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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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u-;•. ■. r.«.- Nr. 38 VrprLMltzrPtzr MMtzrnfiMfl Seite 741 ihren Geist derart, daß ein heftiges Nervenfieber sie auf's Lager warf. Sie rang wochenlang mit dem Tode, und als sie endlich genas, zeigte sich, daß die überwundene Krankheit, solche Spuren in ihr zurückgelassen, daß selbst nähere Bekannte Mühe gehabt hätten, in dem bleichen, gebrochenen Weibe die einst so schöne Paierl zu erkennen. Diesem Umstande hatte sie es zu verdanken, daß ihre Peiniger in ihrer Härte und Wachsamkeit etwas nachließen, und so gelang es ihr, einen unbewachten Augenblick benützend, sich ihrer Haft durch Flucht zu entziehen, auf welcher sie indessen in Folge ihrer Schwäche auf der Landstraße leblos zusammensank und durch den Mäkler gerettet wurde. Nosenheim war ganz gebrochen bei dem Anblicke seiner unglücklichen Tochter und that Alles, um sie wieder in den Besitz ihrer Gesundheit zu bringen und ihr Gemüth zu erheitern, aber es half nichts. Ihr Geist verfinsterte sich immer mehr, und da die Tobsuchtsanfälle sich in erschreckender Weise mehrten, machte es die Sicherheit nöthig, sie im Hintergebäude unter entsprechender Aufsicht zu halten. Später, als sie harmlos wurde, entfiel letztere. Rosenheim aber hatte das Unglück seiner Tochter derart gebeugt, daß er zu kränkeln begann und bald darauf starb. Vor feinem Tode mochte der streng religiöse Mann der höheren Bildung seiner Paierl den Ursprung ihres Unglücks beigemessen haben, denn er forderte seinen, inzwischen verheirateten Sohn auf, seine Kinder einfach und häuslich zu erziehen, gleichsam als wollte er sie durch paradiesische Unschuld vom Baume der Erkenntniß fern halten.-" Es war schon ziemlich spät, als ich mich nach Hause begab. Die Erzählung dieses Dramas hatte einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, und als ich endlich mein Lager aufsuchte und nach vielen Stunden den lange gesuchten Schlaf fand, durchlebte ich Alles wieder im Traume. II. An einem heißen Sommertage, es war um die Mittagszeit, wir saßen eben bei Tische, erschien der Gutsverwalter Bendelovitsch, um meinem Principale eine wichtige Meldung zu erstatten. Bor seinem Weggehen machte er nebenbei die Bemerkung, daß ihm sein Sohn die baldige Ankunft gemeldet und daß auch Herr von Bokovski sich entschlossen habe, auch diesmal seine Ferien in Benevice als sein Gast zu verbringen. Herr Rosenheim schien von dieser Nachricht äußerst vergnügt zu sein, denn er gab wiederholt seiner Freude Ausdruck, über den Besuch seines Verwalters. Während dieses Gespräches glaubte ich zu bemerken, daß Gietele mit steigender Aufmerksamkeit dasselbe verfolge, und als sie zufällig mein Blick traf, bedeckte eine helle Röthe ihre Wangen und sie wandte das Gesicht ab und beugte sich tief über den Teller, um ihre Aufregung zu verbergen. Wie ich später erfahren hatte, war es Bokovski, ein junger adeliger Pole, dessen Ankunft hier so viel Freude hervorrief. Der Sohn des Gutsverwalters nämlich studirte in Wien die Technik und machte daselbst die Bekanntschaft desselben. Später verband eine innige Freundschaft die beiden jungen Leute, die dasselbe Ziel verfolgten. Bokovski war eine höchst sympathische Erscheinung von äußerst einnehmenden Gesichtszügen und guten Manieren. Er hatte etwas an sich, das ihm unwillkürlich alle Herzen zuzog. Früh verwaist, schien er in bescheidenen Verhältnissen erzogen worden zu sein. Dem Wunsche seiner Verwandten folgend, hatte er sich auf der Hochschule für Bodencultur ausgebildet, um die Verwaltung der Güter eines hohen Aristokraten zu übernehmen. Nach einer kurzen Thätigkeit wandte er sich der Technik zu, für die er eine besondere Vorliebe faßte und oblag nun seinen Studien am Wiener Polytechnikum. In Benevice war er, trotzdem er erst zweimal daselbst seine Ferien verbracht hatte, durch seine Liebenswürdigkeit, sowie durch seine besonderen Fachkenntnisse in der Oekonomie allgemein bekannt und bewundert. Er hatte seinem Gastherrn, dem Verwalter, der noch einer aus der alten Schule war, so manche nützliche Winke in dessen Fach gegeben, die überraschende Resultate erzielt hatten. Einst hatte der Verwalter dem Gutsherrn vorgeschlagen, ein großes Stück Feld mit Zuckerrüben versuchsweise anzubauen. Derselbe wollte anfangs nichts davon wissen, indem er meinte, daß der Grund der ganzen Gegend für Zuckerrüben nicht geeignet sei, und wies aus den Schaden hin, den ihm ein Mrßrathen bringen könne. Allein der Verwalter führte ihm die großen Vonheile vor Augen, die ihm ein Gelingen bei der steten Steigerung der Zuckerpreise bringen könne und es gelang ihm, ihn für fernen Plan zu gewinnen. Der Erfolg war ein überraschender. Der Verwalter konnte es dann nicht unterlassen, dem hocherfreuten Gutsherrn zu gestehen, daß dieser Plan nicht sein eigener gewesen, sondern von dem Freunde seines Sohnes, der ebenfalls Student sei und bei ihm als Gast weile. Der Gutsherr ließ sich den jungen Mann vorstellen und es gelang demselben, bei dieser Gelegenheit Herrn Rosenheim zur Andauung größerer Grundcomplexe mit Zuckerrübeil zu bewegen. Als auch nachher ein günstiges Resultat erzielt ward, verstand es der junge Mann, in ihm den Plan zur Erbauung einer Zuckerfabrik anzuregen, indem er auf die Vortheile hinwies, die ein solches tndustrielles Unternehmen für ihn und das Dorf im Gefolge haben könne. Der Gutsherr folgte seinen erprobten Rath, und im Dorfe erhob sich bereits der mächtige Bau der Zuckerfabrik, die in dem Herzen Rofenheim's so viele schöne Hoffnungen weckte. Kein Wunder, daß er so hoch erfreut war, als er von der Ankunft des ihm so lieb gewordenen jungen Mannes erfuhr. Er hatte denselben schon früher dringend eingeladen, im Schlosse Wohnung zu nehmen, doch der junge Mann lehnte dies zwar höflich aber fest ab, indem er hmwies, daß er den Verwalter, der immer freundlich gegen ihm sei, nicht zurücksetzen wolle. Der Gutsherr würdigte diese Gründe und war bemüht, so oft sich nur eine Gelegenheit bot, ihn zu Tische zu laden und in seine Familie als Freund einzuführen. Bokovski lernte, je öfter er nach Benevice wiederkehrte, desto mehr den Werth Gieteles kennen, deren natürlichen Geist, liebenswürdige Anmuth und bescheidene Einfachheit bewundern. Seit der Ankunft des jungen Polen in Benevice ging eine auffallende Veränderung mit Gietelen vor. Sie war zerstreut und unaufmerksam bei dem Unterricht, gab verkehrte Antworten, und schien befriedigt zu fein, wenn ich die Unterrichtsstunde für beendigt erklärte. Ja, oft bat sie mich, sie vom Unterrichte zu dispensiren, ihrem Vater aber nichts davon zu erwähnen. Ich konnte mir dieses Alles nicht gut erklären, hatte aber dennoch den Muth nicht, ihr zu widersprechen. Dabei. war sie stets bei ausgezeichneter Laune, wie ich eS früher bei ihr nie bemerkt hatte; ihr schönes Gesicht strahlte und ihre Züge zeigten schalkhaften Muth willen und lachende Heiterkeit. Das ganze Gebühren Gieteles konnte ich mir damals nicht deuten; ich war ja so jung undunerfahren. Später, freilich ein wenig zu spät, hatte ich dies alles begriffen. Das holde Mädchen war nämlich voll Bewunderung für den schönen, jungen Polen. Ein unbeschreibliches Gefühl, es war die mächtige, erste Liebe, welche sie unwiderstehlich hinzog zu ihm. So trug Gietele, mehr als ein Jahr, solche Empfindungen mit sich herum, die beklemmende Pein ihrem Herzen verursachten. Vergeblich bemühte sie sich, diese Neigung in ihrem Herzen zu tödten, vergeblich hielt sie sich den Schmerz vor Augen, den sie mit dieser unseligen Leidenschaft ihren Vater bereiten könne; jeder Kampf war umsonst. Die Liebe senkte sich im,ner tiefer in ihr Herz und sie fühlte sich glücklich und stolz zugleich, von einem solchen Manne geliebt zu werden. Aber je mehr die jungen Leute ihre Liebe geheim halten mußten, umsomehr gestaltete sie sich zur Leidenschaft, die sie nicht mehr im Stande waren, zu beherrschen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Kalender fü? Israeliten. Soeben erschien der von der „Oesterr.-Israel. Union" in Wien pro 5655 herausgegebene Kalender. Derselbe zeichnet sich durch gediegenen Inhalt aus. Wieder findet sich ein vollständiges Berzeichniß der auf dem Gebiete des öffentlichen und privaten Gemeindelebens in der Wiener israel. Cultusgemeinde bestehenden Anstalten und deren Vertreter, selbstverständlich sammt notwendigen Ergänzungen und Veränderungen in Personal- und anderen Angelegenheiten. In

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