kann man leicht errathen. Das Schreiben lautet: Hals, Post Passau, 29./8. 92. Sehr geehrter Herr Ingenieur! In augenblicklicher Erwiderung Ihres geschätzten Schreibens beehre ich mich Ihnen mitzutheilen. daß ich ganz d a m i t e inverstanden bin, das „Deutsche V o l k s b l a 11" i nt P a rteiinteresse vor irgend einer Conipromittiru n g i n Sachen des „Phönix" zu bewahren. Ich habe darüber schon vor einigen Tagen an Herrn Dr. Lueger geschrieben und sich dieser bereit erklärt, selbe rin der Angelegenheit zu i nter venire n. Ich schreibe daher neuerlich an ihn und ich bitte, ihn nächsten Mittwoch Nachmittags zwischen 4 und 6 Uhr in seiner Kanzlei III., Landstraße Hauptstraße Nr. 21 (nicht mehr Nr. 26) zu b e s u ch e n. Machen Sie ihn in möglichster Kürze mit dem ganzen Stande der Angelegenheit vertraut und er wird dann selbst und mit aller Entschiedenheit interveniren. V. imponirt es viel mehr, wenn Lueger gleichfalls in der Sache etwas thut, als wenn er mich allein hinter der Sache vermuthet. Auch fahre ich übermorgen Früh von hier weg und bringe eine Woche mit täglich wechselndem Aufenthalte im bavr. Hochgebirge und im Salzkammergute zu. lieber meinen Brief wird Dr. Lueger gewiß Alles bestens besorgen. Für Ihre beiden Briefe und die wiederholte Zusendung der Zeitungen besten Dunk, den ich auch Herrn Blatt mit der Entschulzu melden bitte, daß ich sein werthes Schreiben wegen factisch auch hier bestehender Arbeitsüberhäufung nicht beantwortet habe. Am 9. September bin ich in Wien und Bor mittags in der U n i v. - B i bNachmittags in meiner Wohnung zu treffen. Am 12. December 1892 fand im Abgeordnetenhaus die Debatte über die seitens der Regierung gegebene Antwort auf die Interpellation statt, welche Dr. Geßmann gegen den „Phönix" eingebracht hatte. Zu der langen Rede, die Abgeordneter Geßmann damals hielt, holte er sich bei Geider das nöthige Material, indem er an denselben schrieb: „Sehr verehrter Herr IngenieurI Durch einen Zufall bin ich heute Nachts in den Besitz des beiliegenden Actenstückes gelangt, welches der „Phönix" an die Abgeordneten in letzter Stunde aussandte, wobei ich und meine näheren Freunde natürlich leer ausgingen. Es ist der Gipfelpunkt der Frechheit und der Haupttrumps zum Schlüsse der „entlassene Beamte". Lesen Sie es gefälligst durch und kommen Sie allsoglei-ch zu

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